Upskilling bezeichnet die gezielte Weiterentwicklung bestehender Kompetenzen, um Mitarbeitende auf neue Anforderungen im Beruf vorzubereiten. Im Gegensatz zum Reskilling (komplette Umschulung) baut Upskilling auf vorhandenen Fähigkeiten auf. Laut World Economic Forum planen 77% der Arbeitgeber weltweit, ihre Belegschaft bis 2030 aktiv upzuskillen – eine Reaktion auf den wachsenden Skill Gap durch Digitalisierung und KI.
Definition: Was ist Upskilling?
Upskilling (von englisch „up" = nach oben und „skill" = Fähigkeit) beschreibt den Prozess, bei dem Mitarbeitende ihre vorhandenen beruflichen Kompetenzen erweitern oder vertiefen. Das Ziel: Sie werden befähigt, anspruchsvollere Aufgaben zu übernehmen oder mit neuen Technologien und Arbeitsweisen Schritt zu halten.
Im Unterschied zur klassischen Weiterbildung ist Upskilling strategisch ausgerichtet. Es geht nicht nur darum, Wissen zu vermitteln, sondern gezielt jene Fähigkeiten zu entwickeln, die für zukünftige Anforderungen relevant sind. Diese sogenannten Future Skills umfassen sowohl technische Kompetenzen (wie Datenanalyse oder KI-Anwendung) als auch überfachliche Fähigkeiten wie analytisches Denken oder Adaptionsfähigkeit.
Upskilling vs. Reskilling vs. Cross-Skilling
Die Begriffe werden oft verwechselt, beschreiben aber unterschiedliche Entwicklungsansätze.
Die Unterschiede auf einen Blick
Upskilling bedeutet, bestehende Fähigkeiten im eigenen Fachgebiet zu vertiefen oder zu erweitern. Eine Personalreferentin lernt beispielsweise, HR-Analytics-Tools zu nutzen, um datenbasierte Entscheidungen zu treffen.
Reskilling hingegen bezeichnet eine komplette Umschulung für einen neuen Tätigkeitsbereich. Ein Produktionsmitarbeiter qualifiziert sich etwa zum IT-Support-Spezialisten, weil seine bisherige Rolle durch Automatisierung wegfällt.
Cross-Skilling (auch Multiskilling genannt) erweitert die Kompetenzen über das eigene Fachgebiet hinaus in angrenzende Bereiche. Eine Recruiterin eignet sich zusätzlich Grundlagen im Employer Branding an, um Schnittstellen besser zu verstehen.
Wann welcher Ansatz sinnvoll ist
Upskilling eignet sich, wenn Mitarbeitende in ihrer aktuellen Rolle bleiben, aber neue Anforderungen hinzukommen. Reskilling wird relevant, wenn ganze Tätigkeitsfelder durch technologischen Wandel obsolet werden. Cross-Skilling fördert die Zusammenarbeit zwischen Abteilungen und macht Teams flexibler.
Warum Upskilling wichtig ist: Skill Gap und Future Skills
Der Bedarf an Upskilling ist so hoch wie nie zuvor. Drei zentrale Treiber machen es für Unternehmen unverzichtbar.
Der Skill Gap in deutschen Unternehmen
Laut einer Studie von McKinsey & Company haben 87% der Unternehmen weltweit bereits einen Skill Gap oder erwarten ihn in den kommenden Jahren. Der Future of Jobs Report 2025 des World Economic Forum konkretisiert: Wenn die globale Belegschaft aus 100 Personen bestünde, würden 59 davon bis 2030 Training benötigen.
Für Deutschland beziffert das Future-Skills-Framework von Stifterverband und McKinsey den Bedarf auf rund 700.000 zusätzliche Technologie-Spezialist:innen in den nächsten fünf Jahren. Gleichzeitig müssen über 2,4 Millionen Beschäftigte in Schlüsselkompetenzen wie agiles Arbeiten oder digitale Zusammenarbeit weitergebildet werden.
