Definition: Halo & Horns Effect (Verzerrung durch Einzelmerkmale)
Der Halo & Horns Effect beschreibt die Tendenz, eine einzelne Eigenschaft oder ein auffälliges Merkmal einer Person übermäßig stark zu gewichten. Dadurch kann eine positive Eigenschaft (Halo-Effekt) oder eine negative Eigenschaft (Horns-Effekt) die gesamte Wahrnehmung dieser Person verzerren.
Beispiele des Halo & Horns Effect
Kennst du das?
Du siehst im Lebenslauf eines Bewerbenden, dass er an einer renommierten Universität wie Harvard oder MIT studiert hat. Automatisch hältst du ihn für besonders intelligent und leistungsstark – unabhängig davon, welche weiteren Qualifikationen oder Erfahrungen er mitbringt.
Oder umgekehrt: Eine Kandidatin macht im Bewerbungsgespräch einen unsicheren ersten Eindruck. Ohne weitere Informationen schreibst du ihr unbewusst mangelndes Durchsetzungsvermögen oder geringe Belastbarkeit zu.
Woran liegt das?
Das liegt an der Verzerrung durch Einzelmerkmale
Dieser Bias beruht auf der Tendenz, von einem Aspekt guter oder schlechter Leistung auf die Gesamtleistung zu schließen. Der gewonnene Eindruck über eine Person beeinflusst dann, wie man ihren gesamten Charakter einschätzt (Agarwal, 2018). Ein gesondertes Merkmal einer Person beeinflusst die gesamte Wahrnehmung ihrer Persönlichkeit.
Je nachdem, wie diese Eigenschaft subjektiv eingeschätzt wird, überstrahlt oder überschattet diese dann den gewonnenen Gesamteindruck. Das bedeutet, man lässt bildlich gesprochen einen Heiligenschein oder Teufelshörner über dem Kopf der Person schweben und bildet sich dadurch ein vorschnelles Urteil (Voß, 2014). Der Besuch einer Elite Uni im Beispiel kann je nach Beurteilung ein positives oder ein negatives Licht auf die Talente werfen.
Was versteht man noch unter einem Bias? Wir klären auf:
Ein Bias beschreibt generell eine systematische Verzerrung in der menschlichen Wahrnehmung, im Denken oder Verhalten. Es handelt sich dabei um eine Art „geistige Abkürzung“ oder Voreingenommenheit, die unser Urteilsvermögen und unsere Entscheidungsfindung unbewusst beeinflusst.
Diese Verzerrungen können durch persönliche Erfahrungen, kulturelle Prägungen, emotionale Zustände oder evolutionär bedingte Denkmuster entstehen. Sie helfen uns zwar oft, schnelle Entscheidungen zu treffen, können aber auch zu Fehleinschätzungen und irrationalen Entscheidungen führen.
Weitere Beispiele für Biases im HR-Prozess sind:
- Confirmation Bias: Der Bestätigungsfehler
Wir bevorzugen Informationen, die unsere bestehende Sichtweise unterstützen und ignorieren widersprüchliche Informationen. - Primacy Effect: Der Ersteindrucksfehler
Der erste Eindruck prägt die Gesamtbeurteilung unverhältnismäßig stark und ist schwer zu ändern. - Affinity Bias (Mini-Me Effect): Der Ähnlichkeitsfehler
Menschen, die uns ähnlich sind, werden automatisch positiver bewertet. - Status Quo Bias: Die Bevorzugung des Bestehenden
Bestehende Zustände werden Veränderungen vorgezogen, auch wenn diese vorteilhaft wären. - Stereotypes/Gender/Racial Bias
Unbewusste Vorurteile gegenüber marginalisierten Gruppen beeinflussen Entscheidungen. - Conformity Bias: Der Anpassungsfehler
Anpassung der eigenen Entscheidungen an Gruppenmeinungen aus Angst vor negativer Bewertung. - Illusory Correlation: Die Wahrnehmung falscher Zusammenhänge
Fälschliche Annahme von Zusammenhängen zwischen unabhängigen Eigenschaften. - Contrast Bias: Der Kontrasteffekt
Beurteilung einer Person im direkten Vergleich zu Vor- oder Nachgängern statt nach objektiven Kriterien. - Overconfidence Bias: Die Falle der Selbstüberschätzung
Überschätzung der eigenen Urteilsfähigkeit und zu starkes Vertrauen auf „Bauchgefühl“.
Das Erkennen unserer eigenen Biases ist der erste Schritt, um bewusstere und objektivere Entscheidungen innerhalb der Personalauswahl treffen zu können.
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