Du willst als Talent deine Stärken erkunden?

Hier entlang

Login

Überstunden reduzieren – Strategien, Rechtslage & Praxis-Tipps für HR

Home
-
Lexikon
-
Überstunden reduzieren – Strategien, Rechtslage & Praxis-Tipps für HR

Überstunden reduzieren gelingt durch strategische Personalplanung, transparente Zeiterfassung und eine Unternehmenskultur, die Work-Life-Balance fördert. Das Arbeitszeitgesetz begrenzt die tägliche Arbeitszeit auf 8 Stunden (max. 10 bei Ausgleich) und verpflichtet Arbeitgeber zur lückenlosen Dokumentation. Mit gezielten Maßnahmen wie realistischer Projektplanung und flexiblen Arbeitsmodellen können HR-Verantwortliche Überstunden systematisch abbauen.

Was sind Überstunden?

Überstunden bezeichnen Arbeitszeit, die über die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinausgeht. Wichtig zu wissen: Mehrarbeit gilt erst dann offiziell als Überstunde, wenn der Arbeitgeber sie angeordnet oder zumindest Kenntnis davon hat. Wer nach Feierabend eigenständig am Laptop arbeitet, ohne dies zu dokumentieren, hat keinen Anspruch auf Ausgleich.

Unterschied: Überstunden vs. Mehrarbeit

Im arbeitsrechtlichen Sinne werden die Begriffe oft synonym verwendet, es gibt jedoch einen feinen Unterschied. Überstunden bezeichnen die Überschreitung der individuell vereinbarten Arbeitszeit (z.B. laut Arbeitsvertrag). Mehrarbeit hingegen meint die Überschreitung der gesetzlichen oder tariflichen Höchstarbeitszeit. Für HR-Verantwortliche ist diese Unterscheidung relevant, da bei Mehrarbeit strengere gesetzliche Regelungen greifen.

Überstunden in Deutschland: Aktuelle Zahlen

Die Realität in deutschen Unternehmen zeigt: Überstunden gehören für viele Beschäftigte zum Arbeitsalltag. Die aktuellen Statistiken liefern ein differenziertes Bild.

Statistik 2024/2025

Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) haben im Jahr 2024 knapp 4,4 Millionen Arbeitnehmer:innen regelmäßig mehr gearbeitet als vertraglich vereinbart. Das entspricht einem Anteil von 11 Prozent aller Beschäftigten. Männer leisten dabei mit 13 Prozent etwas häufiger Überstunden als Frauen mit 10 Prozent.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verzeichnet für das dritte Quartal 2024 einen historischen Tiefstand: Im Durchschnitt leistete jeder Arbeitnehmer 3,3 bezahlte und 3,9 unbezahlte Überstunden. Dennoch bleibt das Gesamtvolumen beträchtlich – es entspricht mehr als 750.000 Vollzeitstellen.

Branchen mit höchster Überstundenquote

Die Verteilung von Überstunden variiert stark nach Wirtschaftsbereichen:

  • Finanz- und Versicherungsbranche: 17 Prozent mit Mehrarbeit
  • Energieversorgung: 16 Prozent
  • Gastgewerbe: niedrigste Quote mit 6 Prozent

Trend: Arbeitszeitkonten statt Auszahlung

Die Art des Überstundenausgleichs hat sich gewandelt. Von den Beschäftigten mit Mehrarbeit nutzen 71 Prozent ein Arbeitszeitkonto. Nur 16 Prozent erhalten eine direkte Vergütung, während 19 Prozent unbezahlte Überstunden leisten. Dieser Trend zu transitorischen Überstunden – also solchen, die später durch Freizeit ausgeglichen werden – hat sich in den letzten drei Jahrzehnten um 20 Prozentpunkte verstärkt.

Rechtliche Grundlagen: Das Arbeitszeitgesetz

Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) bildet den rechtlichen Rahmen für Arbeitszeiten in Deutschland. Für HR-Verantwortliche ist die Kenntnis dieser Regelungen unverzichtbar.

Höchstarbeitszeit nach §3 ArbZG

Die werktägliche Arbeitszeit darf grundsätzlich 8 Stunden nicht überschreiten. Eine Verlängerung auf bis zu 10 Stunden ist nur zulässig, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen im Durchschnitt 8 Stunden werktäglich nicht überschritten werden. Bei einer 6-Tage-Woche ergibt sich daraus eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden – konform mit der EU-Arbeitszeitrichtlinie.

