Ein Tätigkeitsnachweis ist ein Dokument, das die von einer Person erbrachten Arbeitsleistungen schriftlich festhält – mit Angaben zu Datum, Dauer und Art der Tätigkeit. Er ist in bestimmten Beschäftigungsverhältnissen gesetzlich vorgeschrieben, etwa bei Minijobs nach § 17 MiLoG, in der Zeitarbeit und bei EU-geförderten Projekten. Arbeitgeber:innen sollten wissen, wann er Pflicht ist, welche Angaben er enthalten muss und wie lange er aufzubewahren ist.
Was ist ein Tätigkeitsnachweis?
Ein Tätigkeitsnachweis (auch: Tätigkeitsbericht oder Leistungsnachweis) ist eine schriftliche Dokumentation der von einer beschäftigten Person erbrachten Arbeitsleistungen. Er hält fest, wann welche Tätigkeit in welchem Umfang ausgeführt wurde – und unterscheidet sich damit grundlegend von einer allgemeinen Arbeitszeiterfassung.
Tätigkeitsnachweis, Stundenzettel und Arbeitszeiterfassung – was ist der Unterschied?
Diese drei Begriffe werden häufig verwechselt, bezeichnen aber unterschiedliche Dokumentationsformen:
Der Tätigkeitsnachweis ist damit die umfassendste Dokumentationsform: Er erfasst nicht nur Zeiten, sondern auch Inhalte. Das ist insbesondere bei EU-geförderten Projekten relevant, wo Förderstellen genau wissen möchten, wofür Mitarbeiter:innen ihre Zeit aufgewendet haben.
Rechtliche Grundlagen
Arbeitszeitgesetz und BAG-Beschluss 2022
Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) verpflichtet Arbeitgeber:innen nach § 16 Abs. 2 ArbZG dazu, die über die werktägliche Arbeitszeit von 8 Stunden hinausgehenden Arbeitsstunden aufzuzeichnen. Diese Regelung ist eng mit dem Tätigkeitsnachweis verknüpft, deckt sich aber nicht vollständig damit.
Einen wichtigen Schritt weiter ging der Bundesarbeitsgericht-Beschluss vom 13. September 2022 (Az. 1 ABR 22/21): Das BAG stellte fest, dass Arbeitgeber:innen bereits nach dem geltenden Recht – konkret aus § 3 Abs. 2 Nr. 1 BetrVG in Verbindung mit der europäischen Arbeitszeit-Richtlinie – zur vollständigen Arbeitszeiterfassung verpflichtet sind. Wichtig: Das BAG hat damit kein neues Gesetz geschaffen, sondern bestehendes Recht ausgelegt. Eine spezifische gesetzliche Regelung, die diese Verpflichtung explizit kodifiziert, steht (Stand April 2026) noch aus.
Ergänzend hatte bereits der Europäische Gerichtshof im Mai 2019 (Rs. C-55/18 – CCOO) entschieden, dass EU-Mitgliedstaaten Arbeitgeber:innen zur Einführung objektiver und verlässlicher Arbeitszeiterfassungssysteme verpflichten müssen.
Mindestlohngesetz (MiLoG) § 17
Besonders praxisrelevant ist § 17 MiLoG: Für geringfügig Beschäftigte (Minijobs) und weitere Beschäftigungsformen mit erhöhtem Kontrollbedarf sind Arbeitgeber:innen verpflichtet, Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit aufzuzeichnen. Diese Aufzeichnungen müssen spätestens bis zum Ablauf des siebten auf den Tag der Arbeitsleistung folgenden Kalendertags vorliegen.
Besondere Branchen
In bestimmten Branchen gelten schärfere Dokumentationspflichten, die über einen einfachen Stundenzettel hinausgehen:
- Baugewerbe, Gaststätten, Fleischwirtschaft, Speditions- und Transportgewerbe, Schaustellergewerbe: Pflicht zur Aufzeichnung nach § 2a SchwarzArbG und MiLoG
- Zeitarbeit (Arbeitnehmerüberlassung): Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) regelt Dokumentationspflichten für Verleiher:innen und Entleiher:innen
Wann ist ein Tätigkeitsnachweis Pflicht?
