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eNPS auswerten: So interpretierst du deinen Employee Net Promoter Score

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eNPS auswerten: So interpretierst du deinen Employee Net Promoter Score

Hohe Fluktuation, schlechte Arbeitgeberbewertungen auf Kununu oder Glassdoor, sinkende Mitarbeitermotivation – viele HR-Verantwortliche kennen diese Herausforderungen. Doch wie misst du objektiv, wie loyal und zufrieden deine Mitarbeiter:innen wirklich sind? Der Employee Net Promoter Score (eNPS) hat sich als einfache, aber aussagekräftige Kennzahl etabliert, um die Mitarbeiterloyalität zu erfassen.

In diesem umfassenden Ratgeber erfährst du, wie du deinen eNPS richtig berechnest, interpretierst und auswertest. Du lernst, welche eNPS-Werte als gut gelten, wie du die Ergebnisse nach Abteilungen segmentierst und vor allem: welche konkreten Maßnahmen du ergreifen kannst, um aus Detraktoren Promotoren zu machen. Wissenschaftlich fundiert, praxisnah und mit Erfolgsbeispielen aus der HR-Welt.

Was ist der eNPS? Definition und Grundlagen

Der Employee Net Promoter Score (eNPS) ist eine Kennzahl zur Messung der Mitarbeiterloyalität. Mitarbeiter:innen bewerten auf einer Skala von 0-10, wie wahrscheinlich sie das Unternehmen als Arbeitgeber weiterempfehlen würden. Diese einfache Frage liefert dir einen schnellen Überblick über die Stimmung in deinem Unternehmen – und zeigt frühzeitig Kündigungsrisiken auf.

Der eNPS basiert auf dem Net Promoter Score (NPS), einer Methodik, die ursprünglich von Fred Reichheld entwickelt wurde, um Kundenloyalität zu messen. In seinem wegweisenden Artikel "The One Number You Need to Grow" (Harvard Business Review, 2003) argumentierte Reichheld, dass die Frage "Wie wahrscheinlich würden Sie unser Unternehmen weiterempfehlen?" der beste Prädiktor für Unternehmenswachstum sei – einfacher und präziser als komplexe Zufriedenheits-Scores.

Die Entstehung: Vom NPS zum eNPS

Während der klassische NPS Kundenloyalität misst, überträgt der eNPS dieses Konzept auf Mitarbeiter:innen. Die Methodik ist identisch: Eine einzige Frage, eine Skala von 0-10, und eine klare Berechnung. Der Unterschied liegt in der Zielgruppe und der Aussagekraft: Ein hoher eNPS signalisiert nicht nur zufriedene Mitarbeiter:innen, sondern auch geringere Fluktuationskosten, bessere Produktivität und eine stärkere Arbeitgebermarke.

Laut einer Studie von Satmetrix Systems (2019) haben Unternehmen mit einem eNPS über 50 eine um 25% niedrigere Fluktuationsrate als Unternehmen mit einem negativen eNPS. Die Methode hat sich deshalb weltweit als Standard-Kennzahl im HR-Management etabliert.

Warum der eNPS für HR wichtig ist

In Zeiten des Fachkräftemangels ist Mitarbeiterbindung wichtiger denn je. Die Kosten einer Kündigung sind erheblich: Korn Ferry (2021) beziffert die Fluktuationskosten auf 150-200% des Jahresgehalts – einschließlich Recruiting, Onboarding und Produktivitätsverlust. Der eNPS hilft dir, Kündigungsrisiken frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Zudem zeigt die Gallup-Studie "State of the Global Workplace" (2020), dass 85% der Mitarbeiter:innen weltweit nicht engagiert sind. Der eNPS gibt dir einen schnellen, regelmäßig messbaren Indikator, um zu prüfen, ob deine Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung greifen. Und das Beste: Im Gegensatz zu aufwendigen Mitarbeiterbefragungen ist der eNPS in wenigen Minuten durchgeführt und ausgewertet.

eNPS berechnen: Formel und Schritt-für-Schritt-Anleitung

Die Berechnung des eNPS ist einfach, erfordert aber Sorgfalt. Grundlage ist die zentrale Frage: "Wie wahrscheinlich ist es, dass du unser Unternehmen als Arbeitgeber Freund:innen oder Bekannten weiterempfehlen würdest?" Die Antworten werden auf einer Skala von 0 (sehr unwahrscheinlich) bis 10 (sehr wahrscheinlich) erfasst.

Die eNPS-Formel erklärt

Basierend auf den Antworten werden Mitarbeiter:innen in drei Gruppen eingeteilt:

  • Promotoren (9-10): Hochzufriedene, loyale Mitarbeiter:innen, die das Unternehmen aktiv weiterempfehlen und als Markenbotschafter:innen fungieren. Sie sprechen in ihrem Netzwerk positiv über das Unternehmen und sind deutlich weniger kündigungsgefährdet.
  • Passive (7-8): Zufriedene, aber nicht begeisterte Mitarbeiter:innen. Sie sind nicht unzufrieden, würden das Unternehmen aber nicht aktiv weiterempfehlen. Passive bleiben, solange nichts Besseres kommt – bei attraktiven Angeboten wechseln sie jedoch eher als Promotoren.
  • Detraktoren (0-6): Unzufriedene Mitarbeiter:innen, die das Unternehmen kritisch sehen. Sie sprechen potenziell negativ über den Arbeitgeber, schreiben negative Bewertungen auf Kununu oder Glassdoor und sind akut kündigungsgefährdet.

Die eNPS-Formel lautet:

eNPS = % Promotoren - % Detraktoren

Passive werden bei der Berechnung nicht berücksichtigt – ihre Rolle diskutieren wir später ausführlich.

Rechenbeispiel: So berechnest du deinen eNPS

Nehmen wir an, du führst eine eNPS-Umfrage in deinem Unternehmen mit 100 Mitarbeiter:innen durch. Die Ergebnisse:

  • 50 Mitarbeiter:innen geben eine 9 oder 10 → 50 Promotoren → 50%
  • 30 Mitarbeiter:innen geben eine 7 oder 8 → 30 Passive → 30%
  • 20 Mitarbeiter:innen geben eine 0-6 → 20 Detraktoren → 20%

Berechnung: eNPS = 50% - 20% = +30

Dein eNPS beträgt +30. Das bedeutet: Du hast mehr Promotoren als Detraktoren – ein positives Zeichen. Allerdings gibt es noch erhebliches Verbesserungspotenzial, denn 30% deiner Belegschaft sind Passive, und 20% sind aktiv unzufrieden.

Ein weiteres Beispiel mit negativem eNPS: Bei 2.000 Mitarbeiter:innen erhältst du 600 Promotoren (30%) und 800 Detraktoren (40%). Die restlichen 600 (30%) sind Passive.

Berechnung: eNPS = 30% - 40% = -10

Ein negativer eNPS signalisiert ernste Probleme: Du hast mehr Detraktoren als Promotoren. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Promotoren, Passive und Detraktoren verstehen

Die Einteilung in drei Gruppen mag auf den ersten Blick willkürlich erscheinen, folgt aber psychologischen Erkenntnissen zur Empfehlungsbereitschaft. Studien zeigen: Menschen, die eine 9 oder 10 geben, sind tatsächlich deutlich loyaler und empfehlungsbereiter als jene mit einer 7 oder 8.

Promotoren sind deine wertvollsten Mitarbeiter:innen aus Sicht der Employee Experience. Sie tragen positiv zur Unternehmenskultur bei, sind motivierter und produktiver. SHRM (2022) belegt, dass zufriedene Mitarbeiter:innen 12% produktiver sind und 31% weniger Fehltage haben.

Passive werden oft unterschätzt. Eine 7 oder 8 klingt zunächst nach "zufrieden", aber die Realität ist: Diese Gruppe ist wechselbereit. Sie würden das Unternehmen nicht aktiv kritisieren, aber auch nicht verteidigen. Bei attraktiven Angeboten wechseln sie schneller als Promotoren. Viele Unternehmen machen den Fehler, Passive zu ignorieren – dabei liegt hier großes Potenzial, aus "zufrieden" "begeistert" zu machen.

Detraktoren sind dein größtes Risiko. Sie haben 3-5x höhere Kündigungswahrscheinlichkeit und können durch negative Mundpropaganda erheblichen Schaden anrichten. Wichtig: Nicht jede:r Detraktoren ist "verloren". Oft sind die Gründe für Unzufriedenheit behebbar – etwa schlechte Führung, mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten oder unfaire Prozesse.

Häufige Fehler bei der Berechnung

Fehler 1: Passive einbeziehen Einige HR-Manager addieren versehentlich die Passiven zu den Promotoren oder mitteln alle drei Gruppen. Das verfälscht den Score erheblich. Die eNPS-Methodik schließt Passive bewusst aus der Berechnung aus.

Fehler 2: Zu kleine Stichprobe Bei weniger als 30 Teilnehmenden sind die Ergebnisse statistisch nicht robust. Ein einziger Detraktoren mehr oder weniger verändert den Score drastisch. Für verlässliche Aussagen benötigst du eine Teilnahmequote von mindestens 60-70%.

Fehler 3: Falsche Skalierung Manche Tools verwenden eine 5-Punkt-Skala statt der Standard-11-Punkt-Skala (0-10). Das führt zu anderen Berechnungen und macht Benchmarks unvergleichbar. Halte dich an die Original-Methodik.

Fehler 4: Nachträgliche Rundung Runde erst am Ende, nicht bei den Prozentsätzen. Bei 100 Mitarbeiter:innen mit 33 Promotoren und 15 Detraktoren: eNPS = 33% - 15% = 18, nicht 30% - 20% = 10.

eNPS-Werte richtig interpretieren

Du hast deinen eNPS berechnet – aber was bedeutet die Zahl konkret? Ist ein Wert von +20 gut oder schlecht? Und wie unterscheiden sich die Benchmarks je nach Branche und Unternehmensgröße?

Was ist ein guter eNPS? Benchmarks Deutschland

Der eNPS kann theoretisch zwischen -100 (alle Detraktoren) und +100 (alle Promotoren) liegen. In der Realität sehen die Werte jedoch anders aus. Für Deutschland gelten folgende Richtwerte:

eNPS-Bereich Bewertung Interpretation
< 0 Kritisch Mehr Detraktoren als Promotoren. Sofortmaßnahmen erforderlich.
0-30 Verbesserungswürdig Positive Grundstimmung, aber viel Luft nach oben. Strukturelle Änderungen empfohlen.
30-50 Gut Solide Mitarbeiterloyalität. Feintuning und Optimierung sinnvoll.
50-70 Sehr gut Überdurchschnittliche Mitarbeiterzufriedenheit. Exzellenz halten.
> 70 Exzellent Top-Performer. Best Practices dokumentieren und teilen.

Wichtig: Diese Werte sind Orientierungshilfen, keine absoluten Wahrheiten. Der deutsche eNPS-Durchschnitt liegt bei ca. 10 bis 20 Punkten – kulturell bedingt sind die Werte niedriger als z.B. in den USA.

eNPS-BereichBewertungInterpretation< 0KritischMehr Detraktoren als Promotoren. Sofortmaßnahmen erforderlich.0-30VerbesserungswürdigPositive Grundstimmung, aber viel Luft nach oben. Strukturelle Änderungen empfohlen.30-50GutSolide Mitarbeiterloyalität. Feintuning und Optimierung sinnvoll.50-70Sehr gutÜberdurchschnittliche Mitarbeiterzufriedenheit. Exzellenz halten.> 70ExzellentTop-Performer. Best Practices dokumentieren und teilen.

Wichtig: Diese Werte sind Orientierungshilfen, keine absoluten Wahrheiten. Der deutsche Durchschnitt liegt bei etwa +15 bis +25 – deutlich niedriger als oft angenommen. Ein eNPS von +30 ist bereits überdurchschnittlich.

Warum sind die Werte in Deutschland tendenziell niedriger? Kulturelle Faktoren spielen eine Rolle: Deutsche sind generell zurückhaltender bei Bewertungen als etwa US-Amerikaner. Eine 9 oder 10 wird hierzulande seltener vergeben. Das bedeutet: Vergleiche deinen eNPS primär mit deiner eigenen Historie und mit deutschen Unternehmen – nicht mit internationalen Benchmarks.

eNPS nach Branchen und Unternehmensgrößen

Die Branche beeinflusst den eNPS erheblich. Einige Branchen-Benchmarks für Deutschland (geschätzt, Stand 2025):

  • Tech/IT-Branche: Durchschnitt +28, Top-Quartil +52
  • Gesundheitswesen: Durchschnitt +8, Top-Quartil +25
  • Einzelhandel: Durchschnitt +5, Top-Quartil +22
  • Produzierende Industrie: Durchschnitt +18, Top-Quartil +40
  • Finanzdienstleistungen: Durchschnitt +12, Top-Quartil +35

Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle:

  • Start-ups (<50 MA): Oft höhere Werte (+35-50), aber volatiler
  • KMU (50-500 MA): Durchschnitt +20-30
  • Großunternehmen (>1.000 MA): Durchschnitt +10-20, aber stabiler

Große Unternehmen haben tendenziell niedrigere Werte, weil die Mitarbeiterbindung schwieriger ist und einzelne schlechte Erfahrungen (z.B. mit einer Führungskraft) den Gesamtscore beeinflussen. Start-ups profitieren oft von höherer Identifikation, müssen aber mit starken Schwankungen rechnen.

Negativer eNPS: Was bedeutet das?

Ein negativer eNPS ist ein Alarmsignal. Er bedeutet: Du hast mehr aktiv unzufriedene Mitarbeiter:innen als loyale Botschafter:innen. Die Folgen:

  • Hohe Fluktuation: Detraktoren kündigen 3-5x häufiger
  • Negative Mundpropaganda: Schlechte Bewertungen auf Kununu/Glassdoor
  • Sinkende Produktivität: Unmotivierte Teams, "innere Kündigung"
  • Recruiting-Schwierigkeiten: Schlechter Ruf als Arbeitgeber
  • Kulturelle Probleme: Toxisches Arbeitsklima, Konflikte

Ein negativer eNPS ist jedoch nicht das Ende. Viele Unternehmen haben ihren Score von -20 auf +40 verbessert – durch konsequente Maßnahmen, transparente Kommunikation und echte Veränderungen. Der erste Schritt: Die Ursachen verstehen. Führe Detraktoren-Interviews (dazu später mehr).

Der Unterschied zwischen absolutem Wert und Trend

Eine häufig übersehene Erkenntnis: Der Trend ist wichtiger als der absolute Wert.

Beispiel 1: Dein eNPS liegt seit zwei Jahren stabil bei +35. Das ist gut, aber zeigt auch: Es gibt keine Verbesserung. Womöglich hast du die Passiven nicht erreicht oder Detraktoren ignoriert.

Beispiel 2: Dein eNPS ist von +10 auf +25 gestiegen – innerhalb von 12 Monaten. Das ist exzellent! Es zeigt: Deine Maßnahmen greifen.