Zeiterfassungspflicht seit 2022

Mit dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022 (Az. 1 ABR 22/21) wurde die Zeiterfassungspflicht für alle Arbeitgeber konkretisiert. Arbeitszeiten müssen objektiv, verlässlich und zugänglich erfasst werden. Die bisherige Pflicht, nur Überstunden und Sonntagsarbeit zu dokumentieren, wurde damit erheblich ausgeweitet.

Sanktionen bei Verstößen

Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz können für Arbeitgeber teuer werden. Bei Ordnungswidrigkeiten drohen Bußgelder von bis zu 15.000 Euro. Bei wiederholten oder schwerwiegenden Verstößen kann es zu einem Arbeitsverbot kommen. Zudem haben Arbeitnehmer:innen das Recht, unzulässige Arbeitsanweisungen zu verweigern.

Ursachen: Warum entstehen Überstunden?

Um Überstunden nachhaltig zu reduzieren, müssen HR-Verantwortliche zunächst die Ursachen verstehen. Der DGB-Index Gute Arbeit liefert hier aufschlussreiche Erkenntnisse.

Arbeitsverdichtung und Zeitdruck

Die Auswertungen des DGB zeigen einen klaren Zusammenhang: Je stärker Arbeitsverdichtung und Zeitdruck ausgeprägt sind, desto häufiger werden Überstunden geleistet. Bei starker Arbeitsverdichtung steigt der Anteil derjenigen mit mehr als fünf Überstunden pro Woche von 18 auf 38 Prozent. Fühlen sich Beschäftigte bei der Arbeit gehetzt, verdoppelt sich dieser Anteil nahezu.

Personalmangel

Wenn zu viel Arbeit auf zu wenigen Schultern lastet, sind Überstunden die logische Konsequenz. Fehlende Personalkapazitäten durch den Fachkräftemangel verstärken dieses Problem in vielen Branchen.

Ineffiziente Prozesse

Zeitfresser im Arbeitsalltag – von unnötigen Meetings bis hin zu veralteten Workflows – führen dazu, dass Beschäftigte ihre Kernaufgaben nicht in der regulären Arbeitszeit bewältigen können. Auch widersprüchliche Anforderungen und häufige Unterbrechungen treiben die Überstunden nach oben.

Homeoffice-Spezifik

Ein oft unterschätzter Faktor: Laut DGB leisten 52 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice regelmäßig Überstunden. Bei Beschäftigten ohne Homeoffice sind es nur 31 Prozent. Die Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit fällt in den eigenen vier Wänden offenbar schwerer.

Überstunden reduzieren: 7 Maßnahmen für HR

Mit einer durchdachten Strategie können HR-Verantwortliche Überstunden systematisch reduzieren. Die folgenden Maßnahmen haben sich in der Praxis bewährt.

1. Personalplanung optimieren

Die rechtzeitige Einstellung von ausreichend Personal verhindert, dass Überstunden zum Dauerzustand werden. Prüfe regelmäßig, ob die Personalkapazität zur Arbeitslast passt. In Spitzenzeiten können externe Mitarbeiter:innen oder Zeitarbeitskräfte kurzfristig Entlastung schaffen.

2. Arbeitszeiterfassung einführen

Ohne transparente Erfassung aller Arbeitszeiten fehlt die Basis für effektives Überstundenmanagement. Digitale Zeiterfassungssysteme schaffen Klarheit und ermöglichen ein frühzeitiges Eingreifen, bevor sich Überstunden anhäufen.

3. Realistische Projektplanung

Viele Überstunden entstehen durch unrealistische Deadlines und falsche Einschätzungen des Personalbedarfs. Eine sorgfältige Planung mit Puffern für Unvorhergesehenes beugt dem vor.

4. Unternehmenskultur anpassen

Wenn Überstunden als Zeichen von Engagement gelten, wird das Problem systematisch verstärkt. Eine Unternehmenskultur, die Work-Life-Balance wertschätzt und pünktlichen Feierabend nicht als Schwäche betrachtet, ist der Schlüssel zur nachhaltigen Reduktion.

