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Berufsausbildung – Definition, Formen & Tipps für HR

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Berufsausbildung – Definition, Formen & Tipps für HR

Die Berufsausbildung ist eine formalisierte, staatlich anerkannte Qualifizierung, die Auszubildende auf die Ausübung eines Berufs vorbereitet – in Deutschland am häufigsten im dualen System aus Betrieb und Berufsschule. Rechtliche Grundlage ist das Berufsbildungsgesetz (BBiG). Für Unternehmen ist die sorgfältige Auswahl von Auszubildenden entscheidend, um Abbrecherquoten zu senken und langfristig qualifizierte Nachwuchskräfte zu gewinnen.

Was ist eine Berufsausbildung?

Eine Berufsausbildung ist eine strukturierte, staatlich geregelte Qualifizierung, die Auszubildende systematisch auf die Anforderungen eines anerkannten Ausbildungsberufs vorbereitet. Ziel ist die Vermittlung von Fähigkeiten, Kenntnissen und beruflicher Handlungskompetenz – also der Fähigkeit, Aufgaben im Berufsalltag selbstständig und fachgerecht zu bewältigen.

In Deutschland gibt es rund 325 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe (Stand: 2024, Bundesinstitut für Berufsbildung, BIBB). Die Ausbildung schließt mit einer Kammerprüfung ab – je nach Berufsfeld bei der Industrie- und Handelskammer (IHK), der Handwerkskammer (HWK) oder einer anderen zuständigen Stelle.

Rechtliche Grundlage für alle Berufsausbildungen in Deutschland ist das Berufsbildungsgesetz (BBiG). Es regelt die Rechte und Pflichten von Auszubildenden und Ausbildungsbetrieben, den Ausbildungsvertrag, die Vergütung sowie die Prüfungsanforderungen.

Formen der Berufsausbildung

Duale Ausbildung – das häufigste Modell

Die duale Ausbildung ist das Rückgrat der beruflichen Bildung in Deutschland. Laut BIBB-Datenreport 2024 absolvieren rund 1,3 Millionen junge Menschen ihre Ausbildung im dualen System. „Dual" bedeutet: Die Auszubildenden lernen an zwei Lernorten gleichzeitig – im Betrieb und in der Berufsschule.

Im Betrieb wird praktisches Fachwissen vermittelt, in der Berufsschule theoretische Grundlagen und allgemeinbildende Fächer. Das Modell verbindet Theorie und Praxis eng miteinander und gilt international als Erfolgsmodell.

Schulische Berufsausbildung

Bei der schulischen (vollzeitschulischen) Ausbildung findet die gesamte Ausbildung in einer Berufsfachschule statt. Dieses Modell ist vor allem in sozialen und Gesundheitsberufen verbreitet – etwa in der Pflege, Erziehung oder Physiotherapie. Praktische Phasen werden als Pflichtpraktika in Einrichtungen absolviert.

Weitere Formen

Neben dualer und schulischer Ausbildung gibt es den Vorbereitungsdienst für Beamtenberufe im öffentlichen Dienst sowie die Verbundausbildung, bei der mehrere Betriebe gemeinsam ausbilden – sinnvoll, wenn ein einzelner Betrieb nicht alle Ausbildungsinhalte abdecken kann.

Rechtliche Grundlagen für Ausbildungsbetriebe

Berufsbildungsgesetz (BBiG) im Überblick

Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) bildet die gesetzliche Grundlage für die Berufsausbildung in Deutschland. Es regelt unter anderem: die Voraussetzungen für Ausbildungsbetriebe, den Inhalt und die Form des Ausbildungsvertrags, die Ausbildungsvergütung, Kündigungsregelungen sowie die Abschlussprüfungen.

Der Ausbildungsvertrag – Pflichtinhalte nach § 11 BBiG

Vor Beginn der Ausbildung muss ein schriftlicher Ausbildungsvertrag abgeschlossen werden. Laut § 11 BBiG muss dieser mindestens folgende Angaben enthalten:

  • Art, sachliche und zeitliche Gliederung der Ausbildung (Ausbildungsrahmenplan)
  • Beginn und Dauer der Ausbildung
  • Ausbildungsort und -stätte
  • Dauer der regelmäßigen täglichen Ausbildungszeit
  • Dauer der Probezeit (mindestens 1, höchstens 4 Monate)
  • Zahlung und Höhe der Ausbildungsvergütung
  • Urlaubsanspruch
  • Voraussetzungen für eine Kündigung

Der Vertrag muss vor Ausbildungsbeginn bei der zuständigen Stelle (IHK oder HWK) eingetragen werden.

