Du hast 45 Minuten Zeit. Vor dir sitzt eine Person, die du noch nie getroffen hast. Nach diesem Gespräch sollst du entscheiden, ob sie die nächsten Jahre in deinem Team arbeitet. Kein Druck.
Die Realität zeigt: Viele Führungskräfte und Recruiter:innen verlassen sich in dieser Situation auf ihr Bauchgefühl. Das Problem? Es funktioniert nicht. Aktuelle Forschung belegt, dass unstrukturierte Interviews nur eine geringe Vorhersagekraft für den späteren Berufserfolg haben. Anders ausgedrückt: Dein gutes Gefühl nach dem Gespräch sagt wenig darüber aus, ob die Person tatsächlich erfolgreich sein wird.
In diesem Ratgeber erfährst du, wie du Vorstellungsgespräche professionell führst. Du lernst, warum strukturierte Interviews nachweislich bessere Ergebnisse liefern, wie du die STAR-Methode richtig anwendest und welche Strategien Unconscious Bias reduzieren. Am Ende steht eine Checkliste, die du direkt in deinem nächsten Gespräch nutzen kannst.
Was macht ein gutes Bewerbungsgespräch aus?
Ein gutes Bewerbungsgespräch ist kein nettes Kennenlernen. Es ist ein diagnostisches Instrument, das dir dabei hilft, die beste Person für eine Stelle zu finden. Das bedeutet: Du brauchst Struktur, klare Kriterien und die richtigen Fragen.
Das Dilemma: Bauchgefühl vs. Objektivität
Du kennst das: Nach einem Gespräch hast du sofort ein Gefühl. Sympathisch. Kompetent. Passt ins Team. Oder eben nicht. Das Problem ist, dass dieses Gefühl oft mehr über dich aussagt als über die Kandidat:innen.
Der Affinity Bias beschreibt die Tendenz, Menschen zu bevorzugen, die uns ähnlich sind. Wer an der gleichen Uni studiert hat, die gleichen Hobbys teilt oder ähnlich kommuniziert, wirkt automatisch sympathischer. Das hat nichts mit fachlicher Eignung zu tun.
Dazu kommt der Halo-Effekt: Ein positives Merkmal überstrahlt die gesamte Wahrnehmung. Weil jemand eloquent spricht, schätzt du unbewusst auch die Fachkompetenz höher ein. Umgekehrt führt ein Stolperer am Anfang dazu, dass du danach nur noch Fehler siehst.
Wissenschaftlerin Stephanie Wondrak (2014) definiert Unconscious Bias als unbewusste kognitive Verzerrungen und fehlerhafte Tendenzen in Wahrnehmung, Erinnerung und Beurteilung. Diese Verzerrungen passieren automatisch, ohne dass du es merkst.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Interview-Validität
Die Forschung ist eindeutig: Die Art, wie du ein Interview führst, bestimmt maßgeblich die Qualität deiner Entscheidung.
Validität beschreibt, wie gut ein Verfahren das misst, was es messen soll. Bei Bewerbungsgesprächen bedeutet das: Wie zuverlässig kannst du den zukünftigen Berufserfolg vorhersagen?
Eine wegweisende Meta-Analyse von Sackett et al. (2022) untersuchte die Vorhersagekraft verschiedener Auswahlmethoden. Das Ergebnis: Strukturierte Interviews erreichen eine Validität von r=0,42. Das bedeutet, dass 42% der Unterschiede im späteren Berufserfolg durch das strukturierte Interview erklärt werden können.
Das klingt vielleicht nicht nach viel, ist aber beachtlich. Zum Vergleich: Unstrukturierte Gespräche, bei denen du spontan fragst, was dir gerade einfällt, schneiden deutlich schlechter ab.
Strukturiertes vs. unstrukturiertes Interview: Was die Forschung sagt
Der Unterschied zwischen einem strukturierten und einem unstrukturierten Interview ist fundamental. Er entscheidet darüber, ob du Äpfel mit Äpfeln vergleichst oder Äpfel mit Birnen.
Validitätsvergleich: Welche Methode trifft besser?
Die Meta-Analysen von Schmidt und Hunter (1998, aktualisiert 2016) gelten als Standardwerk der Personalauswahl. Ihre Ergebnisse zeigen klare Unterschiede:
Ein strukturiertes Interview folgt einem festen Ablauf: Alle Kandidat:innen erhalten die gleichen Fragen in der gleichen Reihenfolge. Die Antworten werden nach definierten Kriterien bewertet. Das macht Gespräche vergleichbar.
