Eine Ausbildung (Berufsausbildung) vermittelt in Deutschland systematisch die fachlichen und praktischen Kompetenzen für einen anerkannten Ausbildungsberuf. Das duale System kombiniert betriebliche Praxis und Berufsschulunterricht und ist gesetzlich im Berufsbildungsgesetz (BBiG) verankert. Für Unternehmen ist die Ausbildung eine strategische Möglichkeit, Nachwuchskräfte frühzeitig zu gewinnen, passgenau zu qualifizieren und langfristig zu binden.
Was ist eine Ausbildung? – Definition
Eine Berufsausbildung ist ein staatlich anerkannter Bildungsgang, der Auszubildende auf die eigenständige Ausübung eines Berufs vorbereitet. In Deutschland gibt es aktuell rund 325 anerkannte Ausbildungsberufe (laut Bundesinstitut für Berufsbildung, BIBB, 2024). Sie umfassen gewerblich-technische, kaufmännische und handwerkliche Bereiche.
Von einem Studium unterscheidet sich die Ausbildung vor allem in der Zugangsberechtigung (kein Abitur erforderlich), der Dauer (2–3,5 Jahre statt 3–5 Jahre) sowie der stärkeren Praxisorientierung. Während ein Studium primär auf akademisch-wissenschaftliche Qualifikation zielt, vermittelt die Ausbildung handlungsorientiertes Berufswissen.
Ausbildungsformen im Überblick
Die häufigste Form ist die duale Ausbildung: Auszubildende lernen gleichzeitig im Betrieb und in der Berufsschule. „Dual" bezeichnet diese zwei Lernorte. Daneben gibt es die schulische Ausbildung (Vollzeit an einer Berufsfachschule, z. B. für Erzieher:innen oder Physiotherapeut:innen) sowie die außerbetriebliche Ausbildung, die von Bildungsträgern für benachteiligte Jugendliche angeboten wird. Dieser Artikel konzentriert sich auf die duale Ausbildung als die in Unternehmen relevanteste Form.
Das duale Ausbildungssystem in Deutschland
Zwei Lernorte: Betrieb und Berufsschule
Im dualen System verbringen Auszubildende in der Regel drei bis vier Tage pro Woche im Ausbildungsbetrieb und ein bis zwei Tage in der Berufsschule. Der Betrieb vermittelt die praktischen Fertigkeiten gemäß einem bundeseinheitlichen Ausbildungsrahmenplan; die Berufsschule ergänzt dies um theoretisches Fachwissen sowie allgemeinbildende Fächer.
Die Inhalte sind für jeden Ausbildungsberuf durch die zuständige Stelle (in der Regel IHK oder HWK) festgelegt. Ausbildungsbetriebe sind verpflichtet, einen betrieblichen Ausbildungsplan zu erstellen, der sich an diesem Rahmenplan orientiert (§ 11 BBiG).
Ausbildungsdauer und Berufsfelder
Je nach Beruf dauert die Ausbildung zwei, drei oder dreieinhalb Jahre. Verkürzungen sind möglich – etwa bei sehr guten Leistungen, einer einschlägigen Vorbildung oder einem bereits abgeschlossenen Studium. Verlängerungen können auf Antrag genehmigt werden. Besonders ausbildungsintensive Bereiche sind Industrie und Handel, Handwerk, freie Berufe sowie der öffentliche Dienst.
Zahlen und Fakten: Ausbildungsmarkt 2024/2025
Der Ausbildungsmarkt steht vor wachsenden Herausforderungen. Laut Berufsbildungsbericht 2024 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) blieben 2023 rund 73.400 Ausbildungsstellen unbesetzt – während gleichzeitig viele Bewerber:innen keinen Platz fanden. Diese Passungsprobleme machen deutlich, dass die Qualität des Auswahlprozesses für Unternehmen entscheidend ist.
Rechtliche Grundlagen: Das Berufsbildungsgesetz (BBiG)
Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) ist die zentrale gesetzliche Grundlage für die betriebliche Berufsausbildung in Deutschland. Es regelt Rechte und Pflichten beider Seiten – Ausbildungsbetrieb und Auszubildende:r – verbindlich.
Pflichten des Ausbildungsbetriebs
Ausbildungsbetriebe haben laut § 14 BBiG folgende Kernpflichten:
- Auszubildende planmäßig und zielgerichtet ausbilden
- Ausbildungsmittel (Werkzeuge, Materialien, Lernunterlagen) kostenlos zur Verfügung stellen
- Auszubildende zum Besuch der Berufsschule freistellen
- Auszubildende nicht mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beschäftigen
- Eine Ausbildungsvergütung zahlen
Betriebe dürfen Auszubildende nur beschäftigen, wenn sie selbst oder eine von ihnen beauftragte Person die persönliche und fachliche Eignung als Ausbilder:in besitzt (§ 28 BBiG).
