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Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) – Definition, Maßnahmen & Praxis-Tipps

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Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) – Definition, Maßnahmen & Praxis-Tipps

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) bezeichnet alle systematischen Maßnahmen, mit denen Unternehmen die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden langfristig fördern und erhalten – von ergonomischen Arbeitsplätzen bis zur Burnout-Prävention. BGM ist zwar nicht vollständig gesetzlich vorgeschrieben, wird aber durch das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und §20 SGB V gerahmt und steuerlich gefördert. Gut umgesetztes BGM reduziert nachweislich Fehlzeiten, stärkt die Arbeitgeberattraktivität und liefert einen positiven ROI.

Was ist Betriebliches Gesundheitsmanagement?

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist der strategische Rahmen, innerhalb dessen Unternehmen die körperliche, psychische und soziale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden systematisch fördern. Es geht dabei nicht um einzelne Sportkurse oder eine Obstschale im Pausenraum – sondern um einen ganzheitlichen Ansatz, der Analyse, Planung, Umsetzung und Erfolgskontrolle umfasst.

Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, dass gesunde Mitarbeitende leistungsfähiger, motivierter und langfristig seltener krank sind. Laut dem Fehlzeiten-Report 2023 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) erreichte der Krankenstand in Deutschland einen neuen Höchststand – ein klares Signal, dass reaktives Handeln nicht ausreicht. BGM denkt Gesundheit proaktiv und strukturiert.

BGM, BGF und BEM: Was ist der Unterschied?

Drei Begriffe tauchen im Kontext Mitarbeitergesundheit regelmäßig auf – und werden häufig verwechselt:

Begriff Vollform Kurzbeschreibung Gesetzlich verpflichtend?
BGM Betriebliches Gesundheitsmanagement Übergeordneter strategischer Rahmen Nein
BGF Betriebliche Gesundheitsförderung Konkrete Maßnahmen für alle Mitarbeitenden Nein (aber förderbar)
BEM Betriebliches Eingliederungsmanagement Wiedereingliederung nach langer Krankheit Ja (§167 SGB IX)

BGM ist der Oberbegriff: Er umfasst Strategie, Strukturen und alle Teilbereiche – also auch BGF und BEM.

BGF ist ein Teilbereich des BGM und bezeichnet konkrete Angebote für alle Mitarbeitenden: Sport- und Bewegungsangebote, Ernährungsberatung, Stressmanagement-Kurse. Krankenkassen fördern BGF-Maßnahmen nach §20 SGB V mit bis zu 500 Euro je Mitarbeiter:in und Jahr.

BEM ist gesetzlich vorgeschrieben (§167 SGB IX): Sobald Mitarbeitende innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig waren, muss der Arbeitgeber ein BEM-Gespräch anbieten und gemeinsam klären, wie eine Rückkehr in den Beruf gelingen kann.

Gesetzliche Grundlagen

BGM als Gesamtstrategie ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Dennoch gibt es mehrere rechtliche Rahmenbedingungen, die HR-Verantwortliche kennen sollten:

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) – Pflicht

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Arbeitgeber:innen, Gefährdungen am Arbeitsplatz systematisch zu beurteilen und zu minimieren. Seit 2013 gilt das ausdrücklich auch für psychische Belastungen – also Stress, Arbeitsverdichtung oder Konflikte im Team. Die Gefährdungsbeurteilung ist damit ein gesetzlicher Einstiegspunkt in jedes BGM-Konzept.

§20 SGB V – Betriebliche Gesundheitsförderung (freiwillig, aber förderbar)

§20 SGB V verpflichtet Krankenkassen, Mittel für Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung bereitzustellen. Unternehmen können BGF-Maßnahmen über ihre Betriebskrankenkasse oder gesetzliche Krankenversicherung bezuschussen lassen. Der GKV-Leitfaden Prävention legt die förderfähigen Handlungsfelder fest (Stand: 2023).

§167 SGB IX – BEM (Pflicht)

Sobald die Sechs-Wochen-Schwelle erreicht ist, muss der Arbeitgeber ein BEM einleiten. Das ist keine Kann-, sondern eine Muss-Vorschrift. Wer das BEM nicht anbietet, riskiert im Kündigungsschutzverfahren Nachteile.

§3 Nr. 34 EStG – Steuerfreiheit

Arbeitgeber:innen können Gesundheitsleistungen für ihre Mitarbeitenden bis zu 600 Euro pro Person und Jahr steuerfrei gewähren (§3 Nr. 34 EStG). Das senkt die Nettokosten von BGM-Investitionen erheblich.