Ein unstrukturiertes Interview hingegen verläuft wie ein freies Gespräch. Du fragst, was dir gerade einfällt, und bewertest nach Gefühl. Das Resultat: Jedes Gespräch ist anders, und du vergleichst am Ende nicht die Kandidat:innen, sondern deine eigenen spontanen Eindrücke.
Das multimodale Interview nach Schuler
Professor Heinz Schuler entwickelte 1992 das multimodale Interview, das strukturierte Elemente mit flexiblen Gesprächsphasen kombiniert. Es erreicht hohe Validität bei guter Akzeptanz, weil es sich trotz Standardisierung natürlich anfühlt.
Das Modell kombiniert verschiedene Gesprächselemente: einen Smalltalk zur Auflockerung, verhaltensbasierte Fragen zu vergangenen Situationen, situative Fragen zu hypothetischen Szenarien und Raum für freie Selbstpräsentation. So erhältst du ein umfassendes Bild, ohne die Vergleichbarkeit zu opfern.
Die 5 Phasen eines professionellen Bewerbungsgesprächs
Ein gutes Gespräch braucht einen klaren Ablauf. Die optimale Dauer liegt bei 45-60 Minuten. Das gibt dir genug Zeit für Tiefe, ohne dass die Konzentration nachlässt.
Phase 1: Vorbereitung – Anforderungsprofil und Fragenkatalog
Die Vorbereitung entscheidet über den Erfolg. Bevor du das erste Gespräch führst, brauchst du ein klares Anforderungsprofil.
Ein gutes Anforderungsprofil definiert Must-have- und Nice-to-have-Kompetenzen. Es beschreibt beobachtbares Verhalten zu jeder Kompetenz und legt Bewertungskriterien mit einer Skala fest. Erstelle es gemeinsam mit der Fachabteilung. So weißt du genau, wonach du im Interview fragst und worauf du achtest.
Entwickle auf dieser Basis einen Fragenkatalog mit 8-12 STAR-Fragen. Jede Frage sollte eine konkrete Kompetenz aus dem Anforderungsprofil prüfen.
Phase 2: Begrüßung und Gesprächseröffnung (5 Minuten)
Starte mit einem kurzen Smalltalk, um die Nervosität zu senken. Stelle dich und alle Anwesenden vor. Erkläre den Ablauf des Gesprächs, damit die Kandidat:innen wissen, was sie erwartet.
Achte auf eine angenehme Atmosphäre. Biete Wasser an. Diese wenigen Minuten sind entscheidend für eine gute Candidate Experience, auch wenn du später absagst.
Phase 3: Das Interview – STAR-Methode richtig anwenden (25-30 Minuten)
Der Hauptteil folgt dem strukturierten Fragenkatalog. Hier kommt die STAR-Methode zum Einsatz, auf die wir im nächsten Kapitel detailliert eingehen.
Wichtig: Stelle jeder Person die gleichen Fragen in der gleichen Reihenfolge. Nur so sind die Antworten später vergleichbar.
Phase 4: Unternehmensvorstellung und Rückfragen (15 Minuten)
Jetzt bist du dran. Stelle das Unternehmen, das Team und die Stelle vor. Sei ehrlich über Herausforderungen. Kandidat:innen, die mit falschen Erwartungen starten, sind schnell wieder weg.
Räume Zeit für Rückfragen ein. Die Fragen, die Kandidat:innen stellen, verraten viel über ihre Motivation und Vorbereitung.
Phase 5: Abschluss und Nachbereitung (5 Minuten + danach)
Erkläre die nächsten Schritte und den Zeitrahmen. Bedanke dich für die Zeit.
Direkt nach dem Gespräch: Bewerte jede Kompetenz einzeln anhand deines Bewertungsbogens. Warte nicht bis zum Ende aller Gespräche. Je frischer die Eindrücke, desto genauer die Bewertung.
Die STAR-Methode: Verhaltensbasierte Fragen richtig stellen
Die STAR-Methode ist eine verhaltensbasierte Interviewtechnik, die auf einem einfachen Prinzip basiert: Vergangenes Verhalten ist der beste Prädiktor für zukünftiges Verhalten.
STAR steht für:
- Situation: In welchem Kontext fand das statt?
- Task: Was war die Aufgabe oder Herausforderung?
- Action: Wie ist die Person vorgegangen?
- Result: Was war das Ergebnis?
So formulierst du STAR-konforme Fragen
Eine gute STAR-Frage beginnt immer mit einer Aufforderung, eine konkrete vergangene Situation zu beschreiben. Vermeide hypothetische Fragen wie "Was würden Sie tun, wenn...?" Diese zeigen, wie jemand behauptet zu handeln, nicht wie die Person tatsächlich handelt.
