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Mitarbeitergespräch Leitfaden: So führst du erfolgreiche Gespräche

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Mitarbeitergespräch Leitfaden: So führst du erfolgreiche Gespräche

Führst du regelmäßig Mitarbeitergespräche und fragst dich, ob sie wirklich etwas bringen? Oder stehst du kurz vor deinem ersten Jahresgespräch als Führungskraft und bist unsicher, wie du es strukturieren sollst? Du bist nicht allein. Obwohl 97% der Top-Unternehmen im deutschsprachigen Raum regelmäßig Mitarbeitergespräche führen, berichten nur 22% der Arbeitnehmer:innen, dass diese Gespräche ihre Leistung tatsächlich verbessern (Gallup Engagement Index, 2015-2023).

Das Problem liegt oft nicht am Instrument selbst, sondern an der Durchführung. Viele Gespräche verlaufen unstrukturiert, fokussieren zu sehr auf Kritik statt auf Entwicklung oder werden als "Pflichtübung" wahrgenommen. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Vorbereitung, einem klaren Leitfaden und konstruktiver Gesprächsführung werden Mitarbeitergespräche zu einem mächtigen Instrument für Motivation, Entwicklung und Bindung.

In diesem Artikel erfährst du:

  • Was ein Mitarbeitergespräch ist und welche Arten es gibt
  • Wie du dich optimal auf das Gespräch vorbereitest (Checkliste)
  • Einen praxiserprobten 6-Phasen-Leitfaden für die Durchführung
  • Die wichtigsten Fragen für jede Gesprächsphase
  • Wie du konstruktives Feedback gibst (ohne zu verletzen)
  • Umgang mit schwierigen Situationen (Widerstand, Emotionen, Kritik)
  • Warum objektive Daten als Gesprächsgrundlage helfen
  • Moderne Trends: Von Jahresgesprächen zu kontinuierlichem Feedback

Dieser Leitfaden basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Studien (Gallup, Ruhr-Universität Bochum, Feedback-Forschung) und Praxiserfahrungen aus über 100.000 durchgeführten Assessments.

Was ist ein Mitarbeitergespräch? Definition & Bedeutung

Ein Mitarbeitergespräch (MAG) ist ein geplantes Vier-Augen-Gespräch zwischen Führungskraft und Mitarbeiter:in, das über die Alltagskommunikation hinausgeht und spezifische Inhalte adressiert – typischerweise Leistungsbeurteilung, Zielvereinbarungen, Entwicklung und Feedback. Das klassische Beispiel ist das jährliche Jahresgespräch im Dezember, bei dem Ziele für das neue Jahr vereinbart werden.

Mitarbeitergespräche sind eines der etabliertesten Führungsinstrumente in der Wirtschaft. Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum (2018) zeigt: 97% der Top-820 Unternehmen im deutschsprachigen Raum führen regelmäßig Mitarbeitergespräche durch – 72% jährlich, 18% halbjährlich. Die hohe Verbreitung spricht für die grundsätzliche Bedeutung des Instruments.

Doch warum sind Mitarbeitergespräche so wichtig? Sie erfüllen mehrere zentrale Funktionen:

  1. Transparenz schaffen: Mitarbeiter:innen erfahren, welche Erwartungen das Unternehmen an sie stellt und wo sie stehen.
  2. Feedback geben: Konstruktive Rückmeldung ist einer der stärksten Hebel für Leistungssteigerung (Hattie & Timperley, 2007: Effect Size d=0.79).
  3. Entwicklung fördern: Gespräche identifizieren Potenziale und leiten konkrete Entwicklungsmaßnahmen ab.
  4. Motivation steigern: Studien zeigen: Mitarbeiter:innen mit halbjährlichen Gesprächen zeigen 31% emotionale Bindung – fast doppelt so viel wie der Durchschnitt von 16% (Gallup).
  5. Konflikte frühzeitig erkennen: Regelmäßiger Austausch verhindert, dass Probleme eskalieren.

Unterschied: Mitarbeitergespräch vs. Personalgespräch

Die Begriffe werden oft synonym verwendet, es gibt jedoch eine Nuance:

  • Mitarbeitergespräch: Fokus auf Entwicklung, Ziele, Feedback – zukunftsorientiert, regelmäßig (z.B. Jahresgespräch).
  • Personalgespräch: Fokus auf individuelle Probleme des Einzelnen (z.B. Fehlzeiten, Konflikte) – anlassbezogen, lösungsorientiert.

In der Praxis verschwimmen die Grenzen. Wichtig ist: Beide Gesprächsformen dienen der Zusammenarbeit und Entwicklung, nicht der Kontrolle.

Warum sind Mitarbeitergespräche wichtig? Studien zeigen: 97% nutzen sie

Die wissenschaftliche Evidenz ist eindeutig: Regelmäßige, gut geführte Mitarbeitergespräche steigern nachweislich Zufriedenheit, Produktivität und Bindung.

Key Findings aus der Forschung:

  • 97% Verbreitung: Fast alle Top-Unternehmen nutzen Mitarbeitergespräche als Standardinstrument (Ruhr-Universität Bochum, 2018).
  • 31% höhere Bindung: Mitarbeiter:innen mit halbjährlichen Gesprächen zeigen signifikant höhere emotionale Bindung (Gallup).
  • Feedback wirkt: Konstruktives Feedback hat einen der stärksten Effekte auf Leistung (Effect Size: d=0.79 – Hattie & Timperley, 2007).

Aber: Die Qualität entscheidet. Nur 22% der Arbeitnehmer:innen berichten, dass Gespräche ihre Leistung tatsächlich verbessern. 60% erleben sie als "Pflichtübung" (Gallup). Das zeigt: Ein Mitarbeitergespräch allein reicht nicht – es muss gut vorbereitet, strukturiert und entwicklungsorientiert sein.

Arten von Mitarbeitergesprächen im Überblick

Nicht jedes Mitarbeitergespräch verfolgt dasselbe Ziel. Je nach Anlass und Fokus unterscheidet man verschiedene Gesprächstypen:

Jahresgespräch / Jahresmitarbeitergespräch

Anlass: Regelmäßig, meist Ende des Jahres
Dauer: 60-90 Minuten
Inhalte: Rückblick auf vergangenes Jahr, Leistungsbeurteilung, Zielerreichung, neue Ziele für kommendes Jahr, Entwicklungswünsche
Ziel: Standortbestimmung, Orientierung geben, Vereinbarungen treffen

Das Jahresgespräch ist der Klassiker unter den Mitarbeitergesprächen. Hier wird Bilanz gezogen: Was lief gut? Wo gibt es Entwicklungsbedarf? Welche Ziele setzen wir für das nächste Jahr? Das Gespräch sollte ausgewogen sein – nicht nur Kritik, sondern auch Erfolge würdigen.

Feedbackgespräch & regelmäßige Check-ins

Anlass: Quartalsweise oder nach Projektabschluss
Dauer: 20-30 Minuten
Inhalte: Wertschätzende Rückmeldung zu Leistung und Verhalten, kurze Reflexion
Ziel: Kontinuierliches Feedback, schnelle Kurskorrekturen

Moderne Unternehmen setzen zunehmend auf kurze, regelmäßige Check-ins statt nur ein Jahresgespräch. Diese Feedbackgespräche ermöglichen zeitnahe Rückmeldungen und verhindern, dass Probleme ein ganzes Jahr unausgesprochen bleiben. Studien zeigen: Agile Check-ins (quartalsweise) sind oft effektiver als jährliche Gespräche (Mercer, 2020).

Zielvereinbarungsgespräch

Anlass: Zu Beginn eines neuen Geschäftsjahres oder Projekts
Dauer: 30-45 Minuten
Inhalte: SMART-Ziele definieren, Prioritäten setzen, Ressourcen klären
Ziel: Klarheit über Erwartungen schaffen, Mitarbeiter:in einbinden

Hier geht es ausschließlich um die Definition konkreter, messbarer Ziele. Wichtig: Ziele sollten gemeinsam erarbeitet werden, nicht von oben diktiert. Die Self-Determination Theory (Deci & Ryan, 2000) zeigt: Autonomie bei der Zielsetzung steigert intrinsische Motivation.

Entwicklungsgespräch / Fördergespräch

Anlass: Bei Karriereambitionen, Weiterbildungswünschen oder Potenzialidentifikation
Dauer: 45-60 Minuten
Inhalte: Stärken analysieren, Entwicklungsfelder identifizieren, Weiterbildung planen, Karriereperspektiven
Ziel: Individuelle Entwicklung fördern, Talente binden

Entwicklungsgespräche fokussieren auf Potenziale statt auf Schwächen. Sie sind besonders wichtig für High Potentials und Mitarbeiter:innen, die sich weiterentwickeln möchten. Stärkenbasierte Führung – also die Förderung individueller Stärken statt Schwächenbekämpfung – zeigt nachweislich höhere Performance (Mercer, 2020).

Kritikgespräch / Konfliktgespräch

Anlass: Bei Leistungsproblemen, Fehlverhalten oder Konflikten
Dauer: 30-60 Minuten
Inhalte: Konkrete Vorfälle ansprechen, Auswirkungen klären, gemeinsam Lösungen erarbeiten
Ziel: Deeskalation, Verhaltensänderung, Klarheit schaffen

Dies ist der schwierigste Gesprächstyp. Kritikgespräche erfordern besondere Vorbereitung, Empathie und klare Kommunikation. Wichtig: Fokus auf Verhalten, nicht auf Person. Sachlich bleiben, konkrete Beispiele nennen, lösungsorientiert arbeiten.

Probezeitgespräch & Onboarding-Gespräch

Anlass: Während oder am Ende der Probezeit
Dauer: 30-45 Minuten
Inhalte: Erwartungsabgleich, Einarbeitung reflektieren, Feedback beidseitig
Ziel: Integration sicherstellen, frühzeitig Probleme erkennen

Probezeitgespräche sind entscheidend für erfolgreiche Onboarding-Prozesse. Sie geben neuen Mitarbeiter:innen Sicherheit, zeigen Wertschätzung und ermöglichen es, Missverständnisse frühzeitig zu klären.

Übersicht: Gesprächstypen im Vergleich

Gesprächstyp Häufigkeit Dauer Hauptziel
Jahresgespräch Jährlich 60–90 Min. Bilanz, Ziele, Entwicklung
Feedbackgespräch Quartalsweise 20–30 Min. Kontinuierliches Feedback
Zielvereinbarung Jährlich/projektbezogen 30–45 Min. SMART-Ziele definieren
Entwicklungsgespräch Bei Bedarf 45–60 Min. Potenziale fördern
Kritikgespräch Anlassbezogen 30–60 Min. Probleme lösen
Probezeitgespräch 1–2× während Probezeit 30–45 Min. Integration sicherstellen

Mitarbeitergespräch vorbereiten: Checkliste für Führungskräfte

Die Vorbereitung entscheidet maßgeblich über den Erfolg des Gesprächs. Eine Faustformel besagt: Die Vorbereitungszeit sollte etwa so lang sein wie das Gespräch selbst. Bei einem 90-Minuten-Jahresgespräch also mindestens 90 Minuten Vorbereitung.

7-10 Tage vorher: Termin ankündigen & Themen kommunizieren

Was tun:

  • Termin persönlich (nicht per Mail) ankündigen
  • Ungestörten Raum buchen (kein Durchgangszimmer!)
  • Zeitrahmen klar kommunizieren (z.B. "Wir nehmen uns 90 Minuten Zeit")
  • Themen vorab nennen: "Wir sprechen über Rückblick, Ziele, Entwicklung"
  • Mitarbeiter:in bitten, sich ebenfalls vorzubereiten

Warum wichtig: Frühzeitige Ankündigung gibt Sicherheit. Wenn Mitarbeiter:innen wissen, was sie erwartet, sinkt die Nervosität. Zudem können sie sich inhaltlich vorbereiten, was die Gesprächsqualität deutlich erhöht.

Tipp: Sende eine kurze Gesprächsagenda per Mail mit Leitfragen zur Vorbereitung:

  • "Was waren deine größten Erfolge im letzten Jahr?"
  • "Wo siehst du Entwicklungsbedarf?"
  • "Welche Ziele möchtest du im nächsten Jahr erreichen?"

3-5 Tage vorher: Informationen sammeln & Leitfaden vorbereiten

Was tun:

  • Leistungsdaten sammeln: Projekterfolge, Zielerreichung, KPIs
  • Feedback von Kolleg:innen oder Kund:innen einholen (360-Grad-Perspektive)
  • Letztes Gesprächsprotokoll lesen: Wurden Vereinbarungen umgesetzt?
  • Leitfaden mit Struktur erstellen (siehe Abschnitt "6-Phasen-Leitfaden")
  • Konkrete Beispiele notieren (für Lob UND Kritik)
  • Eigene Ziele für das Gespräch definieren: Was soll erreicht werden?

Warum wichtig: Ohne konkrete Fakten wird das Gespräch vage und unverbindlich. "Sie müssen sich mehr anstrengen" ist kein konstruktives Feedback. "In den letzten 3 Projekten wurden Deadlines nicht eingehalten" schon.

Anti-Bias-Tipp: Achte darauf, dass du objektive Daten nutzt. Studien zeigen: 92% des Inputs für Leistungsbeurteilungen kommt von der Führungskraft (Ruhr-Universität Bochum, 2018) – das birgt Gefahr für Unconscious Bias. Iris Bohnet (2016) belegt: Frauen erhalten vageres Feedback als Männer. Strukturierte Bewertungskriterien und objektive Daten (z.B. aus Assessments) reduzieren Bias um 30-40%.

1 Tag vorher: Raum buchen & Unterlagen bereitstellen

Was tun:

  • Raum final checken: Ruhig? Sauber? Keine Störungen?
  • "Bitte nicht stören"-Schild anbringen
  • Handy auf lautlos stellen (gilt für beide!)
  • Unterlagen bereitlegen: Leitfaden, Notizblock, vorherige Protokolle
  • Mental vorbereiten: Welche Reaktionen sind möglich? Wie reagiere ich?

Warum wichtig: Unterbrechungen zerstören die Gesprächsatmosphäre. Wenn mitten im Gespräch das Telefon klingelt oder jemand hereinplatzt, signalisiert das: "Dieses Gespräch ist mir nicht so wichtig."

Was Mitarbeiter:innen zur Vorbereitung tun sollten

Gute Mitarbeitergespräche sind Dialoge, keine Monologe. Deshalb sollten auch Mitarbeiter:innen vorbereitet sein.

Empfohlene Vorbereitung für Mitarbeiter:innen:

  • Rückblick: Erfolge, Herausforderungen, Highlights des Jahres notieren
  • Selbsteinschätzung: Wo stehe ich bei der Zielerreichung?
  • Entwicklungswünsche: Welche Weiterbildung brauche ich? Wo will ich hin?
  • Feedback vorbereiten: Was wünsche ich mir von meiner Führungskraft?
  • Fragen notieren: Was ist mir unklar? Was möchte ich ansprechen?

Tipp für Führungskräfte: Sende den Mitarbeiter:innen diese Leitfragen vorab. Das erhöht die Qualität des Gesprächs enorm.