Ziele und Nutzen von BGM

Für Mitarbeitende

Gut umgesetztes BGM verbessert spürbar die Arbeitsbedingungen: weniger Lärm, ergonomischere Arbeitsplätze, mehr Spielraum bei der Arbeitsgestaltung. Wer Unterstützung bei Stress, privaten Krisen oder gesundheitlichen Beschwerden erhält, fühlt sich wertgeschätzt – und bleibt dem Unternehmen länger treu.

Für Unternehmen

Die betriebswirtschaftlichen Vorteile sind messbar: Laut dem iga.Report 40 der Initiative Gesundheit und Arbeit bringt jeder investierte Euro in betriebliche Prävention im Schnitt 2,70 Euro Return – durch reduzierte Fehlzeiten, höhere Produktivität und geringere Fluktuation.

BGM als Employer-Branding-Faktor

Im Wettbewerb um Fachkräfte ist BGM längst ein Differenzierungsmerkmal. Wer aktiv in Gesundheit investiert, signalisiert: Dieses Unternehmen nimmt seine Mitarbeitenden ernst. Das wirkt – nicht nur intern, sondern auch nach außen auf dem Bewerbermarkt. Ein modernes, wertschätzendes Arbeitsumfeld beginnt bereits im Recruiting-Prozess: Faire, transparente Auswahlverfahren und eine positive Candidate Experience sind der erste Eindruck, den potenzielle Mitarbeitende von einem Unternehmen gewinnen.

BGM-Maßnahmen: Beispiele aus der Praxis

BGM-Maßnahmen lassen sich in zwei große Kategorien einteilen:

Verhältnisprävention: Arbeitsbedingungen verbessern

Verhältnisprävention setzt an den Strukturen und Rahmenbedingungen an – unabhängig vom Verhalten einzelner Mitarbeitender:

  • Ergonomische Büroausstattung (höhenverstellbare Schreibtische, Beleuchtung, Lärmschutz)
  • Flexible Arbeitszeitmodelle (Gleitzeit, Homeoffice, Teilzeit)
  • Gesunde Kantinen- und Verpflegungsangebote
  • Optimierung von Schichtplänen zur Reduktion von Belastungsspitzen

Verhaltensprävention: Angebote für Mitarbeitende

Verhaltensprävention adressiert das individuelle Gesundheitsverhalten:

  • Bewegungs- und Sportangebote (Firmensport, Kooperationen mit Fitnessstudios)
  • Ernährungsberatung und -kurse
  • Stressmanagement-Workshops und Achtsamkeitstrainings
  • Suchtprävention und Entwöhnungsprogramme

Psychische Gesundheit und Stressprävention

Psychische Erkrankungen sind laut Fehlzeiten-Report einer der häufigsten Gründe für lange Ausfallzeiten. Konkrete Maßnahmen umfassen:

  • Employee Assistance Programs (EAP): Externe, vertrauliche Beratungsdienste für Mitarbeitende bei persönlichen oder beruflichen Krisen – oft telefonisch oder per Chat erreichbar.
  • Führungskräfteschulungen zu gesunder Führung (Burnout-Prävention beginnt bei der Führungsebene)
  • Anonymisierte Mitarbeiterbefragungen zur Erfassung psychischer Belastungen
  • Betriebliche Burnout-Prävention als strukturiertes Programm

BGM einführen: Schritt für Schritt

Besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wirkt der Einstieg in BGM oft komplex. Dabei ist ein funktionierendes BGM-Konzept auch ohne großes Budget möglich:

Schritt 1: Verantwortlichkeiten klären - Bestimme, wer das BGM koordiniert – ob eine interne Steuerungsgruppe, ein:e BGM-Beauftragte:r oder eine externe Beratung.

Schritt 2: Ist-Analyse durchführen - Analysiere Fehlzeitenquoten, führe eine anonyme Mitarbeiterbefragung durch und ergänze die gesetzlich ohnehin erforderliche Gefährdungsbeurteilung.

Schritt 3: Ziele definieren - Lege messbare Ziele fest – zum Beispiel: "Fehlzeiten um 10 % in zwei Jahren senken" oder "Teilnahmequote an BGF-Angeboten auf 40 % steigern."

Schritt 4: Maßnahmen planen und budgetieren - Priorisiere Maßnahmen nach Wirksamkeit und Kosten. Nutze Krankenkassen-Förderung nach §20 SGB V und die steuerfreie Gesundheitsleistung nach §3 Nr. 34 EStG.

Schritt 5: Umsetzen und evaluieren - Führe Maßnahmen ein, kommuniziere aktiv und messe regelmäßig die Ergebnisse. BGM ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess.

Häufige Fragen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement

Was ist der Unterschied zwischen BGM und BGF?