Beispielformulierungen:
- "Beschreiben Sie eine Situation, in der Sie unter Zeitdruck ein Projekt abschließen mussten."
- "Erzählen Sie von einem Konflikt im Team und wie Sie damit umgegangen sind."
- "Geben Sie mir ein Beispiel für eine Situation, in der Sie einen Fehler gemacht und daraus gelernt haben."
10 Beispielfragen für verschiedene Kompetenzen
Typische Fehler bei der STAR-Methode vermeiden
Der häufigste Fehler: Du gibst dich mit vagen Antworten zufrieden. Wenn jemand sagt "Ich bin generell sehr teamfähig", hakst du nach: "Können Sie mir ein konkretes Beispiel geben?"
Weiterer Fehler: Du stellst Suggestivfragen wie "Sie sind doch sicher gut im Umgang mit Stress, oder?" Das provoziert sozial erwünschte Antworten statt ehrlicher Selbsteinschätzung.
Unconscious Bias im Bewerbungsgespräch: So triffst du objektivere Entscheidungen
Unbewusste Vorurteile beeinflussen jede Personalentscheidung. Das ist keine Schwäche, sondern menschlich. Der erste Schritt zur Verbesserung ist das Bewusstsein dafür.
Die häufigsten Bias-Typen im Interview
Der Confirmation Bias beschreibt die Tendenz, nach Informationen zu suchen, die unsere Vorannahmen bestätigen. Du hast einen positiven ersten Eindruck? Unbewusst achtest du danach nur noch auf Positives und ignorierst Warnsignale.
Beim Halo-Effekt überstrahlt ein positives Merkmal die gesamte Wahrnehmung. Umgekehrt führt ein negatives Detail zum Horn-Effekt: Ein Stolperer am Anfang färbt das gesamte Gespräch.
Der Affinity Bias sorgt dafür, dass du Menschen bevorzugst, die dir ähnlich sind. Gleiche Uni, gleiche Hobbys, ähnlicher Kommunikationsstil? Sympathie entsteht automatisch, hat aber nichts mit Jobeignung zu tun.
Mehr zu den verschiedenen Bias-Typen findest du in unserem Artikel über Hiring Bias im Recruiting.
5 Strategien zur Bias-Reduktion
- Strukturierte Interviews mit festem Fragenkatalog: Gleiche Fragen für alle reduzieren den Einfluss spontaner Eindrücke.
- Diverse Interview-Teams: Verschiedene Perspektiven gleichen individuelle Verzerrungen aus. Das Mehraugenprinzip funktioniert.
- Objektive Bewertungsbögen: Definierte Kriterien und Skalen vor dem Gespräch festlegen. Bewertet wird nur, was beobachtbar ist.
- Bewusstsein schaffen: Wer seine eigenen Bias kennt, kann aktiv gegensteuern. Schulungen helfen.
- Objektive Datengrundlage vor dem Gespräch: Eignungsdiagnostische Verfahren liefern Informationen unabhängig von Lebenslauf und erstem Eindruck.
Objektive Eignungsdiagnostik als Ergänzung
Die Forschung zeigt: Die Kombination aus strukturiertem Interview und Eignungsdiagnostik erreicht die höchste Gesamtvalidität. Der Grund ist logisch: Zwei unabhängige Datenquellen liefern ein vollständigeres Bild als eine allein.
Objektive Eignungsdiagnostik-Tools wie Aivy ermöglichen datenbasierte Entscheidungen vor dem Gespräch. Die Plattform nutzt Game-Based Assessments, die wissenschaftlich validiert sind und Kompetenzen unabhängig vom Lebenslauf messen.
Das Ergebnis: Du gehst mit einem Stärkenprofil ins Gespräch und kannst gezielter fragen. Statt allgemeiner Einschätzung weißt du, wo du nachhaken solltest.
Unternehmen wie OMR nutzen diesen Ansatz gezielt für mehr Objektivität. People Lead Kaya Kruse berichtet: "Aivy wirkt. Wir reduzieren Bias, gewinnen mehr Objektivität im Hiring und stärken langfristig die Diversität." Das konkrete Ergebnis: Kandidat:innen wurden eingestellt, die anhand des CVs abgelehnt worden wären.
Bewertung und Entscheidung: Vom Gespräch zur Auswahl
Das Gespräch ist vorbei. Jetzt beginnt der zweite kritische Teil: die objektive Bewertung.
Bewertungsbogen erstellen und nutzen
Ein strukturierter Bewertungsbogen ist unverzichtbar. Er enthält alle Kompetenzen aus dem Anforderungsprofil und eine klare Skala, zum Beispiel von 1 bis 5.
