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Absentismus im Gesundheitswesen – Ursachen, Zahlen & Maßnahmen

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Absentismus im Gesundheitswesen – Ursachen, Zahlen & Maßnahmen

Absentismus im Gesundheitswesen bezeichnet wiederkehrende, ungeplante Fehlzeiten, die über das übliche Maß legitimer Krankheitstage hinausgehen – und die Branche trifft es besonders hart: Laut DAK Psychreport 2024 verzeichnet das Gesundheitswesen 472 psychisch bedingte Ausfalltage je 100 Versicherte, über ein Fünftel mehr als der branchenübergreifende Durchschnitt. Für HR-Verantwortliche in Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Praxen ist das Erkennen von Ursachen und das gezielte Gegensteuern deshalb keine Option, sondern eine Notwendigkeit.

Was ist Absentismus im Gesundheitswesen?

Der Begriff Absentismus leitet sich vom lateinischen absentia (= Abwesenheit) ab und beschreibt das Muster wiederholt ungeplanter Fehlzeiten – also nicht geplanten Urlaub oder vereinbarte Auszeiten, sondern Abwesenheiten, die auf individuelle oder strukturelle Belastungen hinweisen.

Wichtig: Absentismus stellt legitime Erkrankungen nicht infrage. Es geht darum, ein Muster zu erkennen, das auf tieferliegende Probleme hinweist – zum Beispiel chronische Überlastung, Unzufriedenheit mit der Arbeitsorganisation oder fehlende Wertschätzung. In der Arbeitswissenschaft werden drei Erklärungsmodelle unterschieden:

  • Rückzugs-Modell: Mitarbeitende entziehen sich belastenden Arbeitsbedingungen durch Fernbleiben.
  • Medizinisches Modell: Gesundheitliche Beeinträchtigungen – real oder subjektiv erlebt – werden durch die Arbeit verstärkt.
  • Motivationsmodell: Fehlende Bindung ans Team oder Unternehmen senkt die Schwelle zur Krankmeldung.

Im Gesundheitswesen kommen all diese Faktoren in besonderem Maße zusammen: Schichtarbeit, emotionale Erschöpfung durch die Arbeit mit kranken Menschen, chronischer Personalmangel und ein Pflichtgefühl, das Mitarbeitende oft über die eigene Belastungsgrenze hinaus treiben lässt.

Absentismus vs. Präsentismus: Zwei Seiten einer Medaille

Das Gegenteil von Absentismus ist der Präsentismus: Mitarbeitende erscheinen trotz Erkrankung oder Erschöpfung, sind aber nicht voll leistungsfähig. Im Gesundheitswesen ist das Phänomen besonders verbreitet – Pflegekräfte und Ärzt:innen schleppen sich häufig krank zur Arbeit, weil sie ihre Kolleg:innen und Patient:innen nicht im Stich lassen wollen.

Das Problem: Präsentismus ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht oft schädlicher als Absentismus. Studien zeigen, dass der Produktivitätsverlust durch Präsentismus je nach Krankheitsbild zwischen 18 % und 70 % der indirekten Gesamtkosten ausmacht. Im Gesundheitswesen kommt ein weiterer Faktor hinzu: Erschöpfte Mitarbeitende machen häufiger Fehler – mit direkten Konsequenzen für die Patientensicherheit. Langfristig mündet unbehandelter Präsentismus zudem oft in längerem Absentismus, wenn Mitarbeitende schließlich zusammenbrechen.

Zahlen und Fakten: Wie stark trifft es die Branche?

Die aktuellen Daten sind eindeutig: Das Gesundheitswesen gehört zu den am stärksten betroffenen Branchen Deutschlands.

Gesamtkrankenstand 2024:

  • Laut BKK Dachverband verharrt der Krankenstand bei 6,1 % – mit durchschnittlich 22,3 Fehltagen je Beschäftigten (Stand: Juli 2025).
  • Das Statistische Bundesamt bestätigt: 2024 meldeten sich durchschnittlich 5,9 % aller Arbeitnehmer:innen krank – 14,8 Arbeitstage je Person.
  • Laut AOK Fehlzeiten-Report 2025 erreichten die AU-Fälle mit 228 je 100 Versicherte einen neuen Höchstwert.