Der Ausbildungsvertrag: Mindestinhalte nach § 11 BBiG
Vor Beginn der Ausbildung muss ein schriftlicher Ausbildungsvertrag geschlossen werden. Er muss folgende Mindestinhalte enthalten:
- Art, sachliche und zeitliche Gliederung der Ausbildungsmaßnahmen
- Beginn und Dauer der Ausbildung
- Ausbildungsort und -stätte
- Tägliche Ausbildungszeit
- Dauer der Probezeit (mindestens 1, maximal 4 Monate)
- Höhe der Ausbildungsvergütung
- Urlaubsanspruch
- Kündigungsvoraussetzungen
- Hinweis auf anwendbare Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen
Der Vertrag ist vor Ausbildungsbeginn bei der zuständigen Stelle (IHK, HWK o. ä.) einzutragen.
Probezeit, Vergütung und Kündigung
Die Probezeit beträgt mindestens einen und maximal vier Monate. Während dieser Zeit kann das Ausbildungsverhältnis von beiden Seiten jederzeit fristlos und ohne Angabe von Gründen gekündigt werden (§ 22 Abs. 1 BBiG).
Die Mindestausbildungsvergütung ist seit 2020 gesetzlich geregelt. Sie wird jährlich angepasst und ist nach Ausbildungsjahr gestaffelt. Viele Branchen zahlen per Tarifvertrag deutlich höhere Beträge. Die aktuellen Werte veröffentlicht das BIBB jährlich.
Nach der Probezeit ist eine Kündigung nur aus wichtigem Grund möglich (fristlose Kündigung durch den Betrieb) oder durch Auszubildende mit einer Kündigungsfrist von vier Wochen, wenn sie die Ausbildung aufgeben oder einen anderen Beruf anstreben (§ 22 Abs. 2 BBiG). Einvernehmliche Aufhebungsverträge sind jederzeit möglich.
Auszubildende finden und objektiv auswählen
Der Auswahlprozess entscheidet maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg eines Ausbildungsverhältnisses. Laut BIBB werden rund 25 % aller Ausbildungsverhältnisse vorzeitig aufgelöst – häufig wegen mangelnder Passung zwischen Person und Beruf.
Anforderungsprofil erstellen: Was macht eine:n guten Azubi aus?
Bevor Stellenanzeigen geschaltet werden, lohnt sich die genaue Definition des Anforderungsprofils. Neben schulischen Voraussetzungen (z. B. Mittlere Reife für kaufmännische Berufe) spielen Persönlichkeitsmerkmale, Interessen und kognitive Fähigkeiten eine entscheidende Rolle. Fragen, die sich HR-Verantwortliche stellen sollten: Welche Kompetenzen sind für den Beruf wirklich erfolgskritisch? Welche lassen sich während der Ausbildung aufbauen – und welche sollten von Anfang an vorhanden sein?
Auswahlmethoden im Vergleich: Schulnoten, Assessment, Eignungstest
Schulnoten sind nach wie vor das meistgenutzte Auswahlkriterium – ihre Vorhersagekraft für Ausbildungserfolg ist jedoch begrenzt. Studien zur Eignungsdiagnostik zeigen, dass strukturierte Verfahren wie kognitive Leistungstests, Persönlichkeitsfragebögen (z. B. auf Basis des Big-Five-Modells) und situative Aufgaben deutlich besser geeignet sind, um Berufseignung zu erfassen.
Moderne digitale Plattformen ermöglichen es, wissenschaftlich validierte Eignungstests bereits im Bewerbungsprozess einzusetzen. Die digitale Plattform Aivy etwa bietet Game-Based Assessments, die auf Basis psychologischer Forschung der Freien Universität Berlin entwickelt wurden. Damit lassen sich relevante Kompetenzen objektiv und vergleichbar messen – unabhängig von Schulabschluss oder Herkunft. Das reduziert gleichzeitig den Einfluss von Unconscious Bias im Recruiting auf die Auswahlentscheidung.
Häufige Fehler bei der Azubi-Auswahl vermeiden
Zu den häufigsten Fehlern zählen: ausschließlicher Fokus auf Schulnoten, fehlende Struktur im Vorstellungsgespräch, intuitive Entscheidungen ohne diagnostische Grundlage sowie mangelnde Transparenz gegenüber Bewerber:innen. Ein strukturiertes Assessment Center oder ein digitaler Eignungstest kann helfen, Auswahlentscheidungen nachvollziehbar und fair zu gestalten.
Ausbildungsabbrüche verhindern
Ursachen und Risikofaktoren
Die häufigsten Gründe für einen vorzeitigen Abbruch sind laut BIBB-Daten: falsche Berufswahl, schlechtes Betriebsklima, Über- oder Unterforderung sowie persönliche Probleme. Ein Großteil der Abbrüche ließe sich durch eine bessere Passung bereits im Auswahlprozess verhindern.
