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Fachkräftemangel in der Lebensmittelindustrie – Ursachen, Berufe & Lösungen

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Fachkräftemangel in der Lebensmittelindustrie – Ursachen, Berufe & Lösungen

Die Lebensmittelindustrie zählt zu den am stärksten vom Fachkräftemangel betroffenen Branchen Deutschlands: Besonders in Produktion, Qualitätssicherung, Logistik und im Lebensmittelhandwerk fehlen qualifizierte Arbeitskräfte. Ursachen sind der demografische Wandel, die geringe Attraktivität von Schicht- und körperlicher Arbeit sowie starke Konkurrenz durch andere Industrien. HR-Verantwortliche können mit gezieltem Employer Branding, Ausbildungsoffensiven und modernen Recruiting-Methoden gegensteuern.

Was ist der Fachkräftemangel in der Lebensmittelindustrie?

Als Fachkräftemangel bezeichnet man eine Situation, in der über einen längeren Zeitraum mehr offene Stellen existieren als qualifizierte Bewerber:innen verfügbar sind – bezogen auf eine bestimmte Branche, Region oder Berufsgruppe. In der Lebensmittelindustrie hat sich dieser Mangel in den vergangenen Jahren strukturell verfestigt.

Die Ernährungsindustrie ist der viertgrößte Industriezweig Deutschlands. Laut Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) beschäftigt die Branche rund 630.000 Menschen in mehr als 6.000 Betrieben. Der Umsatz lag zuletzt bei über 200 Milliarden Euro jährlich. Trotz dieser wirtschaftlichen Bedeutung kämpft die Branche seit Jahren mit einem erheblichen Defizit an qualifizierten Arbeitskräften – sowohl in der industriellen Produktion als auch im Lebensmittelhandwerk.

Die Bundesagentur für Arbeit listet in ihrer regelmäßigen Engpassanalyse mehrere Berufe der Lebensmittelbranche als sogenannte Engpassberufe: Stellen, bei denen die Zahl der offenen Positionen die der verfügbaren Fachkräfte dauerhaft übersteigt.

Ursachen: Warum fehlen Fachkräfte in der Lebensmittelbranche?

Demografischer Wandel

Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer-Generation gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Gleichzeitig wachsen schwächere Jahrgänge nach. Für die Lebensmittelindustrie bedeutet das: Ein erheblicher Teil erfahrener Fachkräfte scheidet aus, ohne dass ausreichend Nachwuchs nachrückt. Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird sich dieser Effekt bis 2030 deutlich verstärken.

Image-Problem der Branche

Viele Berufe in der Lebensmittelproduktion sind mit körperlicher Belastung, Schicht- und Nachtarbeit sowie vergleichsweise niedrigeren Löhnen verbunden – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Das macht es schwer, Nachwuchs zu gewinnen. Berufe wie Bäcker:in oder Fleischer:in gelten trotz handwerklicher Qualifikationsanforderungen als wenig attraktiv, was zu rückläufigen Ausbildungszahlen führt.

Konkurrenz durch andere Industrien

HR-Verantwortliche in Lebensmittelunternehmen stehen im direkten Wettbewerb mit der Logistik-, Automotive- und IT-Branche – oft um dieselben Zielgruppen: Fachkräfte für Produktion, Technik, Qualitätsmanagement und Logistik. Diese Branchen bieten häufig attraktivere Vergütungsstrukturen und flexible Arbeitsmodelle.

Geringe Ausbildungszahlen

Die Zahl der Ausbildungsverträge in lebensmitteltechnischen und handwerklichen Berufen stagniert oder sinkt. Viele Jugendliche bevorzugen akademische Karrierewege. Gleichzeitig investieren kleine und mittelständische Lebensmittelbetriebe vergleichsweise wenig in Azubi-Marketing und Schulkooperationen – eine Lücke, die sich langfristig rächt.

Besonders betroffene Berufsfelder

Produktion und Lebensmitteltechnik

Fachkräfte für Lebensmitteltechnik sowie Lebensmitteltechnolog:innen und -ingenieur:innen sind laut Bundesagentur für Arbeit besonders gefragt. Diese Berufe erfordern ein Verständnis von Produktionsprozessen, Hygienestandards (HACCP) und Qualitätssicherung. Die Ausbildungs- und Studierendenzahlen wachsen nicht schnell genug, um den Bedarf zu decken.

Lebensmittelhandwerk: Bäcker:innen und Fleischer:innen

Im Lebensmittelhandwerk ist der Mangel besonders spürbar. Für Bäcker:innen und Fleischer:innen melden Innungen und Arbeitgeberverbände seit Jahren erhebliche Besetzungsprobleme. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bestätigt in seinem Fachkräftereport, dass Handwerksberufe im Lebensmittelbereich zu den am schwierigsten zu besetzenden Positionen gehören.