Beispiel 3: Dein eNPS sinkt von +30 auf +18. Alarmzeichen! Auch wenn +18 absolut gesehen "okay" ist, signalisiert der Rückgang ein Problem. Was hat sich verändert? Neue Führungskraft? Restrukturierung? Gehaltsrunde ausgefallen?

Empfehlung: Messe den eNPS quartalsweise (bei großen Unternehmen) oder halbjährlich (bei KMU) und tracke den Trend. Ein konstanter Aufwärtstrend zeigt, dass du auf dem richtigen Weg bist – selbst wenn der absolute Wert noch nicht "exzellent" ist.

eNPS auswerten: Von der Zahl zur Erkenntnis

Ein eNPS von +25 ist eine Zahl. Aber was steckt dahinter? Die eigentliche Arbeit beginnt nach der Berechnung: Du musst die Ergebnisse segmentieren, qualitative Daten auswerten und konkrete Handlungsfelder identifizieren.

Segmentierung: eNPS nach Abteilungen, Standorten, Rollen

Eine der größten Stärken des eNPS: Du kannst ihn für verschiedene Gruppen berechnen und so Problemzonen identifizieren. Die wichtigsten Segmentierungen:

1. Nach Abteilungen: Beispiel: Gesamt-eNPS +30, aber IT-Abteilung +50 und Vertrieb -10. Klar: Im Vertrieb gibt es ein massives Problem – vermutlich schlechte Führung, unrealistische Ziele oder Überlastung.

2. Nach Standorten: Bei mehreren Standorten kannst du Unterschiede in der Unternehmenskultur oder im Management identifizieren. Standort A: +45, Standort B: +5 → Was läuft in Standort B schief?

3. Nach Rollen/Hierarchieebenen: Oft unterscheidet sich der eNPS stark zwischen Führungskräften (+40) und operativen Mitarbeiter:innen (+10). Das deutet auf mangelnde Verbindung zwischen Management und Basis hin.

4. Nach Betriebszugehörigkeit: Neue Mitarbeiter:innen (< 1 Jahr): +35. Langjährige (> 5 Jahre): +15. Das signalisiert: Der Onboarding-Prozess ist gut, aber langfristige Entwicklungsperspektiven fehlen.

5. Nach Alter/Generation: Gen Z (< 30 Jahre): +20. Baby Boomer (> 55 Jahre): +40. Jüngere Mitarbeiter:innen haben andere Erwartungen (Flexibilität, Purpose, Entwicklung) – diese müssen adressiert werden.

Praxis-Tipp: Segmentiere nur bei Gruppen mit mindestens 10 Teilnehmenden, sonst gefährdest du die Anonymität.

Detraktoren-Analyse: Die wichtigste Gruppe

Die Detraktoren sind deine dringendste Baustelle. Sie kosten dich Geld (Fluktuation), Image (schlechte Bewertungen) und Produktivität (Demotivation). Deshalb: Konzentriere dich auf diese Gruppe.

Schritt 1: Identifiziere die Top-3-Probleme Ergänze die eNPS-Frage mit einer offenen Folgefrage: "Was würdest du an unserem Unternehmen als Arbeitgeber verbessern?" Kategorisiere die Antworten der Detraktoren:

Häufige Themen:

  • Schlechte Führung / mangelnde Wertschätzung (40% der Nennungen)
  • Fehlende Entwicklungsmöglichkeiten (25%)
  • Überlastung / Work-Life-Balance (20%)
  • Gehalt / Benefits (15%)
  • Unternehmenskultur / fehlender Purpose (10%)

Schritt 2: Führe Detraktoren-Interviews Bei kleineren Unternehmen: Biete allen Detraktoren ein vertrauliches Gespräch an (freiwillig, mit HR oder externer Moderation). Frage:

  • "Was ist der Hauptgrund für deine Bewertung?"
  • "Gab es ein konkretes Ereignis, das deine Sicht verändert hat?"
  • "Was müsste sich ändern, damit du uns weiterempfehlen würdest?"

Schritt 3: Priorisiere Quick Wins Manche Probleme sind schnell lösbar (z.B. bessere Home-Office-Regelung), andere langfristig (z.B. Führungskräfte-Entwicklung). Starte mit Quick Wins, um zu zeigen: "Wir hören zu und handeln."

Passive verstehen: Das unterschätzte Potenzial

Passive werden bei der eNPS-Berechnung ignoriert – aber das bedeutet nicht, dass sie unwichtig sind. Im Gegenteil: Sie sind deine größte Chance.

Warum Passive wichtig sind:

  • Sie stellen oft 30-40% der Belegschaft
  • Sie sind wechselbereit, aber noch nicht gegangen
  • Kleine Verbesserungen können sie zu Promotoren machen
  • Wenn sie ignoriert werden, werden sie zu Detraktoren

Die Passive-Falle:Eine 7 oder 8 klingt nach "zufrieden", aber das ist trügerisch. Passive sagen: "Ist okay, aber ich würde nicht aktiv werben." Das bedeutet: Bei einem besseren Angebot sind sie weg.

Strategie für Passive:Ergänze die eNPS-Umfrage mit der Frage: "Was würde dich dazu bringen, uns mit einer 9 oder 10 zu bewerten?" Die Antworten zeigen dir konkret, was fehlt:

  • "Mehr Flexibilität"
  • "Bessere Entwicklungsmöglichkeiten"
  • "Klarere Kommunikation von oben"

Passive sind oft Mitarbeiter:innen, die grundsätzlich zufrieden sind, aber das "gewisse Extra" vermissen. Eine Gehaltserhöhung allein reicht selten – es geht um Wertschätzung, Entwicklung und Purpose.

Qualitative Daten: Folgefragen richtig einsetzen

Der eNPS-Score ist quantitativ, aber erst qualitative Daten machen ihn wertvoll. Stelle deshalb immer Folgefragen:

Für Promotoren (9-10):

  • "Was gefällt dir besonders gut an unserem Unternehmen als Arbeitgeber?"
  • "Was sollten wir unbedingt beibehalten?"

Diese Fragen zeigen dir, was du richtig machst. Dokumentiere die Antworten und teile sie intern – als Best Practices.

Für Passive (7-8):

  • "Was würde dich dazu bringen, uns mit einer 9 oder 10 zu bewerten?"
  • "Was fehlt dir aktuell?"

Für Detraktoren (0-6):

  • "Was würdest du an unserem Unternehmen als Arbeitgeber verbessern?"
  • "Gab es ein konkretes Ereignis, das dich unzufrieden gemacht hat?"

Wichtig: Nutze offene Textfelder, keine Multiple-Choice. So erhältst du authentische, ungefilterte Antworten. Ja, die Auswertung ist aufwendiger – aber die Insights sind Gold wert.

Wissenschaftliche Perspektive: Stärken und Grenzen des eNPS

Der eNPS ist populär – aber ist er auch wissenschaftlich valide? Lass uns einen kritischen Blick auf Stärken und Schwächen werfen.

Was der eNPS leistet (und was nicht)

Stärken des eNPS:

  1. Einfachheit: Eine Frage, wenige Minuten, klare Berechnung
  2. Vergleichbarkeit: Über Zeit, Abteilungen, Branchen hinweg
  3. Akzeptanz: Weltweit etablierter Standard
  4. Schnelligkeit: Quartalsweise Messung möglich (Pulsbefragung)
  5. Prädiktive Validität: Korreliert nachweislich mit Fluktuation

Grenzen des eNPS:

  1. Single-Item-Measure: Nur eine Frage erfasst nicht die Komplexität von Employee Experience
  2. Keine Tiefe: Warum jemand eine 6 oder 8 gibt, bleibt unklar (ohne Folgefragen)
  3. Kulturelle Verzerrung: Deutsche bewerten zurückhaltender als z.B. US-Amerikaner
  4. Kontextabhängigkeit: Externe Ereignisse (Pandemie, Wirtschaftskrise) verfälschen Ergebnisse

Was der eNPS misst:

  • Aktuelle Stimmung ("Wie geht es dir heute?")
  • Weiterempfehlungsbereitschaft als Proxy für Loyalität

Was der eNPS NICHT misst:

  • Engagement im Sinne von "discretionary effort"
  • Spezifische Treiber von Zufriedenheit (Gehalt, Führung, Entwicklung)
  • Langfristige Bindung (nur Momentaufnahme)

Fazit: Der eNPS ist ein wertvoller Indikator, aber kein vollständiges Bild. Nutze ihn als Frühwarnsystem und ergänze ihn mit tiefergehenden Befragungen.

Kritische Betrachtung: Limitations der Methode

Die wissenschaftliche Kritik am eNPS – und am zugrundeliegenden NPS – ist nicht neu. Zwei häufig zitierte Studien:

Keiningham et al. (2007) analysierten in ihrer Studie "A Longitudinal Examination of Net Promoter and Firm Revenue Growth" (Journal of Marketing) Daten von über 21.000 Kunden und kamen zu dem Ergebnis: Der NPS ist nicht signifikant besser als andere Loyalty-Metriken bei der Vorhersage von Wachstum. Die Empfehlungsbereitschaft korreliert nicht stärker mit Business Outcomes als z.B. die Gesamtzufriedenheit.

Morgan & Rego (2006) kritisieren in "The Value of Different Customer Satisfaction and Loyalty Metrics" (Marketing Science) die Kategorisierung in drei Gruppen: Durch die Einteilung in Promotoren, Passive und Detraktoren geht statistische Information verloren. Eine kontinuierliche Skala (0-10) wäre präziser.

Was bedeutet das für den eNPS?

Die Kritik ist berechtigt, aber nicht fatal. Der eNPS ist kein perfektes wissenschaftliches Instrument – aber das muss er auch nicht sein. Sein Wert liegt in der Praktikabilität:

  • Schnell durchführbar (hohe Teilnahmequote)
  • Leicht kommunizierbar (Management versteht "+30" intuitiv)
  • Handlungsorientiert (Detraktoren sind klare Zielgruppe)

Entscheidend ist: Nutze den eNPS nicht isoliert. Kombiniere ihn mit:

  • Tieferen Mitarbeiterbefragungen (jährlich)
  • Pulsbefragungen zu spezifischen Themen (monatlich/quartalsweise)
  • Qualitativen Interviews
  • Anderen HR-KPIs (Fluktuationsrate, Absentismus, Produktivität)

eNPS im Kontext anderer HR-Kennzahlen

Der eNPS ist nur eine von vielen HR-Kennzahlen. Erst im Zusammenspiel mit anderen Metriken wird er wirklich aussagekräftig.

Wichtige Korrelationen:

HR-KPI Zusammenhang mit eNPS Interpretation
Fluktuationsrate Stark negativ korreliert Niedriger eNPS → höhere Fluktuation
Absentismus Negativ korreliert Detraktoren haben mehr Fehltage
Produktivität Positiv korreliert Promotoren sind produktiver (SHRM: +12%)
Recruiting-Erfolg Positiv korreliert Hoher eNPS → bessere Bewertungen → mehr Bewerbungen
Innovationskraft Positiv korreliert Engagement fördert Kreativität

Beispiel-Dashboard:

  • eNPS: +28 (Trend: +5 vs. Vorquartal)
  • Fluktuationsrate: 12% p.a. (Ziel: <10%)
  • Absentismus: 4,2% (Branchenschnitt: 5,1%)
  • Glassdoor-Rating: 3,8/5
  • Recruiting-Time-to-Hire: 45 Tage (Vorjahr: 52 Tage)

Dieser Kontext zeigt: Der eNPS steigt, die Fluktuation ist noch zu hoch, aber Absentismus und Recruiting verbessern sich. Die Maßnahmen greifen – mittelfristig.

eNPS verbessern: Konkrete Maßnahmen für verschiedene Score-Bereiche

Du hast deinen eNPS ausgewertet – jetzt geht es ans Handeln. Die Maßnahmen unterscheiden sich je nach Score-Bereich.

Negativer eNPS (< 0): Krisenintervention

Ein negativer eNPS ist ein Notfall. Mehr Detraktoren als Promotoren bedeuten: massiver Vertrauensverlust, hohe Fluktuation, toxische Kultur. Hier brauchst du sofortige, sichtbare Veränderungen.

Sofortmaßnahmen (erste 4 Wochen):

  1. Detraktoren-Interviews führen: Biete allen Detraktoren ein vertrauliches Gespräch an (freiwillig, mit neutraler Person). Höre zu, ohne zu rechtfertigen. Frage: "Was ist das größte Problem?" und "Was müsste sich ändern?"
  2. Top-3-Probleme identifizieren: Kategorisiere die Aussagen. Meist kristallisieren sich 2-3 Kernthemen heraus (z.B. schlechte Führung, Überlastung, fehlende Wertschätzung).
  3. Quick Wins umsetzen: Suche nach Problemen, die du schnell lösen kannst. Beispiele:
    • Zu wenig Flexibilität? → Führe 2 Home-Office-Tage pro Woche ein
    • Schlechte Kommunikation? → Starte monatliche All-Hands-Meetings
    • Fehlende Wertschätzung? → Implementiere ein Peer-Recognition-System
  4. Transparent kommunizieren: Teile die eNPS-Ergebnisse offen (ohne Schuldzuweisungen). Sage: "Wir haben ein Problem, und wir gehen es an. Hier sind die konkreten Schritte." Zeige in 6 Wochen erste Erfolge.

Mittelfristige Maßnahmen (3-6 Monate):

  • Führungskräfte-Entwicklung: Schlechte Führung ist der häufigste Grund für niedrigen eNPS. Investiere in Trainings, Coachings, 360°-Feedbacks.
  • Strukturelle Änderungen: Oft sind Prozesse das Problem (überlastete Teams, unrealistische Ziele, ineffiziente Abläufe). Überarbeite diese systematisch.
  • Kulturwandel: Ein negativer eNPS deutet auf Kulturprobleme hin. Definiere Werte neu, lebe sie vor, sanktioniere toxisches Verhalten.

Warnung: Erwarte keine Wunder. Ein eNPS von -15 wird nicht in 3 Monaten zu +40. Realistisch sind +10-15 Punkte pro Jahr – wenn du konsequent arbeitest.

Niedriger eNPS (0-30): Strukturelle Verbesserungen

Ein eNPS zwischen 0 und 30 ist "okay", aber weit von gut entfernt. Du hast mehr Promotoren als Detraktoren, aber viele Passive und zu viele Unzufriedene. Hier brauchst du strukturelle Verbesserungen.

Fokus: Passive zu Promotoren machen

Die meisten Unternehmen in diesem Bereich haben 30-40% Passive. Das ist deine Chance. Frage sie gezielt: "Was würde dich dazu bringen, uns mit einer 9 oder 10 zu bewerten?"

