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Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz fördern – Definition, Pflichten & Maßnahmen

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Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz fördern – Definition, Pflichten & Maßnahmen

Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu fördern ist keine freiwillige Kür, sondern gesetzliche Pflicht: Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) schreibt die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen ausdrücklich vor. Psychische Erkrankungen sind laut DAK-Gesundheitsreport 2024 eine der häufigsten Ursachen für Langzeitausfälle in Deutschland und kosten Unternehmen jährlich Milliarden. Wirksame Prävention kombiniert strukturelle BGM-Maßnahmen, eine offene Führungskultur und – oft unterschätzt – bereits passgenaues Recruiting.

Was bedeutet psychische Gesundheit am Arbeitsplatz?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert psychische Gesundheit als einen Zustand des Wohlbefindens, in dem eine Person ihre eigenen Fähigkeiten ausschöpfen, mit den normalen Belastungen des Lebens umgehen, produktiv arbeiten und einen Beitrag für ihre Gemeinschaft leisten kann. Am Arbeitsplatz bedeutet das konkret: Mitarbeiter:innen können ihre Aufgaben konzentriert und motiviert erfüllen, ohne dauerhaft unter schädlichem Stress zu leiden.

Ein wichtiger Unterschied, den HR-Verantwortliche kennen sollten: Psychische Belastung (neutral) bezeichnet alle äußeren Einflüsse, die auf eine Person einwirken – etwa Zeitdruck, Lärm oder Rollenkonflikte. Psychische Beanspruchung ist die individuelle Reaktion darauf, die je nach Person sehr unterschiedlich ausfallen kann. Belastung ist also nicht per se negativ; erst eine dauerhaft zu hohe Beanspruchung wird zum Gesundheitsrisiko.

Rechtliche Pflicht: Was das Arbeitsschutzgesetz vorschreibt

Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen nach ArbSchG §5

Seit der gesetzlichen Klarstellung durch die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) im Jahr 2013 steht fest: Die Verpflichtung zur Gefährdungsbeurteilung nach §5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) umfasst ausdrücklich auch psychische Belastungen – nicht nur physische Risiken wie Lärm oder Unfallgefahr. Als Arbeitgeber:in bist du verpflichtet, Gefährdungen systematisch zu ermitteln, zu bewerten und geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten.

Was Arbeitgeber:innen konkret tun müssen

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) empfiehlt einen strukturierten Prozess in fünf Schritten:

  1. Ermittlung: Welche psychischen Belastungsfaktoren gibt es? (z.B. Arbeitsintensität, Handlungsspielraum, soziale Beziehungen, Arbeitsumgebung)
  2. Bewertung: Wie stark wirken diese auf die Mitarbeiter:innen ein?
  3. Maßnahmen ableiten: Was lässt sich verändern – organisatorisch, technisch, sozial?
  4. Maßnahmen umsetzen: Mit klaren Zuständigkeiten und Fristen
  5. Wirksamkeit prüfen: Wurden die Belastungen tatsächlich reduziert?

Verstöße gegen die Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung können Bußgelder nach sich ziehen und im Schadensfall Haftungsrisiken für Arbeitgeber:innen begründen. Weitergehende BGM-Maßnahmen – wie Stressbewältigungskurse oder Employee Assistance Programs – sind hingegen freiwillig, aber aus wirtschaftlicher Perspektive klar empfehlenswert.

Häufige Ursachen psychischer Belastungen im Unternehmen

Organisationale Faktoren

Die Arbeitswissenschaft unterscheidet mehrere Kategorien organisationaler Belastungsfaktoren:

Arbeitsinhalt und -organisation: Übermäßiger Zeitdruck, widersprüchliche Anforderungen (Rollenkonflikte), unklare Zuständigkeiten oder fehlende Handlungsspielräume gelten als besonders belastend. Auch emotionale Anforderungen – etwa in pflegenden Berufen oder im Kundenservice – zählen dazu.