Qualitätsmanagement und Laborberufe

Qualitätsmanager:innen, Lebensmittelchemiker:innen und Laborant:innen werden in Produktions- und Forschungsabteilungen dringend gesucht. Diese Positionen erfordern spezifische Ausbildungen oder Studienabschlüsse – und sind entsprechend schwer zu besetzen.

Logistik und Supply Chain

Die Lebensmittellogistik ist mit besonderen Anforderungen verbunden: Kühlkettenpflicht, enge Zeitfenster, Hygienevorschriften. Auch hier übersteigt die Nachfrage nach qualifiziertem Personal das Angebot deutlich – ein Problem, das sich durch den E-Commerce-Boom im Lebensmittelbereich zusätzlich verschärft.

Lösungsansätze für HR-Verantwortliche

Employer Branding und Arbeitgeberattraktivität

Lebensmittelunternehmen müssen aktiv an ihrer Sichtbarkeit als Arbeitgeber arbeiten. Das bedeutet: authentische Kommunikation der Unternehmenskultur auf Karrierewebsites und sozialen Medien, strukturiertes Azubi-Marketing an Berufsschulen und klare Kommunikation von Benefits, Entwicklungsmöglichkeiten und Arbeitsbedingungen. Mitarbeiter:innen, die als Markenbotschafter:innen auftreten, wirken dabei besonders glaubwürdig.

Ausbildungsoffensive und Nachwuchsgewinnung

Wer langfristig planen will, muss in eigene Ausbildung investieren. Kooperationen mit Berufsschulen, Schulpraktika, Azubi-Messen und gezielte Social-Media-Kampagnen für junge Zielgruppen sind wirkungsvolle Hebel. Betriebe, die Ausbildungsvergütungen an Marktstandards anpassen und Übernahmen verbindlich kommunizieren, haben messbar bessere Bewerbungsquoten.

Internationales Recruiting und Fachkräfteeinwanderung

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das 2020 in Kraft trat und 2023 erheblich erweitert wurde, ermöglicht die vereinfachte Zuwanderung qualifizierter Personen aus Nicht-EU-Ländern. Innerhalb der EU erleichtert der Binnenmarkt die Rekrutierung ohnehin. Entscheidend für den Erfolg ist ein strukturiertes Onboarding mit Sprachförderung und interkultureller Begleitung – dieser Aufwand zahlt sich in der Praxis aus.

Digitales Recruiting und moderne Eignungsdiagnostik

Wenn qualifizierte Bewerber:innen knapp sind, wird die Qualität der Auswahlentscheidung noch wichtiger. Unternehmen, die auf wissenschaftlich fundierte Eignungsdiagnostik setzen, treffen objektive Entscheidungen – unabhängig von Lebensläufen oder subjektiven Eindrücken im Gespräch. Die digitale Plattform Aivy etwa ermöglicht eine standardisierte Vorauswahl über Game-Based Assessments, die unbewusste Vorurteile reduzieren und die Candidate Experience verbessern. Unternehmen wie MCI Deutschland konnten mit Einsatz objektivierender Eignungsdiagnostik die Time-to-Hire um 55% reduzieren und die Cost-per-Hire um 92% senken – ein relevanter Hebel gerade dann, wenn jede Fehlbesetzung zählt.

Mitarbeiterbindung und Fluktuation reduzieren

Fachkräfte zu halten ist mindestens so wichtig wie neue zu gewinnen. Regelmäßige Mitarbeitergespräche, klare Karrierepfade, flexible Arbeitszeitmodelle (wo die Produktion es erlaubt) und gezielte Weiterbildungsangebote senken die Fluktuation messbar. Wer seine Belegschaft bei der Kompetenzentwicklung unterstützt, signalisiert Wertschätzung – und differenziert sich vom Wettbewerb.

Häufige Fragen zum Fachkräftemangel in der Lebensmittelindustrie

Wie stark ist der Fachkräftemangel in der Lebensmittelindustrie?

Die Ernährungsindustrie ist als viertgrößter Industriezweig Deutschlands besonders betroffen. Die Bundesagentur für Arbeit führt in ihrer Engpassanalyse mehrere Lebensmittelberufe als dauerhaft schwer besetzbar. Der DIHK-Fachkräftereport bestätigt, dass handwerkliche Lebensmittelberufe zu den größten Problemfeldern gehören. Der Mangel ist strukturell – das heißt, er ist nicht konjunkturell bedingt, sondern demografisch und bildungsseitig verankert.

Welche Berufe sind in der Lebensmittelbranche besonders gesucht?

Zu den am häufigsten gesuchten Berufen zählen: Fachkraft für Lebensmitteltechnik, Lebensmitteltechnolog:in und -ingenieur:in, Qualitätsmanager:in im Lebensmittelbereich, Bäcker:in, Konditor:in und Fleischer:in im Handwerk sowie Fachkräfte für Lagerlogistik und Kühlkettenprozesse.