Häufige Antworten:

  • "Mehr Entwicklungsmöglichkeiten"
  • "Bessere Work-Life-Balance"
  • "Klarere Kommunikation und Transparenz"
  • "Stärkerer Purpose / Sinn der Arbeit"

Konkrete Maßnahmen:

  1. Entwicklungsperspektiven schaffen: Einführen von Individual Development Plans (IDPs), Mentoring-Programmen, internen Job-Rotationen. Passive bleiben oft, weil sie keine Perspektive sehen.
  2. Feedbackkultur stärken: Einführen von regelmäßigen 1:1s (alle 2 Wochen), konstruktivem Feedback, transparenten Zielsetzungen. Viele Passive fühlen sich "im Dunkeln gelassen".
  3. Flexibilität erhöhen: Hybride Arbeitsmodelle, flexible Arbeitszeiten, Sabbatical-Optionen. Work-Life-Balance ist ein Top-Thema bei Passiven.
  4. Wertschätzung zeigen: Anerkennung muss nicht teuer sein. Kleine Gesten (persönliches Lob, öffentliche Wertschätzung, Team-Events) haben oft große Wirkung.

Zeitrahmen: Erwarte Verbesserungen nach 6-12 Monaten. Ein Anstieg von +20 auf +35 ist realistisch.

Mittlerer eNPS (30-50): Feintuning

Ein eNPS zwischen 30 und 50 ist gut. Du machst vieles richtig, aber es gibt noch Luft nach oben. Jetzt geht es um Feintuning und Exzellenz.

Fokus: Detraktoren gezielt ansprechen

Bei diesem Score-Niveau hast du meist nur noch 10-15% Detraktoren. Oft sind es spezifische Gruppen (z.B. eine bestimmte Abteilung oder Standort). Segmentiere deinen eNPS und identifiziere Ausreißer.

Konkrete Maßnahmen:

  1. Abteilungs-/Standort-spezifische Interventionen: Wenn der Vertrieb einen eNPS von +10 hat, während der Rest bei +45 liegt, ist das ein klares Führungs- oder Strukturproblem. Arbeite gezielt mit dieser Gruppe.
  2. Best Practices teilen: Was läuft in den Abteilungen mit hohem eNPS richtig? Dokumentiere es und übertrage es auf andere Bereiche.
  3. Employee Experience Journey optimieren: Mappe die gesamte Employee Journey (Onboarding, Entwicklung, Offboarding) und identifiziere Schwachstellen. Oft sind es kleine Dinge (langweiliges Onboarding, fehlende Exit-Interviews), die frustrieren.
  4. Innovation und Purpose stärken: Bei diesem Niveau geht es nicht mehr nur um Basics (Gehalt, Flexibilität), sondern um Purpose. Binde Mitarbeiter:innen in strategische Entscheidungen ein, fördere Innovation, gib Ownership.

Zeitrahmen: Ein Anstieg von +40 auf +55 ist innerhalb eines Jahres machbar – erfordert aber kontinuierliche Arbeit.

Hoher eNPS (> 50): Exzellenz halten und ausbauen

Ein eNPS über 50 ist exzellent. Du bist ein Top-Performer. Jetzt geht es darum, dieses Niveau zu halten und zur Benchmark zu werden.

Herausforderung: Je höher der eNPS, desto schwieriger weitere Steigerungen. Der Sprung von +30 auf +50 ist einfacher als von +50 auf +70.

Konkrete Maßnahmen:

  1. Best Practices dokumentieren und teilen: Werde zum Thought Leader. Veröffentliche Case Studies, halte Vorträge, teile deine Learnings mit der HR-Community.
  2. Kontinuierliches Monitoring: Bei hohem eNPS ist das Risiko groß, selbstgefällig zu werden. Messe quartalsweise, reagiere schnell auf Rückgänge.
  3. Promotoren zu Markenbotschaftern machen: Nutze deine Promotoren aktiv für Employer Branding. Biete ihnen an, in Recruiting-Kampagnen mitzuwirken, auf LinkedIn zu posten, bei Events zu sprechen.
  4. Innovativ bleiben: Führe neue Benefits ein (z.B. mentale Gesundheit, Elternzeit-Programme, Sabbaticals), bevor Mitarbeiter:innen danach fragen. Sei Vorreiter, nicht Nachzügler.

Warnung: Ein hoher eNPS kann schnell kippen – z.B. durch eine schlechte Entscheidung des Managements, eine verpatzte Gehaltsrunde oder eine toxische Führungskraft. Bleib wachsam.

Von Detraktoren zu Promotoren: Strategien zur Steigerung der Mitarbeiterloyalität

Die größte Hebelwirkung hast du, wenn du Detraktoren in Promotoren verwandelst. Das ist schwieriger, als Passive zu mobilisieren, aber die Wirkung ist enorm.

Detraktoren-Interviews: Die richtigen Fragen stellen

Detraktoren haben oft das Gefühl, nicht gehört zu werden. Ein vertrauliches, ergebnisoffenes Gespräch kann Wunder wirken – selbst wenn du nicht alle Probleme sofort lösen kannst.

Die wichtigsten Fragen:

  1. "Was ist der Hauptgrund für deine Bewertung?" (Offen, ohne Rechtfertigung zuhören)
  2. "Gab es ein konkretes Ereignis, das deine Sicht verändert hat?" (Oft gibt es einen "Trigger")
  3. "Was müsste sich ändern, damit du uns weiterempfehlen würdest?" (Konkrete Erwartungen)
  4. "Gibt es etwas, das du besonders schätzt?" (Positive Aspekte nicht vergessen)

Wichtig:

  • Führe Gespräche mit neutraler Person (HR, externer Coach)
  • Garantiere Vertraulichkeit (keine direkten Konsequenzen)
  • Dokumentiere Muster (nicht Einzelaussagen)
  • Kommuniziere Maßnahmen zurück ("Wir haben zugehört, hier sind die nächsten Schritte")

Praxis-Tipp: Nicht jede:r Detraktoren will ein Gespräch. Das ist okay. Biete es an, zwinge niemanden. Oft melden sich 30-50% – das reicht, um Muster zu erkennen.

Quick Wins für schnelle Verbesserungen

Manche Maßnahmen haben sofortige Wirkung. Nutze sie, um zu zeigen: "Wir handeln."

Beispiele für Quick Wins:

  • Flexibilität: Führe 2 Home-Office-Tage pro Woche ein (sofern noch nicht geschehen)
  • Kommunikation: Starte monatliche All-Hands-Meetings mit Q&A
  • Wertschätzung: Implementiere ein Peer-Recognition-Tool (z.B. Bonusly, Kudos)
  • Entwicklung: Schaffe ein Budget für individuelle Weiterbildung (z.B. 500€/Jahr pro Person)
  • Prozesse: Eliminiere unnötige Bürokratie (z.B. Genehmigungsprozesse vereinfachen)

Quick Wins sind wichtig, weil sie Vertrauen schaffen: "Sie hören uns zu und tun etwas." Das ist die Grundlage für langfristige Veränderungen.

Langfristige Kulturveränderung

Viele Ursachen für niedrigen eNPS sind strukturell und brauchen Zeit. Aber: Langfristige Veränderungen haben nachhaltige Wirkung.

Kulturwandel-Strategien:

  1. Führungskräfte-Entwicklung: Schlechte Führung ist der häufigste Grund für Detraktoren. Investiere massiv in Trainings, Coachings, 360°-Feedbacks. Sanktioniere toxisches Verhalten konsequent.
  2. Werte definieren und leben: Viele Unternehmen haben Werte auf der Website – aber leben sie auch? Definiere 3-5 Kernwerte, kommuniziere sie klar, integriere sie in Performance Reviews, belohne werte-konformes Verhalten.
  3. Transparenz und Vertrauen: Teile Geschäftszahlen, erkläre Entscheidungen, gib Einblick in Strategie. Vertrauen entsteht durch Transparenz.
  4. Partizipation: Binde Mitarbeiter:innen in Entscheidungen ein (z.B. über Arbeitsmodelle, Benefits, Prozesse). Ownership erhöht Loyalität.
  5. Purpose und Impact: Besonders jüngere Generationen suchen Sinn. Zeige, wie die Arbeit einen Unterschied macht – für Kund:innen, Gesellschaft, Umwelt.

Zeitrahmen: Kulturwandel braucht 2-3 Jahre. Aber: Jedes Quartal solltest du Fortschritte messen (eNPS-Trend).

eNPS in der Praxis: Erfolgsgeschichten und Learnings

Wie setzen erfolgreiche Unternehmen Employee Experience und objektive Auswahl um? Drei Beispiele aus der Praxis.

Wie objektive Eignungsdiagnostik die Employee Experience verbessert

Viele Unternehmen unterschätzen den Zusammenhang zwischen Recruiting und Mitarbeiterzufriedenheit. Doch die Candidate Experience ist der erste Touchpoint – und prägt die gesamte Employee Journey.

Objektive Eignungsdiagnostik, wie sie Plattformen wie Aivy nutzen, schafft faire, transparente Auswahlprozesse. Das wirkt sich direkt auf die Employee Experience aus:

  • Fairness: Mitarbeiter:innen, die durch objektive Verfahren ausgewählt wurden, empfinden den Prozess als gerechter
  • Passgenauigkeit: Besseres Matching zwischen Person und Rolle reduziert Frustration und Fluktuation
  • Diversität: Bias-Reduktion führt zu vielfältigeren Teams – und vielfältige Teams sind nachweislich zufriedener und innovativer
  • Vertrauen: Ein wissenschaftlich fundierter Prozess signalisiert: "Dieses Unternehmen nimmt Personalauswahl ernst"

Praxisbeispiel: Lufthansa's Fokus auf Candidate & Employee Satisfaction

Lufthansa setzt auf objektive Eignungsdiagnostik mit game-basierten Assessments. Die Ergebnisse sprechen für sich:

  • 81% Zufriedenheit von Bewerbenden – deutlich über dem Branchenschnitt
  • 96% Trefferquote (korrekte Vorhersage im Vergleich zum Inhouse Assessment)
  • 100+ Minuten eingesparte Testzeit pro Bewerber:in
  • 86% Abschlussrate im Assessment

Wie Susanne Berthold-Neumann von Lufthansa betont: "Die Unterlagen schauen wir uns erst spät an, weil sie nur einen kleinen Teil der Person zeigen und wenig darüber aussagen, ob jemand die Kompetenzen für zukünftige Herausforderungen besitzt."

Der Fokus auf objektive, kompetenzbasierte Auswahl führt nicht nur zu besserer Candidate Experience, sondern auch zu höherer Mitarbeiterzufriedenheit: Die richtige Person am richtigen Platz ist der beste Garant für langfristige Loyalität.

Mehr Details findest du in der Lufthansa-Erfolgsgeschichte.

MCI: Effizienzsteigerung durch bessere Mitarbeiterbindung

MCI Deutschland GmbH zeigt, wie objektive Eignungsdiagnostik nicht nur die Candidate Experience, sondern auch die Effizienz im Recruiting verbessert – mit direktem Effekt auf die Employee Experience:

  • 55% schnellere Time-to-Hire
  • 92% geringere Cost-per-Hire
  • 96% Abschlussquote im Assessment

Matthias Kühne, Director People & Culture bei MCI, erklärt: "Den Recruitingprozess hatten wir seit Langem dank softgarden weitestgehend digitalisiert. Mit Aivy haben wir nun einen weiteren Prozessschritt in der Personalbeschaffung digitalisiert und durch die objektivere Bewertungsgrundlage stark professionalisiert."

Die Verbindung zum eNPS: Schnellere, effizientere Prozesse bedeuten weniger Frust für Recruiter:innen – und bessere Matches führen zu zufriedeneren neuen Mitarbeiter:innen. Das wirkt sich langfristig positiv auf den Gesamt-eNPS aus.

Mehr Details in der MCI-Erfolgsgeschichte.

Ein weiteres Beispiel ist OMR: Kaya Kruse, People Lead bei OMR, berichtet von konkreter Bias-Reduktion: "Aivy wirkt. Wir reduzieren Bias, gewinnen mehr Objektivität im Hiring und stärken langfristig die Diversität." Objektive Auswahl führt zu diversen Teams – und diverse Teams haben nachweislich höhere Mitarbeiterzufriedenheit und bessere Problemlösungsfähigkeiten.

Tools und Ressourcen für deine eNPS-Messung

Du kennst jetzt die Theorie – aber wie setzt du den eNPS in der Praxis um? Hier findest du konkrete Tipps zu Tools, Datenschutz und Kommunikation.

eNPS-Umfrage erstellen: Best Practices

Die zentrale Frage:"Wie wahrscheinlich ist es, dass du unser Unternehmen als Arbeitgeber Freund:innen oder Bekannten weiterempfehlen würdest?"

Skala: 0 (sehr unwahrscheinlich) bis 10 (sehr wahrscheinlich)

Empfohlene Folgefragen:

Für alle:

  • "Was ist der Hauptgrund für deine Bewertung?" (offenes Textfeld)

Segmentiert nach Score:

  • Promotoren (9-10): "Was gefällt dir besonders gut an unserem Unternehmen als Arbeitgeber?"
  • Passive (7-8): "Was würde dich dazu bringen, uns mit einer 9 oder 10 zu bewerten?"
  • Detraktoren (0-6): "Was würdest du an unserem Unternehmen als Arbeitgeber verbessern?"

Tool-Empfehlungen:

  • Qualtrics (umfassend, teuer)
  • SurveyMonkey (einfach, kostenlose Basisversion)
  • Typeform (schönes Design, hohe Completion-Rate)
  • Culture Amp (spezialisiert auf Employee Engagement)
  • Personio (integriert in HR-Software)

Durchführungs-Tipps:

  • Versende die Umfrage per E-Mail (nicht nur als Link im Intranet)
  • Wähle einen neutralen Zeitpunkt (nicht direkt nach Gehaltsrunde oder Kündigungswelle)
  • Sende 1-2 Erinnerungen (erhöht Teilnahmequote um 20-30%)
  • Setze ein klares Zeitfenster (z.B. "Bitte antworte bis Freitag")
  • Kommuniziere transparent, warum du den eNPS misst

Anonymität und Datenschutz sicherstellen

Ohne Anonymität keine ehrlichen Antworten. Mitarbeiter:innen müssen sicher sein, dass ihre Bewertung keine negativen Konsequenzen hat.

Maßnahmen für Anonymität:

  1. Externe Tools nutzen: Interne Tools (z.B. eigene Excel-Umfrage) schaffen Misstrauen. Nutze etablierte Survey-Tools mit Anonymitäts-Garantie.
  2. Keine Einzelpersonen-Auswertung bei kleinen Gruppen: Bei weniger als 10 Teilnehmenden in einer Segmentierung (z.B. Abteilung) kann Anonymität nicht garantiert werden. Fasse kleinere Gruppen zusammen.
  3. Transparente Kommunikation: Erkläre vorab, wie die Daten verarbeitet werden: "Deine Antwort ist anonym. Niemand kann deine Bewertung deiner Person zuordnen. Wir werten nur aggregierte Daten aus."
  4. DSGVO-Konformität: Stelle sicher, dass das Tool DSGVO-konform ist (Server in EU, keine unnötigen Daten erfassen, Opt-out-Möglichkeit).
  5. Keine IP-Tracking oder Zeitstempel-Analyse: Manche Tools speichern IP-Adressen oder Zeitstempel. Das untergräbt die Anonymität. Deaktiviere diese Funktionen.

