Du hast die perfekte Person für deine offene Stelle gefunden – herzlichen Glückwunsch! Doch jetzt kommt der Teil, vor dem sich viele Recruiter:innen drücken: Die Absagen an alle anderen Bewerber:innen schreiben.
Vielleicht denkst du: "Das ist doch nur eine Formsache." Doch die Realität sieht anders aus. Eine Studie von Softgarden (2019) zeigt: 91% der Bewerber:innen sprechen im Familien- und Freundeskreis über ihre Erfahrungen im Bewerbungsprozess. Jede unprofessionelle Absage – oder schlimmer noch: gar keine Rückmeldung – kann deinem Employer Branding nachhaltig schaden.
In diesem Ratgeber erfährst du, warum Absagen so wichtig sind, was du rechtlich beachten musst (Stichwort AGG), wie du wertschätzend formulierst – und warum faire Auswahlverfahren der Schlüssel zu besseren Absagen sind. Plus: Vier Muster-Vorlagen, die du sofort verwenden kannst.
Warum professionelle Absagen so wichtig sind
Absagen zu schreiben macht niemanden glücklich. Du überbringst schlechte Nachrichten, und die Bewerber:innen sind enttäuscht. Trotzdem solltest du diesem Prozess deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken als die meisten Unternehmen es tun.
Candidate Experience: Jede Absage beeinflusst dein Arbeitgeberimage
Die Candidate Experience – also die Gesamtheit aller Erfahrungen, die Bewerber:innen mit deinem Unternehmen machen – endet nicht mit der Einstellung. Sie endet auch nicht mit der Absage. Sie endet mit dem Eindruck, den jemand von deinem Unternehmen behält.
Und hier liegt das Problem: Viele Unternehmen investieren viel Energie in attraktive Stellenanzeigen, schnelle Einladungen und professionelle Vorstellungsgespräche – nur um am Ende eine lieblose Standard-Absage zu verschicken. Oder noch schlimmer: gar nicht zu antworten.
Das sogenannte "Job Ghosting" – also das komplette Ignorieren von Bewerbungen – ist leider weit verbreitet. Dabei unterschätzen Unternehmen, wie negativ sich das auswirkt:
- Abgelehnte Bewerber:innen sind potenzielle zukünftige Kandidat:innen
- Abgelehnte Bewerber:innen sind potenzielle Kund:innen
- Abgelehnte Bewerber:innen sprechen mit anderen über ihre Erfahrungen
Zahlen, die überzeugen: So wirken sich Absagen auf dein Employer Branding aus
Die wissenschaftliche Forschung zur Procedural Justice (Verfahrensgerechtigkeit) zeigt eindeutig: Menschen bewerten nicht nur das Ergebnis einer Entscheidung, sondern auch den Prozess, der dazu geführt hat. Eine bahnbrechende Studie von Gilliland (1993) belegt: Transparente, nachvollziehbare Auswahlverfahren werden auch bei negativem Ausgang positiver bewertet als intransparente.
Das bedeutet konkret: Bewerber:innen können eine Absage akzeptieren – wenn sie das Gefühl haben, fair behandelt worden zu sein. Was sie nicht akzeptieren können: das Gefühl, willkürlich aussortiert worden zu sein.
Hinzu kommt die Macht der Mundpropaganda. In Zeiten von Bewertungsplattformen wie Kununu und Glassdoor kann eine schlechte Absage-Kultur schnell öffentlich werden. Und einmal veröffentlichte negative Bewertungen bleiben lange sichtbar.
Rechtliche Grundlagen: Was du über AGG und Absagen wissen musst
Neben der moralischen Verpflichtung gibt es auch rechtliche Aspekte, die du bei Absagen beachten musst. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) von 2006 schützt Bewerber:innen vor Diskriminierung – und kann für Unternehmen teuer werden, wenn Absagen falsch formuliert sind.
Was das AGG für Bewerbungsabsagen bedeutet
Das AGG verbietet Benachteiligungen aufgrund von:
- Geschlecht
- Alter
- Ethnischer Herkunft
- Religion oder Weltanschauung
- Behinderung
- Sexueller Identität
Wichtig zu verstehen: Es geht nicht nur darum, diese Merkmale nicht als Absagegrund zu nennen. Schon Indizien, die auf eine Diskriminierung hindeuten könnten, reichen aus, um die Beweislast umzukehren. Dann muss das Unternehmen beweisen, dass die Absage nicht diskriminierend war.
Die Frist für AGG-Ansprüche beträgt zwei Monate ab Zugang der Absage. Bewahre Bewerbungsunterlagen daher mindestens sechs Monate auf.