Digitalisierung und KI als Treiber
Die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz verändert Jobprofile fundamental. Laut WEF identifizieren 86% der befragten Arbeitgeber KI als wesentlichen Einflussfaktor auf ihre Geschäftsmodelle bis 2030. Die am schnellsten wachsenden Skills sind entsprechend technologiebezogen: KI, Big Data, Cybersecurity und Netzwerktechnologien.
Gleichzeitig bleiben menschliche Fähigkeiten unverzichtbar. Analytisches Denken, kognitive Flexibilität, Lernbereitschaft, Resilienz und Kollaboration zählen zu den Kernkompetenzen, die durch keine Technologie ersetzt werden können.
Vorteile für Unternehmen und Mitarbeitende
Für Unternehmen ist Upskilling oft kosteneffizienter als externe Neueinstellungen. Die Praxis zeigt, dass interne Entwicklung schneller geht und die Unternehmenskultur stärkt. Zusätzlich steigt die Mitarbeiterbindung: 74% der Beschäftigten geben laut LinkedIn an, neue Skills erlernen zu wollen, um beschäftigungsfähig zu bleiben.
Mitarbeitende profitieren durch höhere Jobsicherheit, bessere Karrierechancen und ein stärkeres Gefühl von Sinnhaftigkeit. 77% bestätigen, dass das Erlernen neuer Fähigkeiten ihnen ein Gefühl von Zweck und Erfüllung gibt.
Upskilling-Maßnahmen und Methoden
Die Bandbreite an Upskilling-Formaten ist groß. Entscheidend ist, dass sie zur Unternehmenskultur und den individuellen Lernpräferenzen passen.
Formale Weiterbildung und Zertifikate
Klassische Kurse, Seminare und Zertifikatsprogramme vermitteln strukturiertes Wissen. Sie eignen sich besonders für klar definierte Kompetenzlücken – etwa wenn ein Team Grundlagen in Datenanalyse oder Projektmanagement-Methoden benötigt. Vorteil: anerkannte Abschlüsse als Nachweis. Nachteil: oft zeitintensiv und wenig individualisiert.
On-the-Job-Training und Mentoring
Lernen im Arbeitsalltag ist besonders effektiv, weil es direkten Praxisbezug hat. Job Rotation, Stretch Assignments (anspruchsvollere Aufgaben) oder Shadowing erfahrener Kolleg:innen ermöglichen es, neue Fähigkeiten direkt anzuwenden. Mentoring-Programme bieten zusätzlich persönliche Begleitung und Feedback.
Digitale Lernformate und E-Learning
Digitale Lernplattformen machen Upskilling zeit- und ortsunabhängig zugänglich. Microlearning-Einheiten (kurze Lernmodule von 5-15 Minuten) lassen sich gut in den Arbeitsalltag integrieren. Laut Hays HR-Report setzen Unternehmen zunehmend auf KI-gestützte Lernempfehlungen, die individuelle Lernpfade auf Basis vorhandener Kompetenzen generieren.
Upskilling erfolgreich umsetzen: Tipps für HR
Damit Upskilling-Programme tatsächlich Wirkung zeigen, braucht es mehr als nur Schulungsangebote. Drei Erfolgsfaktoren sind entscheidend.
Skill-Gap-Analyse durchführen
Der erste Schritt ist eine systematische Bestandsaufnahme: Welche Kompetenzen sind vorhanden, welche werden zukünftig benötigt? Ein Kompetenzmodell hilft, Anforderungsprofile zu definieren und mit den aktuellen Fähigkeiten der Belegschaft abzugleichen. Wichtig: Die Analyse sollte regelmäßig wiederholt werden, da sich Anforderungen schnell ändern.
Potenziale objektiv erkennen
Nicht jede:r Mitarbeitende hat das gleiche Lernpotenzial für alle Bereiche. Objektive Diagnostik kann helfen, individuelle Stärken und Entwicklungspotenziale zu identifizieren – jenseits von Selbsteinschätzungen oder subjektiven Führungskräfteurteilen. Wissenschaftlich fundierte Assessments messen kognitive Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale, die für erfolgreiches Lernen relevant sind. Auf dieser Basis lassen sich passgenaue Entwicklungspläne erstellen.