Psychische Erkrankungen als Haupttreiber

Psychische Erkrankungen sind zwar nicht die häufigste Ursache für Fehlzeiten – doch ihre Erkrankungsdauer ist mit durchschnittlich 28,5 Tagen je Fall besonders hoch (AOK Fehlzeiten-Report 2025). Innerhalb von zehn Jahren stiegen die Ausfalltage wegen psychischer Erkrankungen um 43 %.

Für das Gesundheitswesen zeigt der DAK Psychreport 2024 ein alarmierendes Bild: 472 psychisch bedingte AU-Tage je 100 Versicherte – das ist über ein Fünftel mehr als der branchenübergreifende Durchschnitt von 323 Tagen. Zum Vergleich: In der öffentlichen Verwaltung (Rang 2) sind es 378 Tage.

Burnout in der Pflege: Fast doppelt so viele Fehltage

Die AOK wertete rund 700.000 Krankmeldungen in Pflegeberufen aus. Das Ergebnis: Burnout-bedingte Fehlzeiten lagen bei Pflegekräften bei 28,2 Tagen pro Jahr – verglichen mit 14,2 Tagen branchenübergreifend, also fast doppelt so hoch. Besonders betroffen: Kita-Personal (534 AU-Tage je 100 Versicherte) und Beschäftigte in der Altenpflege (531 AU-Tage je 100 Versicherte).

Ursachen von Absentismus im Gesundheitswesen

Absentismus ist multifaktoriell – er entsteht selten durch einen einzigen Grund, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Belastungen.

Strukturelle Belastungen: Schichtarbeit und Personalnotstand

Schichtarbeit, Nacht- und Wochenenddienste belasten den Schlaf-Wach-Rhythmus nachhaltig und erhöhen langfristig das Risiko für muskuloskelettale und psychische Erkrankungen. Hinzu kommt: Im Gesundheitswesen herrscht chronischer Personalmangel. Jede Fehlzeit – egal ob berechtigt oder nicht – belastet die verbleibenden Kolleg:innen zusätzlich. Der Teufelskreis dreht sich: Mehr Überlastung führt zu mehr Fehlzeiten, die wiederum mehr Überlastung erzeugen.

Psychische Überlastung und Burnout-Risiko

Menschen, die beruflich täglich für das Wohlbefinden anderer sorgen, tragen ein besonders hohes Risiko für emotionale Erschöpfung. Das Second-Victim-Phänomen – das psychische Leiden von Gesundheitspersonal nach belastenden Ereignissen wie Behandlungsfehlern oder Patientensterbefällen – wird dabei oft unterschätzt und selten strukturell aufgefangen. Fehlende Supervision und psychosoziale Unterstützungsangebote verstärken das Risiko für langfristigen Absentismus.

Führungskultur und fehlende Wertschätzung

Studien zeigen einen direkten Zusammenhang zwischen Führungsstil und Fehlzeiten: Kooperative, wertschätzende Führung senkt Absentismus messbar. Umgekehrt erhöhen ein schlechter Umgangston, geringe Wertschätzung, Mobbing oder fehlende Partizipation bei Dienstplangestaltung die Abwesenheitsrate signifikant. Weitere Risikofaktoren: Unter- und Überforderung (Boreout vs. Burnout), mangelnde Integration neuer Mitarbeitender sowie fehlende Entwicklungsperspektiven.

Folgen: Der Teufelskreis der Fehlzeiten

Hoher Absentismus in einer Gesundheitseinrichtung hat weitreichende Konsequenzen – und verstärkt sich selbst:

Direkte Kosten entstehen durch Lohnfortzahlung, Mehrkosten für Springer:innen und Überstunden sowie Einarbeitungsaufwand. Die BAuA bezifferte den volkswirtschaftlichen Produktionsverlust durch krankheitsbedingte Fehlzeiten bereits 2014 auf rund 57 Milliarden Euro jährlich.