Mitarbeitergespräch Leitfaden: Struktur & Ablauf in 6 Phasen

Ein strukturiertes Gespräch gibt Sicherheit – für beide Seiten. Der folgende 6-Phasen-Leitfaden ist praxiserprobt und flexibel anpassbar.

Gesamtdauer: 60-90 Minuten (für Jahresgespräch)
Gesprächsanteile: 70% Mitarbeiter:in, 30% Führungskraft (Zuhören ist wichtiger als Reden!)

Phase 1: Einstieg & Atmosphäre schaffen (5-10 Min.)

Ziel: Vertrauensvolle Atmosphäre aufbauen, Nervosität abbauen

Was tun:

  • Freundliche Begrüßung, Small Talk (Wie geht's?)
  • Zweck des Gesprächs kurz erläutern: "Wir wollen gemeinsam Bilanz ziehen, Ziele besprechen und schauen, wie ich dich besser unterstützen kann."
  • Gesprächsstruktur vorstellen: "Wir gehen in 6 Phasen vor: Rückblick, Feedback, Entwicklung, Ziele, Vereinbarungen."
  • Gesprächsregeln klären (optional): "Lass uns offen sprechen. Alles bleibt vertraulich."
  • Offene, positive Frage stellen: "Was hat dir in diesem Jahr besonders gut gefallen?"

Warum wichtig: Der erste Eindruck zählt. Eine positive Eröffnungsfrage ("Was hat gut geklappt?") schafft eine offene Atmosphäre. Niemand sollte das Gespräch mit Angst beginnen.

Typische Fehler vermeiden:

  • ❌ Direkt mit Kritik einsteigen
  • ❌ Hektisch wirken ("Ich habe nur 30 Minuten")
  • ❌ Handy auf dem Tisch liegen lassen

Phase 2: Rückblick auf vergangene Periode (15-20 Min.)

Ziel: Gemeinsam reflektieren, Erfolge würdigen, Herausforderungen benennen

Was tun:

  • Mitarbeiter:in zuerst sprechen lassen: "Wie würdest du das letzte Jahr zusammenfassen?"
  • Aktiv zuhören, Notizen machen
  • Nachfragen: "Erzähl mir mehr über Projekt X"
  • Erfolge explizit würdigen: "Die Präsentation bei Kunde Y war wirklich beeindruckend."
  • Herausforderungen benennen lassen: "Was war schwierig für dich?"
  • Eigene Perspektive ergänzen: "Aus meiner Sicht war besonders..."

Fragen für den Rückblick:

  • "Auf welche Erfolge bist du besonders stolz?"
  • "Welches Projekt hat dich am meisten gefordert?"
  • "Gab es Situationen, in denen du Unterstützung gebraucht hättest?"
  • "Was hättest du im Nachhinein anders gemacht?"

Wissenschaftlicher Hintergrund: Reflexion ist ein starker Lernmechanismus. Wer das eigene Handeln bewusst reflektiert, lernt daraus (Kolb's Experiential Learning Cycle).

Phase 3: Leistungsbeurteilung & Feedback (15-20 Min.)

Ziel: Klare, konstruktive Rückmeldung zu Leistung und Verhalten

Was tun:

  • Mit positivem Feedback beginnen (was lief gut?)
  • Dann Entwicklungsfelder ansprechen (was kann verbessert werden?)
  • Feedback-Formel anwenden: (1) Konkrete Situation, (2) Auswirkung, (3) Erwartung, (4) Gemeinsame Lösung
  • Beispiele nennen (konkret statt vage!)
  • Selbsteinschätzung der Mitarbeiter:in erfragen: "Wie siehst du das?"
  • Bei Differenzen: Dialog führen, nicht überzeugen wollen

Die Feedback-Formel (nach Hattie & Timperley, 2007):

Konkret: "In den letzten 3 Projekten wurden Deadlines nicht eingehalten."
Auswirkung: "Das führt zu Verzögerungen im Team."
Erwartung: "Ich erwarte pünktliche Abgaben."
Lösung: "Wo brauchst du Unterstützung?"

Vage: "Sie müssen sich mehr anstrengen."
Personenbezug: "Sie sind unzuverlässig."

Wichtig: Feedback ist zukunftsorientiert, nicht Aufwärmen alter Fehler. Fokus auf Aufgabe/Prozess, nicht auf Person (Hattie & Timperley, 2007).

Phase 4: Entwicklung & Weiterbildung besprechen (10-15 Min.)

Ziel: Potenziale identifizieren, Entwicklungsmaßnahmen planen

Was tun:

  • Stärken herausarbeiten: "Wo liegen deine besonderen Talente?"
  • Entwicklungswünsche erfragen: "Wo möchtest du dich weiterentwickeln?"
  • Karriereperspektiven besprechen: "Wo siehst du dich in 2-3 Jahren?"
  • Konkrete Maßnahmen definieren: Weiterbildung, Mentoring, Job Rotation, etc.
  • Ressourcen klären: Budget, Zeit, interne/externe Angebote

Stärkenbasierte Führung in der Praxis:

Statt: "Du musst besser in Excel werden."
→ "Deine analytischen Fähigkeiten sind stark – wie können wir die weiter ausbauen? Vielleicht mit einem Power BI-Kurs?"

Warum wichtig: Die Self-Determination Theory (Deci & Ryan, 2000) zeigt: Menschen sind intrinsisch motiviert, wenn sie Kompetenz (Wachstum erleben) und Autonomie (mitentscheiden) haben. Entwicklungsgespräche erfüllen beide Bedürfnisse.

Objektive Daten nutzen: Hier können objektive Eignungsdiagnostik-Tools hilfreich sein. Ein wissenschaftlich validiertes Stärkenprofil zeigt objektiv, wo Potenziale liegen – du musst nicht nur auf dein Bauchgefühl vertrauen. Unternehmen wie OMR nutzen Assessment-Scores, um Stärken sichtbar zu machen und stärkenbasierte Gespräche zu führen. Kaya Kruse, People Lead bei OMR, betont: "Aivy wirkt. Wir reduzieren Bias, gewinnen mehr Objektivität im Hiring und stärken langfristig die Diversität." Diese Objektivität hilft auch in Entwicklungsgesprächen.

Phase 5: Zielvereinbarungen für nächste Periode (10-15 Min.)

Ziel: SMART-Ziele gemeinsam definieren, Prioritäten setzen

Was tun:

  • Unternehmensziele vorstellen (Top-down)
  • Mitarbeiter:in einbinden: "Welche Ziele möchtest du erreichen?" (Bottom-up)
  • Gemeinsam 3-5 SMART-Ziele formulieren
  • Prioritäten festlegen: "Was ist am wichtigsten?"
  • Ressourcen klären: "Was brauchst du, um diese Ziele zu erreichen?"
  • Meilensteine definieren: "Wann checken wir den Fortschritt?"

SMART-Ziele:

  • Spezifisch: Klar formuliert
  • Messbar: Erfolg ist quantifizierbar
  • Attraktiv: Mitarbeiter:in will es erreichen
  • Realistisch: Erreichbar mit vorhandenen Ressourcen
  • Terminiert: Klare Deadline

Beispiel:
❌ "Verbessere deine Präsentationsfähigkeiten."
✅ "Halte bis Q3 drei Kundenpräsentationen mit Feedback >4/5 Punkten."

Wichtig: Ziele sollten gemeinsam erarbeitet werden. Autonomie steigert Motivation (Deci & Ryan, 2000).

Phase 6: Zusammenfassung & Vereinbarungen treffen (5-10 Min.)

Ziel: Verbindlichkeit schaffen, nächste Schritte klären

Was tun:

  • Kernpunkte zusammenfassen: "Was haben wir besprochen?"
  • Vereinbarungen festhalten: "Was sind die nächsten Schritte?"
  • Verantwortlichkeiten klären: "Wer macht was bis wann?"
  • Nächsten Termin vereinbaren (z.B. Halbjahres-Check-in)
  • Positiv abschließen: "Danke für das offene Gespräch. Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit."
  • Protokoll ankündigen: "Ich schicke dir die Zusammenfassung bis nächste Woche."

Warum wichtig: Ohne schriftliches Protokoll versanden Vereinbarungen. Beide Seiten sollten das Protokoll erhalten und gegenlesen können.

Die wichtigsten Fragen im Mitarbeitergespräch (mit Beispielen)

Gute Fragen sind das Herzstück erfolgreicher Gespräche. Offene Fragen (die nicht mit Ja/Nein beantwortbar sind) fördern den Dialog und geben Mitarbeiter:innen Raum, ihre Perspektive zu teilen.

Fragen für den Rückblick & Reflexion

  • "Wie würdest du das letzte Jahr in drei Worten beschreiben?"
  • "Auf welche Leistungen bist du besonders stolz?"
  • "Welches Projekt hat dich am meisten gefordert – und was hast du daraus gelernt?"
  • "Gab es Situationen, in denen du mehr Unterstützung gebraucht hättest?"
  • "Was hätte ich als Führungskraft besser machen können?"

Fragen zur Leistungsbeurteilung

  • "Wie schätzt du deine eigene Leistung im letzten Jahr ein?"
  • "Wo siehst du deine größten Stärken?"
  • "In welchen Bereichen siehst du bei dir Entwicklungsbedarf?"
  • "Wie zufrieden bist du mit deiner Zielerreichung (Skala 1-10)?"
  • "Was war dein größter Erfolg? Deine größte Herausforderung?"

Wichtig: Lass die Mitarbeiter:in zuerst ihre Selbsteinschätzung geben, bevor du deine Perspektive teilst. Das schafft Dialog statt Defensivhaltung.

Fragen zur Entwicklung & Weiterbildung

  • "Wo möchtest du dich in den nächsten 12 Monaten weiterentwickeln?"
  • "Welche Fähigkeiten möchtest du ausbauen?"
  • "Welche Weiterbildung würde dich am meisten voranbringen?"
  • "Wo siehst du dich in 2-3 Jahren – innerhalb oder außerhalb des Teams?"
  • "Gibt es Aufgaben, die du gerne übernehmen würdest?"
  • "Was braucht es, damit du hier deine beste Leistung abrufen kannst?"

Fragen zu Zielen & Erwartungen

  • "Welche Ziele möchtest du im nächsten Jahr erreichen?"
  • "Wenn du dir drei Ziele aussuchen könntest – welche wären das?"
  • "Was ist dir bei deiner Arbeit am wichtigsten?"
  • "Welche Unterstützung brauchst du von mir, um deine Ziele zu erreichen?"
  • "Wie können wir sicherstellen, dass du auf dem richtigen Weg bleibst?"

Warum offene Fragen so wichtig sind

Offene Fragen beginnen mit W-Wörtern (Wie, Was, Warum, Welche) und können nicht mit Ja/Nein beantwortet werden. Sie:

  • Fördern Reflexion
  • Geben Raum für Perspektiven
  • Zeigen echtes Interesse
  • Vermeiden Defensivhaltung

Vermeide geschlossene Fragen:❌ "Bist du zufrieden?" → "Ja." (Ende des Gesprächs)
✅ "Was gefällt dir an deiner Arbeit? Was würdest du gerne ändern?"

Vermeide Suggestivfragen:❌ "Du siehst doch auch, dass das Projekt schlecht gelaufen ist, oder?"
✅ "Wie schätzt du den Projektverlauf ein?"

Konstruktives Feedback geben: So gelingt es

Feedback ist einer der stärksten Hebel für Leistungssteigerung – wenn es richtig gemacht wird. Studien zeigen: Feedback hat eine Effect Size von d=0.79 (Hattie & Timperley, 2007) – das ist enorm. Aber: Falsches Feedback kann demotivieren oder verletzen.

Die Feedback-Formel: Konkret, zeitnah, zukunftsorientiert

Die drei Prinzipien nach Hattie & Timperley (2007):

  1. Konkret: Beziehe dich auf spezifische Situationen, nicht auf allgemeine Eigenschaften.
  2. Zeitnah: Gib Feedback möglichst schnell nach dem Ereignis.
  3. Zukunftsorientiert: Fokussiere auf Verbesserung, nicht auf Schuldzuweisung.

Die Feedback-Formel:

  1. Situation beschreiben: "In der Präsentation letzte Woche..."
  2. Auswirkung benennen: "...war nicht klar, was die Hauptaussage ist."
  3. Erwartung formulieren: "Für die nächste Präsentation erwarte ich..."
  4. Gemeinsam Lösung finden: "Wie können wir das verbessern?"

Beispiel (positiv):"Deine Präsentation beim Kunden war sehr überzeugend. Besonders die visuelle Aufbereitung der Daten hat geholfen, komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen. Das hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der Kunde zugesagt hat. Mach weiter so!"

Beispiel (kritisch):"In den letzten drei Projekten wurden Deadlines nicht eingehalten. Das führt dazu, dass das Team in Verzug gerät und andere Kolleg:innen Überstunden machen müssen. Ich erwarte, dass Abgabetermine eingehalten werden. Lass uns gemeinsam schauen: Wo liegt das Problem? Wie können wir das lösen?"

Positives Feedback: Mehr als nur "Gut gemacht!"

Viele Führungskräfte loben zu allgemein: "Gut gemacht!" oder "Weiter so!" Das ist nett, aber wenig wirksam.

Wirksames positives Feedback ist:

  • Spezifisch: "Deine Analyse in der Präsentation war hervorragend – besonders die Visualisierung der Daten."
  • Verknüpft mit Auswirkung: "Das hat dem Kunden geholfen, die Entscheidung schnell zu treffen."
  • Aufrichtig: Nur loben, was wirklich gut war.

Typischer Fehler: Sandwich-Feedback (Lob – Kritik – Lob). Das wirkt konstruiert. Besser: Lob und Kritik getrennt ansprechen.

Kritisches Feedback: Ohne zu verletzen

Kritik ist schwierig – für beide Seiten. Aber: Konstruktive Kritik ist Wertschätzung. Sie zeigt: "Ich glaube an deine Entwicklung."

Do's:

  • ✅ Fokus auf Verhalten, nicht auf Person: "Das Projekt wurde nicht termingerecht abgeschlossen" statt "Du bist unzuverlässig."
  • ✅ Konkrete Beispiele nennen: "In Projekt X, Y, Z..."
  • ✅ Auswirkungen erklären: "Das führt zu..."
  • ✅ Lösung gemeinsam erarbeiten: "Wie können wir das ändern?"
  • ✅ Growth Mindset vermitteln: "Du kannst das lernen" statt "Das liegt dir nicht."

Don'ts:

  • ❌ Verallgemeinerungen: "Du machst immer...", "Du bist nie..."
  • ❌ Persönliche Angriffe: "Du bist faul/inkompetent/..."
  • ❌ Vergleiche mit anderen: "Kolleg:in X schafft das problemlos."
  • ❌ Alte Fehler aufwärmen: "Und letztes Jahr hast du auch schon..."
  • ❌ Emotionale Überwältigung: Zu viel Kritik auf einmal

Beispiel:❌ "Du bist einfach zu langsam. Das nervt mich."
✅ "Die Bearbeitungszeit für Anfragen liegt aktuell bei 5 Tagen. Unser Ziel sind 2 Tage. Was können wir tun, damit du schneller arbeiten kannst?"