BGM ist der übergeordnete strategische Rahmen, der alle gesundheitsbezogenen Aktivitäten eines Unternehmens umfasst – Analyse, Steuerung, Umsetzung und Kontrolle. BGF (Betriebliche Gesundheitsförderung) ist ein Teilbereich davon und bezeichnet konkrete Angebote für alle Mitarbeitenden, die von Krankenkassen nach §20 SGB V gefördert werden können. Kurz gesagt: BGF ist ein Instrument innerhalb des BGM.

Ist Betriebliches Gesundheitsmanagement gesetzlich vorgeschrieben?

BGM als Gesamtstrategie ist nicht gesetzlich verpflichtend. Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) schreibt jedoch die Gefährdungsbeurteilung – inklusive psychischer Belastungen – vor. Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) ist nach §167 SGB IX Pflicht, sobald Mitarbeitende innerhalb eines Jahres mehr als sechs Wochen arbeitsunfähig waren.

Welche Maßnahmen gehören zum BGM?

BGM umfasst ein breites Spektrum: Verhältnisprävention (Ergonomie, Schichtplanung, Lärmschutz), Verhaltensprävention (Sportkurse, Ernährungsberatung, Stressmanagement), psychische Gesundheitsangebote (EAP, Führungskräfteschulungen) sowie das gesetzlich vorgeschriebene BEM. Die Auswahl sollte auf einer Bedarfsanalyse basieren.

Was kostet BGM und welchen ROI bringt es?

Die Kosten variieren stark – von einigen hundert bis mehreren Tausend Euro pro Mitarbeiter:in und Jahr. Laut dem iga.Report 40 (Initiative Gesundheit und Arbeit, 2020) erzeugt ein investierter Euro in betriebliche Prävention einen Return von 2,70 Euro durch reduzierte Fehlzeiten und höhere Produktivität. Krankenkassen-Förderung nach §20 SGB V und die steuerfreie Gesundheitsleistung nach §3 Nr. 34 EStG (bis 600 Euro/MA/Jahr) reduzieren die Nettokosten zusätzlich.

Wie führe ich BGM in meinem Unternehmen ein?

Der Einstieg gelingt in fünf Schritten: Verantwortliche benennen, Ist-Analyse durchführen (Fehlzeiten, Mitarbeiterbefragung, Gefährdungsbeurteilung), Ziele definieren, Maßnahmen planen und budgetieren sowie umsetzen und regelmäßig evaluieren. Krankenkassen bieten oft kostenlose Beratung zur BGF-Förderung an.

Wie messe ich den Erfolg von BGM?

Relevante Kennzahlen sind: Fehlzeitenquote (Ziel: sinkend), Präsentismusquote (Mitarbeitende arbeiten trotz Krankheit), Mitarbeiterzufriedenheit aus regelmäßigen Befragungen, Fluktuationsrate sowie die Teilnahmequoten an BGM-Angeboten. Präsentismus – also das Erscheinen trotz Krankheit – ist oft teurer als Fehlzeiten, weil Fehlerquote und Ansteckungsrisiko steigen.

Was versteht man unter Präsentismus?

Präsentismus bezeichnet das Phänomen, dass Mitarbeitende trotz Krankheit zur Arbeit erscheinen. Studien zeigen, dass die dadurch entstehenden Produktivitätsverluste die direkten Kosten von Fehlzeiten häufig übersteigen. BGM adressiert Präsentismus durch eine offene Unternehmenskultur, in der Kranksein kein Makel ist.

Fazit

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist weit mehr als ein Wellbeing-Trend – es ist eine strategische Investition in die Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit deiner Mitarbeitenden. Wer BGM systematisch einführt, reduziert Fehlzeiten, senkt Kosten und positioniert sich als attraktiver Arbeitgeber.

Der Einstieg muss dabei nicht perfekt sein: Auch mit einer soliden Ist-Analyse und zwei gut gewählten Maßnahmen aus dem BGF-Bereich lässt sich schnell Wirkung erzielen – gefördert durch Krankenkassen und steuerlich begünstigt.

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Quellen

Florian Dyballa

CEO, Co-Founder

Über Florian

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  • Über 500.000 digitale Eignungstests erfolgreich im Einsatz bei mehr als 100 Unternehmen wie Lufthansa, Würth und Hermes
  • Dreifach mit dem HR Innovation Award ausgezeichnet und regelmäßig in führenden Wirtschaftsmedien präsent (WirtschaftsWoche, Handelsblatt und FAZ)
  • Verbindet als Wirtschaftspsychologe und Digital-Experte fundierte Tests mit KI für faire Chancen in der Personalauswahl
  • Teilt Expertise als gefragter Vordenker der HR-Tech-Branche – in Podcasts, Medien und auf wichtigen Branchenveranstaltungen
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