Vertrauensbildung:

  • Kommuniziere vorab die Maßnahmen zur Anonymität
  • Zeige nach der Umfrage, dass keine Einzelpersonen identifiziert wurden
  • Nutze externe Dienstleister oder HR (nicht direkte Führungskräfte) für die Auswertung

Kommunikation der Ergebnisse im Unternehmen

Die Ergebnisse sind da – jetzt kommt der kritische Teil: Wie kommunizierst du sie transparent, ohne Panik oder Resignation auszulösen?

Best Practices für Ergebnis-Kommunikation:

  1. Transparent sein – aber mit Kontext: Teile den Gesamt-eNPS, aber erkläre auch, was die Zahl bedeutet. "Unser eNPS liegt bei +22. Das ist im Branchenschnitt gut, aber wir wollen uns verbessern."
  2. Fokus auf Maßnahmen, nicht auf Schuldzuweisungen: Vermeide Formulierungen wie "Die IT-Abteilung hat versagt". Stattdessen: "In der IT gibt es Herausforderungen, die wir gemeinsam angehen."
  3. Erfolge betonen: Wenn der eNPS gestiegen ist, feiere das! "Vor einem Jahr lagen wir bei +15, jetzt bei +28. Eure Feedback hat gewirkt."
  4. Konkrete nächste Schritte nennen: "Basierend auf euren Antworten haben wir drei Prioritäten identifiziert: 1) Flexibilität erhöhen, 2) Feedbackkultur stärken, 3) Entwicklungsmöglichkeiten ausbauen. Hier sind die konkreten Maßnahmen..."
  5. Follow-up kommunizieren: "Wir werden euch in 3 Monaten über den Fortschritt informieren – und in 6 Monaten den eNPS erneut messen."

Kommunikations-Formate:

  • All-Hands-Meeting (für Gesamt-eNPS)
  • Abteilungs-Meetings (für segmentierte Ergebnisse)
  • Schriftliche Zusammenfassung per E-Mail
  • Dashboard im Intranet (für kontinuierliches Tracking)

Was NICHT tun:

  • Ergebnisse verschweigen (schafft Misstrauen)
  • Nur gute Ergebnisse teilen (Rosinenpickerei)
  • Keine Maßnahmen kommunizieren (zeigt: "Das war Zeitverschwendung")

Fazit: eNPS als Teil einer ganzheitlichen Employee Experience Strategie

Der eNPS ist ein mächtiges Tool – aber kein Allheilmittel. Er ist ein Frühwarnsystem, das dir zeigt, wo du stehst. Die eigentliche Arbeit beginnt danach: Detraktoren verstehen, Passive mobilisieren, Promotoren stärken.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

Der eNPS misst Mitarbeiterloyalität schnell und einfach – aber er ersetzt keine tieferen Befragungen
Ein guter eNPS liegt in Deutschland bei +30 oder höher – aber der Trend ist wichtiger als der absolute Wert
Passive sind das unterschätzte Potenzial – ignoriere sie nicht, sondern mobilisiere sie
Detraktoren brauchen Gehör und Handeln – Interviews führen, Top-3-Probleme identifizieren, Quick Wins umsetzen
Segmentierung ist der Schlüssel – eNPS nach Abteilungen, Standorten, Rollen auswerten, um Problemzonen zu identifizieren
Wissenschaftliche Fundierung ja, aber mit kritischem Blick – der eNPS hat Grenzen, kombiniere ihn mit anderen Kennzahlen
Objektive Eignungsdiagnostik verbessert Employee Experience – faire Auswahlprozesse schaffen Vertrauen und bessere Matches

Der eNPS ist nur ein Teil deiner Employee Experience Strategie. Kombiniere ihn mit objektiven Auswahlverfahren, kontinuierlicher Entwicklung, transparenter Kommunikation und wertschätzender Führung. Unternehmen wie Lufthansa und MCI zeigen: Wenn du die gesamte Employee Journey – vom Recruiting bis zur Mitarbeiterbindung – ganzheitlich angehst, steigt nicht nur der eNPS, sondern auch Produktivität, Innovation und Arbeitgeberattraktivität.

Du möchtest mehr darüber erfahren, wie objektive Eignungsdiagnostik deine Employee Experience verbessern kann?

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen eNPS und NPS?

Der NPS misst Kundenloyalität, der eNPS Mitarbeiterloyalität. Die Methodik ist identisch: Eine Frage auf einer Skala von 0-10, Einteilung in Promotoren, Passive und Detraktoren, Berechnung als Differenz zwischen Promotoren- und Detraktoren-Anteil. Der einzige Unterschied liegt in der Zielgruppe – und der Aussagekraft: Ein hoher eNPS korreliert mit niedrigerer Fluktuation und höherer Produktivität.

Wie oft sollte ich eNPS-Umfragen durchführen?

Bei großen Unternehmen (>500 Mitarbeiter:innen) empfiehlt sich eine quartalsweise Messung. Bei KMU reicht halbjährlich. Bei größeren Veränderungen (Restrukturierung, neue Geschäftsführung, Krise) solltest du ad-hoc messen. Wichtig: Konsistenz ist entscheidend. Wähle einen festen Rhythmus und halte ihn ein, um Trends zu erkennen.

Was ist ein guter eNPS-Wert in Deutschland?

Werte über +30 gelten als gut, über +50 als exzellent. Der deutsche Durchschnitt liegt bei etwa +15 bis +25. Ein negativer eNPS (unter 0) ist kritisch und erfordert Sofortmaßnahmen. Wichtig: Vergleiche deinen eNPS primär mit deinem eigenen Trend und mit deutschen Unternehmen – nicht mit internationalen Benchmarks, da kulturelle Unterschiede die Bewertung stark beeinflussen.

Sind Passive wirklich neutral?

Nein! Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Passive sind keine "neutralen" Mitarbeiter:innen, sondern wechselbereite. Eine Bewertung von 7 oder 8 bedeutet: "Bin zufrieden, aber würde nicht aktiv empfehlen." Bei einem attraktiven Angebot sind Passive schneller weg als Promotoren. Sie tendieren eher zu Detraktoren als zu Promotoren, weshalb du sie aktiv ansprechen solltest: "Was würde dich zu einer 9 oder 10 bewegen?"

Wie gehe ich mit einem negativen eNPS um?

Vier Sofortmaßnahmen: 1) Führe Detraktoren-Interviews, um die Hauptprobleme zu identifizieren. 2) Identifiziere die Top-3-Probleme aus den Interviews. 3) Setze Quick Wins um – kleine, aber sichtbare Verbesserungen, die zeigen: "Wir hören zu und handeln." 4) Kommuniziere transparent: Teile die Ergebnisse offen, ohne Schuldzuweisungen, und erkläre die konkreten nächsten Schritte. Erwarte keine Wunder: Ein negativer eNPS braucht 1-2 Jahre, um sich signifikant zu verbessern.

Welche Folgefragen ergänzen den eNPS sinnvoll?

Offene Fragen sind entscheidend, um den "Warum" hinter dem Score zu verstehen. Für alle: "Was ist der Hauptgrund für deine Bewertung?" Segmentiert nach Score-Gruppen: Promotoren: "Was gefällt dir besonders gut?", Passive: "Was würde dich zu einer 9 oder 10 bewegen?", Detraktoren: "Was würdest du verbessern?" Vermeide Multiple-Choice – die authentischen, ungefilterten Antworten in offenen Textfeldern sind wertvoller, auch wenn die Auswertung aufwendiger ist.

Kann ich eNPS mit anderen Unternehmen vergleichen?

Ja, aber vorsichtig. Branche, Unternehmensgröße und Kultur beeinflussen den eNPS stark. IT-Unternehmen haben tendenziell höhere Werte als Einzelhandel. Große Konzerne niedrigere als Start-ups. Deutsche Unternehmen niedrigere als US-amerikanische (kulturelle Zurückhaltung bei Bewertungen). Nutze Benchmarks als Orientierung, aber fokussiere dich auf deinen eigenen Trend: Ein Anstieg von +15 auf +30 ist wertvoller als ein statischer Wert von +35.

Wie stelle ich Anonymität bei eNPS-Umfragen sicher?

Fünf Maßnahmen: 1) Nutze externe, etablierte Survey-Tools (nicht interne Excel-Umfragen). 2) Keine Einzelpersonen-Auswertung bei Gruppen mit weniger als 10 Teilnehmenden. 3) Kommuniziere transparent vorab, wie Daten verarbeitet werden. 4) Stelle DSGVO-Konformität sicher (Server in EU, Opt-out-Möglichkeit). 5) Deaktiviere IP-Tracking und detaillierte Zeitstempel-Analyse. Ohne echte Anonymität erhältst du keine ehrlichen Antworten – Misstrauen ist der größte Feind valider Daten.

Sollte ich eNPS-Ergebnisse öffentlich kommunizieren?

Ja, Transparenz erhöht Vertrauen! Teile den Gesamt-eNPS, die wichtigsten Insights und vor allem die konkreten Maßnahmen, die du ergreifst. Vermeide Schuldzuweisungen ("Die IT hat versagt") und fokussiere dich auf Lösungen. Zeige auch Fortschritte: Wenn der eNPS gestiegen ist, feiere das! Mitarbeiter:innen wollen wissen, dass ihr Feedback gehört wurde und zu Veränderungen führt. Verschweigen von Ergebnissen signalisiert: "War Zeitverschwendung" – und zerstört Vertrauen für zukünftige Umfragen.

Kann der eNPS Kündigungen vorhersagen?

Ja, mit Einschränkungen. Detraktoren haben eine 3-5x höhere Kündigungswahrscheinlichkeit als Promotoren. Der eNPS ist ein statistisches Frühwarnsystem: Ein sinkender eNPS signalisiert erhöhte Fluktuationsgefahr. Aber: Der eNPS prognostiziert keine individuellen Kündigungen. Eine Person mit Score 6 kann bleiben, während eine mit Score 7 geht. Nutze den eNPS als Trendindikator und kombiniere ihn mit anderen Signalen (Absentismus, Performance, 1:1-Gespräche).

Was mache ich, wenn einzelne Abteilungen extrem niedrige Werte haben?

Vier Schritte: 1) Beziehe die Führungskraft ein – oft liegt hier das Problem. 2) Führe einen Team-Workshop durch, um die Probleme offen zu diskutieren (mit neutraler Moderation). 3) Setze schnelle, sichtbare Verbesserungen um (Quick Wins). 4) Führe nach 3 Monaten eine Nachbefragung durch, um zu prüfen, ob die Maßnahmen wirken. Oft sind abteilungsspezifische Probleme lösbar – aber nur, wenn du gezielt hinschaust und nicht nur auf den Gesamt-eNPS starrst.

Wie unterscheidet sich eNPS von klassischen Mitarbeiterbefragungen?

Der eNPS ist ein Single-Item-Measure: Eine Frage, wenige Minuten, schnelle Auswertung. Klassische Mitarbeiterbefragungen sind multi-dimensional: 30-50 Fragen zu verschiedenen Themen (Führung, Entwicklung, Gehalt, Kultur) und liefern Tiefenanalyse. Der eNPS ist ein schneller Indikator ("Fiebermesser"), klassische Befragungen sind die Diagnose. Ideal: eNPS quartalsweise als Frühwarnsystem, ausführliche Befragung jährlich für detaillierte Insights.

Können externe Faktoren (Pandemie, Wirtschaftskrise) den eNPS verfälschen?

Ja, und zwar erheblich. Der eNPS misst die aktuelle Stimmung – nicht langfristige Loyalität. Während einer Krise oder nach negativen Schlagzeilen kann der eNPS temporär sinken, auch wenn das Unternehmen selbst gut geführt ist. Deshalb: Kontext immer mitberücksichtigen. Wenn dein eNPS nach einer Kündigungswelle sinkt, ist das normal – aber beobachte, ob er sich danach wieder erholt. Der Trend über 12-24 Monate ist aussagekräftiger als ein einzelner Snapshot.

Wie verbinde ich eNPS mit Recruiting-Erfolg?

Die Verbindung ist klar: Hoher eNPS → zufriedene Mitarbeiter:innen → bessere Arbeitgeberbewertungen (Kununu, Glassdoor) → mehr qualifizierte Bewerbungen → kürzere Time-to-Hire. Deine Mitarbeiter:innen sind deine besten Markenbotschafter:innen. Promotoren empfehlen dein Unternehmen aktiv in ihrem Netzwerk, posten positiv auf LinkedIn, sprechen in Bewerbungsgesprächen begeistert über ihre Arbeit. Das ist authentisches Employer Branding – und deutlich wirksamer als jede Werbekampagne.

Was ist der ideale Zeitpunkt für eine eNPS-Umfrage?

Vermeide sensible Zeitpunkte: Nicht direkt nach Gehaltsrunden (Erwartungen sind hoch), nicht während Kündigungswellen (Stimmung am Boden), nicht in akuten Krisen (verfälscht Ergebnisse). Ideal ist die Mitte des Quartals, wenn der Alltag "normal" läuft. Wichtiger als der perfekte Zeitpunkt ist jedoch Konsistenz: Wähle einen festen Rhythmus (z.B. immer Mitte Februar, Mai, August, November) und halte ihn ein. So werden Trends vergleichbar.

Quellen

  • Reichheld, F. (2003). The One Number You Need to Grow. Harvard Business Review. https://hbr.org/2003/12/the-one-number-you-need-to-grow
  • Satmetrix Systems (2019). The State of Employee Net Promoter Score.
  • Gallup (2020). State of the Global Workplace. https://www.gallup.com/workplace/\
  • SHRM (2022). Employee Job Satisfaction and Engagement. Society for Human Resource Management.
  • Korn Ferry (2021). The Cost of Employee Turnover.
  • Keiningham, T. L., Cooil, B., Andreassen, T. W., & Aksoy, L. (2007). A longitudinal examination of net promoter and firm revenue growth. Journal of Marketing, 71(3), 39-51.
  • Morgan, N. A., & Rego, L. L. (2006). The value of different customer satisfaction and loyalty metrics in predicting business performance. Marketing Science, 25(5), 426-439.
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eNPS auswerten: So interpretierst du deinen Employee Net Promoter Score

Hohe Fluktuation, schlechte Arbeitgeberbewertungen auf Kununu oder Glassdoor, sinkende Mitarbeitermotivation – viele HR-Verantwortliche kennen diese Herausforderungen. Doch wie misst du objektiv, wie loyal und zufrieden deine Mitarbeiter:innen wirklich sind? Der Employee Net Promoter Score (eNPS) hat sich als einfache, aber aussagekräftige Kennzahl etabliert, um die Mitarbeiterloyalität zu erfassen.