Minijobs und geringfügige Beschäftigung
Für Arbeitgeber:innen, die Minijobber:innen beschäftigen, ist die Pflicht zur Dokumentation klar geregelt: § 17 MiLoG verlangt die Aufzeichnung von Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit. In der Praxis wird dies häufig als Tätigkeitsnachweis umgesetzt, der zusätzlich eine kurze Beschreibung der ausgeführten Aufgaben enthält. Bei Verstößen drohen empfindliche Bußgelder.
Zeitarbeit
Im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung (Zeitarbeit) sind sowohl die Verleiher:innen als auch die Entleiher:innen für die korrekte Dokumentation der Arbeitsleistung verantwortlich. Der Tätigkeitsnachweis dient hier als Nachweis gegenüber Zoll- und Finanzkontrollbehörden sowie als Grundlage für die Abrechnung zwischen Zeitarbeitsunternehmen und Kundenunternehmen.
EU-geförderte Projekte (EFRE, ESF, Horizon)
Wer EU-Fördermittel erhält, unterliegt besonders strengen Anforderungen. Die Förderprogramme EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung), ESF (Europäischer Sozialfonds) und Horizon verlangen monatliche Tätigkeitsnachweise für alle im Projekt eingesetzten Personen. Diese müssen enthalten:
- Projektnummer und Kostenstelle
- Prozentualen Anteil der Arbeitszeit, der auf das Projekt entfällt
- Inhaltliche Beschreibung der erbrachten Leistungen
- Unterschrift der beschäftigten Person und der vorgesetzten Person
Werden diese Anforderungen nicht erfüllt, kann die Förderstelle Mittel vollständig oder anteilig zurückfordern. Dieser Punkt wird in der Praxis häufig unterschätzt.
Pflichtangaben: Was muss ein Tätigkeitsnachweis enthalten?
Ein rechtssicherer Tätigkeitsnachweis enthält mindestens folgende Angaben:
Mindestangaben (allgemein):
- Vollständiger Name der beschäftigten Person
- Datum bzw. Zeitraum der Tätigkeit
- Beginn und Ende der Arbeitszeit (bei MiLoG-Pflicht)
- Kurzbeschreibung der ausgeführten Tätigkeit
- Unterschrift der Arbeitnehmer:in
Zusätzlich empfohlen:
- Name des Unternehmens / der Abteilung
- Unterschrift der vorgesetzten Person oder Arbeitgeber:in
- Kostenstelle oder Projektzuordnung
Zusätzlich bei EU-Projekten (Pflicht):
- Projektnummer und -bezeichnung
- Prozentualer Zeitanteil im Projekt
- Detailliertere inhaltliche Beschreibung der Tätigkeiten
Aufbewahrungsfristen im Überblick
Die Aufbewahrungspflichten variieren je nach Rechtsgrundlage:
Empfehlung für die Praxis: Als sicherer Maximalwert gilt eine Aufbewahrungsdauer von 10 Jahren. Wer Tätigkeitsnachweise mindestens so lange archiviert, ist sowohl bei steuerrechtlichen Prüfungen als auch bei Nachkontrollen von EU-Förderprogrammen auf der sicheren Seite.
Tätigkeitsnachweis digital oder auf Papier?
Digitale Tätigkeitsnachweise sind grundsätzlich zulässig – und in vielen Unternehmen bereits Standard. Die entscheidenden Anforderungen:
Technische Voraussetzungen für digitale Nachweise:
- Revisionssichere Speicherung: Nachträgliche Änderungen müssen technisch ausgeschlossen oder vollständig dokumentiert sein. Revisionssichere Speicherung bedeutet, dass Dokumente unveränderbar abgelegt werden oder jede Änderung mit Zeitstempel und Nutzer:innen-ID protokolliert wird.