Was sind die Hauptursachen für den Fachkräftemangel in der Lebensmittelbranche?

Die zentralen Ursachen sind: demografischer Wandel (Babyboomer in Rente, schwächere Jahrgänge nach), Image-Probleme durch Schichtarbeit und körperliche Belastung, starke Konkurrenz um Fachkräfte durch Automotive und Logistik sowie rückläufige Ausbildungszahlen in lebensmitteltechnischen Berufen.

Wie können Lebensmittelunternehmen dem Fachkräftemangel begegnen?

Effektive Maßnahmen umfassen: aktives Employer Branding und Azubi-Marketing, Kooperationen mit Berufsschulen, internationale Rekrutierung (Fachkräfteeinwanderungsgesetz), Einsatz moderner Eignungsdiagnostik zur objektiveren Personalauswahl sowie Investitionen in Mitarbeiterbindung und Weiterbildung. Sinnvoll ist ein Mix aus kurzfristigen (Stellenbesetzung durch internationales Recruiting) und langfristigen Maßnahmen (Ausbildungsoffensive, Employer Branding).

Wie hilft Employer Branding gegen den Fachkräftemangel in der Lebensmittelbranche?

Employer Branding umfasst alle Maßnahmen, mit denen ein Unternehmen seine Attraktivität als Arbeitgeber kommuniziert. Für Lebensmittelbetriebe bedeutet das: Sichtbarkeit auf relevanten Jobplattformen, authentische Einblicke in den Arbeitsalltag über Social Media, gezielte Ansprache junger Zielgruppen an Berufsschulen und bei Ausbildungsmessen sowie glaubwürdige Kommunikation von Benefits und Karrierechancen.

Welche Rolle spielt das Fachkräfteeinwanderungsgesetz für die Lebensmittelbranche?

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (seit 2020, erweitert 2023) vereinfacht die Zuwanderung qualifizierter Personen aus Nicht-EU-Ländern erheblich. Es ermöglicht unter anderem die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse und erleichtert die Erteilung von Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen. Für die Lebensmittelbranche bietet das konkrete Chancen – vorausgesetzt, Unternehmen investieren in strukturiertes Onboarding und Sprachförderung.

Wie kann digitales Recruiting in der Lebensmittelindustrie helfen?

Digitale Recruiting-Methoden, darunter standardisierte Eignungsdiagnostik und automatisierte Vorauswahl, ermöglichen eine schnellere und objektivere Personalauswahl. Gerade wenn qualifizierte Bewerber:innen knapp sind, hilft es, auch Kandidat:innen zu identifizieren, die auf den ersten Blick einen ungewöhnlichen Lebenslauf haben, aber über die relevanten Kompetenzen verfügen. Mehr zu objektiver Personalauswahl: Unconscious Bias im Recruiting.

Fazit

Der Fachkräftemangel in der Lebensmittelindustrie ist kein vorübergehendes Problem, sondern ein strukturelles – verankert in Demografie, Berufsimage und Ausbildungszahlen. HR-Verantwortliche in der Branche brauchen eine Mehrfach-Strategie: kurzfristig durch internationales Recruiting und effizienteren Auswahlprozessen, mittelfristig durch Employer Branding und Ausbildungsinvestitionen, langfristig durch Mitarbeiterbindung und Kompetenzentwicklung.

Wer moderne Methoden wie wissenschaftlich fundierte Eignungsdiagnostik einsetzt, trifft trotz knappen Bewerber:innen-Markts bessere Entscheidungen – und reduziert das Risiko kostspieliger Fehlbesetzungen. Mehr über objektives Recruiting mit der digitalen Plattform Aivy erfahren: Jetzt Demo buchen.

Quellen

Florian Dyballa

CEO, Co-Founder

Über Florian

  • Gründer & CEO von Aivy – entwickelt innovative Wege der Personaldiagnostik und zählt zu den Top 10 HR-Tech-Gründern Deutschlands (Business Punk)
  • Rund 1 Mio. digitale Eignungstests erfolgreich im Einsatz bei mehr als 200 Unternehmen wie Lufthansa, Würth und Hermes
  • 3x mit dem HR Innovation Award ausgezeichnet und regelmäßig in führenden Wirtschaftsmedien präsent (WirtschaftsWoche, Handelsblatt und FAZ)
  • Verbindet als Wirtschaftspsychologe und Digital-Experte fundierte Tests mit KI für faire Chancen in der Personalauswahl
  • Teilt Expertise als gefragter Vordenker der HR-Tech-Branche – in Podcasts, Medien und auf wichtigen Branchenveranstaltungen
  • Gestaltet aktiv die Zukunft der Arbeitswelt – durch die Verbindung von Wissenschaft und Technologie für bessere und gerechtere Personalentscheidungen
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