Bewerte jede Kompetenz einzeln direkt nach dem Gespräch. Dokumentiere konkrete Beobachtungen, keine Interpretationen. Statt "wirkte unsicher" notierst du "hat dreimal den Satz abgebrochen, Blickkontakt vermieden".
Wichtig: Vergleiche erst nach allen Interviews. Sonst beeinflusst das erste Gespräch deine Maßstäbe für alle folgenden.
Mehraugenprinzip: Warum diverse Interview-Teams wichtig sind
Verschiedene Menschen nehmen verschiedene Dinge wahr. Ein diverses Interview-Team gleicht individuelle Verzerrungen aus.
Ideal: Mindestens zwei Personen führen das Gespräch oder es gibt mehrere Gesprächsrunden mit unterschiedlichen Interviewenden. Ihre Bewertungen werden erst verglichen, nachdem alle individuell bewertet haben.
Kombination von Interview und Eignungsdiagnostik
Die beste Entscheidung triffst du, wenn du mehrere unabhängige Datenquellen kombinierst. Die Forschung von Schmidt und Hunter zeigt: Strukturiertes Interview (r=0,51) plus Eignungstest (r=0,54) ergibt die höchste Gesamtvalidität.
Ein Assessment vor dem Interview liefert eine objektive Datengrundlage und ermöglicht gezieltere Fragen im Gespräch. Du weißt, wo Stärken liegen, und kannst Entwicklungsfelder gezielt adressieren.
Praxisbeispiel: Wie Unternehmen ihren Interview-Prozess optimiert haben
Die Theorie ist wichtig. Aber wie sieht es in der Praxis aus?
Lufthansa hat den Recruiting-Prozess grundlegend umgestellt. Statt sich früh auf den Lebenslauf zu konzentrieren, setzt die Airline auf objektive Diagnostik vor dem Gespräch. Das Ergebnis überzeugt: 81% Zufriedenheit von Bewerbenden, 96% Trefferquote bei der Vorhersage der Eignung im Vergleich zum aufwändigen Inhouse Assessment und 100+ Minuten eingesparte Testzeit pro Bewerber:in.
Susanne Berthold-Neumann von Lufthansa erklärt den Ansatz: "Die Unterlagen schauen wir uns erst spät an, weil sie nur einen kleinen Teil der Person zeigen und wenig darüber aussagen, ob jemand die Kompetenzen für zukünftige Herausforderungen besitzt."
Auch mittelständische Unternehmen profitieren. Callways stellte den Recruitingprozess um und berichtet von spürbar besserer Gesprächsqualität. Co-CEO Achim Reinhardt: "Lebensläufe und Zeugnisse sagen wenig über zukünftige Performance aus. Mit Aivy sehen wir, was Technologie wirklich leisten kann: ein intuitives Tool, das uns deutlich effektiver macht." Die Gespräche seien "deutlich besser und mehr auf dem Punkt", die Investition lohne sich ab Tag 1.
Die vollständige Lufthansa-Erfolgsgeschichte zeigt im Detail, wie objektive Eignungsdiagnostik und strukturierte Interviews zusammenwirken.
Checkliste: Bewerbungsgespräch professionell führen
Diese Checkliste kannst du direkt nutzen:
Vor dem Gespräch:
- Anforderungsprofil mit Fachabteilung erstellt
- Fragenkatalog mit 8-12 STAR-Fragen vorbereitet
- Bewertungsbogen mit Skala definiert
- Lebenslauf und Bewerbungsunterlagen gelesen
- Eignungsdiagnostik-Ergebnisse gesichtet (falls vorhanden)
- Interview-Team abgestimmt
Während des Gesprächs:
- Smalltalk zur Auflockerung (max. 5 Minuten)
- Ablauf erklärt
- Alle STAR-Fragen in gleicher Reihenfolge gestellt
- Bei vagen Antworten nachgehakt
- Notizen gemacht
- Raum für Rückfragen gegeben
- Nächste Schritte erklärt
Nach dem Gespräch:
- Sofort bewertet (nicht warten!)
- Jede Kompetenz einzeln eingeschätzt
- Beobachtungen dokumentiert, keine Interpretationen
- Mit Interview-Team abgestimmt
- Kandidat:in zeitnah informiert
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Fragen darf ich im Bewerbungsgespräch nicht stellen?
Unzulässig sind Fragen zu Schwangerschaft und Familienplanung, Religionszugehörigkeit, politischer Überzeugung, ethnischer Herkunft, sexueller Orientierung, Gewerkschaftszugehörigkeit und Gesundheitszustand (außer bei direkter Relevanz für die Tätigkeit). Diese Fragen verstoßen gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).