Typische Fehler beim Feedback vermeiden

  1. Nur Kritik, kein Lob: Demotivierend. Balance ist wichtig.
  2. Vages Feedback: "Sie müssen sich mehr anstrengen" hilft nicht.
  3. Zu spätes Feedback: Warte nicht ein Jahr, bis du Probleme ansprichst.
  4. Personenbezug statt Verhaltenskonkretisierung: "Du bist..." statt "Das Verhalten..."
  5. Keine Handlungsempfehlung: Kritik ohne Lösungsansatz frustriert.

Schwierige Situationen im Mitarbeitergespräch meistern

Nicht jedes Gespräch verläuft reibungslos. Emotionen, Widerstand oder Konflikte gehören dazu – besonders bei Kritikgesprächen. Die Kunst ist, ruhig zu bleiben und konstruktiv zu reagieren.

Umgang mit Widerstand & Abwehrhaltung

Typische Anzeichen:

  • Verschränkte Arme, abweisende Körpersprache
  • "Ja, aber..."-Reaktionen
  • Rechtfertigungen, Schuldzuweisungen an andere
  • Schweigen oder Einsilbigkeit

Was tun:

  1. Ruhig bleiben: Nicht provozieren lassen, nicht rechtfertigen.
  2. Aktiv zuhören: "Ich höre, dass du das anders siehst. Erzähl mir mehr."
  3. Perspektive anerkennen: "Ich verstehe, dass du das frustrierend findest."
  4. Fokus auf Fakten lenken: "Lass uns die Situation gemeinsam anschauen."
  5. Gemeinsam Lösung suchen: "Was wäre aus deiner Sicht die beste Lösung?"

Beispiel:Mitarbeiter:in: "Ich hatte einfach keine Zeit für das Projekt!"
Führungskraft (schlecht): "Das ist keine Entschuldigung. Andere schaffen das auch."
Führungskraft (gut): "Ich höre, dass du unter Zeitdruck standest. Lass uns gemeinsam schauen: Was hat die meiste Zeit gekostet? Wie können wir deine Arbeitsbelastung besser planen?"

Was tun, wenn Mitarbeiter:innen emotional reagieren?

Bei Tränen:

  • Pause anbieten: "Lass uns kurz unterbrechen. Möchtest du ein Glas Wasser?"
  • Verständnis zeigen: "Ich sehe, das Thema ist emotional für dich."
  • Zeit geben, sich zu sammeln
  • Dann ruhig fortsetzen: "Möchtest du darüber sprechen, was dich bewegt?"

Bei Wut:

  • Nicht eskalieren: Ruhig bleiben, Stimme senken (wirkt deeskalierend)
  • Gefühle anerkennen: "Ich verstehe, dass dich das frustriert."
  • Aktiv zuhören, dann Fokus auf Sachebene lenken
  • Bei massiver Eskalation: Gespräch vertagen ("Lass uns morgen nochmal sprechen, wenn sich die Gemüter beruhigt haben.")

Wichtig: Emotionen sind normal und legitim. Sie zeigen, dass das Thema wichtig ist. Unterdrücke sie nicht, aber lass dich auch nicht davon überwältigen.

Kritikgespräch führen: Leitfaden für schwierige Themen

Kritikgespräche erfordern doppelte Vorbereitung. Hier ein Schritt-für-Schritt-Leitfaden:

Vorbereitung:

  1. Konkrete Beispiele sammeln (Daten, Vorfälle, Zahlen)
  2. Mögliche Reaktionen antizipieren und Antworten überlegen
  3. Lösungsoptionen vorab durchdenken
  4. Leitfaden mit klarer Struktur erstellen
  5. Emotional vorbereiten: Ruhe bewahren, sachlich bleiben

Durchführung:

  1. Einstieg: Sachlich, klar, ohne Umschweife: "Ich möchte mit dir über [Problem] sprechen."
  2. Problem benennen: Konkret, mit Beispielen: "In den letzten drei Projekten..."
  3. Auswirkung erklären: "Das führt dazu, dass..."
  4. Perspektive der Mitarbeiter:in hören: "Wie siehst du das?"
  5. Gemeinsam Lösung erarbeiten: "Was können wir tun?"
  6. Klare Erwartungen formulieren: "Ich erwarte, dass..."
  7. Vereinbarungen treffen: "Bis wann setzt du das um?"
  8. Follow-up planen: "Wir treffen uns in 4 Wochen wieder."

Beispiel:"Ich möchte mit dir über die Terminverzögerungen sprechen. In den letzten drei Projekten wurden Deadlines nicht eingehalten – bei Projekt X waren es 5 Tage, bei Projekt Y 3 Tage. Das führt dazu, dass das gesamte Team in Verzug gerät. Wie siehst du die Situation? [Pause, zuhören] Ich verstehe, dass du viele Aufgaben parallel hast. Lass uns gemeinsam schauen, wie wir das lösen können. Was brauchst du, um Termine einzuhalten? [Gemeinsam Lösungen erarbeiten] Ich erwarte, dass ab sofort Deadlines eingehalten werden oder mindestens 3 Tage vorher Bescheid gegeben wird, wenn es Verzögerungen gibt. Einverstanden? [Vereinbarung treffen]"

Wenn die Leistung nicht stimmt: Konkrete Handlungsschritte

Bei dauerhafter Unterperformance ist ein klarer Plan notwendig:

Schritt 1: Ist-Zustand dokumentieren

  • Konkrete Beispiele sammeln (was lief wann schief?)
  • Erwartungen vs. Realität gegenüberstellen

Schritt 2: Ursachen identifizieren

  • Fehlen Ressourcen? (Zeit, Tools, Know-how)
  • Fehlt Klarheit über Erwartungen?
  • Gibt es persönliche Probleme? (Krankheit, Familie)
  • Fehlende Kompetenz oder fehlende Motivation?

Schritt 3: Maßnahmen definieren

  • Training/Coaching anbieten
  • Ziele anpassen (realistischer machen)
  • Ressourcen bereitstellen
  • Klare Deadlines setzen

Schritt 4: Konsequenzen kommunizieren

  • "Wenn sich bis [Datum] nichts verbessert, müssen wir über [Konsequenzen] sprechen."
  • Konsequenzen können sein: Keine Gehaltserhöhung, keine Beförderung, im Extremfall: Versetzung oder Kündigung

Schritt 5: Follow-up

  • Regelmäßige Check-ins (z.B. alle 2 Wochen)
  • Fortschritte dokumentieren
  • Bei Verbesserung: Anerkennen!

Wichtig: Sei fair, aber klar. Dauerhaft schlechte Leistung schadet dem Team und dem Unternehmen. Gleichzeitig: Gib Menschen echte Chancen zur Verbesserung.

Mitarbeitergespräch dokumentieren & nachbereiten

Ein Gespräch ohne Protokoll ist wie ein Vertrag ohne Unterschrift: unverbindlich. Die Dokumentation schafft Klarheit, Verbindlichkeit und dient als Grundlage für das nächste Gespräch.

Was gehört ins Gesprächsprotokoll?

Ein gutes Protokoll ist kompakt, klar und handlungsorientiert. Es sollte folgende Elemente enthalten:

1. Eckdaten:

  • Datum, Teilnehmer:innen, Dauer
  • Thema/Anlass (Jahresgespräch, Feedbackgespräch, etc.)

2. Rückblick/Zusammenfassung:

  • Wichtigste Erfolge des vergangenen Jahres
  • Herausforderungen, die besprochen wurden
  • Zielerreichung (z.B. 4 von 5 Zielen erreicht)

3. Feedback:

  • Stärken der Mitarbeiter:in
  • Entwicklungsfelder
  • Vereinbarte Verbesserungsmaßnahmen

4. Zielvereinbarungen:

  • 3-5 SMART-Ziele für nächste Periode
  • Prioritäten, Meilensteine
  • Ressourcen, die bereitgestellt werden

5. Entwicklung/Weiterbildung:

  • Geplante Weiterbildungsmaßnahmen (Seminare, Coaching, etc.)
  • Verantwortlichkeiten: Wer organisiert was bis wann?

6. Nächste Schritte:

  • Was macht wer bis wann?
  • Termin für nächstes Gespräch

7. Unterschriften:

  • Beide Gesprächspartner:innen sollten das Protokoll gegenlesen und unterschreiben (oder digital bestätigen)

Beispiel-Protokoll (Kurzform):

Mitarbeitergespräch: Max Mustermann & Anna Schmidt
Datum: 15.01.2026 | Dauer: 90 Min.

RÜCKBLICK:
- Erfolge: Projekt X erfolgreich abgeschlossen, Kundenzufriedenheit 9/10
- Herausforderungen: Zeitmanagement bei parallelen Projekten

FEEDBACK:
- Stärken: Analytisches Denken, Kundenorientierung
- Entwicklungsfelder: Priorisierung, Delegation

ZIELE 2026:
1. 3 Kundenprojekte bis Q3 abschließen (Zufriedenheit >8/10)
2. Weiterbildung: Power BI-Kurs bis Q2
3. Team-Mentoring: 1 Junior-Kolleg:in einarbeiten

WEITERBILDUNG:
- Power BI-Kurs (extern, Termin: März 2026)
- Zeitmanagement-Workshop (intern, Termin: April 2026)

NÄCHSTE SCHRITTE:
- Max: Anmeldung Power BI-Kurs bis 31.01.
- Anna: Budget-Freigabe bis 25.01.
- Nächstes Gespräch: Juli 2026 (Halbjahres-Review)

Unterschriften: ________________  ________________

Vereinbarungen festhalten & nachverfolgen

Problem: Viele Gespräche enden mit guten Vorsätzen – die dann im Alltag untergehen.

Lösung: Systematisches Follow-up

Was tun:

  1. Protokoll innerhalb 1 Woche versenden (an Mitarbeiter:in + ggf. HR)
  2. Gegenlesen lassen: Beide Seiten sollten zustimmen
  3. Termine in Kalender eintragen: Weiterbildungen, Meilensteine, nächstes Gespräch
  4. Regelmäßige Check-ins: Kurze Updates (z.B. alle 6-8 Wochen) statt nur 1x jährlich
  5. Im nächsten Gespräch: Protokoll als Grundlage nutzen ("Was wurde umgesetzt?")

Tipp: Nutze digitale Tools (HR-Software) zur Nachverfolgung. Viele Systeme erlauben Erinnerungen, Status-Updates und automatische Workflows.

Datenschutz & rechtliche Aspekte beachten

Wichtig: Mitarbeitergesprächsprotokolle enthalten sensible Daten!

Rechtliche Grundlagen:

  • Datenschutz (DSGVO): Protokolle müssen vertraulich behandelt werden
  • Betriebsverfassungsgesetz (§ 82 Abs. 2): Mitarbeiter:in hat Anspruch auf Hinzuziehung eines Betriebsratsmitglieds (bei bestimmten Gesprächstypen)
  • Arbeitsrecht: Protokolle können bei Konflikten/Kündigungen relevant sein (Beweismittel)

Was bedeutet das in der Praxis?

  • ✅ Protokoll bleibt vertraulich zwischen Führungskraft und Mitarbeiter:in
  • ✅ Nur vereinbarte Entwicklungsmaßnahmen gehen an HR (mit Zustimmung der Mitarbeiter:in)
  • ✅ Protokoll wird verschlossen aufbewahrt (nicht frei zugänglich)
  • ✅ Nach Ende des Arbeitsverhältnisses: Protokolle gemäß Aufbewahrungsfristen löschen
  • ❌ Protokoll nicht an Dritte weitergeben ohne Zustimmung
  • ❌ Keine Bewertungen/Kommentare ins Protokoll schreiben, die nicht besprochen wurden

Tipp: Bei kritischen Gesprächen (Abmahnungen, Kündigungen) sollte HR oder Betriebsrat hinzugezogen werden.

Objektive Daten als Gesprächsgrundlage: Warum das hilft

Viele Leistungsbeurteilungen basieren auf subjektiven Einschätzungen der Führungskraft. Das Problem: Subjektivität öffnet die Tür für Unconscious Bias – unbewusste Vorurteile, die unsere Wahrnehmung verzerren.

Problem: Subjektive Beurteilungen & Unconscious Bias

Die Zahlen sprechen für sich:

  • 92% des Inputs für Leistungsbeurteilungen kommt von der Führungskraft (Ruhr-Universität Bochum, 2018)
  • Frauen erhalten vageres Feedback als Männer (Bohnet, 2016)
  • Männer werden als "strategisch denkend" beschrieben, Frauen als "teamorientiert" (Stereotype Bias)
  • Affinity Bias: Wir bevorzugen Menschen, die uns ähnlich sind

Was ist Unconscious Bias? Unbewusste Vorurteile, die unsere Entscheidungen beeinflussen, ohne dass wir es merken. Im Kontext von Mitarbeitergesprächen kann das bedeuten:

  • Leistungen von "Lieblings-Mitarbeiter:innen" werden überbewertet
  • Entwicklungspotenziale von Minderheiten werden unterschätzt
  • Introvertierte werden als "weniger engagiert" wahrgenommen (obwohl sie genauso viel leisten)

Folgen:

  • Unfaire Leistungsbeurteilungen
  • Talente werden übersehen
  • Fehlende Chancengleichheit
  • Demotivation bei Betroffenen

Lösung: Eignungsdiagnostik & Stärkenprofil nutzen

Die Lösung: Objektive Daten als Ergänzung zur subjektiven Einschätzung.

Was sind objektive Daten?

  • Ergebnisse aus wissenschaftlich validierten Eignungsdiagnostik-Tools (z.B. Assessments, 360-Grad-Feedback)
  • KPIs: Messbare Leistungskennzahlen (Umsatz, Projektabschlüsse, Kundenzufriedenheit)
  • Kompetenztests: Standardisierte Verfahren zur Messung von Fähigkeiten

Vorteile:

  • Reduktion von Bias: Objektive Tests sind für alle gleich
  • Vergleichbarkeit: Stärken/Schwächen werden messbar
  • Transparenz: Mitarbeiter:innen sehen, worauf Bewertungen basieren
  • Stärkenbasierte Entwicklung: Assessments zeigen, wo Potenziale liegen

Studien belegen: Strukturierte Bewertungskriterien und objektive Daten reduzieren Bias um 30-40% (Bohnet, 2016).

Praxisbeispiel: Stärkenbasierte Gespräche mit Assessment-Daten

Wie funktioniert das in der Praxis?

Stell dir vor: Statt nur dein Bauchgefühl zu nutzen, hast du ein objektives Stärkenprofil deiner Mitarbeiter:in – basierend auf einem wissenschaftlich validierten Assessment. Dieses Profil zeigt:

  • Analytisches Denken: 85/100
  • Problemlösungskompetenz: 78/100
  • Teamfähigkeit: 92/100
  • Stressresistenz: 65/100

Jetzt kannst du das Entwicklungsgespräch viel gezielter führen:

  • "Dein Stärkenprofil zeigt, dass analytisches Denken eine deiner Stärken ist. Wie können wir das weiter ausbauen? Vielleicht mit einem Datenanalyse-Projekt?"
  • "Bei Stressresistenz sehen wir Entwicklungspotenzial. Wie geht es dir bei Deadlines? Wo können wir dich unterstützen?"

Der Unterschied: Du sprichst nicht über vage Eindrücke ("Ich finde, du bist gut im Team"), sondern über objektive, messbare Daten. Das schafft Klarheit und reduziert Widerstand.

