Das GROW Modell ist ein strukturiertes Coaching-Framework, das Gespräche in vier Phasen gliedert: Goal (Ziel), Reality (Ist-Situation), Options (Optionen) und Will (Aktionsplan). Es wurde in den 1980er Jahren von Sir John Whitmore entwickelt und zählt heute zu den meistgenutzten Coaching-Methoden weltweit. HR-Verantwortliche und Führungskräfte setzen es besonders in Mitarbeitergesprächen, Entwicklungsdialogen und Performance Reviews ein.
Was ist das GROW Modell?
Das GROW Modell ist ein Coaching-Framework, das Gespräche zwischen Führungskraft und Mitarbeiter:in in vier klar definierte Phasen strukturiert. Der Name ist ein Akronym: Goal, Reality, Options und Will – auf Deutsch: Ziel, Ist-Situation, Optionen und Wille bzw. Aktionsplan.
Entwickelt wurde das Modell in den 1980er Jahren vom britischen Unternehmensberater Sir John Whitmore, der es in seinem Standardwerk Coaching for Performance (erstmals 1992 erschienen) beschrieb und popularisierte. Whitmore arbeitete dabei eng mit Graham Alexander und Alan Fine zusammen. Das Modell basiert auf dem Grundsatz, dass Menschen ihre besten Lösungen selbst entwickeln – wenn sie durch die richtigen Fragen dabei unterstützt werden. Die Aufgabe des Coaches oder der Führungskraft ist es deshalb nicht, Antworten zu geben, sondern durch gezieltes Fragen Denk- und Entwicklungsprozesse anzustoßen.
Das GROW Modell ist bewusst einfach gehalten und erfordert keine spezielle Ausbildung als Coach. Es ist dadurch für Führungskräfte und HR-Verantwortliche direkt anwendbar – sowohl in formellen Entwicklungsgesprächen als auch in kurzen, informellen Coaching-Momenten im Arbeitsalltag.
Die 4 Phasen des GROW Modells im Detail
G – Goal: Das Ziel definieren
Die erste Phase legt den Fokus des Gesprächs fest. Ziel ist es, gemeinsam zu klären, was die Person am Ende des Gesprächs oder mittel- bis langfristig erreichen möchte. Dabei geht es nicht nur um Arbeitsziele, sondern auch um persönliche Entwicklungsziele oder konkrete Herausforderungen.
Wichtig ist, dass das Ziel von der Person selbst formuliert wird – nicht von der Führungskraft vorgegeben. Nur so entsteht echte Motivation und Verbindlichkeit.
Typische Fragen in der Goal-Phase:
- Was möchtest du mit diesem Gespräch erreichen?
- Wie sieht Erfolg für dich in sechs Monaten aus?
- Was ist dir bei diesem Thema am wichtigsten?
- Woran würdest du erkennen, dass du dein Ziel erreicht hast?
R – Reality: Die Ist-Situation ehrlich analysieren
In der zweiten Phase geht es darum, den aktuellen Stand realistisch und ohne Beschönigung zu betrachten. Was ist die tatsächliche Situation? Welche Faktoren beeinflussen sie? Was hat die Person bisher versucht – und was hat funktioniert oder nicht?
Diese Phase ist entscheidend für den Gesprächserfolg: Nur wer die Ausgangssituation klar versteht, kann sinnvolle Optionen entwickeln. Für Führungskräfte bedeutet das, echtes Interesse zu zeigen und aktiv zuzuhören – nicht zu bewerten oder voreilig Lösungen anzubieten.
Eine valide Grundlage für diese Phase können auch objektive Daten liefern: Unternehmen, die wissenschaftlich fundierte Kompetenzanalysen einsetzen, geben Mitarbeitenden und Führungskräften eine gemeinsame, neutrale Gesprächsbasis – jenseits subjektiver Eindrücke. Die digitale Plattform Aivy ermöglicht genau das: Sie liefert auf Basis validierter psychometrischer Verfahren (entwickelt in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Berlin) objektive Stärken- und Kompetenzprofile, die als Ausgangspunkt für die Reality-Phase eines GROW-Gesprächs genutzt werden können.
Typische Fragen in der Reality-Phase:
- Wie würdest du die aktuelle Situation beschreiben?
- Was funktioniert bereits gut – und was nicht?
- Was hast du bisher versucht?
- Welche Faktoren liegen in deiner Kontrolle?
O – Options: Möglichkeiten entwickeln
In der dritten Phase entwickelt die Person – unterstützt durch Fragen – möglichst viele Optionen, wie sie ihr Ziel erreichen könnte. Diese Phase lebt von Offenheit und Kreativität: Es geht nicht darum, sofort die „richtige" Lösung zu finden, sondern erst einmal den Lösungsraum zu erweitern.
Die Führungskraft kann in dieser Phase eigene Ideen einbringen – sollte das aber behutsam tun, damit die Person nicht in eine bestimmte Richtung gedrängt wird. Die Person selbst sollte den größten Teil der Optionen entwickeln.