Ausbildungsvergütung und Mindestbeträge

Seit 2020 ist die Mindestausbildungsvergütung im BBiG (§ 17) gesetzlich verankert. Sie gilt für alle Ausbildungsberufe, für die kein höherer Tarifvertrag gilt. Die Beträge werden jährlich angepasst. Für 2024 gilt laut BIBB:

    1. Ausbildungsjahr: mindestens 649 Euro monatlich
    1. Ausbildungsjahr: mindestens 766 Euro monatlich
    1. Ausbildungsjahr: mindestens 876 Euro monatlich
    1. Ausbildungsjahr: mindestens 909 Euro monatlich

Viele Ausbildungsberufe liegen aufgrund tariflicher Regelungen deutlich über diesen gesetzlichen Mindestbeträgen.

Probezeit und Kündigung

Gemäß § 20 BBiG besteht zu Beginn jedes Ausbildungsverhältnisses eine Probezeit von mindestens einem und höchstens vier Monaten. Während der Probezeit kann das Ausbildungsverhältnis von beiden Seiten jederzeit und ohne Angabe von Gründen schriftlich gekündigt werden. Nach Ablauf der Probezeit ist eine Kündigung nur noch aus wichtigem Grund (fristlos) oder mit einer Kündigungsfrist von vier Wochen möglich – und zwar nur zum 15. eines Monats oder zum Monatsende.

Ausbildungseignung: Voraussetzungen für Betriebe

Nicht jeder Betrieb darf automatisch ausbilden. Laut BBiG müssen sowohl der Betrieb als auch die Ausbilder:innen die Ausbildungseignung nachweisen. Das bedeutet:

Der Betrieb muss fachlich in der Lage sein, alle Inhalte des Ausbildungsberufs zu vermitteln. Die Ausbilder:innen müssen persönlich geeignet sein (keine Vorstrafen, die Eignung ausschließen) sowie fachlich qualifiziert (Ausbildereignungsprüfung nach AEVO – Ausbilder-Eignungsverordnung).

Die zuständige Stelle (IHK oder HWK) prüft die Eignung und gibt die Ausbildungsstätte frei.

Auszubildende erfolgreich auswählen

Warum der Auswahlprozess entscheidend ist

Die Abbrecherquote in der Berufsausbildung ist seit Jahren ein zentrales Problem: Rund ein Viertel aller Ausbildungsverhältnisse wird vorzeitig aufgelöst (Quelle: BIBB-Datenreport 2024). Die Ursachen sind vielfältig – mangelnde Passung zwischen Auszubildenden:r und Ausbildungsberuf, unrealistische Erwartungen auf beiden Seiten oder unzureichende Auswahlverfahren spielen eine bedeutende Rolle.

Für Unternehmen bedeutet jeder Ausbildungsabbruch nicht nur einen Verlust an investierter Zeit und Ressourcen, sondern auch eine verpasste Chance, qualifizierte Nachwuchskräfte zu gewinnen.

Strukturierte Auswahlverfahren in der Praxis

Ein strukturiertes Auswahlverfahren erhöht die Treffsicherheit bei der Auswahl von Auszubildenden deutlich. Bewährt haben sich folgende Elemente:

  • Sichtung der Bewerbungsunterlagen nach klar definierten Kriterien (Schulabschluss, Noten, Motivation)
  • Einstellungstests zur Erfassung von Basiskenntnissen und kognitiven Fähigkeiten
  • Strukturierte Interviews mit standardisierten Fragen (vergleichbarere Ergebnisse als Freigesprächs-Interviews)
  • Probearbeitstage oder Praktika als realistische Einblicke für beide Seiten
  • Eignungsdiagnostische Verfahren zur objektiven Einschätzung von Persönlichkeitseigenschaften und Kompetenzen

Eignungsdiagnostische Ansätze – wie sie die digitale Plattform Aivy mit wissenschaftlich validierten, spielbasierten Assessments und psychometrischen Fragebögen anbietet – können HR-Verantwortliche dabei unterstützen, Bewerber:innen fair, objektiv und unabhängig von subjektiven Eindrücken zu bewerten. Das reduziert unbewusste Vorurteile (Unconscious Bias) im Auswahlprozess und verbessert die Passgenauigkeit – ein wichtiger Hebel gegen hohe Abbrecherquoten.

Wer mehr über strukturierte Eignungsdiagnostik im Auswahlprozess erfahren möchte, findet unter Assessment Center weiterführende Informationen zu validierten Auswahlmethoden.

Häufige Fragen zur Berufsausbildung

Was ist eine Berufsausbildung?

Eine Berufsausbildung ist eine staatlich anerkannte Qualifizierung, die Auszubildende systematisch auf die Anforderungen eines anerkannten Ausbildungsberufs vorbereitet. Ziel ist die Vermittlung von Fähigkeiten, Kenntnissen und beruflicher Handlungskompetenz. Sie schließt mit einer Kammerprüfung (IHK, HWK oder andere zuständige Stelle) ab. Rechtliche Grundlage ist das Berufsbildungsgesetz (BBiG).

Welche Formen der Berufsausbildung gibt es?