5. Flexible Arbeitsmodelle

Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit oder Teilzeitoptionen können helfen, Arbeit und Privatleben besser in Einklang zu bringen. Wichtig: Auch bei flexiblen Modellen muss die Zeiterfassung gewährleistet sein.

6. Führungskräfte sensibilisieren

Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion. Wenn sie selbst regelmäßig Überstunden machen, signalisiert das dem Team, dass Mehrarbeit erwartet wird. Schulungen können helfen, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen.

7. Regelmäßiges Monitoring

Etabliere ein System zur kontinuierlichen Überwachung der Überstundenentwicklung. Monatliche Reports und Frühwarnsysteme ermöglichen es, Trends frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Überstundenabbau: Freizeitausgleich oder Auszahlung?

Wenn Überstunden angefallen sind, stellt sich die Frage nach dem Ausgleich. Beide Optionen haben ihre Vor- und Nachteile.

Vor- und Nachteile

Der Freizeitausgleich bietet den Vorteil, dass Beschäftigte zusätzliche Erholungszeit erhalten – ohne dass die Vergütung versteuert werden muss. Für viele Mitarbeiter:innen überwiegt dieser Nutzen gegenüber einer Auszahlung. Zudem schont der Freizeitausgleich das Budget des Arbeitgebers.

Die Auszahlung ist dann sinnvoll, wenn ein Freizeitausgleich betrieblich nicht möglich ist oder bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Zu beachten: Die zusätzliche Vergütung ist steuer- und sozialversicherungspflichtig.

Rechtliche Regelungen

Grundsätzlich obliegt es dem Arbeitgeber festzulegen, ob Überstunden durch Freizeit oder Vergütung ausgeglichen werden. Arbeits- oder Tarifverträge können abweichende Regelungen vorsehen. Wichtig: Ohne entsprechende Vereinbarung beträgt die gesetzliche Verjährungsfrist für Überstundenansprüche drei Jahre gemäß §195 BGB. Arbeitsvertragliche Ausschlussfristen (mindestens drei Monate) können diese Frist verkürzen.

Arbeitszeitkonto als Lösung

Ein Arbeitszeitkonto ermöglicht die flexible Verwaltung von Plus- und Minusstunden. Überstunden fließen auf das Konto und können später als Freizeit genommen werden. Dieses Modell hat sich durchgesetzt: 71 Prozent der Beschäftigten mit Mehrarbeit nutzen laut Destatis ein solches Konto.

Häufige Fragen zu Überstunden

Wie viele Überstunden sind gesetzlich erlaubt?

Das Arbeitszeitgesetz sieht eine tägliche Höchstarbeitszeit von 8 Stunden vor. Eine Verlängerung auf bis zu 10 Stunden ist möglich, wenn innerhalb von 6 Monaten ein Ausgleich erfolgt. Die wöchentliche Höchstgrenze liegt bei 48 Stunden gemäß EU-Richtlinie.

Müssen Überstunden bezahlt werden?

Die Vergütung von Überstunden ist gesetzlich nicht geregelt. Entscheidend sind die Bestimmungen im Arbeits- oder Tarifvertrag. Alternativen zur Bezahlung sind Freizeitausgleich oder die Gutschrift auf ein Arbeitszeitkonto. Bei fehlender Regelung gilt die branchenübliche Vergütung nach §612 BGB.

Kann der Arbeitgeber Überstundenabbau anordnen?

Ja, wenn dies im Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung geregelt ist. Der Arbeitgeber muss den Abbau jedoch rechtzeitig ankündigen und betriebliche Interessen abwägen.

Wann verfallen Überstunden?

Die gesetzliche Verjährungsfrist beträgt drei Jahre nach §195 BGB. Arbeitsvertragliche Ausschlussfristen können diesen Zeitraum auf mindestens drei Monate verkürzen. Bei Kündigung müssen Überstunden entweder während der Kündigungsfrist abgebaut oder ausgezahlt werden.

Ist Zeiterfassung Pflicht?

Ja, seit dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022 sind Arbeitgeber verpflichtet, alle Arbeitszeiten zu erfassen. Die Dokumentation muss objektiv, verlässlich und zugänglich sein.

Wie reduziere ich Überstunden im Homeoffice?