Typische Fragen in der Options-Phase:
- Was sind mögliche Wege, um dieses Ziel zu erreichen?
- Was würdest du tun, wenn du keine Einschränkungen hättest?
- Was hat bei ähnlichen Situationen in der Vergangenheit geholfen?
- Welche Option erscheint dir am vielversprechendsten – und warum?
W – Will / Way Forward: Den Aktionsplan festlegen
Die vierte Phase überführt die Ergebnisse des Gesprächs in konkrete, verbindliche Handlungsschritte. Wer tut was bis wann? Welche Unterstützung wird benötigt? Wie wird der Fortschritt gemessen?
Diese Phase ist entscheidend für die Umsetzung: Ohne klaren Aktionsplan bleibt ein Entwicklungsgespräch eine gute Absicht – mehr nicht. Die Person sollte am Ende konkrete nächste Schritte benennen, zu denen sie sich selbst verpflichtet.
Typische Fragen in der Will-Phase:
- Was wirst du konkret als nächstes tun?
- Bis wann möchtest du das umsetzen?
- Welche Unterstützung brauchst du dafür?
- Woran wirst du erkennen, dass du auf dem richtigen Weg bist?
GROW Modell im HR-Kontext – Wann es sich besonders bewährt
Mitarbeitergespräch und Entwicklungsdialog
Das GROW Modell eignet sich hervorragend für strukturierte Mitarbeitergespräche, in denen es nicht um reine Leistungsbeurteilung, sondern um echte Entwicklung geht. Die vier Phasen helfen, das Gespräch fokussiert zu halten und Mitarbeitende aktiv einzubinden – anstatt nur Feedback von oben nach unten zu kommunizieren.
Performance Reviews
Auch im Rahmen von Performance Reviews bietet das Modell eine hilfreiche Struktur: In der Goal-Phase werden Ziele für die kommende Periode definiert, in der Reality-Phase wird die vergangene Periode ehrlich reflektiert, in der Options-Phase werden Entwicklungsmaßnahmen erarbeitet, und in der Will-Phase werden konkrete Vereinbarungen getroffen.
Onboarding-Coaching
Neue Mitarbeiter:innen profitieren ebenfalls vom GROW-Rahmen: Führungskräfte können es nutzen, um frühzeitig individuelle Ziele zu klären, Erwartungen abzugleichen und Unterstützungsbedarf zu identifizieren. Das stärkt das Onboarding-Erlebnis und fördert die langfristige Bindung.
Stärkenbasierte Führung und Teamanalysen
Einige Unternehmen nutzen das GROW Modell zudem als Rahmen für stärkenbasierte Führungsgespräche: Wenn Mitarbeitende ihre eigenen Stärken und Kompetenzen kennen, fällt es ihnen leichter, realistische Ziele zu formulieren und passende Entwicklungswege zu finden.
GROW Modell vs. andere Methoden
GROW vs. SMART
SMART (Specific, Measurable, Achievable, Relevant, Time-bound) ist kein Coaching-Framework, sondern eine Methode zur Zieldefinition. Die beiden Ansätze schließen sich nicht aus – im Gegenteil: SMART ist eine ideale Ergänzung für die Goal-Phase des GROW Modells. Wer in der ersten Phase ein SMART-Ziel formuliert, gibt dem gesamten Gespräch eine präzisere Richtung.
GROW vs. OKR
OKR (Objectives and Key Results) ist ein strategisches Zielsetzungsframework, das vor allem auf Unternehmens- und Teamebene eingesetzt wird. Das GROW Modell hingegen ist ein Gesprächsframework für individuelle Coaching-Situationen. Beide können parallel eingesetzt werden: OKR definiert die übergeordneten Ziele, GROW unterstützt dabei, Mitarbeitende auf dem Weg dorthin zu entwickeln.
Tipps für Führungskräfte – So gelingt das GROW-Gespräch
1. Fragen statt Antworten geben: Die größte Herausforderung für Führungskräfte ist es, Lösungen zurückzuhalten und stattdessen durch Fragen zu führen. Coaching-Haltung ist erlernbar – aber sie braucht Übung.
2. Aktiv zuhören: Das bedeutet mehr als schweigen: Zeige echtes Interesse, fasse Gesagtes zusammen, und frage nach, wenn etwas unklar ist. Mitarbeitende merken, ob ein Gespräch aufrichtig ist.
3. Zeit einplanen: Ein wirksames GROW-Gespräch braucht Raum – üblicherweise 45 bis 90 Minuten für ein vollständiges Entwicklungsgespräch, mindestens 20 bis 30 Minuten für einen fokussierten GROW-Check-in.
4. Die Phasen nicht überspringen: Gerade die Reality-Phase wird im Gesprächsalltag oft zu kurz gehalten. Wer zu schnell in Optionen springt, riskiert, an der tatsächlichen Situation vorbeizucoachen.
5. Verbindlichkeit herstellen: Das Gespräch endet erst dann wirklich, wenn konkrete nächste Schritte vereinbart wurden. Halte diese schriftlich fest und vereinbare einen Folgetermin.