Soziale Beziehungen: Schlechte Teamdynamik, fehlende Unterstützung durch Vorgesetzte oder Konflikte bis hin zu Mobbing wirken sich stark auf das psychische Wohlbefinden aus. Studien belegen, dass das Verhältnis zur direkten Führungskraft einer der stärksten Prädiktoren für Mitarbeiterzufriedenheit und psychische Gesundheit ist.

Arbeitsumgebung: Auch physische Rahmenbedingungen wie Lärm, Hitze oder unzureichende Ausstattung können psychisch belasten, insbesondere wenn sie dauerhaft bestehen und nicht veränderbar erscheinen.

Individuelle Faktoren und Passung

Neben organisationalen Faktoren spielt die individuelle Passung eine entscheidende Rolle. Wenn Stärken, Werte und Arbeitsweise einer Person nicht zu den Anforderungen der Stelle oder zur Teamkultur passen, entsteht Dauerstress – auch ohne objektiv überhöhte Arbeitsbelastung. Fehlbesetzungen sind damit ein struktureller, aber oft übersehener Treiber psychischer Belastungen am Arbeitsplatz. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Wirksame Maßnahmen zur psychischen Gesundheitsförderung

Strukturelle Maßnahmen: BGM, EAP und Arbeitsgestaltung

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) bezeichnet die systematische, strategische Gestaltung betrieblicher Prozesse zur Förderung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Wirksame BGM-Maßnahmen im Bereich psychische Gesundheit umfassen:

  • Stressbewältigungs- und Resilienztrainings
  • Achtsamkeitsprogramme (z.B. MBSR – Mindfulness-Based Stress Reduction)
  • Flexible Arbeitszeiten und Home-Office-Optionen zur besseren Vereinbarkeit
  • Klare Kommunikation über Rollen, Erwartungen und Entscheidungswege

Employee Assistance Programs (EAP) sind externe, für Mitarbeiter:innen kostenfreie und anonyme Beratungsangebote, die vom Arbeitgeber finanziert werden. Sie umfassen in der Regel psychologische Beratung, rechtliche Unterstützung und Finanzberatung – rund um die Uhr, vertraulich und ohne bürokratischen Aufwand. Die niedrige Hemmschwelle macht EAPs besonders wirksam: Die Nutzungsquoten liegen je nach Unternehmen bei 3–8 % der Belegschaft, die Kosten bei etwa 50–200 Euro pro Mitarbeiter:in und Jahr.

Führungskultur: Früh erkennen, offen ansprechen

Führungskräfte sind keine Therapeut:innen – aber sie spielen eine Schlüsselrolle in der Früherkennung psychischer Belastungen. Warnzeichen sind unter anderem häufige Kurzerkrankungen, zunehmender Rückzug aus dem Team, Konzentrationsprobleme oder plötzliche Leistungsveränderungen.

Die Aufgabe von Führungskräften ist es, solche Veränderungen anzusprechen – offen, wertfrei und mit echtem Interesse. Ein bewährter Ansatz: das "Wie geht es dir?" ernst meinen, ein vertrauliches Gespräch anbieten und bei Bedarf auf interne oder externe Unterstützungsangebote hinweisen. Führungskräftetrainings zu psychischer Gesundheit, Gesprächsführung und Stigmareduktion sind deshalb eine der wirksamsten Investitionen, die Unternehmen treffen können.

Darüber hinaus ist eine Unternehmenskultur entscheidend, in der psychische Gesundheit offen thematisiert werden kann – ohne Stigma oder Karrierenachteile. Das setzt voraus, dass das Thema auch auf Leitungsebene ernst genommen und sichtbar gemacht wird.

Prävention beginnt beim Recruiting

Ein häufig unterschätzter Hebel ist das Recruiting selbst. Fehlbesetzungen – also Situationen, in denen Stärken, Persönlichkeit oder Werte einer Person nicht zur Stelle und zur Teamkultur passen – sind eine der häufigsten Ursachen für chronische Belastungen am Arbeitsplatz. Der passende Job in der passenden Umgebung ist hingegen einer der stärksten Schutzfaktoren für psychische Gesundheit.