In diesem umfassenden Ratgeber erfährst du, wie du deinen eNPS richtig berechnest, interpretierst und auswertest. Du lernst, welche eNPS-Werte als gut gelten, wie du die Ergebnisse nach Abteilungen segmentierst und vor allem: welche konkreten Maßnahmen du ergreifen kannst, um aus Detraktoren Promotoren zu machen. Wissenschaftlich fundiert, praxisnah und mit Erfolgsbeispielen aus der HR-Welt.

Was ist der eNPS? Definition und Grundlagen

Der Employee Net Promoter Score (eNPS) ist eine Kennzahl zur Messung der Mitarbeiterloyalität. Mitarbeiter:innen bewerten auf einer Skala von 0-10, wie wahrscheinlich sie das Unternehmen als Arbeitgeber weiterempfehlen würden. Diese einfache Frage liefert dir einen schnellen Überblick über die Stimmung in deinem Unternehmen – und zeigt frühzeitig Kündigungsrisiken auf.

Der eNPS basiert auf dem Net Promoter Score (NPS), einer Methodik, die ursprünglich von Fred Reichheld entwickelt wurde, um Kundenloyalität zu messen. In seinem wegweisenden Artikel "The One Number You Need to Grow" (Harvard Business Review, 2003) argumentierte Reichheld, dass die Frage "Wie wahrscheinlich würden Sie unser Unternehmen weiterempfehlen?" der beste Prädiktor für Unternehmenswachstum sei – einfacher und präziser als komplexe Zufriedenheits-Scores.

Die Entstehung: Vom NPS zum eNPS

Während der klassische NPS Kundenloyalität misst, überträgt der eNPS dieses Konzept auf Mitarbeiter:innen. Die Methodik ist identisch: Eine einzige Frage, eine Skala von 0-10, und eine klare Berechnung. Der Unterschied liegt in der Zielgruppe und der Aussagekraft: Ein hoher eNPS signalisiert nicht nur zufriedene Mitarbeiter:innen, sondern auch geringere Fluktuationskosten, bessere Produktivität und eine stärkere Arbeitgebermarke.

Laut einer Studie von Satmetrix Systems (2019) haben Unternehmen mit einem eNPS über 50 eine um 25% niedrigere Fluktuationsrate als Unternehmen mit einem negativen eNPS. Die Methode hat sich deshalb weltweit als Standard-Kennzahl im HR-Management etabliert.

Warum der eNPS für HR wichtig ist

In Zeiten des Fachkräftemangels ist Mitarbeiterbindung wichtiger denn je. Die Kosten einer Kündigung sind erheblich: Korn Ferry (2021) beziffert die Fluktuationskosten auf 150-200% des Jahresgehalts – einschließlich Recruiting, Onboarding und Produktivitätsverlust. Der eNPS hilft dir, Kündigungsrisiken frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Zudem zeigt die Gallup-Studie "State of the Global Workplace" (2020), dass 85% der Mitarbeiter:innen weltweit nicht engagiert sind. Der eNPS gibt dir einen schnellen, regelmäßig messbaren Indikator, um zu prüfen, ob deine Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung greifen. Und das Beste: Im Gegensatz zu aufwendigen Mitarbeiterbefragungen ist der eNPS in wenigen Minuten durchgeführt und ausgewertet.

eNPS berechnen: Formel und Schritt-für-Schritt-Anleitung

Die Berechnung des eNPS ist einfach, erfordert aber Sorgfalt. Grundlage ist die zentrale Frage: "Wie wahrscheinlich ist es, dass du unser Unternehmen als Arbeitgeber Freund:innen oder Bekannten weiterempfehlen würdest?" Die Antworten werden auf einer Skala von 0 (sehr unwahrscheinlich) bis 10 (sehr wahrscheinlich) erfasst.

Die eNPS-Formel erklärt

Basierend auf den Antworten werden Mitarbeiter:innen in drei Gruppen eingeteilt:

  • Promotoren (9-10): Hochzufriedene, loyale Mitarbeiter:innen, die das Unternehmen aktiv weiterempfehlen und als Markenbotschafter:innen fungieren. Sie sprechen in ihrem Netzwerk positiv über das Unternehmen und sind deutlich weniger kündigungsgefährdet.
  • Passive (7-8): Zufriedene, aber nicht begeisterte Mitarbeiter:innen. Sie sind nicht unzufrieden, würden das Unternehmen aber nicht aktiv weiterempfehlen. Passive bleiben, solange nichts Besseres kommt – bei attraktiven Angeboten wechseln sie jedoch eher als Promotoren.
  • Detraktoren (0-6): Unzufriedene Mitarbeiter:innen, die das Unternehmen kritisch sehen. Sie sprechen potenziell negativ über den Arbeitgeber, schreiben negative Bewertungen auf Kununu oder Glassdoor und sind akut kündigungsgefährdet.

Die eNPS-Formel lautet:

eNPS = % Promotoren - % Detraktoren

Passive werden bei der Berechnung nicht berücksichtigt – ihre Rolle diskutieren wir später ausführlich.

Rechenbeispiel: So berechnest du deinen eNPS

Nehmen wir an, du führst eine eNPS-Umfrage in deinem Unternehmen mit 100 Mitarbeiter:innen durch. Die Ergebnisse:

  • 50 Mitarbeiter:innen geben eine 9 oder 10 → 50 Promotoren → 50%
  • 30 Mitarbeiter:innen geben eine 7 oder 8 → 30 Passive → 30%
  • 20 Mitarbeiter:innen geben eine 0-6 → 20 Detraktoren → 20%

Berechnung: eNPS = 50% - 20% = +30

Dein eNPS beträgt +30. Das bedeutet: Du hast mehr Promotoren als Detraktoren – ein positives Zeichen. Allerdings gibt es noch erhebliches Verbesserungspotenzial, denn 30% deiner Belegschaft sind Passive, und 20% sind aktiv unzufrieden.

Ein weiteres Beispiel mit negativem eNPS: Bei 2.000 Mitarbeiter:innen erhältst du 600 Promotoren (30%) und 800 Detraktoren (40%). Die restlichen 600 (30%) sind Passive.

Berechnung: eNPS = 30% - 40% = -10

Ein negativer eNPS signalisiert ernste Probleme: Du hast mehr Detraktoren als Promotoren. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Promotoren, Passive und Detraktoren verstehen

Die Einteilung in drei Gruppen mag auf den ersten Blick willkürlich erscheinen, folgt aber psychologischen Erkenntnissen zur Empfehlungsbereitschaft. Studien zeigen: Menschen, die eine 9 oder 10 geben, sind tatsächlich deutlich loyaler und empfehlungsbereiter als jene mit einer 7 oder 8.

Promotoren sind deine wertvollsten Mitarbeiter:innen aus Sicht der Employee Experience. Sie tragen positiv zur Unternehmenskultur bei, sind motivierter und produktiver. SHRM (2022) belegt, dass zufriedene Mitarbeiter:innen 12% produktiver sind und 31% weniger Fehltage haben.

Passive werden oft unterschätzt. Eine 7 oder 8 klingt zunächst nach "zufrieden", aber die Realität ist: Diese Gruppe ist wechselbereit. Sie würden das Unternehmen nicht aktiv kritisieren, aber auch nicht verteidigen. Bei attraktiven Angeboten wechseln sie schneller als Promotoren. Viele Unternehmen machen den Fehler, Passive zu ignorieren – dabei liegt hier großes Potenzial, aus "zufrieden" "begeistert" zu machen.

Detraktoren sind dein größtes Risiko. Sie haben 3-5x höhere Kündigungswahrscheinlichkeit und können durch negative Mundpropaganda erheblichen Schaden anrichten. Wichtig: Nicht jede:r Detraktoren ist "verloren". Oft sind die Gründe für Unzufriedenheit behebbar – etwa schlechte Führung, mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten oder unfaire Prozesse.

Häufige Fehler bei der Berechnung

Fehler 1: Passive einbeziehen Einige HR-Manager addieren versehentlich die Passiven zu den Promotoren oder mitteln alle drei Gruppen. Das verfälscht den Score erheblich. Die eNPS-Methodik schließt Passive bewusst aus der Berechnung aus.

Fehler 2: Zu kleine Stichprobe Bei weniger als 30 Teilnehmenden sind die Ergebnisse statistisch nicht robust. Ein einziger Detraktoren mehr oder weniger verändert den Score drastisch. Für verlässliche Aussagen benötigst du eine Teilnahmequote von mindestens 60-70%.

Fehler 3: Falsche Skalierung Manche Tools verwenden eine 5-Punkt-Skala statt der Standard-11-Punkt-Skala (0-10). Das führt zu anderen Berechnungen und macht Benchmarks unvergleichbar. Halte dich an die Original-Methodik.

Fehler 4: Nachträgliche Rundung Runde erst am Ende, nicht bei den Prozentsätzen. Bei 100 Mitarbeiter:innen mit 33 Promotoren und 15 Detraktoren: eNPS = 33% - 15% = 18, nicht 30% - 20% = 10.

eNPS-Werte richtig interpretieren

Du hast deinen eNPS berechnet – aber was bedeutet die Zahl konkret? Ist ein Wert von +20 gut oder schlecht? Und wie unterscheiden sich die Benchmarks je nach Branche und Unternehmensgröße?

Was ist ein guter eNPS? Benchmarks Deutschland

Der eNPS kann theoretisch zwischen -100 (alle Detraktoren) und +100 (alle Promotoren) liegen. In der Realität sehen die Werte jedoch anders aus. Für Deutschland gelten folgende Richtwerte:

eNPS-Bereich Bewertung Interpretation
< 0 Kritisch Mehr Detraktoren als Promotoren. Sofortmaßnahmen erforderlich.
0-30 Verbesserungswürdig Positive Grundstimmung, aber viel Luft nach oben. Strukturelle Änderungen empfohlen.
30-50 Gut Solide Mitarbeiterloyalität. Feintuning und Optimierung sinnvoll.
50-70 Sehr gut Überdurchschnittliche Mitarbeiterzufriedenheit. Exzellenz halten.
> 70 Exzellent Top-Performer. Best Practices dokumentieren und teilen.

Wichtig: Diese Werte sind Orientierungshilfen, keine absoluten Wahrheiten. Der deutsche eNPS-Durchschnitt liegt bei ca. 10 bis 20 Punkten – kulturell bedingt sind die Werte niedriger als z.B. in den USA.

eNPS-BereichBewertungInterpretation< 0KritischMehr Detraktoren als Promotoren. Sofortmaßnahmen erforderlich.0-30VerbesserungswürdigPositive Grundstimmung, aber viel Luft nach oben. Strukturelle Änderungen empfohlen.30-50GutSolide Mitarbeiterloyalität. Feintuning und Optimierung sinnvoll.50-70Sehr gutÜberdurchschnittliche Mitarbeiterzufriedenheit. Exzellenz halten.> 70ExzellentTop-Performer. Best Practices dokumentieren und teilen.

Wichtig: Diese Werte sind Orientierungshilfen, keine absoluten Wahrheiten. Der deutsche Durchschnitt liegt bei etwa +15 bis +25 – deutlich niedriger als oft angenommen. Ein eNPS von +30 ist bereits überdurchschnittlich.

Warum sind die Werte in Deutschland tendenziell niedriger? Kulturelle Faktoren spielen eine Rolle: Deutsche sind generell zurückhaltender bei Bewertungen als etwa US-Amerikaner. Eine 9 oder 10 wird hierzulande seltener vergeben. Das bedeutet: Vergleiche deinen eNPS primär mit deiner eigenen Historie und mit deutschen Unternehmen – nicht mit internationalen Benchmarks.

eNPS nach Branchen und Unternehmensgrößen

Die Branche beeinflusst den eNPS erheblich. Einige Branchen-Benchmarks für Deutschland (geschätzt, Stand 2025):

  • Tech/IT-Branche: Durchschnitt +28, Top-Quartil +52
  • Gesundheitswesen: Durchschnitt +8, Top-Quartil +25
  • Einzelhandel: Durchschnitt +5, Top-Quartil +22
  • Produzierende Industrie: Durchschnitt +18, Top-Quartil +40
  • Finanzdienstleistungen: Durchschnitt +12, Top-Quartil +35

Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle:

  • Start-ups (<50 MA): Oft höhere Werte (+35-50), aber volatiler
  • KMU (50-500 MA): Durchschnitt +20-30
  • Großunternehmen (>1.000 MA): Durchschnitt +10-20, aber stabiler

Große Unternehmen haben tendenziell niedrigere Werte, weil die Mitarbeiterbindung schwieriger ist und einzelne schlechte Erfahrungen (z.B. mit einer Führungskraft) den Gesamtscore beeinflussen. Start-ups profitieren oft von höherer Identifikation, müssen aber mit starken Schwankungen rechnen.

Negativer eNPS: Was bedeutet das?

Ein negativer eNPS ist ein Alarmsignal. Er bedeutet: Du hast mehr aktiv unzufriedene Mitarbeiter:innen als loyale Botschafter:innen. Die Folgen:

  • Hohe Fluktuation: Detraktoren kündigen 3-5x häufiger
  • Negative Mundpropaganda: Schlechte Bewertungen auf Kununu/Glassdoor
  • Sinkende Produktivität: Unmotivierte Teams, "innere Kündigung"
  • Recruiting-Schwierigkeiten: Schlechter Ruf als Arbeitgeber
  • Kulturelle Probleme: Toxisches Arbeitsklima, Konflikte

Ein negativer eNPS ist jedoch nicht das Ende. Viele Unternehmen haben ihren Score von -20 auf +40 verbessert – durch konsequente Maßnahmen, transparente Kommunikation und echte Veränderungen. Der erste Schritt: Die Ursachen verstehen. Führe Detraktoren-Interviews (dazu später mehr).

Der Unterschied zwischen absolutem Wert und Trend

Eine häufig übersehene Erkenntnis: Der Trend ist wichtiger als der absolute Wert.

Beispiel 1: Dein eNPS liegt seit zwei Jahren stabil bei +35. Das ist gut, aber zeigt auch: Es gibt keine Verbesserung. Womöglich hast du die Passiven nicht erreicht oder Detraktoren ignoriert.

Beispiel 2: Dein eNPS ist von +10 auf +25 gestiegen – innerhalb von 12 Monaten. Das ist exzellent! Es zeigt: Deine Maßnahmen greifen.

Beispiel 3: Dein eNPS sinkt von +30 auf +18. Alarmzeichen! Auch wenn +18 absolut gesehen "okay" ist, signalisiert der Rückgang ein Problem. Was hat sich verändert? Neue Führungskraft? Restrukturierung? Gehaltsrunde ausgefallen?