Häufige Fragen zum GROW Modell
Was bedeutet GROW als Abkürzung?
GROW steht für die vier Phasen des Coaching-Frameworks: Goal (Ziel), Reality (Ist-Situation), Options (Optionen) und Will bzw. Way Forward (Aktionsplan). Jede Phase adressiert einen anderen Aspekt des Entwicklungsgesprächs – von der Zieldefinition bis zur verbindlichen Handlungsplanung.
Wer hat das GROW Modell entwickelt?
Das GROW Modell wurde von Sir John Whitmore, einem britischen Unternehmensberater und Coaching-Pioneer, in den 1980er Jahren entwickelt – in Zusammenarbeit mit Graham Alexander und Alan Fine. Whitmore beschrieb es erstmals in seinem Buch Coaching for Performance (1992, Nicholas Brealey Publishing), das bis heute als Standardwerk der Coaching-Literatur gilt.
Muss ich als Führungskraft ausgebildeter Coach sein, um GROW anzuwenden?
Nein. Das GROW Modell ist bewusst einfach und zugänglich gestaltet. Eine zertifizierte Coach-Ausbildung ist nicht notwendig, um es im Führungsalltag einzusetzen. Empfehlenswert ist jedoch, die grundlegende Coaching-Haltung zu verinnerlichen – also Fragen stellen statt Antworten geben – und das Modell zunächst in einem Führungskräftetraining oder in sicheren Gesprächssituationen zu üben.
Wie lange dauert ein GROW-Gespräch?
Das hängt vom Ziel und Kontext ab. Vollständige Entwicklungsgespräche dauern in der Regel zwischen 45 und 90 Minuten. Für kürzere Coaching-Impulse im Arbeitsalltag – etwa zur Reflexion eines konkreten Problems – reichen auch 20 bis 30 Minuten. Wichtiger als die Dauer ist eine echte Coaching-Haltung: aktives Zuhören und aufrichtiges Interesse.
Was ist der Unterschied zwischen GROW und SMART?
SMART ist eine Methode zur präzisen Zieldefinition (spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert). Das GROW Modell hingegen ist ein Gesprächsrahmen für den gesamten Coaching-Prozess. Die beiden Ansätze ergänzen sich ideal: SMART unterstützt dabei, in der Goal-Phase des GROW-Gesprächs ein klar formuliertes Ziel zu erarbeiten.
Für welche Situationen eignet sich das GROW Modell nicht?
Das GROW Modell ist kein Instrument für tiefgreifende persönliche Krisen, psychische Erkrankungen oder Konflikte, die professionelle psychologische Unterstützung erfordern. Es ist auch nicht geeignet, wenn klare Direktiven notwendig sind – etwa bei akuten Sicherheitsproblemen oder rechtlichen Vorgaben. In diesen Fällen braucht es andere Gesprächsformen oder externe Fachkräfte.
Fazit
Das GROW Modell ist eines der bewährtesten Coaching-Frameworks für HR-Verantwortliche und Führungskräfte. Seine Stärke liegt in seiner Einfachheit: Die vier Phasen Goal, Reality, Options und Will geben jedem Entwicklungsgespräch eine klare Struktur – ohne dass eine formale Coach-Ausbildung notwendig ist.
Besonders wirkungsvoll wird das Modell, wenn die Reality-Phase auf einer soliden, objektiven Grundlage aufbaut. Führungskräfte und Mitarbeitende, die gemeinsam auf valide Kompetenz- und Stärkendaten zurückgreifen können, führen fokussiertere und ehrlichere Entwicklungsgespräche. Die digitale Plattform Aivy bietet dafür wissenschaftlich fundierte Assessments, die auf Basis psychometrisch validierter Verfahren objektive Kompetenzprofile erstellen – als neutrale Grundlage für individuelle Entwicklungsdialoge.
Mehr zur objektiven Kompetenzanalyse als Grundlage für Entwicklungsgespräche: Aivy Plattform entdecken
Quellen
- Whitmore, J. (2009). Coaching for Performance: The Principles and Practice of Coaching and Leadership (4. Aufl.). Nicholas Brealey Publishing. https://www.nicholasbrealey.com/9781473658127/
- Grant, A. M. (2012). An integrated model of goal-focused coaching: An evidence-based framework for teaching and practice. International Coaching Psychology Review, 7(2), 146–165. https://www.researchgate.net/publication/285898019
- International Coaching Federation (ICF). (2023). Global Coaching Study 2023. https://coachingfederation.org/research/global-coaching-study
- Berg, I. K. & Szabo, P. (2005). Brief Coaching for Lasting Solutions. W. W. Norton & Company.
- Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP). (2022). Praxispapier: Führung und Coaching. https://www.dgfp.de/
Triff eine bessere Vorauswahl – noch vor dem Erstgespräch!
Aivy zeigt dir auf einen Blick, welche Kandidat:innen wirklich zur Rolle passen.




