Die digitale Plattform Aivy setzt genau hier an: Als wissenschaftliche Ausgründung der Freien Universität Berlin bietet sie wissenschaftlich validierte Eignungsdiagnostik, mit der Stärken, Persönlichkeit und Cultural Fit objektiv erfasst werden – ohne Abhängigkeit vom Lebenslauf. So kann bereits im Bewerbungsprozess sichergestellt werden, dass Kandidat:innen wirklich zur Stelle und zum Team passen. Das reduziert nicht nur Fehlbesetzungen, sondern trägt langfristig zur psychischen Gesundheit der gesamten Belegschaft bei.

Häufige Fragen zur psychischen Gesundheitsförderung

Was versteht man unter psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz?

Die WHO definiert psychische Gesundheit als Zustand des Wohlbefindens, in dem Menschen ihre Fähigkeiten ausschöpfen, mit normalen Belastungen umgehen und produktiv arbeiten können. Am Arbeitsplatz bedeutet das: Mitarbeiter:innen erleben Sinnhaftigkeit in ihrer Arbeit, haben ausreichend Handlungsspielraum und fühlen sich sozial eingebunden – ohne dauerhaft unter schädlichem Stress zu stehen. Zentral ist die Unterscheidung zwischen psychischer Belastung (neutral, jede äußere Einwirkung) und psychischer Beanspruchung (individuelle Reaktion darauf).

Ist die Förderung psychischer Gesundheit für Arbeitgeber:innen Pflicht?

Ja, zumindest in Teilen. Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG §5) verpflichtet Arbeitgeber:innen zur Gefährdungsbeurteilung, die seit 2013 ausdrücklich auch psychische Belastungen umfasst. Das bedeutet: Du musst psychische Gefährdungen systematisch ermitteln, bewerten und Maßnahmen ableiten. Weitergehende BGM-Programme, EAPs oder Coaching-Angebote sind freiwillig – aber aus wirtschaftlicher Sicht klar empfehlenswert, da die WHO den ROI von BGM-Investitionen auf 4:1 schätzt (4 Euro Rückfluss je 1 Euro Investition).

Welche psychischen Erkrankungen sind am häufigsten am Arbeitsplatz?

Laut DAK-Gesundheitsreport 2024 machen psychische Erkrankungen rund 17 % aller Fehltage in Deutschland aus. Die häufigsten Diagnosen sind Depressionen (häufigste Ursache für Langzeiterkrankungen), Angststörungen und Anpassungsstörungen (z.B. nach Umstrukturierungen). Burnout ist keine eigenständige ICD-Diagnose, gilt aber als bedeutsamer Risikofaktor und Vorstufe zu klinischen Erkrankungen.

Welche Maßnahmen zur psychischen Gesundheitsförderung wirken wirklich?

Wissenschaftlich gut belegte Maßnahmen sind: Resilienz- und Stressbewältigungstrainings, Führungskräfteschulungen zur Früherkennung, flexible Arbeitszeitmodelle, klare Rollenklärung und Kommunikationsstrukturen sowie Employee Assistance Programs (EAP). Weniger wirksam, aber verbreitet sind Einzelmaßnahmen ohne strukturellen Kontext (z.B. einmalige Entspannungskurse ohne Kulturveränderung). Nachhaltige Wirkung entsteht nur, wenn Prävention auf mehreren Ebenen gleichzeitig stattfindet: Individuum, Team, Organisation und Führung.

Was ist ein Employee Assistance Program (EAP)?

Ein EAP ist ein externes, für Mitarbeiter:innen kostenfreies und anonymes Beratungsangebot, das vom Arbeitgeber finanziert wird. Es umfasst typischerweise psychologische Beratung, rechtliche Unterstützung und Finanzberatung – rund um die Uhr erreichbar, vertraulich und ohne bürokratischen Aufwand. Kosten für Arbeitgeber:innen: ca. 50–200 Euro pro Mitarbeiter:in und Jahr. Der große Vorteil liegt in der niedrigen Hemmschwelle: Mitarbeiter:innen holen sich Unterstützung, ohne interne Wege gehen zu müssen. Nutzungsquoten liegen je nach Unternehmen zwischen 3 und 8 % der Belegschaft.