Die häufigste Form ist die duale Ausbildung (Betrieb + Berufsschule), die rund 1,3 Millionen Auszubildende in Deutschland absolvieren. Daneben gibt es die schulische Berufsausbildung (vollzeitschulisch, vor allem in sozialen und Gesundheitsberufen) sowie den Vorbereitungsdienst für Beamtenberufe und die Verbundausbildung bei mehreren Betrieben.

Wie lange dauert eine Berufsausbildung?

Die Dauer richtet sich nach dem jeweiligen Ausbildungsberuf und beträgt in der Regel 2 bis 3,5 Jahre. Eine Verkürzung ist gemäß § 8 BBiG möglich – etwa bei einem einschlägigen Schulabschluss (Fachhochschulreife, Abitur) oder bei besonders guten Leistungen. Eine Verlängerung kann auf Antrag gewährt werden, z. B. bei Krankheit oder besonderem Förderbedarf.

Was muss ein Ausbildungsvertrag enthalten?

Laut § 11 BBiG muss der schriftliche Ausbildungsvertrag mindestens enthalten: Art und Ziel der Ausbildung, Beginn und Dauer, Ausbildungsort, tägliche Ausbildungszeit, Probezeit, Ausbildungsvergütung, Urlaubsanspruch sowie Kündigungsbedingungen. Der Vertrag ist vor Ausbildungsbeginn bei der zuständigen Kammer (IHK oder HWK) einzutragen.

Wie hoch ist die Mindestausbildungsvergütung?

Seit 2020 gilt eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung (§ 17 BBiG), die jährlich angepasst wird. Für 2024 beträgt sie im ersten Ausbildungsjahr mindestens 649 Euro monatlich, im zweiten Jahr 766 Euro, im dritten Jahr 876 Euro und im vierten Jahr 909 Euro. Tarifliche Vergütungen liegen häufig deutlich höher.

Wie funktioniert die Probezeit in der Berufsausbildung?

Die Probezeit beträgt laut § 20 BBiG mindestens einen und höchstens vier Monate. Während dieser Zeit kann das Ausbildungsverhältnis von beiden Seiten jederzeit schriftlich und ohne Angabe von Gründen gekündigt werden. Nach der Probezeit ist eine Kündigung nur noch aus wichtigem Grund (fristlos) oder mit vier Wochen Frist (zum 15. oder Monatsende) möglich.

Wie wähle ich Auszubildende richtig aus?

Ein strukturiertes Auswahlverfahren ist entscheidend, um Fehlbesetzungen und Ausbildungsabbrüche zu reduzieren. Bewährt haben sich: standardisierte Einstellungstests, strukturierte Interviews, Probearbeitstage und eignungsdiagnostische Verfahren. Wissenschaftlich fundierte Diagnosemethoden helfen, Bewerber:innen objektiv und unabhängig von subjektiven Eindrücken zu beurteilen. Weitere Informationen zur Candidate Experience und modernen Auswahlmethoden findest du im Aivy-Lexikon.

Fazit

Die Berufsausbildung ist ein zentraler Baustein der deutschen Fachkräftesicherung. Für HR-Verantwortliche und Ausbildungsbetriebe geht es dabei um zwei Kernaufgaben: erstens, die rechtlichen Rahmenbedingungen (BBiG, Ausbildungsvertrag, Vergütung, Probezeit) sicher zu kennen und einzuhalten; zweitens, geeignete Auszubildende durch strukturierte, faire Auswahlprozesse zu finden.

Angesichts hoher Abbrecherquoten ist die Qualität des Auswahlprozesses kein Nebenschauplatz, sondern ein strategischer Hebel. Wer frühzeitig in fundierte Auswahlmethoden investiert, legt den Grundstein für eine erfolgreiche Ausbildung – und für die Bindung qualifizierter Nachwuchskräfte.

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Quellen

Florian Dyballa

CEO, Co-Founder

Über Florian

  • Gründer & CEO von Aivy – entwickelt innovative Wege der Personaldiagnostik und zählt zu den Top 10 HR-Tech-Gründern Deutschlands (Business Punk)
  • Über 500.000 digitale Eignungstests erfolgreich im Einsatz bei mehr als 100 Unternehmen wie Lufthansa, Würth und Hermes
  • Dreifach mit dem HR Innovation Award ausgezeichnet und regelmäßig in führenden Wirtschaftsmedien präsent (WirtschaftsWoche, Handelsblatt und FAZ)
  • Verbindet als Wirtschaftspsychologe und Digital-Experte fundierte Tests mit KI für faire Chancen in der Personalauswahl
  • Teilt Expertise als gefragter Vordenker der HR-Tech-Branche – in Podcasts, Medien und auf wichtigen Branchenveranstaltungen
  • Gestaltet aktiv die Zukunft der Arbeitswelt – durch die Verbindung von Wissenschaft und Technologie für bessere und gerechtere Personalentscheidungen
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