Indirekte Kosten sind schwerer messbar, aber mindestens ebenso gravierend: sinkende Versorgungsqualität, höheres Fehlerrisiko durch übermüdetes Personal und ein geschädigtes Arbeitgeberimage, das die Personalgewinnung weiter erschwert.

Auswirkungen auf Patientensicherheit und Teamstabilität

Im Unterschied zu anderen Branchen hat Absentismus im Gesundheitswesen eine direkte ethische Dimension: Personalmangel durch Fehlzeiten gefährdet die Versorgungsqualität und erhöht das Fehlerrisiko. Kolleg:innen, die einspringen müssen, geraten schneller an ihre eigene Belastungsgrenze – womit sich der Teufelskreis schließt: Überlastung → mehr Fehlzeiten → noch mehr Überlastung.

Maßnahmen gegen Absentismus: Was wirklich hilft

Wirksame Prävention setzt an mehreren Hebeln gleichzeitig an. Kurzfristige Einzelmaßnahmen reichen selten – gefragt sind systematische Ansätze, die gemeinsam mit den Teams entwickelt und konsequent evaluiert werden.

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)

Ein strukturiertes Betriebliches Gesundheitsmanagement umfasst mehr als gelegentliche Obstkörbe. Wirksame BGM-Maßnahmen für das Gesundheitswesen sind unter anderem:

  • Regelmäßige Supervision und Teambesprechungen zur Entlastung
  • Psychosoziale Beratungsangebote (Employee Assistance Programs, EAP)
  • Second-Victim-Support nach belastenden Ereignissen
  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
  • Angebote zur Stressbewältigung und Resilienzförderung

Rückkehrgespräche und Return-to-Work-Protokolle

Strukturierte Return-to-Work (RTW)-Verfahren haben sich als besonders wirksam erwiesen. Sie umfassen eine feste Ansprechperson nach längerer Fehlzeit, klare Zielvereinbarungen und eine temporäre Aufgabenanpassung – zum Beispiel eine schrittweise Rückkehr ohne Nachtdienste nach einem Burnout-bedingten Ausfall. Entscheidend ist dabei die Haltung: Rückkehrgespräche sollten wertschätzend und lösungsorientiert geführt werden, nicht kontrollierend.

Gesundheitsorientierte Führung

Führungskräfte, die regelmäßig im Austausch mit ihrem Team sind, frühzeitig Überlastungssignale erkennen und Unterstützung aktiv anbieten, senken Fehlzeiten nachweislich. Konkrete Bausteine: strukturierte Mitarbeitergespräche, offene Kommunikation über Belastungen und ein Klima, in dem Schwäche zeigen keine negativen Konsequenzen hat.

Flexible Dienstplanung und Arbeitsgestaltung

Auch im Schichtbetrieb lassen sich Gestaltungsspielräume schaffen: Wunschdienstpläne, Self-Rostering-Modelle, Teilzeitoptionen, Jobsharing und Springerpools erhöhen die Planungssicherheit für Mitarbeitende und reduzieren das Gefühl von Fremdbestimmung – einem zentralen Treiber von Unzufriedenheit und Absentismus.

Häufige Fragen zu Absentismus im Gesundheitswesen

Was bedeutet Absentismus im Gesundheitswesen?

Absentismus bezeichnet wiederkehrende, ungeplante Fehlzeiten, die über das übliche Maß legitimer Erkrankungen hinausgehen. Im Gesundheitswesen ist er besonders folgenreich, weil jede ungeplante Abwesenheit die Versorgungsqualität gefährdet und die verbleibenden Mitarbeitenden weiter belastet.

Wie hoch ist der Krankenstand im Gesundheitswesen aktuell?

Laut DAK Psychreport 2024 verzeichnet das Gesundheitswesen 472 psychisch bedingte Ausfalltage je 100 Versicherte – über ein Fünftel mehr als der Branchendurchschnitt von 323 Tagen. In der Altenpflege und bei Kita-Personal sind es sogar über 530 Tage je 100 Versicherte.

Was sind die häufigsten Ursachen für Absentismus in der Pflege?