Wie Tools wie Aivy Mitarbeitergespräche bereichern

Objektive Eignungsdiagnostik-Tools wie Aivy ermöglichen datenbasierte Entscheidungen statt Bauchgefühl. Die Plattform nutzt Game-Based Assessments – spielerische, wissenschaftlich validierte Tests, die Kompetenzen und Persönlichkeit objektiv messen.

Wie hilft das bei Mitarbeitergesprächen?

  • Stärkenprofil als Gesprächsgrundlage: Statt subjektiver Einschätzungen hast du messbare Daten
  • Bias-Reduktion: Standardisierte Verfahren sind für alle gleich – unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft
  • Entwicklungsperspektiven: Assessments zeigen, wo Potenziale liegen (stärkenbasierte Führung)
  • Teamanalysen: Verstehe die Stärkenverteilung im Team, fördere Diversität

Praxisbeispiele:

Callways nutzt objektive Daten für bessere Gespräche. CEO Achim Reinhardt betont: "Die Gespräche sind deutlich besser und mehr auf dem Punkt. Funktioniert auch mit Führungskräften: Auswahl der wirklich Interessierten, bessere und fokussierte Gespräche." Die Qualität der Gespräche hat sich durch stärkenbasierte Ansätze deutlich verbessert – die Investition lohnt sich ab Tag 1.

OMR setzt Aivy für Teamanalysen ein. Kaya Kruse, People Lead bei OMR, erklärt: "Assessment-Scores liefern zusätzliche Informationen für Stärken-Abgleich. Hiring Teams sind neugierig auf Ergebnisse und machen oft selbst das Assessment. Teamanalysen: Stärken sichtbar machen, stärkenbasierte Führung." Das Ergebnis: "Aivy wirkt. Wir reduzieren Bias, gewinnen mehr Objektivität im Hiring und stärken langfristig die Diversität."

Wichtig: Tools ersetzen nicht das Gespräch – sie bereichern es. Die menschliche Komponente (Empathie, Vertrauen, Dialog) bleibt zentral.

Moderne Trends: Von Jahresgesprächen zu kontinuierlichem Feedback

Die Arbeitswelt wandelt sich – und mit ihr das Performance Management. Das klassische Jahresgespräch gerät zunehmend unter Druck.

Warum jährliche Gespräche nicht mehr ausreichen

Probleme des klassischen Jahresgesprächs:

  1. Zu selten: 12 Monate ohne Feedback sind eine Ewigkeit. Probleme bleiben unausgesprochen, Potenziale ungenutzt.
  2. Zu retrospektiv: Fokus auf Vergangenheit statt Zukunft.
  3. Zu statisch: Ziele, die im Januar gesetzt wurden, passen oft nicht mehr zur Realität im Dezember (besonders in agilen, schnelllebigen Branchen).
  4. Zu einseitig: 92% des Inputs kommt von der Führungskraft – das birgt Bias-Gefahr.

Studien bestätigen: 70% der Unternehmen weltweit überdenken ihr Performance Management (Mercer, 2020). Der Trend geht weg von jährlichen Ratings hin zu kontinuierlichem Feedback.

Was wünschen sich Mitarbeiter:innen?

  • Regelmäßige, zeitnahe Rückmeldungen
  • Fokus auf Stärken statt Schwächen
  • Entwicklungsorientierung statt Bewertung
  • Dialog statt Monolog

Agile Check-ins & OKRs statt klassischer Zielvereinbarungen

Die Alternative: Agile Check-ins

Statt 1x jährlich: Regelmäßige, kurze Gespräche (z.B. alle 4-8 Wochen)

Vorteile:

  • ✅ Zeitnahe Rückmeldungen
  • ✅ Schnelle Kurskorrekturen möglich
  • ✅ Weniger formell, mehr Dialog
  • ✅ Höhere emotionale Bindung (Gallup: +31% bei halbjährlichen Gesprächen)

Typischer Ablauf eines Check-ins (20-30 Minuten):

  1. Rückblick: Was ist seit dem letzten Gespräch passiert?
  2. Erfolge würdigen: Was lief gut?
  3. Herausforderungen besprechen: Wo gibt es Probleme?
  4. Nächste Schritte: Was steht an?

OKRs (Objectives and Key Results):

Eine moderne Alternative zu klassischen Zielvereinbarungen. Statt starrer Jahresziele: Quartalsweise Ziele mit messbaren Schlüsselergebnissen.

Beispiel:

  • Objective: Kundenzufriedenheit steigern
  • Key Results:
    1. NPS-Score von 60 auf 70 erhöhen
    2. 10 Kundenfeedback-Gespräche führen
    3. 2 Produktverbesserungen basierend auf Feedback umsetzen

Vorteil: OKRs sind flexibel, transparent und fördern Autonomie.

Digitale Tools für Performance Management

Die Digitalisierung macht kontinuierliches Feedback einfacher. Moderne HR-Software ermöglicht:

  • Automatische Erinnerungen für Check-ins
  • Digitale Protokolle mit Status-Tracking
  • 360-Grad-Feedback einfach einholbar
  • Echtzeit-Dashboards: Fortschritte bei Zielen sichtbar machen
  • Integration mit OKR-Tools

Beispiele:

  • Personio, HR Works (Deutschland)
  • Lattice, 15Five (international)
  • Aivy (objektive Eignungsdiagnostik als Entwicklungstool)

Wichtig: Tools sind Mittel zum Zweck. Die menschliche Interaktion bleibt zentral – Technologie unterstützt, ersetzt aber nicht das Gespräch.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie oft sollte ich Mitarbeitergespräche führen?

Das klassische Jahresgespräch reicht heute oft nicht mehr aus. Studien zeigen: Mindestens 2x jährlich strukturierte Gespräche (z.B. Jahresgespräch + Halbjahres-Review) plus 2-3 kurze Check-ins zwischendurch erhöhen die Mitarbeiterbindung deutlich. Gallup-Daten belegen: Mitarbeiter:innen mit halbjährlichen Gesprächen zeigen 31% emotionale Bindung – fast doppelt so viel wie der Durchschnitt (16%).

Wie lange sollte ein Mitarbeitergespräch dauern?

Plane mindestens 60-90 Minuten für ein umfassendes Jahresgespräch ein. Für Check-ins reichen 20-30 Minuten. Wichtig: Qualität vor Quantität! Ein hektisches 30-Minuten-Gespräch bringt weniger als ein gut vorbereitetes, ruhiges 90-Minuten-Gespräch.

Sind Mitarbeitergespräche gesetzlich verpflichtend?

Nein, es gibt keine gesetzliche Pflicht zu Mitarbeitergesprächen. Allerdings können Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge oder Arbeitsverträge diese festlegen. Aus Sicht der Personalentwicklung und Mitarbeiterbindung sind sie aber unverzichtbar – 97% der Top-Unternehmen im deutschsprachigen Raum führen sie durch.

Was sage ich, wenn die Leistung eines Mitarbeiters nicht stimmt?

Sei konkret, sachlich und lösungsorientiert. Nutze die Feedback-Formel: (1) Konkrete Situation beschreiben, (2) Auswirkung benennen, (3) Erwartung formulieren, (4) Gemeinsam Lösung erarbeiten. Beispiel: "In den letzten 3 Projekten wurden Deadlines nicht eingehalten (Situation). Das führt zu Verzögerungen im Team (Auswirkung). Ich erwarte pünktliche Abgaben (Erwartung). Wo brauchst du Unterstützung?" (Lösung).

Wie gehe ich mit Tränen oder Wut im Gespräch um?

Bleib ruhig und empathisch. Bei Tränen: Pause anbieten, Verständnis zeigen ("Ich sehe, das Thema ist emotional für dich"), Zeit geben. Bei Wut: Nicht rechtfertigen oder eskalieren. Aktiv zuhören, Gefühle anerkennen ("Ich verstehe, dass dich das frustriert"), dann Fokus auf Sachebene lenken. Wenn nötig: Gespräch vertagen und an anderem Tag fortsetzen.

Muss ich das Mitarbeitergespräch protokollieren?

Ja, empfohlen! Ein schriftliches Protokoll mit vereinbarten Zielen, Maßnahmen und Terminen schafft Verbindlichkeit. Wichtig: Beide Gesprächspartner:innen sollten das Protokoll erhalten und gegenlesen. Nur vereinbarte Entwicklungsmaßnahmen gehen an die Personalabteilung – das restliche Protokoll bleibt vertraulich zwischen Führungskraft und Mitarbeiter:in (Datenschutz!).

Welche Fehler sollte ich im Mitarbeitergespräch vermeiden?

Die 5 häufigsten Fehler: (1) Monolog statt Dialog führen, (2) Nur Kritik, kein Lob aussprechen, (3) Vage Formulierungen ("Sie müssen sich mehr anstrengen"), (4) Vergangenes aufwärmen statt zukunftsorientiert sein, (5) Keine konkreten Vereinbarungen treffen. Vermeide auch: Zwischen Tür und Angel-Gespräche, Überraschungskritik ohne Beispiele, persönliche Angriffe.

Wie bereite ich mich auf ein schwieriges Mitarbeitergespräch vor?

Doppelte Vorbereitungszeit einplanen! (1) Konkrete Beispiele sammeln (Daten, Vorfälle, Zahlen), (2) Mögliche Reaktionen antizipieren und Antworten überlegen, (3) Lösungsoptionen vorab durchdenken, (4) Leitfaden mit klarer Struktur erstellen, (5) Emotional vorbereiten: Ruhe bewahren, sachlich bleiben. Optional: Gespräch mit HR oder Coach vorbesprechen.

Können Mitarbeiter:innen das Gespräch ablehnen?

Grundsätzlich nein – Mitarbeitergespräche sind Teil der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Bei betriebsüblichen, regelmäßigen Gesprächen besteht eine Teilnahmepflicht. Aber: Erzwinge kein Gespräch gegen massiven Widerstand. Kläre die Gründe, biete ggf. Vertrauensperson an (z.B. Betriebsrat). Ein konstruktives Gespräch braucht Bereitschaft auf beiden Seiten.

Wie integriere ich objektive Daten in Mitarbeitergespräche?

Nutze Eignungsdiagnostik-Tools, Assessments oder 360-Grad-Feedback als Gesprächsgrundlage. Beispiel: Ein Stärkenprofil aus einem wissenschaftlich validierten Assessment zeigt objektiv, wo Potenziale liegen – du musst nicht nur auf dein Bauchgefühl vertrauen. Das reduziert Unconscious Bias und ermöglicht stärkenbasierte Entwicklungsgespräche. Unternehmen wie OMR nutzen solche Tools erfolgreich.

Fazit: Der Weg zu erfolgreichen Mitarbeitergesprächen

Mitarbeitergespräche sind eines der mächtigsten Führungsinstrumente – wenn sie richtig geführt werden. Die Zahlen zeigen das Potenzial: Mitarbeiter:innen mit regelmäßigen Gesprächen sind doppelt so emotional gebunden (31% vs. 16%). Gleichzeitig offenbaren sie das Problem: Nur 22% der Gespräche führen zu tatsächlicher Leistungsverbesserung.

Der Unterschied liegt in der Umsetzung. Erfolgreiche Mitarbeitergespräche sind:

  • Gut vorbereitet: Mindestens so viel Zeit für Vorbereitung wie für das Gespräch selbst
  • Strukturiert: Ein klarer Leitfaden (z.B. 6 Phasen) gibt Sicherheit
  • Dialogorientiert: 70% Redeanteil für Mitarbeiter:in, 30% für Führungskraft
  • Zukunftsorientiert: Fokus auf Entwicklung, nicht auf Schuldzuweisung
  • Datenbasiert: Objektive Grundlagen (KPIs, Assessments) reduzieren Bias

Deine Handlungsempfehlung:

  1. Plane regelmäßige Gespräche: Mindestens 2x jährlich strukturiert, plus quartalsweise Check-ins
  2. Nutze den 6-Phasen-Leitfaden: Einstieg, Rückblick, Feedback, Entwicklung, Ziele, Vereinbarungen
  3. Stelle offene Fragen: Lass Mitarbeiter:innen sprechen, höre aktiv zu
  4. Gib konstruktives Feedback: Konkret, zeitnah, zukunftsorientiert (Feedback-Formel)
  5. Dokumentiere Vereinbarungen: Protokoll erstellen, Follow-up planen
  6. Nutze objektive Daten: Eignungsdiagnostik-Tools reduzieren Bias, ermöglichen stärkenbasierte Entwicklung

Objektive Eignungsdiagnostik-Tools wie Aivy unterstützen dich dabei, Gespräche auf eine fundierte Basis zu stellen. Durch wissenschaftlich validierte Assessments erhältst du messbare Stärkenprofile, die dir helfen, gezielt zu entwickeln statt nur subjektiv zu bewerten. Unternehmen wie OMR und Callways zeigen: Stärkenbasierte Gespräche mit objektiven Daten führen zu besseren Ergebnissen – bei höherer Zufriedenheit auf beiden Seiten.

Denk daran: Mitarbeitergespräche sind Investitionen in Menschen – und damit in die Zukunft deines Unternehmens. Gib ihnen die Zeit und Aufmerksamkeit, die sie verdienen.

Quellen

  • Gallup (2015-2023). Engagement Index Deutschland. Marco Nink. Gallup Deutschland. https://www.gallup.com/de/engagement-index-deutschland.aspx
  • Hossiep, R., Willmes, L. F. et al. (2018). Führungsinstrument Mitarbeitergespräch: Eine Follow-Up Studie bei den 820 größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Ruhr-Universität Bochum.
  • Hattie, J. & Timperley, H. (2007). The Power of Feedback. Review of Educational Research, 77(1), 81-112. https://doi.org/10.3102/003465430298487
  • Deci, E. L. & Ryan, R. M. (2000). The "What" and "Why" of Goal Pursuits: Human Needs and the Self-Determination of Behavior. Psychological Inquiry, 11(4), 227-268. https://doi.org/10.1207/S15327965PLI1104_01
  • Bohnet, I. (2016). What Works: Gender Equality by Design. Harvard University Press. ISBN: 978-0674089037.
  • Mercer (2020). Growth & Impact Framework – Performance Management Studie. Mercer LLC. https://www.mercer.com
  • Hossiep, R. & Bittner, J. E. (2006). Reden wir drüber… – Der stille Erfolg des Mitarbeitergesprächs in deutschen Unternehmen. Wirtschaftspsychologie aktuell, 2–3/2006, 41-44.
  • Hossiep, R., Zens, J. E. & Berndt, W. (2020). Mitarbeitergespräche: Motivierend, wirksam, nachhaltig (2. Aufl.). Göttingen: Hogrefe. ISBN: 978-3801730147.
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Mitarbeitergespräch Leitfaden: So führst du erfolgreiche Gespräche

Führst du regelmäßig Mitarbeitergespräche und fragst dich, ob sie wirklich etwas bringen? Oder stehst du kurz vor deinem ersten Jahresgespräch als Führungskraft und bist unsicher, wie du es strukturieren sollst? Du bist nicht allein. Obwohl 97% der Top-Unternehmen im deutschsprachigen Raum regelmäßig Mitarbeitergespräche führen, berichten nur 22% der Arbeitnehmer:innen, dass diese Gespräche ihre Leistung tatsächlich verbessern (Gallup Engagement Index, 2015-2023).