Welche Formulierungen du vermeiden solltest
Manche Formulierungen klingen höflich gemeint, können aber rechtlich problematisch sein:
Die sicherste Variante: Nenne gar keine Gründe. Du bist rechtlich nicht dazu verpflichtet, Absagen zu begründen.
Sonderfall: Absagen an schwerbehinderte Bewerber:innen
Eine wichtige Ausnahme: Bei schwerbehinderten oder gleichgestellten Bewerber:innen muss eine Begründung erfolgen. Achte darauf, dass diese Begründung:
- Sich auf objektive, stellenbezogene Kriterien bezieht
- Keinen Rückschluss auf die Behinderung als Ablehnungsgrund zulässt
- Per Einschreiben mit Rückschein verschickt wird (für den Nachweis)
Wann und wie du absagen solltest
Neben dem "Was" ist auch das "Wie" und "Wann" entscheidend für eine professionelle Absage.
Der richtige Zeitpunkt: Wie lange darf eine Absage dauern?
Grundregel: So schnell wie möglich. Idealerweise sollte eine Absage innerhalb von 7-14 Tagen erfolgen. Je länger Bewerber:innen warten, desto negativer wird die Erfahrung wahrgenommen.
Empfohlener Ablauf:
- Sofort nach Bewerbungseingang: Automatische Eingangsbestätigung senden
- Innerhalb von 7-14 Tagen: Absage oder Einladung zum Gespräch
- Nach Vorstellungsgespräch: Innerhalb von 3-5 Werktagen absagen
Bewerber:innen planen ihre Zukunft. Wer wochenlang im Ungewissen bleibt, kann keine fundierten Entscheidungen treffen – und wird das deinem Unternehmen nicht positiv anrechnen.
Schriftlich, telefonisch oder persönlich? Die richtige Form wählen
Die Kommunikationsform sollte zur Bewerbungsphase passen:
Tipp: Bei Kandidat:innen, die bereits viel Zeit investiert haben, ist ein kurzer Anruf vor der schriftlichen Absage ein Zeichen von Respekt. Das muss kein langes Gespräch sein – fünf Minuten reichen.
Absage nach Bewerbungseingang vs. nach Vorstellungsgespräch
Je weiter jemand im Prozess gekommen ist, desto persönlicher sollte die Absage sein:
Absage nach Unterlagen-Sichtung:
- Standardisiert möglich
- Persönliche Anrede wichtig
- Keine Begründung nötig
- Hinweis auf Talentpool optional
Absage nach Vorstellungsgespräch:
- Individueller formulieren
- Bezug auf das Gespräch nehmen
- Konstruktives Feedback optional (aber geschätzt)
- Tür für Zukunft offen halten
Absage Bewerbung: Muster und Vorlagen für verschiedene Situationen
Hier findest du vier Muster-Vorlagen, die du an deine Bedürfnisse anpassen kannst. Achte darauf, jede Vorlage zu individualisieren – zumindest die Anrede und den Bezug zur Stelle.
Muster 1: Absage nach Sichtung der Unterlagen
Betreff: Ihre Bewerbung als [Stellenbezeichnung]
Sehr geehrte:r Frau/Herr [Name],
herzlichen Dank für deine Bewerbung als [Stellenbezeichnung] und das damit verbundene Interesse an [Unternehmensname].
Nach sorgfältiger Prüfung aller eingegangenen Bewerbungen haben wir uns für eine:n Kandidat:in entschieden, die:der den spezifischen Anforderungen dieser Position noch besser entspricht.
Bitte verstehe diese Entscheidung nicht als Abwertung deiner Qualifikationen. Bei einer Vielzahl an Bewerbungen entscheiden oft kleine Details.
Wir wünschen dir für deinen weiteren beruflichen Weg alles Gute und viel Erfolg.
Mit freundlichen Grüßen
[Name]
[Position]
[Unternehmensname]
Muster 2: Absage nach Vorstellungsgespräch
Betreff: Rückmeldung zu deinem Vorstellungsgespräch bei [Unternehmensname]
Sehr geehrte:r Frau/Herr [Name],
vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Gespräch am [Datum] genommen hast. Es war schön, dich kennenzulernen und mehr über deine Erfahrungen zu erfahren.
Nach Abschluss unseres Auswahlverfahrens haben wir uns für eine:n andere:n Kandidat:in entschieden. Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen.
[Optional: Besonders beeindruckt hat uns deine [positive Eigenschaft/Erfahrung]. Für zukünftige Bewerbungen empfehlen wir dir, [konstruktives Feedback].]