Definiere klare Erreichbarkeitszeiten und stelle sicher, dass auch im Homeoffice eine digitale Zeiterfassung erfolgt. Regelmäßige Check-ins zur Arbeitsbelastung helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen. Der DGB-Index zeigt: 52 Prozent der Homeoffice-Beschäftigten leisten Überstunden – deutlich mehr als die 31 Prozent im Büro.

Welche Branchen haben die meisten Überstunden?

Nach Daten des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2024 liegt die Finanz- und Versicherungsbranche mit 17 Prozent an der Spitze, gefolgt von der Energieversorgung mit 16 Prozent. Das Gastgewerbe weist mit 6 Prozent die niedrigste Quote auf.

Fazit

Überstunden zu reduzieren ist keine einmalige Maßnahme, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Der Schlüssel liegt in der Kombination aus transparenter Zeiterfassung, strategischer Personalplanung und einer Unternehmenskultur, die Work-Life-Balance ernst nimmt. Die rechtlichen Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes setzen den Rahmen – ihre Einhaltung schützt nicht nur die Gesundheit der Mitarbeiter:innen, sondern auch das Unternehmen vor rechtlichen Konsequenzen.

Mit den aktuellen Statistiken wird deutlich: Der Trend geht zu Arbeitszeitkonten und Freizeitausgleich statt Auszahlung. Für HR-Verantwortliche bedeutet das, entsprechende Systeme zu implementieren und regelmäßig zu monitoren. Wer die Ursachen für Überstunden – von Arbeitsverdichtung bis zu ineffizienten Prozessen – aktiv angeht, schafft die Basis für nachhaltige Verbesserung.

Du möchtest mehr über moderne HR-Lösungen erfahren? Entdecke, wie Aivy mit wissenschaftlich fundierter Eignungsdiagnostik dein Recruiting effizienter macht und dazu beitragen kann, Personalengpässe frühzeitig zu vermeiden. Mehr über Aivy erfahren

Quellen

Home
-
Lexikon
-
Überstunden reduzieren – Strategien, Rechtslage & Praxis-Tipps für HR

Überstunden reduzieren gelingt durch strategische Personalplanung, transparente Zeiterfassung und eine Unternehmenskultur, die Work-Life-Balance fördert. Das Arbeitszeitgesetz begrenzt die tägliche Arbeitszeit auf 8 Stunden (max. 10 bei Ausgleich) und verpflichtet Arbeitgeber zur lückenlosen Dokumentation. Mit gezielten Maßnahmen wie realistischer Projektplanung und flexiblen Arbeitsmodellen können HR-Verantwortliche Überstunden systematisch abbauen.

Was sind Überstunden?

Überstunden bezeichnen Arbeitszeit, die über die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinausgeht. Wichtig zu wissen: Mehrarbeit gilt erst dann offiziell als Überstunde, wenn der Arbeitgeber sie angeordnet oder zumindest Kenntnis davon hat. Wer nach Feierabend eigenständig am Laptop arbeitet, ohne dies zu dokumentieren, hat keinen Anspruch auf Ausgleich.

Unterschied: Überstunden vs. Mehrarbeit

Im arbeitsrechtlichen Sinne werden die Begriffe oft synonym verwendet, es gibt jedoch einen feinen Unterschied. Überstunden bezeichnen die Überschreitung der individuell vereinbarten Arbeitszeit (z.B. laut Arbeitsvertrag). Mehrarbeit hingegen meint die Überschreitung der gesetzlichen oder tariflichen Höchstarbeitszeit. Für HR-Verantwortliche ist diese Unterscheidung relevant, da bei Mehrarbeit strengere gesetzliche Regelungen greifen.

Überstunden in Deutschland: Aktuelle Zahlen

Die Realität in deutschen Unternehmen zeigt: Überstunden gehören für viele Beschäftigte zum Arbeitsalltag. Die aktuellen Statistiken liefern ein differenziertes Bild.

Statistik 2024/2025

Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) haben im Jahr 2024 knapp 4,4 Millionen Arbeitnehmer:innen regelmäßig mehr gearbeitet als vertraglich vereinbart. Das entspricht einem Anteil von 11 Prozent aller Beschäftigten. Männer leisten dabei mit 13 Prozent etwas häufiger Überstunden als Frauen mit 10 Prozent.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verzeichnet für das dritte Quartal 2024 einen historischen Tiefstand: Im Durchschnitt leistete jeder Arbeitnehmer 3,3 bezahlte und 3,9 unbezahlte Überstunden. Dennoch bleibt das Gesamtvolumen beträchtlich – es entspricht mehr als 750.000 Vollzeitstellen.