- DSGVO-Konformität: Da Tätigkeitsnachweise personenbezogene Daten enthalten, gelten die Datenschutzanforderungen der Datenschutz-Grundverordnung.
- Zugriffsschutz: Nur berechtigte Personen dürfen Einblick in die Dokumente erhalten.
Viele HR-Zeiterfassungssysteme und Projektmanagement-Tools bieten entsprechende Funktionen an. Wer ein System einführt, sollte vorab prüfen, ob es die oben genannten technischen Anforderungen erfüllt.
Unterschriften digital: Elektronische Signaturen nach der eIDAS-Verordnung sind für Tätigkeitsnachweise in der Regel ausreichend (einfache oder fortgeschrittene elektronische Signatur). Für EU-Förderprojekte kann je nach Förderstelle eine qualifizierte elektronische Signatur (QES) verlangt werden – das sollte vorab mit der Förderstelle geklärt werden.
Häufige Fragen zum Tätigkeitsnachweis
Was ist der Unterschied zwischen Tätigkeitsnachweis und Stundenzettel?
Ein Stundenzettel erfasst ausschließlich Arbeitszeiten – also wann jemand begonnen und wann aufgehört hat zu arbeiten. Ein Tätigkeitsnachweis geht darüber hinaus: Er dokumentiert zusätzlich, was in dieser Zeit inhaltlich geleistet wurde. Bei EU-geförderten Projekten ist ein Tätigkeitsnachweis mit inhaltlicher Beschreibung Pflicht; ein einfacher Stundenzettel genügt dort nicht.
Wann ist ein Tätigkeitsnachweis gesetzlich Pflicht?
Gesetzlich verpflichtend ist ein Tätigkeitsnachweis (oder eine vergleichbare Dokumentation) insbesondere für Minijobs nach § 17 MiLoG, in der Zeitarbeit nach AÜG, in risikobehafteten Branchen nach § 2a SchwarzArbG sowie in allen EU-geförderten Projekten gemäß den jeweiligen Förderrichtlinien. Darüber hinaus ergibt sich aus dem BAG-Beschluss vom 13. September 2022 (Az. 1 ABR 22/21) faktisch eine allgemeine Pflicht zur Arbeitszeiterfassung für alle Arbeitgeber:innen.
Wie lange müssen Tätigkeitsnachweise aufbewahrt werden?
Nach MiLoG und ArbZG beträgt die Mindestaufbewahrungsfrist 2 Jahre. Für EU-Förderprojekte gilt in der Regel eine Frist von 10 Jahren. Aus steuerrechtlichen Gründen (AO § 147) sind aufbewahrungspflichtige Unterlagen ebenfalls 10 Jahre zu archivieren. Als Faustformel gilt: 10 Jahre aufbewahren und damit alle Fristen abdecken.
Muss der Tätigkeitsnachweis von Arbeitnehmer:innen selbst ausgefüllt werden?
Die Endverantwortung für die korrekte Dokumentation liegt beim Arbeitgebenden. In der Praxis füllen Arbeitnehmer:innen ihre Tätigkeitsnachweise häufig selbst aus und übergeben sie zur Prüfung und Unterzeichnung an die vorgesetzte Person oder an HR. Entscheidend ist, dass der Nachweis vollständig, korrekt und fristgerecht vorliegt.
Kann ein Tätigkeitsnachweis digital geführt werden?
Ja. Digitale Tätigkeitsnachweise sind rechtlich zulässig, sofern sie revisionssicher gespeichert werden, DSGVO-konform sind und der Zugriff auf berechtigte Personen beschränkt ist. Viele Zeiterfassungssysteme erfüllen diese Anforderungen bereits. Bei EU-Förderprojekten sollte vorab mit der Förderstelle geklärt werden, ob digitale Signaturen anerkannt werden.
Was passiert, wenn der Tätigkeitsnachweis fehlt oder fehlerhaft ist?