Wie erkenne ich psychisch belastete Mitarbeiter:innen?

Häufige Warnsignale sind: auffällig viele Kurzerkrankungen (besonders Montags oder Freitags), sozialer Rückzug aus dem Team, steigende Fehlerquote, Konzentrationsprobleme oder Reizbarkeit. Wichtig: Führungskräfte sind keine Diagnostiker:innen und sollen das auch nicht sein. Ihre Aufgabe ist es, Veränderungen anzusprechen, ein vertrauliches Gesprächsangebot zu machen und bei Bedarf auf vorhandene Unterstützungsangebote (EAP, Betriebsärzt:in) hinzuweisen – nicht zu bewerten oder zu diagnostizieren.

Wie messe ich den Erfolg von BGM-Maßnahmen?

Geeignete KPIs sind: Rückgang des Krankenstands (Vorher-Nachher-Vergleich über 12–24 Monate), Ergebnisse aus regelmäßigen Mitarbeiterbefragungen (Stresslevel, Wohlbefinden, Engagement), Fluktuationsrate sowie die Inanspruchnahme von EAP-Angeboten. Für eine umfassende Bewertung empfiehlt sich eine Kombination aus objektiven Kennzahlen und anonymer Befragung. Die WHO schätzt den Return on Investment gut implementierter BGM-Programme auf durchschnittlich 4:1.

Fazit: Psychische Gesundheit fördern ist Führungsaufgabe – und Wettbewerbsvorteil

Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu fördern ist weit mehr als ein HR-Trend. Es ist eine gesetzliche Pflicht (ArbSchG §5), eine wirtschaftliche Notwendigkeit und zunehmend ein entscheidender Faktor für Employer Branding und Mitarbeiterbindung. Unternehmen, die strukturiert vorgehen – von der Gefährdungsbeurteilung über Führungskräftetraining und EAPs bis hin zu passgenauen Besetzungsentscheidungen – investieren nicht nur in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter:innen, sondern auch in ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit.

Der erste Schritt: die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen systematisch und dokumentiert durchführen, wenn noch nicht geschehen. Der zweite Schritt: Kultur und Führung so gestalten, dass das Thema offen besprochen werden kann. Alles andere baut darauf auf.

Du möchtest bereits beim Recruiting sicherstellen, dass Kandidat:innen wirklich zur Stelle und zum Team passen – und damit einem der häufigsten Stressfaktoren präventiv entgegenwirken? Erfahre mehr darüber, wie die digitale Plattform Aivy wissenschaftlich fundierte Eignungsdiagnostik für objektiveres, stressreduzierendes Recruiting ermöglicht.

Quellen

Florian Dyballa

CEO, Co-Founder

Über Florian

  • Gründer & CEO von Aivy – entwickelt innovative Wege der Personaldiagnostik und zählt zu den Top 10 HR-Tech-Gründern Deutschlands (Business Punk)
  • Über 500.000 digitale Eignungstests erfolgreich im Einsatz bei mehr als 100 Unternehmen wie Lufthansa, Würth und Hermes
  • Dreifach mit dem HR Innovation Award ausgezeichnet und regelmäßig in führenden Wirtschaftsmedien präsent (WirtschaftsWoche, Handelsblatt und FAZ)
  • Verbindet als Wirtschaftspsychologe und Digital-Experte fundierte Tests mit KI für faire Chancen in der Personalauswahl
  • Teilt Expertise als gefragter Vordenker der HR-Tech-Branche – in Podcasts, Medien und auf wichtigen Branchenveranstaltungen
  • Gestaltet aktiv die Zukunft der Arbeitswelt – durch die Verbindung von Wissenschaft und Technologie für bessere und gerechtere Personalentscheidungen
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