Branchen mit höchster Überstundenquote

Die Verteilung von Überstunden variiert stark nach Wirtschaftsbereichen:

  • Finanz- und Versicherungsbranche: 17 Prozent mit Mehrarbeit
  • Energieversorgung: 16 Prozent
  • Gastgewerbe: niedrigste Quote mit 6 Prozent

Trend: Arbeitszeitkonten statt Auszahlung

Die Art des Überstundenausgleichs hat sich gewandelt. Von den Beschäftigten mit Mehrarbeit nutzen 71 Prozent ein Arbeitszeitkonto. Nur 16 Prozent erhalten eine direkte Vergütung, während 19 Prozent unbezahlte Überstunden leisten. Dieser Trend zu transitorischen Überstunden – also solchen, die später durch Freizeit ausgeglichen werden – hat sich in den letzten drei Jahrzehnten um 20 Prozentpunkte verstärkt.

Rechtliche Grundlagen: Das Arbeitszeitgesetz

Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) bildet den rechtlichen Rahmen für Arbeitszeiten in Deutschland. Für HR-Verantwortliche ist die Kenntnis dieser Regelungen unverzichtbar.

Höchstarbeitszeit nach §3 ArbZG

Die werktägliche Arbeitszeit darf grundsätzlich 8 Stunden nicht überschreiten. Eine Verlängerung auf bis zu 10 Stunden ist nur zulässig, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen im Durchschnitt 8 Stunden werktäglich nicht überschritten werden. Bei einer 6-Tage-Woche ergibt sich daraus eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden – konform mit der EU-Arbeitszeitrichtlinie.

Zeiterfassungspflicht seit 2022

Mit dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022 (Az. 1 ABR 22/21) wurde die Zeiterfassungspflicht für alle Arbeitgeber konkretisiert. Arbeitszeiten müssen objektiv, verlässlich und zugänglich erfasst werden. Die bisherige Pflicht, nur Überstunden und Sonntagsarbeit zu dokumentieren, wurde damit erheblich ausgeweitet.

Sanktionen bei Verstößen

Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz können für Arbeitgeber teuer werden. Bei Ordnungswidrigkeiten drohen Bußgelder von bis zu 15.000 Euro. Bei wiederholten oder schwerwiegenden Verstößen kann es zu einem Arbeitsverbot kommen. Zudem haben Arbeitnehmer:innen das Recht, unzulässige Arbeitsanweisungen zu verweigern.

Ursachen: Warum entstehen Überstunden?

Um Überstunden nachhaltig zu reduzieren, müssen HR-Verantwortliche zunächst die Ursachen verstehen. Der DGB-Index Gute Arbeit liefert hier aufschlussreiche Erkenntnisse.

Arbeitsverdichtung und Zeitdruck

Die Auswertungen des DGB zeigen einen klaren Zusammenhang: Je stärker Arbeitsverdichtung und Zeitdruck ausgeprägt sind, desto häufiger werden Überstunden geleistet. Bei starker Arbeitsverdichtung steigt der Anteil derjenigen mit mehr als fünf Überstunden pro Woche von 18 auf 38 Prozent. Fühlen sich Beschäftigte bei der Arbeit gehetzt, verdoppelt sich dieser Anteil nahezu.

Personalmangel

Wenn zu viel Arbeit auf zu wenigen Schultern lastet, sind Überstunden die logische Konsequenz. Fehlende Personalkapazitäten durch den Fachkräftemangel verstärken dieses Problem in vielen Branchen.

Ineffiziente Prozesse

Zeitfresser im Arbeitsalltag – von unnötigen Meetings bis hin zu veralteten Workflows – führen dazu, dass Beschäftigte ihre Kernaufgaben nicht in der regulären Arbeitszeit bewältigen können. Auch widersprüchliche Anforderungen und häufige Unterbrechungen treiben die Überstunden nach oben.