Fehlt der Tätigkeitsnachweis bei einer gesetzlichen Pflicht, drohen Bußgelder – bei MiLoG-Verstößen bis zu 30.000 Euro pro Einzelfall. Bei EU-Förderprojekten kann die Förderstelle Mittel anteilig oder vollständig zurückfordern. Unvollständige oder nachträglich gefälschte Nachweise können zudem strafrechtliche Konsequenzen haben.
Was gilt bei EU-geförderten Projekten besonders?
EU-Förderprogramme (EFRE, ESF, Horizon) stellen eigene, über das nationale Recht hinausgehende Anforderungen. Monatliche Tätigkeitsnachweise pro Mitarbeiter:in sind Pflicht und müssen Projektzuordnung, prozentualen Zeitanteil und eine inhaltliche Beschreibung der Tätigkeiten enthalten. Fehlen diese Nachweise bei einer Prüfung, droht die Rückforderung der Fördermittel. Empfehlung: Frühzeitig die spezifischen Anforderungen des jeweiligen Förderprogramms klären und Vorlagen entsprechend anpassen.
Wie unterscheidet sich der Tätigkeitsnachweis bei Zeitarbeit?
In der Zeitarbeit dient der Tätigkeitsnachweis als zentrales Dokument zwischen Zeitarbeitsunternehmen (Verleiher:in) und Kundenunternehmen (Entleiher:in). Er bildet die Grundlage für die Rechnungsstellung, dokumentiert die erbrachten Leistungen und schützt beide Parteien bei späteren Streitigkeiten. In der Praxis wird er oft als monatlicher oder wöchentlicher Bericht geführt und von beiden Parteien unterzeichnet.
Fazit
Der Tätigkeitsnachweis ist mehr als ein bürokratisches Dokument: Er schützt Arbeitgeber:innen vor rechtlichen und finanziellen Risiken, erfüllt gesetzliche Dokumentationspflichten und ist bei EU-Projekten ein zentrales Steuerungsinstrument. Wer die relevanten Rechtsgrundlagen kennt, die richtigen Pflichtangaben verwendet und auf revisionssichere Archivierung achtet, ist sowohl bei Behördenprüfungen als auch bei Fördermittelkontrollen gut aufgestellt.
Als Faustregel gilt: Tätigkeitsnachweise mindestens 10 Jahre aufbewahren, Pflichtangaben vollständig erfassen und – wo immer möglich – auf digitale, systemgestützte Lösungen umstellen, um Fehler und Aufwand zu reduzieren.
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Quellen
- Arbeitszeitgesetz (ArbZG), insb. § 16 Abs. 2. Bundesministerium der Justiz, 2024. https://www.gesetze-im-internet.de/arbzg/
- Mindestlohngesetz (MiLoG), insb. § 17 (Dokumentationspflichten). Bundesministerium der Justiz, 2024. https://www.gesetze-im-internet.de/milog/
- Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 13.09.2022, Az. 1 ABR 22/21 (Arbeitszeiterfassung). https://www.bundesarbeitsgericht.de/presse/einsatz-technischer-ueberwachungseinrichtungen-mitbestimmung-des-betriebsrats/
- Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 14.05.2019, Rs. C-55/18 – CCOO (Pflicht zur Arbeitszeiterfassung). https://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?docid=214043
- Gewerbeordnung (GewO), § 28. Bundesministerium der Justiz, 2024. https://www.gesetze-im-internet.de/gewo/__28.html
- Gesetz zur Regelung des allgemeinen Mindestlohns (MiLoG). Bundesministerium der Justiz. https://www.gesetze-im-internet.de/milog/
- Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Arbeitszeiterfassung – Informationen für Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen. https://www.bmas.de
- Europäische Kommission: Leitfaden zur Projektdokumentation für ESF- und EFRE-Förderprogramme. https://ec.europa.eu/regional_policy/de/information/legislation/guidance/
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