Die zentralen Ursachen sind chronische Überlastung durch Personalmangel, psychische Belastungen bis hin zu Burnout, belastende Schichtsysteme, mangelnde Wertschätzung sowie fehlende psychosoziale Unterstützungsangebote – zum Beispiel nach dem Second-Victim-Phänomen.

Was ist der Unterschied zwischen Absentismus und Präsentismus?

Beim Absentismus fehlt die Person körperlich. Beim Präsentismus erscheint sie trotz Krankheit oder Erschöpfung – mit reduzierter Leistungsfähigkeit. Im Gesundheitswesen sind beide Phänomene oft verknüpft: Pflegekräfte arbeiten krank weiter (Präsentismus), bis sie langfristig ausfallen (Absentismus).

Welche Maßnahmen helfen wirklich gegen Absentismus im Krankenhaus?

Wirksame Maßnahmen sind strukturierte Rückkehrgespräche, Return-to-Work-Protokolle, Supervision und EAP-Angebote, gesundheitsorientierte Führung, flexible Dienstplanung (Wunschdienstpläne, Self-Rostering) sowie ein systematisches Betriebliches Gesundheitsmanagement.

Was kostet Absentismus eine Gesundheitseinrichtung?

Direkte Kosten entstehen durch Lohnfortzahlung und Mehrkosten für Vertretungen. Indirekt entstehen Kosten durch sinkende Versorgungsqualität, höheres Fehlerrisiko und ein geschädigtes Arbeitgeberimage. Die BAuA bezifferte den volkswirtschaftlichen Produktionsverlust durch Fehlzeiten bereits 2014 auf rund 57 Milliarden Euro jährlich – auf das Gesundheitswesen entfällt ein überproportional hoher Anteil.

Wie hängen Führung und Fehlzeiten zusammen?

Studien belegen: Kooperative, wertschätzende Führungsstile gehen mit niedrigeren Fehltagen einher. Führungskräfte, die frühzeitig Überlastungssignale erkennen, regelmäßig Feedback geben und ein offenes Gesprächsklima schaffen, können Absentismus messbar reduzieren.

Fazit

Absentismus im Gesundheitswesen ist kein Zeichen mangelnder Motivation – er ist ein Alarmsignal für strukturelle Missstände: zu wenig Personal, zu hohe Belastung, zu wenig Unterstützung. Mit einer durchschnittlichen Burnout-Fehlzeit von 28,2 Tagen bei Pflegekräften und über 470 psychisch bedingten Ausfalltagen je 100 Versicherte zeigen die aktuellen Daten, wie ernst die Lage ist.

Einrichtungen, die Absentismus wirksam reduzieren wollen, brauchen keine Einzelmaßnahmen – sie brauchen eine Strategie: aus strukturiertem BGM, gesundheitsorientierter Führung, flexibler Dienstplanung und einer Kultur, in der Erschöpfung offen angesprochen werden kann. Wer in die Gesundheit seiner Mitarbeitenden investiert, investiert gleichzeitig in die Versorgungsqualität und die Zukunftsfähigkeit der eigenen Einrichtung.

Quellen

Florian Dyballa

CEO, Co-Founder

Über Florian

  • Gründer & CEO von Aivy – entwickelt innovative Wege der Personaldiagnostik und zählt zu den Top 10 HR-Tech-Gründern Deutschlands (Business Punk)
  • Über 500.000 digitale Eignungstests erfolgreich im Einsatz bei mehr als 100 Unternehmen wie Lufthansa, Würth und Hermes
  • Dreifach mit dem HR Innovation Award ausgezeichnet und regelmäßig in führenden Wirtschaftsmedien präsent (WirtschaftsWoche, Handelsblatt und FAZ)
  • Verbindet als Wirtschaftspsychologe und Digital-Experte fundierte Tests mit KI für faire Chancen in der Personalauswahl
  • Teilt Expertise als gefragter Vordenker der HR-Tech-Branche – in Podcasts, Medien und auf wichtigen Branchenveranstaltungen
  • Gestaltet aktiv die Zukunft der Arbeitswelt – durch die Verbindung von Wissenschaft und Technologie für bessere und gerechtere Personalentscheidungen
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