Homeoffice-Spezifik

Ein oft unterschätzter Faktor: Laut DGB leisten 52 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice regelmäßig Überstunden. Bei Beschäftigten ohne Homeoffice sind es nur 31 Prozent. Die Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit fällt in den eigenen vier Wänden offenbar schwerer.

Überstunden reduzieren: 7 Maßnahmen für HR

Mit einer durchdachten Strategie können HR-Verantwortliche Überstunden systematisch reduzieren. Die folgenden Maßnahmen haben sich in der Praxis bewährt.

1. Personalplanung optimieren

Die rechtzeitige Einstellung von ausreichend Personal verhindert, dass Überstunden zum Dauerzustand werden. Prüfe regelmäßig, ob die Personalkapazität zur Arbeitslast passt. In Spitzenzeiten können externe Mitarbeiter:innen oder Zeitarbeitskräfte kurzfristig Entlastung schaffen.

2. Arbeitszeiterfassung einführen

Ohne transparente Erfassung aller Arbeitszeiten fehlt die Basis für effektives Überstundenmanagement. Digitale Zeiterfassungssysteme schaffen Klarheit und ermöglichen ein frühzeitiges Eingreifen, bevor sich Überstunden anhäufen.

3. Realistische Projektplanung

Viele Überstunden entstehen durch unrealistische Deadlines und falsche Einschätzungen des Personalbedarfs. Eine sorgfältige Planung mit Puffern für Unvorhergesehenes beugt dem vor.

4. Unternehmenskultur anpassen

Wenn Überstunden als Zeichen von Engagement gelten, wird das Problem systematisch verstärkt. Eine Unternehmenskultur, die Work-Life-Balance wertschätzt und pünktlichen Feierabend nicht als Schwäche betrachtet, ist der Schlüssel zur nachhaltigen Reduktion.

5. Flexible Arbeitsmodelle

Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit oder Teilzeitoptionen können helfen, Arbeit und Privatleben besser in Einklang zu bringen. Wichtig: Auch bei flexiblen Modellen muss die Zeiterfassung gewährleistet sein.

6. Führungskräfte sensibilisieren

Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion. Wenn sie selbst regelmäßig Überstunden machen, signalisiert das dem Team, dass Mehrarbeit erwartet wird. Schulungen können helfen, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen.

7. Regelmäßiges Monitoring

Etabliere ein System zur kontinuierlichen Überwachung der Überstundenentwicklung. Monatliche Reports und Frühwarnsysteme ermöglichen es, Trends frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Überstundenabbau: Freizeitausgleich oder Auszahlung?

Wenn Überstunden angefallen sind, stellt sich die Frage nach dem Ausgleich. Beide Optionen haben ihre Vor- und Nachteile.

Vor- und Nachteile

Der Freizeitausgleich bietet den Vorteil, dass Beschäftigte zusätzliche Erholungszeit erhalten – ohne dass die Vergütung versteuert werden muss. Für viele Mitarbeiter:innen überwiegt dieser Nutzen gegenüber einer Auszahlung. Zudem schont der Freizeitausgleich das Budget des Arbeitgebers.

Die Auszahlung ist dann sinnvoll, wenn ein Freizeitausgleich betrieblich nicht möglich ist oder bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Zu beachten: Die zusätzliche Vergütung ist steuer- und sozialversicherungspflichtig.

Rechtliche Regelungen

Grundsätzlich obliegt es dem Arbeitgeber festzulegen, ob Überstunden durch Freizeit oder Vergütung ausgeglichen werden. Arbeits- oder Tarifverträge können abweichende Regelungen vorsehen. Wichtig: Ohne entsprechende Vereinbarung beträgt die gesetzliche Verjährungsfrist für Überstundenansprüche drei Jahre gemäß §195 BGB. Arbeitsvertragliche Ausschlussfristen (mindestens drei Monate) können diese Frist verkürzen.

Arbeitszeitkonto als Lösung

Ein Arbeitszeitkonto ermöglicht die flexible Verwaltung von Plus- und Minusstunden. Überstunden fließen auf das Konto und können später als Freizeit genommen werden. Dieses Modell hat sich durchgesetzt: 71 Prozent der Beschäftigten mit Mehrarbeit nutzen laut Destatis ein solches Konto.

Häufige Fragen zu Überstunden

Wie viele Überstunden sind gesetzlich erlaubt?