Das Problem liegt oft nicht am Instrument selbst, sondern an der Durchführung. Viele Gespräche verlaufen unstrukturiert, fokussieren zu sehr auf Kritik statt auf Entwicklung oder werden als "Pflichtübung" wahrgenommen. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Vorbereitung, einem klaren Leitfaden und konstruktiver Gesprächsführung werden Mitarbeitergespräche zu einem mächtigen Instrument für Motivation, Entwicklung und Bindung.

In diesem Artikel erfährst du:

  • Was ein Mitarbeitergespräch ist und welche Arten es gibt
  • Wie du dich optimal auf das Gespräch vorbereitest (Checkliste)
  • Einen praxiserprobten 6-Phasen-Leitfaden für die Durchführung
  • Die wichtigsten Fragen für jede Gesprächsphase
  • Wie du konstruktives Feedback gibst (ohne zu verletzen)
  • Umgang mit schwierigen Situationen (Widerstand, Emotionen, Kritik)
  • Warum objektive Daten als Gesprächsgrundlage helfen
  • Moderne Trends: Von Jahresgesprächen zu kontinuierlichem Feedback

Dieser Leitfaden basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Studien (Gallup, Ruhr-Universität Bochum, Feedback-Forschung) und Praxiserfahrungen aus über 100.000 durchgeführten Assessments.

Was ist ein Mitarbeitergespräch? Definition & Bedeutung

Ein Mitarbeitergespräch (MAG) ist ein geplantes Vier-Augen-Gespräch zwischen Führungskraft und Mitarbeiter:in, das über die Alltagskommunikation hinausgeht und spezifische Inhalte adressiert – typischerweise Leistungsbeurteilung, Zielvereinbarungen, Entwicklung und Feedback. Das klassische Beispiel ist das jährliche Jahresgespräch im Dezember, bei dem Ziele für das neue Jahr vereinbart werden.

Mitarbeitergespräche sind eines der etabliertesten Führungsinstrumente in der Wirtschaft. Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum (2018) zeigt: 97% der Top-820 Unternehmen im deutschsprachigen Raum führen regelmäßig Mitarbeitergespräche durch – 72% jährlich, 18% halbjährlich. Die hohe Verbreitung spricht für die grundsätzliche Bedeutung des Instruments.

Doch warum sind Mitarbeitergespräche so wichtig? Sie erfüllen mehrere zentrale Funktionen:

  1. Transparenz schaffen: Mitarbeiter:innen erfahren, welche Erwartungen das Unternehmen an sie stellt und wo sie stehen.
  2. Feedback geben: Konstruktive Rückmeldung ist einer der stärksten Hebel für Leistungssteigerung (Hattie & Timperley, 2007: Effect Size d=0.79).
  3. Entwicklung fördern: Gespräche identifizieren Potenziale und leiten konkrete Entwicklungsmaßnahmen ab.
  4. Motivation steigern: Studien zeigen: Mitarbeiter:innen mit halbjährlichen Gesprächen zeigen 31% emotionale Bindung – fast doppelt so viel wie der Durchschnitt von 16% (Gallup).
  5. Konflikte frühzeitig erkennen: Regelmäßiger Austausch verhindert, dass Probleme eskalieren.

Unterschied: Mitarbeitergespräch vs. Personalgespräch

Die Begriffe werden oft synonym verwendet, es gibt jedoch eine Nuance:

  • Mitarbeitergespräch: Fokus auf Entwicklung, Ziele, Feedback – zukunftsorientiert, regelmäßig (z.B. Jahresgespräch).
  • Personalgespräch: Fokus auf individuelle Probleme des Einzelnen (z.B. Fehlzeiten, Konflikte) – anlassbezogen, lösungsorientiert.

In der Praxis verschwimmen die Grenzen. Wichtig ist: Beide Gesprächsformen dienen der Zusammenarbeit und Entwicklung, nicht der Kontrolle.

Warum sind Mitarbeitergespräche wichtig? Studien zeigen: 97% nutzen sie

Die wissenschaftliche Evidenz ist eindeutig: Regelmäßige, gut geführte Mitarbeitergespräche steigern nachweislich Zufriedenheit, Produktivität und Bindung.

Key Findings aus der Forschung:

  • 97% Verbreitung: Fast alle Top-Unternehmen nutzen Mitarbeitergespräche als Standardinstrument (Ruhr-Universität Bochum, 2018).
  • 31% höhere Bindung: Mitarbeiter:innen mit halbjährlichen Gesprächen zeigen signifikant höhere emotionale Bindung (Gallup).
  • Feedback wirkt: Konstruktives Feedback hat einen der stärksten Effekte auf Leistung (Effect Size: d=0.79 – Hattie & Timperley, 2007).

Aber: Die Qualität entscheidet. Nur 22% der Arbeitnehmer:innen berichten, dass Gespräche ihre Leistung tatsächlich verbessern. 60% erleben sie als "Pflichtübung" (Gallup). Das zeigt: Ein Mitarbeitergespräch allein reicht nicht – es muss gut vorbereitet, strukturiert und entwicklungsorientiert sein.

Arten von Mitarbeitergesprächen im Überblick

Nicht jedes Mitarbeitergespräch verfolgt dasselbe Ziel. Je nach Anlass und Fokus unterscheidet man verschiedene Gesprächstypen:

Jahresgespräch / Jahresmitarbeitergespräch

Anlass: Regelmäßig, meist Ende des Jahres
Dauer: 60-90 Minuten
Inhalte: Rückblick auf vergangenes Jahr, Leistungsbeurteilung, Zielerreichung, neue Ziele für kommendes Jahr, Entwicklungswünsche
Ziel: Standortbestimmung, Orientierung geben, Vereinbarungen treffen

Das Jahresgespräch ist der Klassiker unter den Mitarbeitergesprächen. Hier wird Bilanz gezogen: Was lief gut? Wo gibt es Entwicklungsbedarf? Welche Ziele setzen wir für das nächste Jahr? Das Gespräch sollte ausgewogen sein – nicht nur Kritik, sondern auch Erfolge würdigen.

Feedbackgespräch & regelmäßige Check-ins

Anlass: Quartalsweise oder nach Projektabschluss
Dauer: 20-30 Minuten
Inhalte: Wertschätzende Rückmeldung zu Leistung und Verhalten, kurze Reflexion
Ziel: Kontinuierliches Feedback, schnelle Kurskorrekturen

Moderne Unternehmen setzen zunehmend auf kurze, regelmäßige Check-ins statt nur ein Jahresgespräch. Diese Feedbackgespräche ermöglichen zeitnahe Rückmeldungen und verhindern, dass Probleme ein ganzes Jahr unausgesprochen bleiben. Studien zeigen: Agile Check-ins (quartalsweise) sind oft effektiver als jährliche Gespräche (Mercer, 2020).

Zielvereinbarungsgespräch

Anlass: Zu Beginn eines neuen Geschäftsjahres oder Projekts
Dauer: 30-45 Minuten
Inhalte: SMART-Ziele definieren, Prioritäten setzen, Ressourcen klären
Ziel: Klarheit über Erwartungen schaffen, Mitarbeiter:in einbinden

Hier geht es ausschließlich um die Definition konkreter, messbarer Ziele. Wichtig: Ziele sollten gemeinsam erarbeitet werden, nicht von oben diktiert. Die Self-Determination Theory (Deci & Ryan, 2000) zeigt: Autonomie bei der Zielsetzung steigert intrinsische Motivation.

Entwicklungsgespräch / Fördergespräch

Anlass: Bei Karriereambitionen, Weiterbildungswünschen oder Potenzialidentifikation
Dauer: 45-60 Minuten
Inhalte: Stärken analysieren, Entwicklungsfelder identifizieren, Weiterbildung planen, Karriereperspektiven
Ziel: Individuelle Entwicklung fördern, Talente binden

Entwicklungsgespräche fokussieren auf Potenziale statt auf Schwächen. Sie sind besonders wichtig für High Potentials und Mitarbeiter:innen, die sich weiterentwickeln möchten. Stärkenbasierte Führung – also die Förderung individueller Stärken statt Schwächenbekämpfung – zeigt nachweislich höhere Performance (Mercer, 2020).

Kritikgespräch / Konfliktgespräch

Anlass: Bei Leistungsproblemen, Fehlverhalten oder Konflikten
Dauer: 30-60 Minuten
Inhalte: Konkrete Vorfälle ansprechen, Auswirkungen klären, gemeinsam Lösungen erarbeiten
Ziel: Deeskalation, Verhaltensänderung, Klarheit schaffen

Dies ist der schwierigste Gesprächstyp. Kritikgespräche erfordern besondere Vorbereitung, Empathie und klare Kommunikation. Wichtig: Fokus auf Verhalten, nicht auf Person. Sachlich bleiben, konkrete Beispiele nennen, lösungsorientiert arbeiten.

Probezeitgespräch & Onboarding-Gespräch

Anlass: Während oder am Ende der Probezeit
Dauer: 30-45 Minuten
Inhalte: Erwartungsabgleich, Einarbeitung reflektieren, Feedback beidseitig
Ziel: Integration sicherstellen, frühzeitig Probleme erkennen

Probezeitgespräche sind entscheidend für erfolgreiche Onboarding-Prozesse. Sie geben neuen Mitarbeiter:innen Sicherheit, zeigen Wertschätzung und ermöglichen es, Missverständnisse frühzeitig zu klären.

Übersicht: Gesprächstypen im Vergleich

Gesprächstyp Häufigkeit Dauer Hauptziel
Jahresgespräch Jährlich 60–90 Min. Bilanz, Ziele, Entwicklung
Feedbackgespräch Quartalsweise 20–30 Min. Kontinuierliches Feedback
Zielvereinbarung Jährlich/projektbezogen 30–45 Min. SMART-Ziele definieren
Entwicklungsgespräch Bei Bedarf 45–60 Min. Potenziale fördern
Kritikgespräch Anlassbezogen 30–60 Min. Probleme lösen
Probezeitgespräch 1–2× während Probezeit 30–45 Min. Integration sicherstellen

Mitarbeitergespräch vorbereiten: Checkliste für Führungskräfte

Die Vorbereitung entscheidet maßgeblich über den Erfolg des Gesprächs. Eine Faustformel besagt: Die Vorbereitungszeit sollte etwa so lang sein wie das Gespräch selbst. Bei einem 90-Minuten-Jahresgespräch also mindestens 90 Minuten Vorbereitung.

7-10 Tage vorher: Termin ankündigen & Themen kommunizieren

Was tun:

  • Termin persönlich (nicht per Mail) ankündigen
  • Ungestörten Raum buchen (kein Durchgangszimmer!)
  • Zeitrahmen klar kommunizieren (z.B. "Wir nehmen uns 90 Minuten Zeit")
  • Themen vorab nennen: "Wir sprechen über Rückblick, Ziele, Entwicklung"
  • Mitarbeiter:in bitten, sich ebenfalls vorzubereiten

Warum wichtig: Frühzeitige Ankündigung gibt Sicherheit. Wenn Mitarbeiter:innen wissen, was sie erwartet, sinkt die Nervosität. Zudem können sie sich inhaltlich vorbereiten, was die Gesprächsqualität deutlich erhöht.

Tipp: Sende eine kurze Gesprächsagenda per Mail mit Leitfragen zur Vorbereitung:

  • "Was waren deine größten Erfolge im letzten Jahr?"
  • "Wo siehst du Entwicklungsbedarf?"
  • "Welche Ziele möchtest du im nächsten Jahr erreichen?"

3-5 Tage vorher: Informationen sammeln & Leitfaden vorbereiten

Was tun:

  • Leistungsdaten sammeln: Projekterfolge, Zielerreichung, KPIs
  • Feedback von Kolleg:innen oder Kund:innen einholen (360-Grad-Perspektive)
  • Letztes Gesprächsprotokoll lesen: Wurden Vereinbarungen umgesetzt?
  • Leitfaden mit Struktur erstellen (siehe Abschnitt "6-Phasen-Leitfaden")
  • Konkrete Beispiele notieren (für Lob UND Kritik)
  • Eigene Ziele für das Gespräch definieren: Was soll erreicht werden?

Warum wichtig: Ohne konkrete Fakten wird das Gespräch vage und unverbindlich. "Sie müssen sich mehr anstrengen" ist kein konstruktives Feedback. "In den letzten 3 Projekten wurden Deadlines nicht eingehalten" schon.

Anti-Bias-Tipp: Achte darauf, dass du objektive Daten nutzt. Studien zeigen: 92% des Inputs für Leistungsbeurteilungen kommt von der Führungskraft (Ruhr-Universität Bochum, 2018) – das birgt Gefahr für Unconscious Bias. Iris Bohnet (2016) belegt: Frauen erhalten vageres Feedback als Männer. Strukturierte Bewertungskriterien und objektive Daten (z.B. aus Assessments) reduzieren Bias um 30-40%.

1 Tag vorher: Raum buchen & Unterlagen bereitstellen

Was tun:

  • Raum final checken: Ruhig? Sauber? Keine Störungen?
  • "Bitte nicht stören"-Schild anbringen
  • Handy auf lautlos stellen (gilt für beide!)
  • Unterlagen bereitlegen: Leitfaden, Notizblock, vorherige Protokolle
  • Mental vorbereiten: Welche Reaktionen sind möglich? Wie reagiere ich?

Warum wichtig: Unterbrechungen zerstören die Gesprächsatmosphäre. Wenn mitten im Gespräch das Telefon klingelt oder jemand hereinplatzt, signalisiert das: "Dieses Gespräch ist mir nicht so wichtig."

Was Mitarbeiter:innen zur Vorbereitung tun sollten

Gute Mitarbeitergespräche sind Dialoge, keine Monologe. Deshalb sollten auch Mitarbeiter:innen vorbereitet sein.

Empfohlene Vorbereitung für Mitarbeiter:innen:

  • Rückblick: Erfolge, Herausforderungen, Highlights des Jahres notieren
  • Selbsteinschätzung: Wo stehe ich bei der Zielerreichung?
  • Entwicklungswünsche: Welche Weiterbildung brauche ich? Wo will ich hin?
  • Feedback vorbereiten: Was wünsche ich mir von meiner Führungskraft?
  • Fragen notieren: Was ist mir unklar? Was möchte ich ansprechen?

Tipp für Führungskräfte: Sende den Mitarbeiter:innen diese Leitfragen vorab. Das erhöht die Qualität des Gesprächs enorm.

Mitarbeitergespräch Leitfaden: Struktur & Ablauf in 6 Phasen

Ein strukturiertes Gespräch gibt Sicherheit – für beide Seiten. Der folgende 6-Phasen-Leitfaden ist praxiserprobt und flexibel anpassbar.

Gesamtdauer: 60-90 Minuten (für Jahresgespräch)
Gesprächsanteile: 70% Mitarbeiter:in, 30% Führungskraft (Zuhören ist wichtiger als Reden!)

Phase 1: Einstieg & Atmosphäre schaffen (5-10 Min.)