Empfehlung: Messe den eNPS quartalsweise (bei großen Unternehmen) oder halbjährlich (bei KMU) und tracke den Trend. Ein konstanter Aufwärtstrend zeigt, dass du auf dem richtigen Weg bist – selbst wenn der absolute Wert noch nicht "exzellent" ist.

eNPS auswerten: Von der Zahl zur Erkenntnis

Ein eNPS von +25 ist eine Zahl. Aber was steckt dahinter? Die eigentliche Arbeit beginnt nach der Berechnung: Du musst die Ergebnisse segmentieren, qualitative Daten auswerten und konkrete Handlungsfelder identifizieren.

Segmentierung: eNPS nach Abteilungen, Standorten, Rollen

Eine der größten Stärken des eNPS: Du kannst ihn für verschiedene Gruppen berechnen und so Problemzonen identifizieren. Die wichtigsten Segmentierungen:

1. Nach Abteilungen: Beispiel: Gesamt-eNPS +30, aber IT-Abteilung +50 und Vertrieb -10. Klar: Im Vertrieb gibt es ein massives Problem – vermutlich schlechte Führung, unrealistische Ziele oder Überlastung.

2. Nach Standorten: Bei mehreren Standorten kannst du Unterschiede in der Unternehmenskultur oder im Management identifizieren. Standort A: +45, Standort B: +5 → Was läuft in Standort B schief?

3. Nach Rollen/Hierarchieebenen: Oft unterscheidet sich der eNPS stark zwischen Führungskräften (+40) und operativen Mitarbeiter:innen (+10). Das deutet auf mangelnde Verbindung zwischen Management und Basis hin.

4. Nach Betriebszugehörigkeit: Neue Mitarbeiter:innen (< 1 Jahr): +35. Langjährige (> 5 Jahre): +15. Das signalisiert: Der Onboarding-Prozess ist gut, aber langfristige Entwicklungsperspektiven fehlen.

5. Nach Alter/Generation: Gen Z (< 30 Jahre): +20. Baby Boomer (> 55 Jahre): +40. Jüngere Mitarbeiter:innen haben andere Erwartungen (Flexibilität, Purpose, Entwicklung) – diese müssen adressiert werden.

Praxis-Tipp: Segmentiere nur bei Gruppen mit mindestens 10 Teilnehmenden, sonst gefährdest du die Anonymität.

Detraktoren-Analyse: Die wichtigste Gruppe

Die Detraktoren sind deine dringendste Baustelle. Sie kosten dich Geld (Fluktuation), Image (schlechte Bewertungen) und Produktivität (Demotivation). Deshalb: Konzentriere dich auf diese Gruppe.

Schritt 1: Identifiziere die Top-3-Probleme Ergänze die eNPS-Frage mit einer offenen Folgefrage: "Was würdest du an unserem Unternehmen als Arbeitgeber verbessern?" Kategorisiere die Antworten der Detraktoren:

Häufige Themen:

  • Schlechte Führung / mangelnde Wertschätzung (40% der Nennungen)
  • Fehlende Entwicklungsmöglichkeiten (25%)
  • Überlastung / Work-Life-Balance (20%)
  • Gehalt / Benefits (15%)
  • Unternehmenskultur / fehlender Purpose (10%)

Schritt 2: Führe Detraktoren-Interviews Bei kleineren Unternehmen: Biete allen Detraktoren ein vertrauliches Gespräch an (freiwillig, mit HR oder externer Moderation). Frage:

  • "Was ist der Hauptgrund für deine Bewertung?"
  • "Gab es ein konkretes Ereignis, das deine Sicht verändert hat?"
  • "Was müsste sich ändern, damit du uns weiterempfehlen würdest?"

Schritt 3: Priorisiere Quick Wins Manche Probleme sind schnell lösbar (z.B. bessere Home-Office-Regelung), andere langfristig (z.B. Führungskräfte-Entwicklung). Starte mit Quick Wins, um zu zeigen: "Wir hören zu und handeln."

Passive verstehen: Das unterschätzte Potenzial

Passive werden bei der eNPS-Berechnung ignoriert – aber das bedeutet nicht, dass sie unwichtig sind. Im Gegenteil: Sie sind deine größte Chance.

Warum Passive wichtig sind:

  • Sie stellen oft 30-40% der Belegschaft
  • Sie sind wechselbereit, aber noch nicht gegangen
  • Kleine Verbesserungen können sie zu Promotoren machen
  • Wenn sie ignoriert werden, werden sie zu Detraktoren

Die Passive-Falle:Eine 7 oder 8 klingt nach "zufrieden", aber das ist trügerisch. Passive sagen: "Ist okay, aber ich würde nicht aktiv werben." Das bedeutet: Bei einem besseren Angebot sind sie weg.

Strategie für Passive:Ergänze die eNPS-Umfrage mit der Frage: "Was würde dich dazu bringen, uns mit einer 9 oder 10 zu bewerten?" Die Antworten zeigen dir konkret, was fehlt:

  • "Mehr Flexibilität"
  • "Bessere Entwicklungsmöglichkeiten"
  • "Klarere Kommunikation von oben"

Passive sind oft Mitarbeiter:innen, die grundsätzlich zufrieden sind, aber das "gewisse Extra" vermissen. Eine Gehaltserhöhung allein reicht selten – es geht um Wertschätzung, Entwicklung und Purpose.

Qualitative Daten: Folgefragen richtig einsetzen

Der eNPS-Score ist quantitativ, aber erst qualitative Daten machen ihn wertvoll. Stelle deshalb immer Folgefragen:

Für Promotoren (9-10):

  • "Was gefällt dir besonders gut an unserem Unternehmen als Arbeitgeber?"
  • "Was sollten wir unbedingt beibehalten?"

Diese Fragen zeigen dir, was du richtig machst. Dokumentiere die Antworten und teile sie intern – als Best Practices.

Für Passive (7-8):

  • "Was würde dich dazu bringen, uns mit einer 9 oder 10 zu bewerten?"
  • "Was fehlt dir aktuell?"

Für Detraktoren (0-6):

  • "Was würdest du an unserem Unternehmen als Arbeitgeber verbessern?"
  • "Gab es ein konkretes Ereignis, das dich unzufrieden gemacht hat?"

Wichtig: Nutze offene Textfelder, keine Multiple-Choice. So erhältst du authentische, ungefilterte Antworten. Ja, die Auswertung ist aufwendiger – aber die Insights sind Gold wert.

Wissenschaftliche Perspektive: Stärken und Grenzen des eNPS

Der eNPS ist populär – aber ist er auch wissenschaftlich valide? Lass uns einen kritischen Blick auf Stärken und Schwächen werfen.

Was der eNPS leistet (und was nicht)

Stärken des eNPS:

  1. Einfachheit: Eine Frage, wenige Minuten, klare Berechnung
  2. Vergleichbarkeit: Über Zeit, Abteilungen, Branchen hinweg
  3. Akzeptanz: Weltweit etablierter Standard
  4. Schnelligkeit: Quartalsweise Messung möglich (Pulsbefragung)
  5. Prädiktive Validität: Korreliert nachweislich mit Fluktuation

Grenzen des eNPS:

  1. Single-Item-Measure: Nur eine Frage erfasst nicht die Komplexität von Employee Experience
  2. Keine Tiefe: Warum jemand eine 6 oder 8 gibt, bleibt unklar (ohne Folgefragen)
  3. Kulturelle Verzerrung: Deutsche bewerten zurückhaltender als z.B. US-Amerikaner
  4. Kontextabhängigkeit: Externe Ereignisse (Pandemie, Wirtschaftskrise) verfälschen Ergebnisse

Was der eNPS misst:

  • Aktuelle Stimmung ("Wie geht es dir heute?")
  • Weiterempfehlungsbereitschaft als Proxy für Loyalität

Was der eNPS NICHT misst:

  • Engagement im Sinne von "discretionary effort"
  • Spezifische Treiber von Zufriedenheit (Gehalt, Führung, Entwicklung)
  • Langfristige Bindung (nur Momentaufnahme)

Fazit: Der eNPS ist ein wertvoller Indikator, aber kein vollständiges Bild. Nutze ihn als Frühwarnsystem und ergänze ihn mit tiefergehenden Befragungen.

Kritische Betrachtung: Limitations der Methode

Die wissenschaftliche Kritik am eNPS – und am zugrundeliegenden NPS – ist nicht neu. Zwei häufig zitierte Studien:

Keiningham et al. (2007) analysierten in ihrer Studie "A Longitudinal Examination of Net Promoter and Firm Revenue Growth" (Journal of Marketing) Daten von über 21.000 Kunden und kamen zu dem Ergebnis: Der NPS ist nicht signifikant besser als andere Loyalty-Metriken bei der Vorhersage von Wachstum. Die Empfehlungsbereitschaft korreliert nicht stärker mit Business Outcomes als z.B. die Gesamtzufriedenheit.

Morgan & Rego (2006) kritisieren in "The Value of Different Customer Satisfaction and Loyalty Metrics" (Marketing Science) die Kategorisierung in drei Gruppen: Durch die Einteilung in Promotoren, Passive und Detraktoren geht statistische Information verloren. Eine kontinuierliche Skala (0-10) wäre präziser.

Was bedeutet das für den eNPS?

Die Kritik ist berechtigt, aber nicht fatal. Der eNPS ist kein perfektes wissenschaftliches Instrument – aber das muss er auch nicht sein. Sein Wert liegt in der Praktikabilität:

  • Schnell durchführbar (hohe Teilnahmequote)
  • Leicht kommunizierbar (Management versteht "+30" intuitiv)
  • Handlungsorientiert (Detraktoren sind klare Zielgruppe)

Entscheidend ist: Nutze den eNPS nicht isoliert. Kombiniere ihn mit:

  • Tieferen Mitarbeiterbefragungen (jährlich)
  • Pulsbefragungen zu spezifischen Themen (monatlich/quartalsweise)
  • Qualitativen Interviews
  • Anderen HR-KPIs (Fluktuationsrate, Absentismus, Produktivität)

eNPS im Kontext anderer HR-Kennzahlen

Der eNPS ist nur eine von vielen HR-Kennzahlen. Erst im Zusammenspiel mit anderen Metriken wird er wirklich aussagekräftig.

Wichtige Korrelationen:

HR-KPI Zusammenhang mit eNPS Interpretation
Fluktuationsrate Stark negativ korreliert Niedriger eNPS → höhere Fluktuation
Absentismus Negativ korreliert Detraktoren haben mehr Fehltage
Produktivität Positiv korreliert Promotoren sind produktiver (SHRM: +12%)
Recruiting-Erfolg Positiv korreliert Hoher eNPS → bessere Bewertungen → mehr Bewerbungen
Innovationskraft Positiv korreliert Engagement fördert Kreativität

Beispiel-Dashboard:

  • eNPS: +28 (Trend: +5 vs. Vorquartal)
  • Fluktuationsrate: 12% p.a. (Ziel: <10%)
  • Absentismus: 4,2% (Branchenschnitt: 5,1%)
  • Glassdoor-Rating: 3,8/5
  • Recruiting-Time-to-Hire: 45 Tage (Vorjahr: 52 Tage)

Dieser Kontext zeigt: Der eNPS steigt, die Fluktuation ist noch zu hoch, aber Absentismus und Recruiting verbessern sich. Die Maßnahmen greifen – mittelfristig.

eNPS verbessern: Konkrete Maßnahmen für verschiedene Score-Bereiche

Du hast deinen eNPS ausgewertet – jetzt geht es ans Handeln. Die Maßnahmen unterscheiden sich je nach Score-Bereich.

Negativer eNPS (< 0): Krisenintervention

Ein negativer eNPS ist ein Notfall. Mehr Detraktoren als Promotoren bedeuten: massiver Vertrauensverlust, hohe Fluktuation, toxische Kultur. Hier brauchst du sofortige, sichtbare Veränderungen.

Sofortmaßnahmen (erste 4 Wochen):

  1. Detraktoren-Interviews führen: Biete allen Detraktoren ein vertrauliches Gespräch an (freiwillig, mit neutraler Person). Höre zu, ohne zu rechtfertigen. Frage: "Was ist das größte Problem?" und "Was müsste sich ändern?"
  2. Top-3-Probleme identifizieren: Kategorisiere die Aussagen. Meist kristallisieren sich 2-3 Kernthemen heraus (z.B. schlechte Führung, Überlastung, fehlende Wertschätzung).
  3. Quick Wins umsetzen: Suche nach Problemen, die du schnell lösen kannst. Beispiele:
    • Zu wenig Flexibilität? → Führe 2 Home-Office-Tage pro Woche ein
    • Schlechte Kommunikation? → Starte monatliche All-Hands-Meetings
    • Fehlende Wertschätzung? → Implementiere ein Peer-Recognition-System
  4. Transparent kommunizieren: Teile die eNPS-Ergebnisse offen (ohne Schuldzuweisungen). Sage: "Wir haben ein Problem, und wir gehen es an. Hier sind die konkreten Schritte." Zeige in 6 Wochen erste Erfolge.

Mittelfristige Maßnahmen (3-6 Monate):

  • Führungskräfte-Entwicklung: Schlechte Führung ist der häufigste Grund für niedrigen eNPS. Investiere in Trainings, Coachings, 360°-Feedbacks.
  • Strukturelle Änderungen: Oft sind Prozesse das Problem (überlastete Teams, unrealistische Ziele, ineffiziente Abläufe). Überarbeite diese systematisch.
  • Kulturwandel: Ein negativer eNPS deutet auf Kulturprobleme hin. Definiere Werte neu, lebe sie vor, sanktioniere toxisches Verhalten.

Warnung: Erwarte keine Wunder. Ein eNPS von -15 wird nicht in 3 Monaten zu +40. Realistisch sind +10-15 Punkte pro Jahr – wenn du konsequent arbeitest.

Niedriger eNPS (0-30): Strukturelle Verbesserungen

Ein eNPS zwischen 0 und 30 ist "okay", aber weit von gut entfernt. Du hast mehr Promotoren als Detraktoren, aber viele Passive und zu viele Unzufriedene. Hier brauchst du strukturelle Verbesserungen.

Fokus: Passive zu Promotoren machen

Die meisten Unternehmen in diesem Bereich haben 30-40% Passive. Das ist deine Chance. Frage sie gezielt: "Was würde dich dazu bringen, uns mit einer 9 oder 10 zu bewerten?"

Häufige Antworten:

  • "Mehr Entwicklungsmöglichkeiten"
  • "Bessere Work-Life-Balance"
  • "Klarere Kommunikation und Transparenz"
  • "Stärkerer Purpose / Sinn der Arbeit"

Konkrete Maßnahmen:

  1. Entwicklungsperspektiven schaffen: Einführen von Individual Development Plans (IDPs), Mentoring-Programmen, internen Job-Rotationen. Passive bleiben oft, weil sie keine Perspektive sehen.
  2. Feedbackkultur stärken: Einführen von regelmäßigen 1:1s (alle 2 Wochen), konstruktivem Feedback, transparenten Zielsetzungen. Viele Passive fühlen sich "im Dunkeln gelassen".
  3. Flexibilität erhöhen: Hybride Arbeitsmodelle, flexible Arbeitszeiten, Sabbatical-Optionen. Work-Life-Balance ist ein Top-Thema bei Passiven.
  4. Wertschätzung zeigen: Anerkennung muss nicht teuer sein. Kleine Gesten (persönliches Lob, öffentliche Wertschätzung, Team-Events) haben oft große Wirkung.