Wir möchten dich ermutigen, dich bei zukünftigen Stellenausschreibungen erneut bei uns zu bewerben.
Für deine berufliche Zukunft wünschen wir dir alles Gute.
Mit freundlichen Grüßen
[Name]
[Position]
[Unternehmensname]
Muster 3: Absage bei Initiativbewerbung
Betreff: Deine Initiativbewerbung bei [Unternehmensname]
Sehr geehrte:r Frau/Herr [Name],
herzlichen Dank für deine Initiativbewerbung und das damit gezeigte Interesse an [Unternehmensname].
Wir schätzen dein Engagement sehr. Leider haben wir derzeit keine offene Stelle, die zu deinem Profil passt.
Gerne möchten wir dich in unseren Talentpool aufnehmen, um dich bei passenden zukünftigen Stellenangeboten kontaktieren zu können. Wenn du damit einverstanden bist, bestätige dies bitte über folgenden Link: [Link zur Einwilligung]
Wir wünschen dir alles Gute für deinen weiteren Weg.
Mit freundlichen Grüßen
[Name]
[Position]
[Unternehmensname]
Muster 4: Absage mit Talentpool-Einladung
Betreff: Deine Bewerbung als [Stellenbezeichnung] – und eine Einladung
Sehr geehrte:r Frau/Herr [Name],
vielen Dank für deine Bewerbung als [Stellenbezeichnung]. Nach sorgfältiger Prüfung haben wir uns für diese Position für eine:n andere:n Kandidat:in entschieden.
Dein Profil hat uns jedoch sehr angesprochen. Deshalb möchten wir dich einladen, Teil unseres Talentpools zu werden. So können wir dich bei zukünftigen passenden Stellen direkt kontaktieren.
Wenn du Interesse hast, klicke bitte auf folgenden Link und bestätige deine Einwilligung: [Link zum Talentpool]
Für deine berufliche Zukunft wünschen wir dir viel Erfolg.
Mit freundlichen Grüßen
[Name]
[Position]
[Unternehmensname]
Von der Absage zur Chance: Kandidatenbindung trotz Ablehnung
Eine Absage muss nicht das Ende der Beziehung sein. Kluge Recruiter:innen nutzen Absagen, um sich einen Pool an interessanten Kandidat:innen für die Zukunft aufzubauen.
Talentpool aufbauen: So bleibst du mit interessanten Bewerber:innen in Kontakt
Ein Talentpool (auch: Talent Relationship Management) ist eine Datenbank mit Kandidat:innen, die für aktuelle Stellen nicht in Frage kamen, aber für zukünftige interessant sein könnten.
Wichtig für die DSGVO-Konformität:
- Du brauchst eine explizite Einwilligung zur Speicherung
- Die Einwilligung muss freiwillig sein (nicht als Bedingung für die Bewerbung)
- Bewerber:innen müssen die Einwilligung jederzeit widerrufen können
- Informiere über Speicherdauer und Zweck
So fragst du nach der Einwilligung:
Am Ende der Absage: "Gerne möchten wir dein Profil in unserem Talentpool aufnehmen, um dich bei passenden Stellenangeboten kontaktieren zu können. Wenn du damit einverstanden bist, folge bitte diesem Link: [Link zur Einwilligungserklärung]"
Konstruktives Feedback geben – wann und wie
Viele Bewerber:innen wünschen sich Feedback zur Verbesserung ihrer Bewerbungen. Gleichzeitig ist Feedback aus AGG-Gründen riskant. Wie gehst du damit um?
Feedback geben – ja oder nein?
Wenn du Feedback gibst:
- Bleibe sachlich und konkret
- Beziehe dich auf beobachtbares Verhalten, nicht auf Persönlichkeit
- Fokussiere auf Entwicklungsmöglichkeiten, nicht auf Defizite
- Nenne keine AGG-relevanten Merkmale
Beispiel für konstruktives Feedback:
"Im Vorstellungsgespräch ist uns aufgefallen, dass du bei Fragen zu [Thema] unsicher gewirkt hast. Für zukünftige Gespräche empfehlen wir dir, dich in diesem Bereich noch intensiver vorzubereiten."
Faire Auswahl = bessere Absagen: Wie objektive Verfahren helfen
Hier liegt der eigentliche Schlüssel zu besseren Absagen: Sie beginnen nicht beim Schreiben der Absage, sondern bei der Qualität deines Auswahlverfahrens.
Warum subjektive Entscheidungen Absagen erschweren
Wenn du ehrlich bist: Wie oft basieren Einstellungsentscheidungen auf "Bauchgefühl"? Auf dem Eindruck, dass jemand "gut ins Team passt"? Auf subjektiven Sympathien?