Ziel: Vertrauensvolle Atmosphäre aufbauen, Nervosität abbauen

Was tun:

  • Freundliche Begrüßung, Small Talk (Wie geht's?)
  • Zweck des Gesprächs kurz erläutern: "Wir wollen gemeinsam Bilanz ziehen, Ziele besprechen und schauen, wie ich dich besser unterstützen kann."
  • Gesprächsstruktur vorstellen: "Wir gehen in 6 Phasen vor: Rückblick, Feedback, Entwicklung, Ziele, Vereinbarungen."
  • Gesprächsregeln klären (optional): "Lass uns offen sprechen. Alles bleibt vertraulich."
  • Offene, positive Frage stellen: "Was hat dir in diesem Jahr besonders gut gefallen?"

Warum wichtig: Der erste Eindruck zählt. Eine positive Eröffnungsfrage ("Was hat gut geklappt?") schafft eine offene Atmosphäre. Niemand sollte das Gespräch mit Angst beginnen.

Typische Fehler vermeiden:

  • ❌ Direkt mit Kritik einsteigen
  • ❌ Hektisch wirken ("Ich habe nur 30 Minuten")
  • ❌ Handy auf dem Tisch liegen lassen

Phase 2: Rückblick auf vergangene Periode (15-20 Min.)

Ziel: Gemeinsam reflektieren, Erfolge würdigen, Herausforderungen benennen

Was tun:

  • Mitarbeiter:in zuerst sprechen lassen: "Wie würdest du das letzte Jahr zusammenfassen?"
  • Aktiv zuhören, Notizen machen
  • Nachfragen: "Erzähl mir mehr über Projekt X"
  • Erfolge explizit würdigen: "Die Präsentation bei Kunde Y war wirklich beeindruckend."
  • Herausforderungen benennen lassen: "Was war schwierig für dich?"
  • Eigene Perspektive ergänzen: "Aus meiner Sicht war besonders..."

Fragen für den Rückblick:

  • "Auf welche Erfolge bist du besonders stolz?"
  • "Welches Projekt hat dich am meisten gefordert?"
  • "Gab es Situationen, in denen du Unterstützung gebraucht hättest?"
  • "Was hättest du im Nachhinein anders gemacht?"

Wissenschaftlicher Hintergrund: Reflexion ist ein starker Lernmechanismus. Wer das eigene Handeln bewusst reflektiert, lernt daraus (Kolb's Experiential Learning Cycle).

Phase 3: Leistungsbeurteilung & Feedback (15-20 Min.)

Ziel: Klare, konstruktive Rückmeldung zu Leistung und Verhalten

Was tun:

  • Mit positivem Feedback beginnen (was lief gut?)
  • Dann Entwicklungsfelder ansprechen (was kann verbessert werden?)
  • Feedback-Formel anwenden: (1) Konkrete Situation, (2) Auswirkung, (3) Erwartung, (4) Gemeinsame Lösung
  • Beispiele nennen (konkret statt vage!)
  • Selbsteinschätzung der Mitarbeiter:in erfragen: "Wie siehst du das?"
  • Bei Differenzen: Dialog führen, nicht überzeugen wollen

Die Feedback-Formel (nach Hattie & Timperley, 2007):

Konkret: "In den letzten 3 Projekten wurden Deadlines nicht eingehalten."
Auswirkung: "Das führt zu Verzögerungen im Team."
Erwartung: "Ich erwarte pünktliche Abgaben."
Lösung: "Wo brauchst du Unterstützung?"

Vage: "Sie müssen sich mehr anstrengen."
Personenbezug: "Sie sind unzuverlässig."

Wichtig: Feedback ist zukunftsorientiert, nicht Aufwärmen alter Fehler. Fokus auf Aufgabe/Prozess, nicht auf Person (Hattie & Timperley, 2007).

Phase 4: Entwicklung & Weiterbildung besprechen (10-15 Min.)

Ziel: Potenziale identifizieren, Entwicklungsmaßnahmen planen

Was tun:

  • Stärken herausarbeiten: "Wo liegen deine besonderen Talente?"
  • Entwicklungswünsche erfragen: "Wo möchtest du dich weiterentwickeln?"
  • Karriereperspektiven besprechen: "Wo siehst du dich in 2-3 Jahren?"
  • Konkrete Maßnahmen definieren: Weiterbildung, Mentoring, Job Rotation, etc.
  • Ressourcen klären: Budget, Zeit, interne/externe Angebote

Stärkenbasierte Führung in der Praxis:

Statt: "Du musst besser in Excel werden."
→ "Deine analytischen Fähigkeiten sind stark – wie können wir die weiter ausbauen? Vielleicht mit einem Power BI-Kurs?"

Warum wichtig: Die Self-Determination Theory (Deci & Ryan, 2000) zeigt: Menschen sind intrinsisch motiviert, wenn sie Kompetenz (Wachstum erleben) und Autonomie (mitentscheiden) haben. Entwicklungsgespräche erfüllen beide Bedürfnisse.

Objektive Daten nutzen: Hier können objektive Eignungsdiagnostik-Tools hilfreich sein. Ein wissenschaftlich validiertes Stärkenprofil zeigt objektiv, wo Potenziale liegen – du musst nicht nur auf dein Bauchgefühl vertrauen. Unternehmen wie OMR nutzen Assessment-Scores, um Stärken sichtbar zu machen und stärkenbasierte Gespräche zu führen. Kaya Kruse, People Lead bei OMR, betont: "Aivy wirkt. Wir reduzieren Bias, gewinnen mehr Objektivität im Hiring und stärken langfristig die Diversität." Diese Objektivität hilft auch in Entwicklungsgesprächen.

Phase 5: Zielvereinbarungen für nächste Periode (10-15 Min.)

Ziel: SMART-Ziele gemeinsam definieren, Prioritäten setzen

Was tun:

  • Unternehmensziele vorstellen (Top-down)
  • Mitarbeiter:in einbinden: "Welche Ziele möchtest du erreichen?" (Bottom-up)
  • Gemeinsam 3-5 SMART-Ziele formulieren
  • Prioritäten festlegen: "Was ist am wichtigsten?"
  • Ressourcen klären: "Was brauchst du, um diese Ziele zu erreichen?"
  • Meilensteine definieren: "Wann checken wir den Fortschritt?"

SMART-Ziele:

  • Spezifisch: Klar formuliert
  • Messbar: Erfolg ist quantifizierbar
  • Attraktiv: Mitarbeiter:in will es erreichen
  • Realistisch: Erreichbar mit vorhandenen Ressourcen
  • Terminiert: Klare Deadline

Beispiel:
❌ "Verbessere deine Präsentationsfähigkeiten."
✅ "Halte bis Q3 drei Kundenpräsentationen mit Feedback >4/5 Punkten."

Wichtig: Ziele sollten gemeinsam erarbeitet werden. Autonomie steigert Motivation (Deci & Ryan, 2000).

Phase 6: Zusammenfassung & Vereinbarungen treffen (5-10 Min.)

Ziel: Verbindlichkeit schaffen, nächste Schritte klären

Was tun:

  • Kernpunkte zusammenfassen: "Was haben wir besprochen?"
  • Vereinbarungen festhalten: "Was sind die nächsten Schritte?"
  • Verantwortlichkeiten klären: "Wer macht was bis wann?"
  • Nächsten Termin vereinbaren (z.B. Halbjahres-Check-in)
  • Positiv abschließen: "Danke für das offene Gespräch. Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit."
  • Protokoll ankündigen: "Ich schicke dir die Zusammenfassung bis nächste Woche."

Warum wichtig: Ohne schriftliches Protokoll versanden Vereinbarungen. Beide Seiten sollten das Protokoll erhalten und gegenlesen können.

Die wichtigsten Fragen im Mitarbeitergespräch (mit Beispielen)

Gute Fragen sind das Herzstück erfolgreicher Gespräche. Offene Fragen (die nicht mit Ja/Nein beantwortbar sind) fördern den Dialog und geben Mitarbeiter:innen Raum, ihre Perspektive zu teilen.

Fragen für den Rückblick & Reflexion

  • "Wie würdest du das letzte Jahr in drei Worten beschreiben?"
  • "Auf welche Leistungen bist du besonders stolz?"
  • "Welches Projekt hat dich am meisten gefordert – und was hast du daraus gelernt?"
  • "Gab es Situationen, in denen du mehr Unterstützung gebraucht hättest?"
  • "Was hätte ich als Führungskraft besser machen können?"

Fragen zur Leistungsbeurteilung

  • "Wie schätzt du deine eigene Leistung im letzten Jahr ein?"
  • "Wo siehst du deine größten Stärken?"
  • "In welchen Bereichen siehst du bei dir Entwicklungsbedarf?"
  • "Wie zufrieden bist du mit deiner Zielerreichung (Skala 1-10)?"
  • "Was war dein größter Erfolg? Deine größte Herausforderung?"

Wichtig: Lass die Mitarbeiter:in zuerst ihre Selbsteinschätzung geben, bevor du deine Perspektive teilst. Das schafft Dialog statt Defensivhaltung.

Fragen zur Entwicklung & Weiterbildung

  • "Wo möchtest du dich in den nächsten 12 Monaten weiterentwickeln?"
  • "Welche Fähigkeiten möchtest du ausbauen?"
  • "Welche Weiterbildung würde dich am meisten voranbringen?"
  • "Wo siehst du dich in 2-3 Jahren – innerhalb oder außerhalb des Teams?"
  • "Gibt es Aufgaben, die du gerne übernehmen würdest?"
  • "Was braucht es, damit du hier deine beste Leistung abrufen kannst?"

Fragen zu Zielen & Erwartungen

  • "Welche Ziele möchtest du im nächsten Jahr erreichen?"
  • "Wenn du dir drei Ziele aussuchen könntest – welche wären das?"
  • "Was ist dir bei deiner Arbeit am wichtigsten?"
  • "Welche Unterstützung brauchst du von mir, um deine Ziele zu erreichen?"
  • "Wie können wir sicherstellen, dass du auf dem richtigen Weg bleibst?"

Warum offene Fragen so wichtig sind

Offene Fragen beginnen mit W-Wörtern (Wie, Was, Warum, Welche) und können nicht mit Ja/Nein beantwortet werden. Sie:

  • Fördern Reflexion
  • Geben Raum für Perspektiven
  • Zeigen echtes Interesse
  • Vermeiden Defensivhaltung

Vermeide geschlossene Fragen:❌ "Bist du zufrieden?" → "Ja." (Ende des Gesprächs)
✅ "Was gefällt dir an deiner Arbeit? Was würdest du gerne ändern?"

Vermeide Suggestivfragen:❌ "Du siehst doch auch, dass das Projekt schlecht gelaufen ist, oder?"
✅ "Wie schätzt du den Projektverlauf ein?"

Konstruktives Feedback geben: So gelingt es

Feedback ist einer der stärksten Hebel für Leistungssteigerung – wenn es richtig gemacht wird. Studien zeigen: Feedback hat eine Effect Size von d=0.79 (Hattie & Timperley, 2007) – das ist enorm. Aber: Falsches Feedback kann demotivieren oder verletzen.

Die Feedback-Formel: Konkret, zeitnah, zukunftsorientiert

Die drei Prinzipien nach Hattie & Timperley (2007):

  1. Konkret: Beziehe dich auf spezifische Situationen, nicht auf allgemeine Eigenschaften.
  2. Zeitnah: Gib Feedback möglichst schnell nach dem Ereignis.
  3. Zukunftsorientiert: Fokussiere auf Verbesserung, nicht auf Schuldzuweisung.

Die Feedback-Formel:

  1. Situation beschreiben: "In der Präsentation letzte Woche..."
  2. Auswirkung benennen: "...war nicht klar, was die Hauptaussage ist."
  3. Erwartung formulieren: "Für die nächste Präsentation erwarte ich..."
  4. Gemeinsam Lösung finden: "Wie können wir das verbessern?"

Beispiel (positiv):"Deine Präsentation beim Kunden war sehr überzeugend. Besonders die visuelle Aufbereitung der Daten hat geholfen, komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen. Das hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der Kunde zugesagt hat. Mach weiter so!"

Beispiel (kritisch):"In den letzten drei Projekten wurden Deadlines nicht eingehalten. Das führt dazu, dass das Team in Verzug gerät und andere Kolleg:innen Überstunden machen müssen. Ich erwarte, dass Abgabetermine eingehalten werden. Lass uns gemeinsam schauen: Wo liegt das Problem? Wie können wir das lösen?"

Positives Feedback: Mehr als nur "Gut gemacht!"

Viele Führungskräfte loben zu allgemein: "Gut gemacht!" oder "Weiter so!" Das ist nett, aber wenig wirksam.

Wirksames positives Feedback ist:

  • Spezifisch: "Deine Analyse in der Präsentation war hervorragend – besonders die Visualisierung der Daten."
  • Verknüpft mit Auswirkung: "Das hat dem Kunden geholfen, die Entscheidung schnell zu treffen."
  • Aufrichtig: Nur loben, was wirklich gut war.

Typischer Fehler: Sandwich-Feedback (Lob – Kritik – Lob). Das wirkt konstruiert. Besser: Lob und Kritik getrennt ansprechen.

Kritisches Feedback: Ohne zu verletzen

Kritik ist schwierig – für beide Seiten. Aber: Konstruktive Kritik ist Wertschätzung. Sie zeigt: "Ich glaube an deine Entwicklung."

Do's:

  • ✅ Fokus auf Verhalten, nicht auf Person: "Das Projekt wurde nicht termingerecht abgeschlossen" statt "Du bist unzuverlässig."
  • ✅ Konkrete Beispiele nennen: "In Projekt X, Y, Z..."
  • ✅ Auswirkungen erklären: "Das führt zu..."
  • ✅ Lösung gemeinsam erarbeiten: "Wie können wir das ändern?"
  • ✅ Growth Mindset vermitteln: "Du kannst das lernen" statt "Das liegt dir nicht."

Don'ts:

  • ❌ Verallgemeinerungen: "Du machst immer...", "Du bist nie..."
  • ❌ Persönliche Angriffe: "Du bist faul/inkompetent/..."
  • ❌ Vergleiche mit anderen: "Kolleg:in X schafft das problemlos."
  • ❌ Alte Fehler aufwärmen: "Und letztes Jahr hast du auch schon..."
  • ❌ Emotionale Überwältigung: Zu viel Kritik auf einmal

Beispiel:❌ "Du bist einfach zu langsam. Das nervt mich."
✅ "Die Bearbeitungszeit für Anfragen liegt aktuell bei 5 Tagen. Unser Ziel sind 2 Tage. Was können wir tun, damit du schneller arbeiten kannst?"

Typische Fehler beim Feedback vermeiden

  1. Nur Kritik, kein Lob: Demotivierend. Balance ist wichtig.
  2. Vages Feedback: "Sie müssen sich mehr anstrengen" hilft nicht.
  3. Zu spätes Feedback: Warte nicht ein Jahr, bis du Probleme ansprichst.
  4. Personenbezug statt Verhaltenskonkretisierung: "Du bist..." statt "Das Verhalten..."
  5. Keine Handlungsempfehlung: Kritik ohne Lösungsansatz frustriert.

Schwierige Situationen im Mitarbeitergespräch meistern

Nicht jedes Gespräch verläuft reibungslos. Emotionen, Widerstand oder Konflikte gehören dazu – besonders bei Kritikgesprächen. Die Kunst ist, ruhig zu bleiben und konstruktiv zu reagieren.