Zeitrahmen: Erwarte Verbesserungen nach 6-12 Monaten. Ein Anstieg von +20 auf +35 ist realistisch.

Mittlerer eNPS (30-50): Feintuning

Ein eNPS zwischen 30 und 50 ist gut. Du machst vieles richtig, aber es gibt noch Luft nach oben. Jetzt geht es um Feintuning und Exzellenz.

Fokus: Detraktoren gezielt ansprechen

Bei diesem Score-Niveau hast du meist nur noch 10-15% Detraktoren. Oft sind es spezifische Gruppen (z.B. eine bestimmte Abteilung oder Standort). Segmentiere deinen eNPS und identifiziere Ausreißer.

Konkrete Maßnahmen:

  1. Abteilungs-/Standort-spezifische Interventionen: Wenn der Vertrieb einen eNPS von +10 hat, während der Rest bei +45 liegt, ist das ein klares Führungs- oder Strukturproblem. Arbeite gezielt mit dieser Gruppe.
  2. Best Practices teilen: Was läuft in den Abteilungen mit hohem eNPS richtig? Dokumentiere es und übertrage es auf andere Bereiche.
  3. Employee Experience Journey optimieren: Mappe die gesamte Employee Journey (Onboarding, Entwicklung, Offboarding) und identifiziere Schwachstellen. Oft sind es kleine Dinge (langweiliges Onboarding, fehlende Exit-Interviews), die frustrieren.
  4. Innovation und Purpose stärken: Bei diesem Niveau geht es nicht mehr nur um Basics (Gehalt, Flexibilität), sondern um Purpose. Binde Mitarbeiter:innen in strategische Entscheidungen ein, fördere Innovation, gib Ownership.

Zeitrahmen: Ein Anstieg von +40 auf +55 ist innerhalb eines Jahres machbar – erfordert aber kontinuierliche Arbeit.

Hoher eNPS (> 50): Exzellenz halten und ausbauen

Ein eNPS über 50 ist exzellent. Du bist ein Top-Performer. Jetzt geht es darum, dieses Niveau zu halten und zur Benchmark zu werden.

Herausforderung: Je höher der eNPS, desto schwieriger weitere Steigerungen. Der Sprung von +30 auf +50 ist einfacher als von +50 auf +70.

Konkrete Maßnahmen:

  1. Best Practices dokumentieren und teilen: Werde zum Thought Leader. Veröffentliche Case Studies, halte Vorträge, teile deine Learnings mit der HR-Community.
  2. Kontinuierliches Monitoring: Bei hohem eNPS ist das Risiko groß, selbstgefällig zu werden. Messe quartalsweise, reagiere schnell auf Rückgänge.
  3. Promotoren zu Markenbotschaftern machen: Nutze deine Promotoren aktiv für Employer Branding. Biete ihnen an, in Recruiting-Kampagnen mitzuwirken, auf LinkedIn zu posten, bei Events zu sprechen.
  4. Innovativ bleiben: Führe neue Benefits ein (z.B. mentale Gesundheit, Elternzeit-Programme, Sabbaticals), bevor Mitarbeiter:innen danach fragen. Sei Vorreiter, nicht Nachzügler.

Warnung: Ein hoher eNPS kann schnell kippen – z.B. durch eine schlechte Entscheidung des Managements, eine verpatzte Gehaltsrunde oder eine toxische Führungskraft. Bleib wachsam.

Von Detraktoren zu Promotoren: Strategien zur Steigerung der Mitarbeiterloyalität

Die größte Hebelwirkung hast du, wenn du Detraktoren in Promotoren verwandelst. Das ist schwieriger, als Passive zu mobilisieren, aber die Wirkung ist enorm.

Detraktoren-Interviews: Die richtigen Fragen stellen

Detraktoren haben oft das Gefühl, nicht gehört zu werden. Ein vertrauliches, ergebnisoffenes Gespräch kann Wunder wirken – selbst wenn du nicht alle Probleme sofort lösen kannst.

Die wichtigsten Fragen:

  1. "Was ist der Hauptgrund für deine Bewertung?" (Offen, ohne Rechtfertigung zuhören)
  2. "Gab es ein konkretes Ereignis, das deine Sicht verändert hat?" (Oft gibt es einen "Trigger")
  3. "Was müsste sich ändern, damit du uns weiterempfehlen würdest?" (Konkrete Erwartungen)
  4. "Gibt es etwas, das du besonders schätzt?" (Positive Aspekte nicht vergessen)

Wichtig:

  • Führe Gespräche mit neutraler Person (HR, externer Coach)
  • Garantiere Vertraulichkeit (keine direkten Konsequenzen)
  • Dokumentiere Muster (nicht Einzelaussagen)
  • Kommuniziere Maßnahmen zurück ("Wir haben zugehört, hier sind die nächsten Schritte")

Praxis-Tipp: Nicht jede:r Detraktoren will ein Gespräch. Das ist okay. Biete es an, zwinge niemanden. Oft melden sich 30-50% – das reicht, um Muster zu erkennen.

Quick Wins für schnelle Verbesserungen

Manche Maßnahmen haben sofortige Wirkung. Nutze sie, um zu zeigen: "Wir handeln."

Beispiele für Quick Wins:

  • Flexibilität: Führe 2 Home-Office-Tage pro Woche ein (sofern noch nicht geschehen)
  • Kommunikation: Starte monatliche All-Hands-Meetings mit Q&A
  • Wertschätzung: Implementiere ein Peer-Recognition-Tool (z.B. Bonusly, Kudos)
  • Entwicklung: Schaffe ein Budget für individuelle Weiterbildung (z.B. 500€/Jahr pro Person)
  • Prozesse: Eliminiere unnötige Bürokratie (z.B. Genehmigungsprozesse vereinfachen)

Quick Wins sind wichtig, weil sie Vertrauen schaffen: "Sie hören uns zu und tun etwas." Das ist die Grundlage für langfristige Veränderungen.

Langfristige Kulturveränderung

Viele Ursachen für niedrigen eNPS sind strukturell und brauchen Zeit. Aber: Langfristige Veränderungen haben nachhaltige Wirkung.

Kulturwandel-Strategien:

  1. Führungskräfte-Entwicklung: Schlechte Führung ist der häufigste Grund für Detraktoren. Investiere massiv in Trainings, Coachings, 360°-Feedbacks. Sanktioniere toxisches Verhalten konsequent.
  2. Werte definieren und leben: Viele Unternehmen haben Werte auf der Website – aber leben sie auch? Definiere 3-5 Kernwerte, kommuniziere sie klar, integriere sie in Performance Reviews, belohne werte-konformes Verhalten.
  3. Transparenz und Vertrauen: Teile Geschäftszahlen, erkläre Entscheidungen, gib Einblick in Strategie. Vertrauen entsteht durch Transparenz.
  4. Partizipation: Binde Mitarbeiter:innen in Entscheidungen ein (z.B. über Arbeitsmodelle, Benefits, Prozesse). Ownership erhöht Loyalität.
  5. Purpose und Impact: Besonders jüngere Generationen suchen Sinn. Zeige, wie die Arbeit einen Unterschied macht – für Kund:innen, Gesellschaft, Umwelt.

Zeitrahmen: Kulturwandel braucht 2-3 Jahre. Aber: Jedes Quartal solltest du Fortschritte messen (eNPS-Trend).

eNPS in der Praxis: Erfolgsgeschichten und Learnings

Wie setzen erfolgreiche Unternehmen Employee Experience und objektive Auswahl um? Drei Beispiele aus der Praxis.

Wie objektive Eignungsdiagnostik die Employee Experience verbessert

Viele Unternehmen unterschätzen den Zusammenhang zwischen Recruiting und Mitarbeiterzufriedenheit. Doch die Candidate Experience ist der erste Touchpoint – und prägt die gesamte Employee Journey.

Objektive Eignungsdiagnostik, wie sie Plattformen wie Aivy nutzen, schafft faire, transparente Auswahlprozesse. Das wirkt sich direkt auf die Employee Experience aus:

  • Fairness: Mitarbeiter:innen, die durch objektive Verfahren ausgewählt wurden, empfinden den Prozess als gerechter
  • Passgenauigkeit: Besseres Matching zwischen Person und Rolle reduziert Frustration und Fluktuation
  • Diversität: Bias-Reduktion führt zu vielfältigeren Teams – und vielfältige Teams sind nachweislich zufriedener und innovativer
  • Vertrauen: Ein wissenschaftlich fundierter Prozess signalisiert: "Dieses Unternehmen nimmt Personalauswahl ernst"

Praxisbeispiel: Lufthansa's Fokus auf Candidate & Employee Satisfaction

Lufthansa setzt auf objektive Eignungsdiagnostik mit game-basierten Assessments. Die Ergebnisse sprechen für sich:

  • 81% Zufriedenheit von Bewerbenden – deutlich über dem Branchenschnitt
  • 96% Trefferquote (korrekte Vorhersage im Vergleich zum Inhouse Assessment)
  • 100+ Minuten eingesparte Testzeit pro Bewerber:in
  • 86% Abschlussrate im Assessment

Wie Susanne Berthold-Neumann von Lufthansa betont: "Die Unterlagen schauen wir uns erst spät an, weil sie nur einen kleinen Teil der Person zeigen und wenig darüber aussagen, ob jemand die Kompetenzen für zukünftige Herausforderungen besitzt."

Der Fokus auf objektive, kompetenzbasierte Auswahl führt nicht nur zu besserer Candidate Experience, sondern auch zu höherer Mitarbeiterzufriedenheit: Die richtige Person am richtigen Platz ist der beste Garant für langfristige Loyalität.

Mehr Details findest du in der Lufthansa-Erfolgsgeschichte.

MCI: Effizienzsteigerung durch bessere Mitarbeiterbindung

MCI Deutschland GmbH zeigt, wie objektive Eignungsdiagnostik nicht nur die Candidate Experience, sondern auch die Effizienz im Recruiting verbessert – mit direktem Effekt auf die Employee Experience:

  • 55% schnellere Time-to-Hire
  • 92% geringere Cost-per-Hire
  • 96% Abschlussquote im Assessment

Matthias Kühne, Director People & Culture bei MCI, erklärt: "Den Recruitingprozess hatten wir seit Langem dank softgarden weitestgehend digitalisiert. Mit Aivy haben wir nun einen weiteren Prozessschritt in der Personalbeschaffung digitalisiert und durch die objektivere Bewertungsgrundlage stark professionalisiert."

Die Verbindung zum eNPS: Schnellere, effizientere Prozesse bedeuten weniger Frust für Recruiter:innen – und bessere Matches führen zu zufriedeneren neuen Mitarbeiter:innen. Das wirkt sich langfristig positiv auf den Gesamt-eNPS aus.

Mehr Details in der MCI-Erfolgsgeschichte.

Ein weiteres Beispiel ist OMR: Kaya Kruse, People Lead bei OMR, berichtet von konkreter Bias-Reduktion: "Aivy wirkt. Wir reduzieren Bias, gewinnen mehr Objektivität im Hiring und stärken langfristig die Diversität." Objektive Auswahl führt zu diversen Teams – und diverse Teams haben nachweislich höhere Mitarbeiterzufriedenheit und bessere Problemlösungsfähigkeiten.

Tools und Ressourcen für deine eNPS-Messung

Du kennst jetzt die Theorie – aber wie setzt du den eNPS in der Praxis um? Hier findest du konkrete Tipps zu Tools, Datenschutz und Kommunikation.

eNPS-Umfrage erstellen: Best Practices

Die zentrale Frage:"Wie wahrscheinlich ist es, dass du unser Unternehmen als Arbeitgeber Freund:innen oder Bekannten weiterempfehlen würdest?"

Skala: 0 (sehr unwahrscheinlich) bis 10 (sehr wahrscheinlich)

Empfohlene Folgefragen:

Für alle:

  • "Was ist der Hauptgrund für deine Bewertung?" (offenes Textfeld)

Segmentiert nach Score:

  • Promotoren (9-10): "Was gefällt dir besonders gut an unserem Unternehmen als Arbeitgeber?"
  • Passive (7-8): "Was würde dich dazu bringen, uns mit einer 9 oder 10 zu bewerten?"
  • Detraktoren (0-6): "Was würdest du an unserem Unternehmen als Arbeitgeber verbessern?"

Tool-Empfehlungen:

  • Qualtrics (umfassend, teuer)
  • SurveyMonkey (einfach, kostenlose Basisversion)
  • Typeform (schönes Design, hohe Completion-Rate)
  • Culture Amp (spezialisiert auf Employee Engagement)
  • Personio (integriert in HR-Software)

Durchführungs-Tipps:

  • Versende die Umfrage per E-Mail (nicht nur als Link im Intranet)
  • Wähle einen neutralen Zeitpunkt (nicht direkt nach Gehaltsrunde oder Kündigungswelle)
  • Sende 1-2 Erinnerungen (erhöht Teilnahmequote um 20-30%)
  • Setze ein klares Zeitfenster (z.B. "Bitte antworte bis Freitag")
  • Kommuniziere transparent, warum du den eNPS misst

Anonymität und Datenschutz sicherstellen

Ohne Anonymität keine ehrlichen Antworten. Mitarbeiter:innen müssen sicher sein, dass ihre Bewertung keine negativen Konsequenzen hat.

Maßnahmen für Anonymität:

  1. Externe Tools nutzen: Interne Tools (z.B. eigene Excel-Umfrage) schaffen Misstrauen. Nutze etablierte Survey-Tools mit Anonymitäts-Garantie.
  2. Keine Einzelpersonen-Auswertung bei kleinen Gruppen: Bei weniger als 10 Teilnehmenden in einer Segmentierung (z.B. Abteilung) kann Anonymität nicht garantiert werden. Fasse kleinere Gruppen zusammen.
  3. Transparente Kommunikation: Erkläre vorab, wie die Daten verarbeitet werden: "Deine Antwort ist anonym. Niemand kann deine Bewertung deiner Person zuordnen. Wir werten nur aggregierte Daten aus."
  4. DSGVO-Konformität: Stelle sicher, dass das Tool DSGVO-konform ist (Server in EU, keine unnötigen Daten erfassen, Opt-out-Möglichkeit).
  5. Keine IP-Tracking oder Zeitstempel-Analyse: Manche Tools speichern IP-Adressen oder Zeitstempel. Das untergräbt die Anonymität. Deaktiviere diese Funktionen.