Wie lange sollte ein Bewerbungsgespräch dauern?
Die optimale Dauer liegt bei 45-60 Minuten. Das ermöglicht: 5 Minuten Begrüßung, 25-30 Minuten Interview mit STAR-Fragen, 10 Minuten Unternehmensvorstellung, 10 Minuten Rückfragen und 5 Minuten Abschluss. Bei Führungspositionen kann es auch länger dauern.
Sollte ich Video-Interviews anders führen als persönliche Gespräche?
Die Grundprinzipien bleiben gleich. Achte auf gute Beleuchtung und neutralen Hintergrund, stabilen Blickkontakt in die Kamera (nicht auf den Bildschirm) und plane etwas mehr Gesprächspausen ein. Ein technischer Check vorab ist Pflicht. Übrigens: Erste Screening-Gespräche per Telefon können sogar Bias reduzieren, da visuelle Eindrücke entfallen.
Was macht ein gutes Anforderungsprofil für Interviews aus?
Ein gutes Anforderungsprofil definiert Must-have- und Nice-to-have-Kompetenzen, beschreibt beobachtbares Verhalten zu jeder Kompetenz und legt Bewertungskriterien mit Skala fest. Es sollte gemeinsam mit der Fachabteilung erstellt werden. So weißt du genau, wonach du im Interview fragst und worauf du achtest.
Welche Fehler machen Arbeitgeber am häufigsten im Bewerbungsgespräch?
Die fünf häufigsten Fehler sind: keine Vorbereitung oder Leitfaden, selbst zu viel reden statt zuzuhören, spontane Fragen statt strukturierter Fragenkatalog, Bauchgefühl statt definierter Kriterien und keine Nachbereitung oder Dokumentation. Jeder dieser Fehler reduziert die Qualität der Auswahlentscheidung massiv.
Wie kombiniere ich Bewerbungsgespräche mit anderen Auswahlmethoden optimal?
Die höchste Vorhersagevalidität erreichst du durch Kombination: strukturiertes Interview plus Eignungstest plus optional Arbeitsprobe. Ein Assessment vor dem Interview liefert eine objektive Datengrundlage und ermöglicht gezieltere Fragen im Gespräch.
Fazit: Bessere Gespräche führen zu besseren Entscheidungen
Die Forschung ist eindeutig: Strukturierte Interviews mit STAR-Methode übertreffen unstrukturierte Gespräche deutlich. Wer zusätzlich Bias-Strategien anwendet und objektive Eignungsdiagnostik integriert, trifft nachweislich bessere Personalentscheidungen.
Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
- Strukturierte Interviews haben eine Validität von r=0,42 bis r=0,51, deutlich höher als unstrukturierte Gespräche
- Die STAR-Methode prüft vergangenes Verhalten, den besten Prädiktor für zukünftiges Verhalten
- Unbewusste Vorurteile wie Confirmation Bias, Halo-Effekt und Affinity Bias beeinflussen jede Entscheidung
- Objektive Bewertungsbögen, diverse Interview-Teams und Eignungsdiagnostik reduzieren Bias nachweislich
- Die Kombination aus strukturiertem Interview und Eignungstest erreicht die höchste Gesamtvalidität
Der nächste Schritt liegt bei dir. Nutze die Checkliste für dein nächstes Gespräch. Erstelle einen Fragenkatalog mit STAR-Fragen. Und überlege, wie objektive Eignungsdiagnostik deinen Prozess ergänzen kann.
Tools wie Aivy unterstützen dich dabei, datenbasierte Entscheidungen zu treffen, Bias zu reduzieren und die Qualität deiner Gespräche zu steigern. Das Ergebnis: weniger Fehlbesetzungen, zufriedenere Teams und eine fairere Personalauswahl.
Quellen
- Sackett, P. R., Zhang, C., Berry, C. M., & Lievens, F. (2022). Revisiting meta-analytic estimates of validity in personnel selection: Addressing systematic overcorrection for restriction of range. Journal of Applied Psychology.
- Schmidt, F. L., & Hunter, J. E. (1998, aktualisiert 2016). The validity and utility of selection methods in personnel psychology: Practical and theoretical implications of 85 years of research findings. Psychological Bulletin.
- Schuler, H. (1992). Das multimodale Interview. Diagnostica.
- Wondrak, S. (2014). Unconscious Bias: Definition und Grundlagen.
Triff eine bessere Vorauswahl – noch vor dem ersten Gespräch
Aivy zeigt dir in wenigen Minuten, welche Kandidat:innen wirklich zur Rolle passen. Jenseits von Lebensläufe basierend auf Stärken.