Umgang mit Widerstand & Abwehrhaltung

Typische Anzeichen:

  • Verschränkte Arme, abweisende Körpersprache
  • "Ja, aber..."-Reaktionen
  • Rechtfertigungen, Schuldzuweisungen an andere
  • Schweigen oder Einsilbigkeit

Was tun:

  1. Ruhig bleiben: Nicht provozieren lassen, nicht rechtfertigen.
  2. Aktiv zuhören: "Ich höre, dass du das anders siehst. Erzähl mir mehr."
  3. Perspektive anerkennen: "Ich verstehe, dass du das frustrierend findest."
  4. Fokus auf Fakten lenken: "Lass uns die Situation gemeinsam anschauen."
  5. Gemeinsam Lösung suchen: "Was wäre aus deiner Sicht die beste Lösung?"

Beispiel:Mitarbeiter:in: "Ich hatte einfach keine Zeit für das Projekt!"
Führungskraft (schlecht): "Das ist keine Entschuldigung. Andere schaffen das auch."
Führungskraft (gut): "Ich höre, dass du unter Zeitdruck standest. Lass uns gemeinsam schauen: Was hat die meiste Zeit gekostet? Wie können wir deine Arbeitsbelastung besser planen?"

Was tun, wenn Mitarbeiter:innen emotional reagieren?

Bei Tränen:

  • Pause anbieten: "Lass uns kurz unterbrechen. Möchtest du ein Glas Wasser?"
  • Verständnis zeigen: "Ich sehe, das Thema ist emotional für dich."
  • Zeit geben, sich zu sammeln
  • Dann ruhig fortsetzen: "Möchtest du darüber sprechen, was dich bewegt?"

Bei Wut:

  • Nicht eskalieren: Ruhig bleiben, Stimme senken (wirkt deeskalierend)
  • Gefühle anerkennen: "Ich verstehe, dass dich das frustriert."
  • Aktiv zuhören, dann Fokus auf Sachebene lenken
  • Bei massiver Eskalation: Gespräch vertagen ("Lass uns morgen nochmal sprechen, wenn sich die Gemüter beruhigt haben.")

Wichtig: Emotionen sind normal und legitim. Sie zeigen, dass das Thema wichtig ist. Unterdrücke sie nicht, aber lass dich auch nicht davon überwältigen.

Kritikgespräch führen: Leitfaden für schwierige Themen

Kritikgespräche erfordern doppelte Vorbereitung. Hier ein Schritt-für-Schritt-Leitfaden:

Vorbereitung:

  1. Konkrete Beispiele sammeln (Daten, Vorfälle, Zahlen)
  2. Mögliche Reaktionen antizipieren und Antworten überlegen
  3. Lösungsoptionen vorab durchdenken
  4. Leitfaden mit klarer Struktur erstellen
  5. Emotional vorbereiten: Ruhe bewahren, sachlich bleiben

Durchführung:

  1. Einstieg: Sachlich, klar, ohne Umschweife: "Ich möchte mit dir über [Problem] sprechen."
  2. Problem benennen: Konkret, mit Beispielen: "In den letzten drei Projekten..."
  3. Auswirkung erklären: "Das führt dazu, dass..."
  4. Perspektive der Mitarbeiter:in hören: "Wie siehst du das?"
  5. Gemeinsam Lösung erarbeiten: "Was können wir tun?"
  6. Klare Erwartungen formulieren: "Ich erwarte, dass..."
  7. Vereinbarungen treffen: "Bis wann setzt du das um?"
  8. Follow-up planen: "Wir treffen uns in 4 Wochen wieder."

Beispiel:"Ich möchte mit dir über die Terminverzögerungen sprechen. In den letzten drei Projekten wurden Deadlines nicht eingehalten – bei Projekt X waren es 5 Tage, bei Projekt Y 3 Tage. Das führt dazu, dass das gesamte Team in Verzug gerät. Wie siehst du die Situation? [Pause, zuhören] Ich verstehe, dass du viele Aufgaben parallel hast. Lass uns gemeinsam schauen, wie wir das lösen können. Was brauchst du, um Termine einzuhalten? [Gemeinsam Lösungen erarbeiten] Ich erwarte, dass ab sofort Deadlines eingehalten werden oder mindestens 3 Tage vorher Bescheid gegeben wird, wenn es Verzögerungen gibt. Einverstanden? [Vereinbarung treffen]"

Wenn die Leistung nicht stimmt: Konkrete Handlungsschritte

Bei dauerhafter Unterperformance ist ein klarer Plan notwendig:

Schritt 1: Ist-Zustand dokumentieren

  • Konkrete Beispiele sammeln (was lief wann schief?)
  • Erwartungen vs. Realität gegenüberstellen

Schritt 2: Ursachen identifizieren

  • Fehlen Ressourcen? (Zeit, Tools, Know-how)
  • Fehlt Klarheit über Erwartungen?
  • Gibt es persönliche Probleme? (Krankheit, Familie)
  • Fehlende Kompetenz oder fehlende Motivation?

Schritt 3: Maßnahmen definieren

  • Training/Coaching anbieten
  • Ziele anpassen (realistischer machen)
  • Ressourcen bereitstellen
  • Klare Deadlines setzen

Schritt 4: Konsequenzen kommunizieren

  • "Wenn sich bis [Datum] nichts verbessert, müssen wir über [Konsequenzen] sprechen."
  • Konsequenzen können sein: Keine Gehaltserhöhung, keine Beförderung, im Extremfall: Versetzung oder Kündigung

Schritt 5: Follow-up

  • Regelmäßige Check-ins (z.B. alle 2 Wochen)
  • Fortschritte dokumentieren
  • Bei Verbesserung: Anerkennen!

Wichtig: Sei fair, aber klar. Dauerhaft schlechte Leistung schadet dem Team und dem Unternehmen. Gleichzeitig: Gib Menschen echte Chancen zur Verbesserung.

Mitarbeitergespräch dokumentieren & nachbereiten

Ein Gespräch ohne Protokoll ist wie ein Vertrag ohne Unterschrift: unverbindlich. Die Dokumentation schafft Klarheit, Verbindlichkeit und dient als Grundlage für das nächste Gespräch.

Was gehört ins Gesprächsprotokoll?

Ein gutes Protokoll ist kompakt, klar und handlungsorientiert. Es sollte folgende Elemente enthalten:

1. Eckdaten:

  • Datum, Teilnehmer:innen, Dauer
  • Thema/Anlass (Jahresgespräch, Feedbackgespräch, etc.)

2. Rückblick/Zusammenfassung:

  • Wichtigste Erfolge des vergangenen Jahres
  • Herausforderungen, die besprochen wurden
  • Zielerreichung (z.B. 4 von 5 Zielen erreicht)

3. Feedback:

  • Stärken der Mitarbeiter:in
  • Entwicklungsfelder
  • Vereinbarte Verbesserungsmaßnahmen

4. Zielvereinbarungen:

  • 3-5 SMART-Ziele für nächste Periode
  • Prioritäten, Meilensteine
  • Ressourcen, die bereitgestellt werden

5. Entwicklung/Weiterbildung:

  • Geplante Weiterbildungsmaßnahmen (Seminare, Coaching, etc.)
  • Verantwortlichkeiten: Wer organisiert was bis wann?

6. Nächste Schritte:

  • Was macht wer bis wann?
  • Termin für nächstes Gespräch

7. Unterschriften:

  • Beide Gesprächspartner:innen sollten das Protokoll gegenlesen und unterschreiben (oder digital bestätigen)

Beispiel-Protokoll (Kurzform):

Mitarbeitergespräch: Max Mustermann & Anna Schmidt
Datum: 15.01.2026 | Dauer: 90 Min.

RÜCKBLICK:
- Erfolge: Projekt X erfolgreich abgeschlossen, Kundenzufriedenheit 9/10
- Herausforderungen: Zeitmanagement bei parallelen Projekten

FEEDBACK:
- Stärken: Analytisches Denken, Kundenorientierung
- Entwicklungsfelder: Priorisierung, Delegation

ZIELE 2026:
1. 3 Kundenprojekte bis Q3 abschließen (Zufriedenheit >8/10)
2. Weiterbildung: Power BI-Kurs bis Q2
3. Team-Mentoring: 1 Junior-Kolleg:in einarbeiten

WEITERBILDUNG:
- Power BI-Kurs (extern, Termin: März 2026)
- Zeitmanagement-Workshop (intern, Termin: April 2026)

NÄCHSTE SCHRITTE:
- Max: Anmeldung Power BI-Kurs bis 31.01.
- Anna: Budget-Freigabe bis 25.01.
- Nächstes Gespräch: Juli 2026 (Halbjahres-Review)

Unterschriften: ________________  ________________

Vereinbarungen festhalten & nachverfolgen

Problem: Viele Gespräche enden mit guten Vorsätzen – die dann im Alltag untergehen.

Lösung: Systematisches Follow-up

Was tun:

  1. Protokoll innerhalb 1 Woche versenden (an Mitarbeiter:in + ggf. HR)
  2. Gegenlesen lassen: Beide Seiten sollten zustimmen
  3. Termine in Kalender eintragen: Weiterbildungen, Meilensteine, nächstes Gespräch
  4. Regelmäßige Check-ins: Kurze Updates (z.B. alle 6-8 Wochen) statt nur 1x jährlich
  5. Im nächsten Gespräch: Protokoll als Grundlage nutzen ("Was wurde umgesetzt?")

Tipp: Nutze digitale Tools (HR-Software) zur Nachverfolgung. Viele Systeme erlauben Erinnerungen, Status-Updates und automatische Workflows.

Datenschutz & rechtliche Aspekte beachten

Wichtig: Mitarbeitergesprächsprotokolle enthalten sensible Daten!

Rechtliche Grundlagen:

  • Datenschutz (DSGVO): Protokolle müssen vertraulich behandelt werden
  • Betriebsverfassungsgesetz (§ 82 Abs. 2): Mitarbeiter:in hat Anspruch auf Hinzuziehung eines Betriebsratsmitglieds (bei bestimmten Gesprächstypen)
  • Arbeitsrecht: Protokolle können bei Konflikten/Kündigungen relevant sein (Beweismittel)

Was bedeutet das in der Praxis?

  • ✅ Protokoll bleibt vertraulich zwischen Führungskraft und Mitarbeiter:in
  • ✅ Nur vereinbarte Entwicklungsmaßnahmen gehen an HR (mit Zustimmung der Mitarbeiter:in)
  • ✅ Protokoll wird verschlossen aufbewahrt (nicht frei zugänglich)
  • ✅ Nach Ende des Arbeitsverhältnisses: Protokolle gemäß Aufbewahrungsfristen löschen
  • ❌ Protokoll nicht an Dritte weitergeben ohne Zustimmung
  • ❌ Keine Bewertungen/Kommentare ins Protokoll schreiben, die nicht besprochen wurden

Tipp: Bei kritischen Gesprächen (Abmahnungen, Kündigungen) sollte HR oder Betriebsrat hinzugezogen werden.

Objektive Daten als Gesprächsgrundlage: Warum das hilft

Viele Leistungsbeurteilungen basieren auf subjektiven Einschätzungen der Führungskraft. Das Problem: Subjektivität öffnet die Tür für Unconscious Bias – unbewusste Vorurteile, die unsere Wahrnehmung verzerren.

Problem: Subjektive Beurteilungen & Unconscious Bias

Die Zahlen sprechen für sich:

  • 92% des Inputs für Leistungsbeurteilungen kommt von der Führungskraft (Ruhr-Universität Bochum, 2018)
  • Frauen erhalten vageres Feedback als Männer (Bohnet, 2016)
  • Männer werden als "strategisch denkend" beschrieben, Frauen als "teamorientiert" (Stereotype Bias)
  • Affinity Bias: Wir bevorzugen Menschen, die uns ähnlich sind

Was ist Unconscious Bias? Unbewusste Vorurteile, die unsere Entscheidungen beeinflussen, ohne dass wir es merken. Im Kontext von Mitarbeitergesprächen kann das bedeuten:

  • Leistungen von "Lieblings-Mitarbeiter:innen" werden überbewertet
  • Entwicklungspotenziale von Minderheiten werden unterschätzt
  • Introvertierte werden als "weniger engagiert" wahrgenommen (obwohl sie genauso viel leisten)

Folgen:

  • Unfaire Leistungsbeurteilungen
  • Talente werden übersehen
  • Fehlende Chancengleichheit
  • Demotivation bei Betroffenen

Lösung: Eignungsdiagnostik & Stärkenprofil nutzen

Die Lösung: Objektive Daten als Ergänzung zur subjektiven Einschätzung.

Was sind objektive Daten?

  • Ergebnisse aus wissenschaftlich validierten Eignungsdiagnostik-Tools (z.B. Assessments, 360-Grad-Feedback)
  • KPIs: Messbare Leistungskennzahlen (Umsatz, Projektabschlüsse, Kundenzufriedenheit)
  • Kompetenztests: Standardisierte Verfahren zur Messung von Fähigkeiten

Vorteile:

  • Reduktion von Bias: Objektive Tests sind für alle gleich
  • Vergleichbarkeit: Stärken/Schwächen werden messbar
  • Transparenz: Mitarbeiter:innen sehen, worauf Bewertungen basieren
  • Stärkenbasierte Entwicklung: Assessments zeigen, wo Potenziale liegen

Studien belegen: Strukturierte Bewertungskriterien und objektive Daten reduzieren Bias um 30-40% (Bohnet, 2016).

Praxisbeispiel: Stärkenbasierte Gespräche mit Assessment-Daten

Wie funktioniert das in der Praxis?

Stell dir vor: Statt nur dein Bauchgefühl zu nutzen, hast du ein objektives Stärkenprofil deiner Mitarbeiter:in – basierend auf einem wissenschaftlich validierten Assessment. Dieses Profil zeigt:

  • Analytisches Denken: 85/100
  • Problemlösungskompetenz: 78/100
  • Teamfähigkeit: 92/100
  • Stressresistenz: 65/100

Jetzt kannst du das Entwicklungsgespräch viel gezielter führen:

  • "Dein Stärkenprofil zeigt, dass analytisches Denken eine deiner Stärken ist. Wie können wir das weiter ausbauen? Vielleicht mit einem Datenanalyse-Projekt?"
  • "Bei Stressresistenz sehen wir Entwicklungspotenzial. Wie geht es dir bei Deadlines? Wo können wir dich unterstützen?"

Der Unterschied: Du sprichst nicht über vage Eindrücke ("Ich finde, du bist gut im Team"), sondern über objektive, messbare Daten. Das schafft Klarheit und reduziert Widerstand.

Wie Tools wie Aivy Mitarbeitergespräche bereichern

Objektive Eignungsdiagnostik-Tools wie Aivy ermöglichen datenbasierte Entscheidungen statt Bauchgefühl. Die Plattform nutzt Game-Based Assessments – spielerische, wissenschaftlich validierte Tests, die Kompetenzen und Persönlichkeit objektiv messen.

Wie hilft das bei Mitarbeitergesprächen?