Präventionsmaßnahmen für Ausbildungsbetriebe
Neben einer sorgfältigen Bewerber:innen-Auswahl sind regelmäßige Feedbackgespräche, klare Erwartungskommunikation und eine strukturierte Einarbeitung wirksame Instrumente. Ebenso wichtig: Auszubildende nicht als günstige Arbeitskraft einsetzen, sondern konsequent in die Ausbildungsinhalte einbinden. Eine positive Candidate Experience beginnt bereits im Bewerbungsprozess und setzt sich im Ausbildungsalltag fort.
Häufige Fragen zur Ausbildung
Was ist der Unterschied zwischen dualer und schulischer Ausbildung?
Bei der dualen Ausbildung lernen Auszubildende gleichzeitig im Betrieb und in der Berufsschule. Die schulische Ausbildung findet vollständig an einer Berufsfachschule statt (z. B. für Erzieher:innen oder Ergotherapeut:innen). Im dualen System erhalten Auszubildende eine Vergütung vom Betrieb; schulische Ausbildungen sind häufig kostenlos oder kostenpflichtig, je nach Bundesland und Einrichtung.
Wie lange dauert eine duale Ausbildung?
Je nach Beruf dauert die Ausbildung zwei, drei oder dreieinhalb Jahre. Eine Verkürzung ist bei sehr guten Leistungen oder einschlägiger Vorbildung möglich; eine Verlängerung kann auf Antrag genehmigt werden.
Was muss ein Ausbildungsvertrag enthalten?
Laut § 11 BBiG müssen mindestens enthalten sein: Art und Gliederung der Ausbildung, Beginn und Dauer, Ausbildungsort, tägliche Ausbildungszeit, Probezeit, Vergütung, Urlaub, Kündigungsvoraussetzungen sowie ein Hinweis auf anwendbare Tarifverträge.
Welche Pflichten hat der Ausbildungsbetrieb?
Gemäß § 14 BBiG ist der Betrieb verpflichtet, planmäßig auszubilden, Ausbildungsmittel kostenlos bereitzustellen, die Berufsschule freizustellen, keine ausbildungsfremden Tätigkeiten zu verlangen und eine Vergütung zu zahlen.
Wie hoch ist die Mindestausbildungsvergütung 2025?
Die Mindestausbildungsvergütung wird jährlich vom Gesetzgeber angehoben und ist nach Ausbildungsjahr gestaffelt. Die aktuellen Werte veröffentlicht das BIBB jährlich unter bibb.de. Viele Tarifverträge sehen deutlich höhere Vergütungen vor.
Wann kann eine Ausbildung gekündigt werden?
Während der Probezeit (1–4 Monate) ist die Kündigung fristlos und ohne Begründung möglich (§ 22 Abs. 1 BBiG). Nach der Probezeit ist eine Kündigung durch den Betrieb nur aus wichtigem Grund zulässig. Auszubildende können mit vier Wochen Frist kündigen, wenn sie die Ausbildung aufgeben oder einen anderen Beruf anstreben. Einvernehmliche Aufhebungen sind jederzeit möglich.
Was sind häufige Ursachen für Ausbildungsabbrüche?
Laut BIBB werden rund 25 % aller Ausbildungsverhältnisse vorzeitig gelöst. Häufige Ursachen sind: falsche Berufswahl, mangelnde Passung, schlechtes Betriebsklima, Über- oder Unterforderung sowie persönliche Probleme. Viele Abbrüche lassen sich durch einen strukturierten, kompetenzorientierten Auswahlprozess verhindern.
Fazit
Die Ausbildung ist ein zentraler Baustein der deutschen Fachkräftesicherung und bietet Unternehmen die Möglichkeit, Nachwuchskräfte gezielt aufzubauen. Für HR-Verantwortliche sind dabei zwei Stellschrauben besonders wichtig: ein rechtssicherer Ausbildungsvertrag gemäß BBiG und ein strukturierter Auswahlprozess, der über Schulnoten hinausgeht. Je besser die Passung zwischen Auszubildenden und Ausbildungsberuf von Anfang an ist, desto geringer ist das Risiko eines vorzeitigen Abbruchs.
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Quellen
- Berufsbildungsgesetz (BBiG). Bundesministerium der Justiz, zuletzt geändert 2020.
https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/ - BIBB-Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2024. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), 2024.
https://www.bibb.de/datenreport/ - Berufsbildungsbericht 2024. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), 2024.
https://www.bmbf.de/bmbf/de/bildung/berufliche-bildung/berufsbildungsbericht/berufsbildungsbericht_node.html - Mindestausbildungsvergütung – aktuelle Übersicht. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), 2025.
https://www.bibb.de/de/64847.php - Ausbildungsabbrüche: Zahlen, Ursachen, Prävention. BIBB, 2023.
https://www.bibb.de/de/pressemitteilung_149148.php
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