Vertrauensbildung:

  • Kommuniziere vorab die Maßnahmen zur Anonymität
  • Zeige nach der Umfrage, dass keine Einzelpersonen identifiziert wurden
  • Nutze externe Dienstleister oder HR (nicht direkte Führungskräfte) für die Auswertung

Kommunikation der Ergebnisse im Unternehmen

Die Ergebnisse sind da – jetzt kommt der kritische Teil: Wie kommunizierst du sie transparent, ohne Panik oder Resignation auszulösen?

Best Practices für Ergebnis-Kommunikation:

  1. Transparent sein – aber mit Kontext: Teile den Gesamt-eNPS, aber erkläre auch, was die Zahl bedeutet. "Unser eNPS liegt bei +22. Das ist im Branchenschnitt gut, aber wir wollen uns verbessern."
  2. Fokus auf Maßnahmen, nicht auf Schuldzuweisungen: Vermeide Formulierungen wie "Die IT-Abteilung hat versagt". Stattdessen: "In der IT gibt es Herausforderungen, die wir gemeinsam angehen."
  3. Erfolge betonen: Wenn der eNPS gestiegen ist, feiere das! "Vor einem Jahr lagen wir bei +15, jetzt bei +28. Eure Feedback hat gewirkt."
  4. Konkrete nächste Schritte nennen: "Basierend auf euren Antworten haben wir drei Prioritäten identifiziert: 1) Flexibilität erhöhen, 2) Feedbackkultur stärken, 3) Entwicklungsmöglichkeiten ausbauen. Hier sind die konkreten Maßnahmen..."
  5. Follow-up kommunizieren: "Wir werden euch in 3 Monaten über den Fortschritt informieren – und in 6 Monaten den eNPS erneut messen."

Kommunikations-Formate:

  • All-Hands-Meeting (für Gesamt-eNPS)
  • Abteilungs-Meetings (für segmentierte Ergebnisse)
  • Schriftliche Zusammenfassung per E-Mail
  • Dashboard im Intranet (für kontinuierliches Tracking)

Was NICHT tun:

  • Ergebnisse verschweigen (schafft Misstrauen)
  • Nur gute Ergebnisse teilen (Rosinenpickerei)
  • Keine Maßnahmen kommunizieren (zeigt: "Das war Zeitverschwendung")

Fazit: eNPS als Teil einer ganzheitlichen Employee Experience Strategie

Der eNPS ist ein mächtiges Tool – aber kein Allheilmittel. Er ist ein Frühwarnsystem, das dir zeigt, wo du stehst. Die eigentliche Arbeit beginnt danach: Detraktoren verstehen, Passive mobilisieren, Promotoren stärken.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

Der eNPS misst Mitarbeiterloyalität schnell und einfach – aber er ersetzt keine tieferen Befragungen
Ein guter eNPS liegt in Deutschland bei +30 oder höher – aber der Trend ist wichtiger als der absolute Wert
Passive sind das unterschätzte Potenzial – ignoriere sie nicht, sondern mobilisiere sie
Detraktoren brauchen Gehör und Handeln – Interviews führen, Top-3-Probleme identifizieren, Quick Wins umsetzen
Segmentierung ist der Schlüssel – eNPS nach Abteilungen, Standorten, Rollen auswerten, um Problemzonen zu identifizieren
Wissenschaftliche Fundierung ja, aber mit kritischem Blick – der eNPS hat Grenzen, kombiniere ihn mit anderen Kennzahlen
Objektive Eignungsdiagnostik verbessert Employee Experience – faire Auswahlprozesse schaffen Vertrauen und bessere Matches

Der eNPS ist nur ein Teil deiner Employee Experience Strategie. Kombiniere ihn mit objektiven Auswahlverfahren, kontinuierlicher Entwicklung, transparenter Kommunikation und wertschätzender Führung. Unternehmen wie Lufthansa und MCI zeigen: Wenn du die gesamte Employee Journey – vom Recruiting bis zur Mitarbeiterbindung – ganzheitlich angehst, steigt nicht nur der eNPS, sondern auch Produktivität, Innovation und Arbeitgeberattraktivität.

Du möchtest mehr darüber erfahren, wie objektive Eignungsdiagnostik deine Employee Experience verbessern kann?

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen eNPS und NPS?

Der NPS misst Kundenloyalität, der eNPS Mitarbeiterloyalität. Die Methodik ist identisch: Eine Frage auf einer Skala von 0-10, Einteilung in Promotoren, Passive und Detraktoren, Berechnung als Differenz zwischen Promotoren- und Detraktoren-Anteil. Der einzige Unterschied liegt in der Zielgruppe – und der Aussagekraft: Ein hoher eNPS korreliert mit niedrigerer Fluktuation und höherer Produktivität.

Wie oft sollte ich eNPS-Umfragen durchführen?

Bei großen Unternehmen (>500 Mitarbeiter:innen) empfiehlt sich eine quartalsweise Messung. Bei KMU reicht halbjährlich. Bei größeren Veränderungen (Restrukturierung, neue Geschäftsführung, Krise) solltest du ad-hoc messen. Wichtig: Konsistenz ist entscheidend. Wähle einen festen Rhythmus und halte ihn ein, um Trends zu erkennen.

Was ist ein guter eNPS-Wert in Deutschland?

Werte über +30 gelten als gut, über +50 als exzellent. Der deutsche Durchschnitt liegt bei etwa +15 bis +25. Ein negativer eNPS (unter 0) ist kritisch und erfordert Sofortmaßnahmen. Wichtig: Vergleiche deinen eNPS primär mit deinem eigenen Trend und mit deutschen Unternehmen – nicht mit internationalen Benchmarks, da kulturelle Unterschiede die Bewertung stark beeinflussen.

Sind Passive wirklich neutral?

Nein! Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Passive sind keine "neutralen" Mitarbeiter:innen, sondern wechselbereite. Eine Bewertung von 7 oder 8 bedeutet: "Bin zufrieden, aber würde nicht aktiv empfehlen." Bei einem attraktiven Angebot sind Passive schneller weg als Promotoren. Sie tendieren eher zu Detraktoren als zu Promotoren, weshalb du sie aktiv ansprechen solltest: "Was würde dich zu einer 9 oder 10 bewegen?"

Wie gehe ich mit einem negativen eNPS um?

Vier Sofortmaßnahmen: 1) Führe Detraktoren-Interviews, um die Hauptprobleme zu identifizieren. 2) Identifiziere die Top-3-Probleme aus den Interviews. 3) Setze Quick Wins um – kleine, aber sichtbare Verbesserungen, die zeigen: "Wir hören zu und handeln." 4) Kommuniziere transparent: Teile die Ergebnisse offen, ohne Schuldzuweisungen, und erkläre die konkreten nächsten Schritte. Erwarte keine Wunder: Ein negativer eNPS braucht 1-2 Jahre, um sich signifikant zu verbessern.

Welche Folgefragen ergänzen den eNPS sinnvoll?

Offene Fragen sind entscheidend, um den "Warum" hinter dem Score zu verstehen. Für alle: "Was ist der Hauptgrund für deine Bewertung?" Segmentiert nach Score-Gruppen: Promotoren: "Was gefällt dir besonders gut?", Passive: "Was würde dich zu einer 9 oder 10 bewegen?", Detraktoren: "Was würdest du verbessern?" Vermeide Multiple-Choice – die authentischen, ungefilterten Antworten in offenen Textfeldern sind wertvoller, auch wenn die Auswertung aufwendiger ist.

Kann ich eNPS mit anderen Unternehmen vergleichen?

Ja, aber vorsichtig. Branche, Unternehmensgröße und Kultur beeinflussen den eNPS stark. IT-Unternehmen haben tendenziell höhere Werte als Einzelhandel. Große Konzerne niedrigere als Start-ups. Deutsche Unternehmen niedrigere als US-amerikanische (kulturelle Zurückhaltung bei Bewertungen). Nutze Benchmarks als Orientierung, aber fokussiere dich auf deinen eigenen Trend: Ein Anstieg von +15 auf +30 ist wertvoller als ein statischer Wert von +35.

Wie stelle ich Anonymität bei eNPS-Umfragen sicher?

Fünf Maßnahmen: 1) Nutze externe, etablierte Survey-Tools (nicht interne Excel-Umfragen). 2) Keine Einzelpersonen-Auswertung bei Gruppen mit weniger als 10 Teilnehmenden. 3) Kommuniziere transparent vorab, wie Daten verarbeitet werden. 4) Stelle DSGVO-Konformität sicher (Server in EU, Opt-out-Möglichkeit). 5) Deaktiviere IP-Tracking und detaillierte Zeitstempel-Analyse. Ohne echte Anonymität erhältst du keine ehrlichen Antworten – Misstrauen ist der größte Feind valider Daten.

Sollte ich eNPS-Ergebnisse öffentlich kommunizieren?

Ja, Transparenz erhöht Vertrauen! Teile den Gesamt-eNPS, die wichtigsten Insights und vor allem die konkreten Maßnahmen, die du ergreifst. Vermeide Schuldzuweisungen ("Die IT hat versagt") und fokussiere dich auf Lösungen. Zeige auch Fortschritte: Wenn der eNPS gestiegen ist, feiere das! Mitarbeiter:innen wollen wissen, dass ihr Feedback gehört wurde und zu Veränderungen führt. Verschweigen von Ergebnissen signalisiert: "War Zeitverschwendung" – und zerstört Vertrauen für zukünftige Umfragen.

Kann der eNPS Kündigungen vorhersagen?

Ja, mit Einschränkungen. Detraktoren haben eine 3-5x höhere Kündigungswahrscheinlichkeit als Promotoren. Der eNPS ist ein statistisches Frühwarnsystem: Ein sinkender eNPS signalisiert erhöhte Fluktuationsgefahr. Aber: Der eNPS prognostiziert keine individuellen Kündigungen. Eine Person mit Score 6 kann bleiben, während eine mit Score 7 geht. Nutze den eNPS als Trendindikator und kombiniere ihn mit anderen Signalen (Absentismus, Performance, 1:1-Gespräche).

Was mache ich, wenn einzelne Abteilungen extrem niedrige Werte haben?

Vier Schritte: 1) Beziehe die Führungskraft ein – oft liegt hier das Problem. 2) Führe einen Team-Workshop durch, um die Probleme offen zu diskutieren (mit neutraler Moderation). 3) Setze schnelle, sichtbare Verbesserungen um (Quick Wins). 4) Führe nach 3 Monaten eine Nachbefragung durch, um zu prüfen, ob die Maßnahmen wirken. Oft sind abteilungsspezifische Probleme lösbar – aber nur, wenn du gezielt hinschaust und nicht nur auf den Gesamt-eNPS starrst.

Wie unterscheidet sich eNPS von klassischen Mitarbeiterbefragungen?

Der eNPS ist ein Single-Item-Measure: Eine Frage, wenige Minuten, schnelle Auswertung. Klassische Mitarbeiterbefragungen sind multi-dimensional: 30-50 Fragen zu verschiedenen Themen (Führung, Entwicklung, Gehalt, Kultur) und liefern Tiefenanalyse. Der eNPS ist ein schneller Indikator ("Fiebermesser"), klassische Befragungen sind die Diagnose. Ideal: eNPS quartalsweise als Frühwarnsystem, ausführliche Befragung jährlich für detaillierte Insights.

Können externe Faktoren (Pandemie, Wirtschaftskrise) den eNPS verfälschen?

Ja, und zwar erheblich. Der eNPS misst die aktuelle Stimmung – nicht langfristige Loyalität. Während einer Krise oder nach negativen Schlagzeilen kann der eNPS temporär sinken, auch wenn das Unternehmen selbst gut geführt ist. Deshalb: Kontext immer mitberücksichtigen. Wenn dein eNPS nach einer Kündigungswelle sinkt, ist das normal – aber beobachte, ob er sich danach wieder erholt. Der Trend über 12-24 Monate ist aussagekräftiger als ein einzelner Snapshot.

Wie verbinde ich eNPS mit Recruiting-Erfolg?

Die Verbindung ist klar: Hoher eNPS → zufriedene Mitarbeiter:innen → bessere Arbeitgeberbewertungen (Kununu, Glassdoor) → mehr qualifizierte Bewerbungen → kürzere Time-to-Hire. Deine Mitarbeiter:innen sind deine besten Markenbotschafter:innen. Promotoren empfehlen dein Unternehmen aktiv in ihrem Netzwerk, posten positiv auf LinkedIn, sprechen in Bewerbungsgesprächen begeistert über ihre Arbeit. Das ist authentisches Employer Branding – und deutlich wirksamer als jede Werbekampagne.

Was ist der ideale Zeitpunkt für eine eNPS-Umfrage?

Vermeide sensible Zeitpunkte: Nicht direkt nach Gehaltsrunden (Erwartungen sind hoch), nicht während Kündigungswellen (Stimmung am Boden), nicht in akuten Krisen (verfälscht Ergebnisse). Ideal ist die Mitte des Quartals, wenn der Alltag "normal" läuft. Wichtiger als der perfekte Zeitpunkt ist jedoch Konsistenz: Wähle einen festen Rhythmus (z.B. immer Mitte Februar, Mai, August, November) und halte ihn ein. So werden Trends vergleichbar.

Quellen

  • Reichheld, F. (2003). The One Number You Need to Grow. Harvard Business Review. https://hbr.org/2003/12/the-one-number-you-need-to-grow
  • Satmetrix Systems (2019). The State of Employee Net Promoter Score.
  • Gallup (2020). State of the Global Workplace. https://www.gallup.com/workplace/\
  • SHRM (2022). Employee Job Satisfaction and Engagement. Society for Human Resource Management.
  • Korn Ferry (2021). The Cost of Employee Turnover.
  • Keiningham, T. L., Cooil, B., Andreassen, T. W., & Aksoy, L. (2007). A longitudinal examination of net promoter and firm revenue growth. Journal of Marketing, 71(3), 39-51.
  • Morgan, N. A., & Rego, L. L. (2006). The value of different customer satisfaction and loyalty metrics in predicting business performance. Marketing Science, 25(5), 426-439.

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Florian Dyballa

CEO, Co-Founder

Über Florian

  • Gründer & CEO von Aivy – entwickelt innovative Wege der Personaldiagnostik und zählt zu den Top 10 HR-Tech-Gründern Deutschlands (Business Punk)
  • Über 500.000 digitale Eignungstests erfolgreich im Einsatz bei mehr als 100 Unternehmen wie Lufthansa, Würth und Hermes
  • Dreifach mit dem HR Innovation Award ausgezeichnet und regelmäßig in führenden Wirtschaftsmedien präsent (WirtschaftsWoche, Handelsblatt und FAZ)
  • Verbindet als Wirtschaftspsychologe und Digital-Experte fundierte Tests mit KI für faire Chancen in der Personalauswahl
  • Teilt Expertise als gefragter Vordenker der HR-Tech-Branche – in Podcasts, Medien und auf wichtigen Branchenveranstaltungen
  • Gestaltet aktiv die Zukunft der Arbeitswelt – durch die Verbindung von Wissenschaft und Technologie für bessere und gerechtere Personalentscheidungen
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