Das Arbeitszeitgesetz sieht eine tägliche Höchstarbeitszeit von 8 Stunden vor. Eine Verlängerung auf bis zu 10 Stunden ist möglich, wenn innerhalb von 6 Monaten ein Ausgleich erfolgt. Die wöchentliche Höchstgrenze liegt bei 48 Stunden gemäß EU-Richtlinie.

Müssen Überstunden bezahlt werden?

Die Vergütung von Überstunden ist gesetzlich nicht geregelt. Entscheidend sind die Bestimmungen im Arbeits- oder Tarifvertrag. Alternativen zur Bezahlung sind Freizeitausgleich oder die Gutschrift auf ein Arbeitszeitkonto. Bei fehlender Regelung gilt die branchenübliche Vergütung nach §612 BGB.

Kann der Arbeitgeber Überstundenabbau anordnen?

Ja, wenn dies im Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung geregelt ist. Der Arbeitgeber muss den Abbau jedoch rechtzeitig ankündigen und betriebliche Interessen abwägen.

Wann verfallen Überstunden?

Die gesetzliche Verjährungsfrist beträgt drei Jahre nach §195 BGB. Arbeitsvertragliche Ausschlussfristen können diesen Zeitraum auf mindestens drei Monate verkürzen. Bei Kündigung müssen Überstunden entweder während der Kündigungsfrist abgebaut oder ausgezahlt werden.

Ist Zeiterfassung Pflicht?

Ja, seit dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022 sind Arbeitgeber verpflichtet, alle Arbeitszeiten zu erfassen. Die Dokumentation muss objektiv, verlässlich und zugänglich sein.

Wie reduziere ich Überstunden im Homeoffice?

Definiere klare Erreichbarkeitszeiten und stelle sicher, dass auch im Homeoffice eine digitale Zeiterfassung erfolgt. Regelmäßige Check-ins zur Arbeitsbelastung helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen. Der DGB-Index zeigt: 52 Prozent der Homeoffice-Beschäftigten leisten Überstunden – deutlich mehr als die 31 Prozent im Büro.

Welche Branchen haben die meisten Überstunden?

Nach Daten des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2024 liegt die Finanz- und Versicherungsbranche mit 17 Prozent an der Spitze, gefolgt von der Energieversorgung mit 16 Prozent. Das Gastgewerbe weist mit 6 Prozent die niedrigste Quote auf.

Fazit

Überstunden zu reduzieren ist keine einmalige Maßnahme, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Der Schlüssel liegt in der Kombination aus transparenter Zeiterfassung, strategischer Personalplanung und einer Unternehmenskultur, die Work-Life-Balance ernst nimmt. Die rechtlichen Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes setzen den Rahmen – ihre Einhaltung schützt nicht nur die Gesundheit der Mitarbeiter:innen, sondern auch das Unternehmen vor rechtlichen Konsequenzen.

Mit den aktuellen Statistiken wird deutlich: Der Trend geht zu Arbeitszeitkonten und Freizeitausgleich statt Auszahlung. Für HR-Verantwortliche bedeutet das, entsprechende Systeme zu implementieren und regelmäßig zu monitoren. Wer die Ursachen für Überstunden – von Arbeitsverdichtung bis zu ineffizienten Prozessen – aktiv angeht, schafft die Basis für nachhaltige Verbesserung.

Du möchtest mehr über moderne HR-Lösungen erfahren? Entdecke, wie Aivy mit wissenschaftlich fundierter Eignungsdiagnostik dein Recruiting effizienter macht und dazu beitragen kann, Personalengpässe frühzeitig zu vermeiden. Mehr über Aivy erfahren

Quellen

Heading 1

Heading 2

Heading 3

Heading 4

Heading 5
Heading 6

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit, sed do eiusmod tempor incididunt ut labore et dolore magna aliqua. Ut enim ad minim veniam, quis nostrud exercitation ullamco laboris nisi ut aliquip ex ea commodo consequat. Duis aute irure dolor in reprehenderit in voluptate velit esse cillum dolore eu fugiat nulla pariatur.