  • Stärkenprofil als Gesprächsgrundlage: Statt subjektiver Einschätzungen hast du messbare Daten
  • Bias-Reduktion: Standardisierte Verfahren sind für alle gleich – unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft
  • Entwicklungsperspektiven: Assessments zeigen, wo Potenziale liegen (stärkenbasierte Führung)
  • Teamanalysen: Verstehe die Stärkenverteilung im Team, fördere Diversität

Praxisbeispiele:

Callways nutzt objektive Daten für bessere Gespräche. CEO Achim Reinhardt betont: "Die Gespräche sind deutlich besser und mehr auf dem Punkt. Funktioniert auch mit Führungskräften: Auswahl der wirklich Interessierten, bessere und fokussierte Gespräche." Die Qualität der Gespräche hat sich durch stärkenbasierte Ansätze deutlich verbessert – die Investition lohnt sich ab Tag 1.

OMR setzt Aivy für Teamanalysen ein. Kaya Kruse, People Lead bei OMR, erklärt: "Assessment-Scores liefern zusätzliche Informationen für Stärken-Abgleich. Hiring Teams sind neugierig auf Ergebnisse und machen oft selbst das Assessment. Teamanalysen: Stärken sichtbar machen, stärkenbasierte Führung." Das Ergebnis: "Aivy wirkt. Wir reduzieren Bias, gewinnen mehr Objektivität im Hiring und stärken langfristig die Diversität."

Wichtig: Tools ersetzen nicht das Gespräch – sie bereichern es. Die menschliche Komponente (Empathie, Vertrauen, Dialog) bleibt zentral.

Moderne Trends: Von Jahresgesprächen zu kontinuierlichem Feedback

Die Arbeitswelt wandelt sich – und mit ihr das Performance Management. Das klassische Jahresgespräch gerät zunehmend unter Druck.

Warum jährliche Gespräche nicht mehr ausreichen

Probleme des klassischen Jahresgesprächs:

  1. Zu selten: 12 Monate ohne Feedback sind eine Ewigkeit. Probleme bleiben unausgesprochen, Potenziale ungenutzt.
  2. Zu retrospektiv: Fokus auf Vergangenheit statt Zukunft.
  3. Zu statisch: Ziele, die im Januar gesetzt wurden, passen oft nicht mehr zur Realität im Dezember (besonders in agilen, schnelllebigen Branchen).
  4. Zu einseitig: 92% des Inputs kommt von der Führungskraft – das birgt Bias-Gefahr.

Studien bestätigen: 70% der Unternehmen weltweit überdenken ihr Performance Management (Mercer, 2020). Der Trend geht weg von jährlichen Ratings hin zu kontinuierlichem Feedback.

Was wünschen sich Mitarbeiter:innen?

  • Regelmäßige, zeitnahe Rückmeldungen
  • Fokus auf Stärken statt Schwächen
  • Entwicklungsorientierung statt Bewertung
  • Dialog statt Monolog

Agile Check-ins & OKRs statt klassischer Zielvereinbarungen

Die Alternative: Agile Check-ins

Statt 1x jährlich: Regelmäßige, kurze Gespräche (z.B. alle 4-8 Wochen)

Vorteile:

  • ✅ Zeitnahe Rückmeldungen
  • ✅ Schnelle Kurskorrekturen möglich
  • ✅ Weniger formell, mehr Dialog
  • ✅ Höhere emotionale Bindung (Gallup: +31% bei halbjährlichen Gesprächen)

Typischer Ablauf eines Check-ins (20-30 Minuten):

  1. Rückblick: Was ist seit dem letzten Gespräch passiert?
  2. Erfolge würdigen: Was lief gut?
  3. Herausforderungen besprechen: Wo gibt es Probleme?
  4. Nächste Schritte: Was steht an?

OKRs (Objectives and Key Results):

Eine moderne Alternative zu klassischen Zielvereinbarungen. Statt starrer Jahresziele: Quartalsweise Ziele mit messbaren Schlüsselergebnissen.

Beispiel:

  • Objective: Kundenzufriedenheit steigern
  • Key Results:
    1. NPS-Score von 60 auf 70 erhöhen
    2. 10 Kundenfeedback-Gespräche führen
    3. 2 Produktverbesserungen basierend auf Feedback umsetzen

Vorteil: OKRs sind flexibel, transparent und fördern Autonomie.

Digitale Tools für Performance Management

Die Digitalisierung macht kontinuierliches Feedback einfacher. Moderne HR-Software ermöglicht:

  • Automatische Erinnerungen für Check-ins
  • Digitale Protokolle mit Status-Tracking
  • 360-Grad-Feedback einfach einholbar
  • Echtzeit-Dashboards: Fortschritte bei Zielen sichtbar machen
  • Integration mit OKR-Tools

Beispiele:

  • Personio, HR Works (Deutschland)
  • Lattice, 15Five (international)
  • Aivy (objektive Eignungsdiagnostik als Entwicklungstool)

Wichtig: Tools sind Mittel zum Zweck. Die menschliche Interaktion bleibt zentral – Technologie unterstützt, ersetzt aber nicht das Gespräch.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie oft sollte ich Mitarbeitergespräche führen?

Das klassische Jahresgespräch reicht heute oft nicht mehr aus. Studien zeigen: Mindestens 2x jährlich strukturierte Gespräche (z.B. Jahresgespräch + Halbjahres-Review) plus 2-3 kurze Check-ins zwischendurch erhöhen die Mitarbeiterbindung deutlich. Gallup-Daten belegen: Mitarbeiter:innen mit halbjährlichen Gesprächen zeigen 31% emotionale Bindung – fast doppelt so viel wie der Durchschnitt (16%).

Wie lange sollte ein Mitarbeitergespräch dauern?

Plane mindestens 60-90 Minuten für ein umfassendes Jahresgespräch ein. Für Check-ins reichen 20-30 Minuten. Wichtig: Qualität vor Quantität! Ein hektisches 30-Minuten-Gespräch bringt weniger als ein gut vorbereitetes, ruhiges 90-Minuten-Gespräch.

Sind Mitarbeitergespräche gesetzlich verpflichtend?

Nein, es gibt keine gesetzliche Pflicht zu Mitarbeitergesprächen. Allerdings können Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge oder Arbeitsverträge diese festlegen. Aus Sicht der Personalentwicklung und Mitarbeiterbindung sind sie aber unverzichtbar – 97% der Top-Unternehmen im deutschsprachigen Raum führen sie durch.

Was sage ich, wenn die Leistung eines Mitarbeiters nicht stimmt?

Sei konkret, sachlich und lösungsorientiert. Nutze die Feedback-Formel: (1) Konkrete Situation beschreiben, (2) Auswirkung benennen, (3) Erwartung formulieren, (4) Gemeinsam Lösung erarbeiten. Beispiel: "In den letzten 3 Projekten wurden Deadlines nicht eingehalten (Situation). Das führt zu Verzögerungen im Team (Auswirkung). Ich erwarte pünktliche Abgaben (Erwartung). Wo brauchst du Unterstützung?" (Lösung).

Wie gehe ich mit Tränen oder Wut im Gespräch um?

Bleib ruhig und empathisch. Bei Tränen: Pause anbieten, Verständnis zeigen ("Ich sehe, das Thema ist emotional für dich"), Zeit geben. Bei Wut: Nicht rechtfertigen oder eskalieren. Aktiv zuhören, Gefühle anerkennen ("Ich verstehe, dass dich das frustriert"), dann Fokus auf Sachebene lenken. Wenn nötig: Gespräch vertagen und an anderem Tag fortsetzen.

Muss ich das Mitarbeitergespräch protokollieren?

Ja, empfohlen! Ein schriftliches Protokoll mit vereinbarten Zielen, Maßnahmen und Terminen schafft Verbindlichkeit. Wichtig: Beide Gesprächspartner:innen sollten das Protokoll erhalten und gegenlesen. Nur vereinbarte Entwicklungsmaßnahmen gehen an die Personalabteilung – das restliche Protokoll bleibt vertraulich zwischen Führungskraft und Mitarbeiter:in (Datenschutz!).

Welche Fehler sollte ich im Mitarbeitergespräch vermeiden?

Die 5 häufigsten Fehler: (1) Monolog statt Dialog führen, (2) Nur Kritik, kein Lob aussprechen, (3) Vage Formulierungen ("Sie müssen sich mehr anstrengen"), (4) Vergangenes aufwärmen statt zukunftsorientiert sein, (5) Keine konkreten Vereinbarungen treffen. Vermeide auch: Zwischen Tür und Angel-Gespräche, Überraschungskritik ohne Beispiele, persönliche Angriffe.

Wie bereite ich mich auf ein schwieriges Mitarbeitergespräch vor?

Doppelte Vorbereitungszeit einplanen! (1) Konkrete Beispiele sammeln (Daten, Vorfälle, Zahlen), (2) Mögliche Reaktionen antizipieren und Antworten überlegen, (3) Lösungsoptionen vorab durchdenken, (4) Leitfaden mit klarer Struktur erstellen, (5) Emotional vorbereiten: Ruhe bewahren, sachlich bleiben. Optional: Gespräch mit HR oder Coach vorbesprechen.

Können Mitarbeiter:innen das Gespräch ablehnen?

Grundsätzlich nein – Mitarbeitergespräche sind Teil der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Bei betriebsüblichen, regelmäßigen Gesprächen besteht eine Teilnahmepflicht. Aber: Erzwinge kein Gespräch gegen massiven Widerstand. Kläre die Gründe, biete ggf. Vertrauensperson an (z.B. Betriebsrat). Ein konstruktives Gespräch braucht Bereitschaft auf beiden Seiten.

Wie integriere ich objektive Daten in Mitarbeitergespräche?

Nutze Eignungsdiagnostik-Tools, Assessments oder 360-Grad-Feedback als Gesprächsgrundlage. Beispiel: Ein Stärkenprofil aus einem wissenschaftlich validierten Assessment zeigt objektiv, wo Potenziale liegen – du musst nicht nur auf dein Bauchgefühl vertrauen. Das reduziert Unconscious Bias und ermöglicht stärkenbasierte Entwicklungsgespräche. Unternehmen wie OMR nutzen solche Tools erfolgreich.

Fazit: Der Weg zu erfolgreichen Mitarbeitergesprächen

Mitarbeitergespräche sind eines der mächtigsten Führungsinstrumente – wenn sie richtig geführt werden. Die Zahlen zeigen das Potenzial: Mitarbeiter:innen mit regelmäßigen Gesprächen sind doppelt so emotional gebunden (31% vs. 16%). Gleichzeitig offenbaren sie das Problem: Nur 22% der Gespräche führen zu tatsächlicher Leistungsverbesserung.

Der Unterschied liegt in der Umsetzung. Erfolgreiche Mitarbeitergespräche sind:

  • Gut vorbereitet: Mindestens so viel Zeit für Vorbereitung wie für das Gespräch selbst
  • Strukturiert: Ein klarer Leitfaden (z.B. 6 Phasen) gibt Sicherheit
  • Dialogorientiert: 70% Redeanteil für Mitarbeiter:in, 30% für Führungskraft
  • Zukunftsorientiert: Fokus auf Entwicklung, nicht auf Schuldzuweisung
  • Datenbasiert: Objektive Grundlagen (KPIs, Assessments) reduzieren Bias

Deine Handlungsempfehlung:

  1. Plane regelmäßige Gespräche: Mindestens 2x jährlich strukturiert, plus quartalsweise Check-ins
  2. Nutze den 6-Phasen-Leitfaden: Einstieg, Rückblick, Feedback, Entwicklung, Ziele, Vereinbarungen
  3. Stelle offene Fragen: Lass Mitarbeiter:innen sprechen, höre aktiv zu
  4. Gib konstruktives Feedback: Konkret, zeitnah, zukunftsorientiert (Feedback-Formel)
  5. Dokumentiere Vereinbarungen: Protokoll erstellen, Follow-up planen
  6. Nutze objektive Daten: Eignungsdiagnostik-Tools reduzieren Bias, ermöglichen stärkenbasierte Entwicklung

Objektive Eignungsdiagnostik-Tools wie Aivy unterstützen dich dabei, Gespräche auf eine fundierte Basis zu stellen. Durch wissenschaftlich validierte Assessments erhältst du messbare Stärkenprofile, die dir helfen, gezielt zu entwickeln statt nur subjektiv zu bewerten. Unternehmen wie OMR und Callways zeigen: Stärkenbasierte Gespräche mit objektiven Daten führen zu besseren Ergebnissen – bei höherer Zufriedenheit auf beiden Seiten.

Denk daran: Mitarbeitergespräche sind Investitionen in Menschen – und damit in die Zukunft deines Unternehmens. Gib ihnen die Zeit und Aufmerksamkeit, die sie verdienen.

Quellen

  • Gallup (2015-2023). Engagement Index Deutschland. Marco Nink. Gallup Deutschland. https://www.gallup.com/de/engagement-index-deutschland.aspx
  • Hossiep, R., Willmes, L. F. et al. (2018). Führungsinstrument Mitarbeitergespräch: Eine Follow-Up Studie bei den 820 größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Ruhr-Universität Bochum.
  • Hattie, J. & Timperley, H. (2007). The Power of Feedback. Review of Educational Research, 77(1), 81-112. https://doi.org/10.3102/003465430298487
  • Deci, E. L. & Ryan, R. M. (2000). The "What" and "Why" of Goal Pursuits: Human Needs and the Self-Determination of Behavior. Psychological Inquiry, 11(4), 227-268. https://doi.org/10.1207/S15327965PLI1104_01
  • Bohnet, I. (2016). What Works: Gender Equality by Design. Harvard University Press. ISBN: 978-0674089037.
  • Mercer (2020). Growth & Impact Framework – Performance Management Studie. Mercer LLC. https://www.mercer.com
  • Hossiep, R. & Bittner, J. E. (2006). Reden wir drüber… – Der stille Erfolg des Mitarbeitergesprächs in deutschen Unternehmen. Wirtschaftspsychologie aktuell, 2–3/2006, 41-44.
  • Hossiep, R., Zens, J. E. & Berndt, W. (2020). Mitarbeitergespräche: Motivierend, wirksam, nachhaltig (2. Aufl.). Göttingen: Hogrefe. ISBN: 978-3801730147.

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Florian Dyballa

CEO, Co-Founder

Über Florian

  • Gründer & CEO von Aivy – entwickelt innovative Wege der Personaldiagnostik und zählt zu den Top 10 HR-Tech-Gründern Deutschlands (Business Punk)
  • Über 500.000 digitale Eignungstests erfolgreich im Einsatz bei mehr als 100 Unternehmen wie Lufthansa, Würth und Hermes
  • Dreifach mit dem HR Innovation Award ausgezeichnet und regelmäßig in führenden Wirtschaftsmedien präsent (WirtschaftsWoche, Handelsblatt und FAZ)
  • Verbindet als Wirtschaftspsychologe und Digital-Experte fundierte Tests mit KI für faire Chancen in der Personalauswahl
  • Teilt Expertise als gefragter Vordenker der HR-Tech-Branche – in Podcasts, Medien und auf wichtigen Branchenveranstaltungen
  • Gestaltet aktiv die Zukunft der Arbeitswelt – durch die Verbindung von Wissenschaft und Technologie für bessere und gerechtere Personalentscheidungen
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Aivy ist das beste, was mir im deutschen Diagnostik Start-up Bereich bislang über den Weg gelaufen ist.“

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