Das Problem dabei: Subjektive Entscheidungen lassen sich kaum begründen. Weder dir selbst gegenüber noch gegenüber den Bewerber:innen. Und genau das macht Absagen so schwierig.
Die wissenschaftliche Forschung zeigt eindeutig: Unstrukturierte, intuitive Auswahlverfahren haben eine deutlich geringere Vorhersagekraft als strukturierte, objektive Methoden. Die Meta-Analyse von Schmidt und Hunter (1998) belegt: Eignungstests erreichen eine Validität von r=.54, während unstrukturierte Interviews nur auf r=.38 kommen.
Objektive Eignungsdiagnostik: Nachvollziehbare Entscheidungen treffen
Objektive Auswahlverfahren – wie strukturierte Interviews, standardisierte Tests oder Game-Based Assessments – haben einen entscheidenden Vorteil: Sie liefern nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen.
Wenn eine Absage auf objektiven Kriterien basiert, fällt es leichter:
- Dir selbst gegenüber die Entscheidung zu rechtfertigen
- Bei Rückfragen sachlich zu antworten
- AGG-konform zu bleiben
- Bewerber:innen ein faires Gefühl zu geben
Tools wie Aivy setzen auf wissenschaftlich validierte Eignungsdiagnostik, die datenbasierte Entscheidungen ermöglicht. Statt "Bauchgefühl" stehen objektive Kompetenzprofile im Mittelpunkt – was sowohl bei Zusagen als auch bei Absagen für Klarheit sorgt.
Praxisbeispiel: Wie Unternehmen mit fairen Prozessen auch bei Absagen punkten
Die Praxis zeigt: Unternehmen, die auf objektive Auswahlverfahren setzen, erreichen nicht nur bessere Einstellungsentscheidungen, sondern auch eine höhere Zufriedenheit bei allen Bewerber:innen – auch bei denen, die eine Absage erhalten.
Ein Beispiel: Lufthansa nutzt Game-Based Assessments, um Kandidat:innen objektiv zu bewerten. Die Ergebnisse sprechen für sich: 81% Zufriedenheit von Bewerbenden und eine Trefferquote von 96% bei der Vorhersage der Eignung. Susanne Berthold-Neumann von Lufthansa erklärt den Ansatz: "Die Unterlagen schauen wir uns erst spät an, weil sie nur einen kleinen Teil der Person zeigen und wenig darüber aussagen, ob jemand die Kompetenzen für zukünftige Herausforderungen besitzt."
Dieser Ansatz zeigt: Wenn Bewerber:innen das Gefühl haben, dass ihre Fähigkeiten fair und objektiv bewertet wurden, akzeptieren sie auch Absagen besser. Mehr Details findest du in der Lufthansa-Erfolgsgeschichte.
Checkliste: Professionelle Absagen in 7 Schritten
Hier ist dein Fahrplan für professionelle Absagen:
1. Zeitnah reagieren
- Eingangsbestätigung sofort
- Absage innerhalb von 7-14 Tagen
- Nach Vorstellungsgespräch: 3-5 Werktage
2. Persönlich ansprechen
- Immer mit Namen anreden
- Bezug zur Stelle herstellen
- Keine Massenmail-Optik
3. AGG-konform formulieren
- Keine diskriminierenden Gründe nennen
- Im Zweifel: Keine Begründung
- Bei Schwerbehinderten: Begründung Pflicht
4. Wertschätzend kommunizieren
- Für Bewerbung danken
- Aufwand anerkennen
- Ermutigende Worte finden
5. Kommunikationsform anpassen
- Je weiter im Prozess, desto persönlicher
- Nach Vorstellungsgespräch: Anruf
- Immer auch schriftliche Bestätigung
6. Zukunft offen halten
- Einladung zum Talentpool (mit Einwilligung)
- Ermutigung zur erneuten Bewerbung
- Tür nicht zuschlagen
7. Dokumentieren
- Unterlagen 6 Monate aufbewahren
- Absage-Zeitpunkt notieren
- Bei Rückfragen vorbereitet sein
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich als Arbeitgeber auf jede Bewerbung antworten?
Rechtlich besteht keine Pflicht zur Absage. Aus Gründen der Professionalität und des Employer Brandings solltest du aber immer absagen – negative Erfahrungen sprechen sich schnell herum.
Wie lange darf eine Absage auf eine Bewerbung dauern?