Block quote

Ordered list

  1. Item 1
  2. Item 2
  3. Item 3

Unordered list

  • Item A
  • Item B
  • Item C

Text link

Bold text

Emphasis

Superscript

Subscript

Heading 1

Heading 2

Heading 3

Heading 4

Heading 5
Heading 6

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit, sed do eiusmod tempor incididunt ut labore et dolore magna aliqua. Ut enim ad minim veniam, quis nostrud exercitation ullamco laboris nisi ut aliquip ex ea commodo consequat. Duis aute irure dolor in reprehenderit in voluptate velit esse cillum dolore eu fugiat nulla pariatur.

Block quote

Ordered list

  1. Item 1
  2. Item 2
  3. Item 3

Unordered list

  • Item A
  • Item B
  • Item C

Text link

Bold text

Emphasis

Superscript

Subscript

Florian Dyballa

CEO, Co-Founder

Über Florian

  • Gründer & CEO von Aivy – entwickelt innovative Wege der Personaldiagnostik und zählt zu den Top 10 HR-Tech-Gründern Deutschlands (Business Punk)
  • Über 500.000 digitale Eignungstests erfolgreich im Einsatz bei mehr als 100 Unternehmen wie Lufthansa, Würth und Hermes
  • Dreifach mit dem HR Innovation Award ausgezeichnet und regelmäßig in führenden Wirtschaftsmedien präsent (WirtschaftsWoche, Handelsblatt und FAZ)
  • Verbindet als Wirtschaftspsychologe und Digital-Experte fundierte Tests mit KI für faire Chancen in der Personalauswahl
  • Teilt Expertise als gefragter Vordenker der HR-Tech-Branche – in Podcasts, Medien und auf wichtigen Branchenveranstaltungen
  • Gestaltet aktiv die Zukunft der Arbeitswelt – durch die Verbindung von Wissenschaft und Technologie für bessere und gerechtere Personalentscheidungen
Erfolgsgeschichten

Diese Resultate kannst du erwarten

Entdecke, welche Erfolge andere Unternehmen mit dem Einsatz von Aivy erzielen. Lass dich inspirieren und tu es ihnen gleich.

Viele innovative Arbeitgebende vertrauen bereits auf Aivy

Das sagen #HeRoes

„Durch die sehr hohe Rücklaufquote überzeugen und binden wir unsere Azubis früh im Bewerbungsprozess.“

Tamara Molitor
Ausbildungsleiterin bei Würth
Tamara Molitor

„Das Stärkenprofil spiegelt 1:1 unsere Erfahrung im persönlichen Gespräch.“

Wolfgang Böhm
Ausbildungsleiter bei DIEHL
Wolfgang Böhm Portrait

„Durch objektive Kriterien fördern wir Chancengleichheit und Diversität im Recruiting.“

Marie-Jo Goldmann
Head of HR bei nucao
Marie Jo Goldmann Portrait

Aivy ist das beste, was mir im deutschen Diagnostik Start-up Bereich bislang über den Weg gelaufen ist.“

Carl-Christoph Fellinger
Strategic Talent Acquisition bei Beiersdorf
Christoph Feillinger Portrait

„Auswahlverfahren, die Spaß machen.“

Anna Miels
Manager Learning & Development bei apoproject
Anna Miels Portrait

„Bewerbende finden heraus, für welche Stelle sie die passenden Kompetenzen mitbringen.“

Jürgen Muthig
Leiter Berufsausbildung bei Fresenius
Jürgen Muthig Fresenius Portrait

„Versteckten Potenziale kennenlernen und Bewerber:innen gezielt aufbauen.“

Christian Schütz
HR Manager bei KU64
Christian Schuetz

Spart Zeit und macht viel Spaß bei der täglichen Arbeit.“

Matthias Kühne
Director People & Culture bei MCI Deutschland
Matthias Kühne

Ansprechende Candidate Experience durch Kommunikation auf Augenhöhe.“

Theresa Schröder
Head of HR bei Horn & Bauer
Theresa Schröder

„Sehr solide, wissenschaftlich fundiert, auch aus Kandidatensicht innovativ und in Summe einfach toll durchdacht.“

Dr. Kevin-Lim Jungbauer
Recruiting and HR Diagnostics Expert bei Beiersdorf
Kevin Jungbauer
Der Assistent, der Talent erkennt.

Unverbindlich ausprobieren

Werde zum HeRo 🦸 und erkenne mit Aivy wie gut Bewerbende zu euch passen – und das noch vor dem ersten Bewerbungsgespräch...