Individuelle Lernpfade gestalten
One-size-fits-all-Ansätze scheitern häufig. Erfolgreiche Upskilling-Programme berücksichtigen unterschiedliche Lernstile, Vorkenntnisse und Karriereziele. Wichtig ist auch die Integration ins Tagesgeschäft: Mitarbeitende brauchen Zeit und Raum zum Lernen – und Führungskräfte, die Entwicklung aktiv unterstützen statt nur tolerieren.
Häufige Fragen zu Upskilling
Was ist Upskilling?
Upskilling bezeichnet die gezielte Weiterentwicklung bestehender beruflicher Fähigkeiten, um neue Anforderungen zu erfüllen. Es baut auf vorhandenen Kompetenzen auf und bereitet Mitarbeitende auf anspruchsvollere Aufgaben oder technologische Veränderungen vor.
Was ist der Unterschied zwischen Upskilling und Reskilling?
Upskilling vertieft oder erweitert bestehende Skills im gleichen Berufsfeld. Reskilling ist eine komplette Umschulung für einen neuen Tätigkeitsbereich – etwa wenn die bisherige Rolle durch Automatisierung wegfällt.
Warum ist Upskilling für Unternehmen wichtig?
87% der Unternehmen weltweit haben oder erwarten einen Skill Gap. Upskilling ist oft kostengünstiger als externe Neueinstellungen, stärkt die Mitarbeiterbindung und sichert die Wettbewerbsfähigkeit durch eine agile, zukunftsfähige Belegschaft.
Welche Upskilling-Maßnahmen gibt es?
Zu den gängigsten Formaten zählen formale Weiterbildungen und Zertifikate, On-the-Job-Training und Job Rotation, Mentoring und Coaching-Programme sowie digitale Lernformate wie E-Learning und Microlearning.
Wie erkenne ich den Upskilling-Bedarf meiner Mitarbeitenden?
Durch eine systematische Skill-Gap-Analyse: Kompetenzprofile erstellen, mit zukünftigen Anforderungen abgleichen und objektive Potenzialanalysen nutzen. Mitarbeitergespräche und Selbsteinschätzungen ergänzen das Bild.
Wie viele Mitarbeitende müssen bis 2030 upgeskillt werden?
Laut World Economic Forum benötigen 59% der globalen Belegschaft bis 2030 Training. In Deutschland werden rund 700.000 zusätzliche Technologie-Spezialist:innen gebraucht. 11% der Beschäftigten droht ohne Upskilling mittelfristig die Redundanz.
Welche Skills werden durch Upskilling vermittelt?
Technologie-Skills wie KI, Big Data und Cybersecurity wachsen am schnellsten. Gleichzeitig bleiben Soft Skills essenziell: analytisches Denken, Kollaboration, Resilienz und Adaptionsfähigkeit zählen zu den Kernkompetenzen der Zukunft.
Fazit
Upskilling ist keine Option mehr, sondern strategische Notwendigkeit. Mit 77% der Arbeitgeber, die ihre Belegschaft aktiv weiterentwickeln wollen, ist die Richtung klar: Unternehmen, die in Upskilling investieren, sichern sich Wettbewerbsvorteile – durch kompetente Mitarbeitende, geringere Fluktuation und höhere Innovationsfähigkeit.
Für HR bedeutet das: Skill Gaps systematisch analysieren, Lernpotenziale objektiv erkennen und individuelle Entwicklungspfade ermöglichen. Die Technologie dafür ist vorhanden – jetzt geht es um die konsequente Umsetzung.
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Quellen
- World Economic Forum. Future of Jobs Report 2025. Januar 2025.
https://www.weforum.org/publications/the-future-of-jobs-report-2025/ - Stifterverband + McKinsey & Company. Future Skills: Welche Kompetenzen in Deutschland fehlen. Dezember 2025.
https://www.stifterverband.org/medien/future-skills-welche-kompetenzen-in-deutschland-fehlen - Hays AG + Institut für Beschäftigung und Employability (IBE). HR-Report: Upskilling und Reskilling in Unternehmen. 2025.
https://www.hays.de/lp/hr-report/upskilling-und-reskilling-in-unternehmen - World Economic Forum. Reskilling Revolution Initiative. 2024.
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