Idealerweise sollte eine Absage innerhalb von 7-14 Tagen erfolgen. Je länger Bewerber:innen warten, desto negativer wird die Erfahrung wahrgenommen.
Muss ich Absagegründe nennen?
Grundsätzlich nein – und aus AGG-Gründen ist Vorsicht geboten. Eine Ausnahme: Bei schwerbehinderten Bewerber:innen muss eine Begründung erfolgen. Konstruktives Feedback ist optional, wird aber geschätzt.
Was darf ich laut AGG nicht als Absagegrund nennen?
Alle im AGG geschützten Merkmale sind tabu: Geschlecht, Alter, ethnische Herkunft, Religion, Behinderung, sexuelle Identität. Auch indirekte Formulierungen wie "passt nicht ins Team" können problematisch sein.
Sollte ich nach einem Vorstellungsgespräch telefonisch absagen?
Ja, bei Kandidat:innen, die bereits Zeit in ein Vorstellungsgespräch investiert haben, ist ein kurzer Anruf vor der schriftlichen Absage ein Zeichen von Wertschätzung.
Wie formuliere ich eine AGG-konforme Absage?
Empfohlen wird: "Wir haben uns für eine:n Kandidat:in entschieden, die:der den Anforderungen der Stelle noch besser entspricht." Vermeide Formulierungen wie "besser zu uns passt".
Wie kann ich Absagen mit Talentpool-Aufbau verbinden?
Frage am Ende der Absage, ob du die Bewerbungsunterlagen für zukünftige Stellen aufbewahren darfst. Das erfordert eine explizite Einwilligung und ist DSGVO-konform zu dokumentieren.
Wie verbessern objektive Auswahlverfahren meine Absagen?
Wenn Entscheidungen auf objektiven Kriterien basieren (z.B. Eignungsdiagnostik), werden auch Absagen als fairer wahrgenommen. Bewerber:innen akzeptieren nachvollziehbare Entscheidungen besser als subjektive.
Wie lange muss ich Bewerbungsunterlagen aufbewahren?
Nach einer Absage solltest du Unterlagen mindestens 6 Monate aufbewahren – so lange können AGG-Ansprüche geltend gemacht werden. Danach datenschutzkonform vernichten.
Was ist "AGG-Hopping" und wie schütze ich mich davor?
AGG-Hopping bezeichnet Scheinbewerbungen, die nur auf Absagen abzielen, um zu klagen. Schutz: Absagen möglichst neutral formulieren, keine diskriminierenden Gründe nennen, Auswahlprozess dokumentieren.
Fazit: Professionelle Absagen als Teil deiner Employer-Branding-Strategie
Absagen sind mehr als lästige Pflicht – sie sind eine Chance. Eine Chance, professionell aufzutreten, dein Arbeitgeberimage zu stärken und Beziehungen zu pflegen.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Zeitnahe, wertschätzende Absagen schützen dein Employer Branding
- AGG-Konformität schützt vor rechtlichen Risiken
- Je weiter im Prozess, desto persönlicher die Absage
- Ein Talentpool hilft, interessante Kandidat:innen für die Zukunft zu halten
- Faire, objektive Auswahlverfahren machen Absagen nachvollziehbarer
Der eigentliche Schlüssel zu besseren Absagen liegt nicht in der Formulierung – er liegt im Auswahlprozess selbst. Wer auf objektive Eignungsdiagnostik setzt, trifft nachvollziehbare Entscheidungen. Und nachvollziehbare Entscheidungen werden auch bei negativem Ausgang akzeptiert.
Tools wie Aivy unterstützen dich dabei, faire und wissenschaftlich fundierte Auswahlverfahren zu etablieren – für bessere Einstellungsentscheidungen und für Absagen, die Bewerber:innen respektvoll behandeln.
Quellen
- Softgarden (2019): Studie "Bewerbungsverfahren & Markenwahrnehmung"
- Gilliland, S. W. (1993): The Perceived Fairness of Selection Systems: An Organizational Justice Perspective. Academy of Management Review, 18(4), 694-734.
- Schmidt, F. L. & Hunter, J. E. (1998): The Validity and Utility of Selection Methods in Personnel Psychology. Psychological Bulletin, 124(2), 262-274.
- Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), 2006
- Aivy Erfolgsgeschichte Lufthansa: https://www.aivy.app/erfolgsgeschichten/lufthansa
Triff eine bessere Vorauswahl – noch vor dem ersten Gespräch
Aivy zeigt dir in wenigen Minuten, welche Kandidat:innen wirklich zur Rolle passen. Jenseits von Lebensläufe basierend auf Stärken.













