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Mitarbeiterbeurteilung – Definition, Methoden & Praxis-Tipps

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Mitarbeiterbeurteilung – Definition, Methoden & Praxis-Tipps

Die Mitarbeiterbeurteilung ist ein zentrales Instrument der Personalführung zur systematischen Bewertung von Leistung, Verhalten und Potenzial bestehender Mitarbeiter:innen. Sie dient der gezielten Personalentwicklung, Entscheidungsgrundlage für Beförderungen und Gehaltsanpassungen sowie der Förderung einer transparenten Feedbackkultur. Wichtig sind klare Beurteilungskriterien, regelmäßige Durchführung und die Vermeidung typischer Beurteilungsfehler wie Halo-Effekt oder Unconscious Bias.

Was ist Mitarbeiterbeurteilung? – Definition

Die Mitarbeiterbeurteilung (auch Personalbeurteilung oder Mitarbeiterbewertung genannt) ist die planmäßige, systematische Bewertung von Arbeitnehmer:innen durch Vorgesetzte, Kolleg:innen oder die Person selbst. Sie erfolgt in der Regel jährlich im Rahmen von Jahresgesprächen oder anlassbezogen bei Beförderungen, Versetzungen oder zur Erstellung von Arbeitszeugnissen.

Im Kern geht es darum, drei zentrale Dimensionen zu beurteilen:

Leistungsbeurteilung bewertet die tatsächlichen Arbeitsergebnisse: Wurden die vereinbarten Ziele erreicht? Wie hoch ist die Qualität und Quantität der Arbeit? Diese Dimension ist besonders relevant für leistungsabhängige Vergütung und Bonussysteme.

Verhaltensbeurteilung fokussiert auf das Arbeitsverhalten: Wie teamfähig ist die Person? Wie zuverlässig, kommunikativ und konfliktfähig? Diese Soft Skills sind oft genauso wichtig wie fachliche Kompetenzen, werden aber schwerer objektiv messbar.

Potenzialbeurteilung schätzt die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten ein: Hat die Person Führungspotenzial? Ist sie lernbereit und entwicklungsfähig? Diese Dimension ist entscheidend für Nachfolgeplanung und gezielte Personalentwicklung.

Ziele aus Unternehmenssicht

Für Arbeitgeber dient die Mitarbeiterbeurteilung mehreren strategischen Zwecken: Sie objektiviert Personalentscheidungen bei Beförderungen, Versetzungen oder Kündigungen. Sie steigert die Arbeitsleistung durch Motivation und klare Erwartungskommunikation. Sie optimiert den Personaleinsatz, indem Stärken und Schwächen erkannt und Menschen entsprechend eingesetzt werden. Und sie schafft ein einheitliches Führungsverhalten durch standardisierte Beurteilungskriterien.

Ziele aus Mitarbeiterperspektive

Auch Arbeitnehmer:innen profitieren: Sie erhalten transparentes Feedback zu ihren Leistungen und wissen, wo sie stehen. Sie bekommen Anerkennung für gute Arbeit und konstruktive Hinweise zu Verbesserungspotenzialen. Sie erfahren klare Entwicklungsperspektiven und können ihre Karriere gezielter planen. Und sie haben laut Betriebsverfassungsgesetz ein Erörterungsrecht – sie können ihre Beurteilung besprechen und Widerspruch einlegen.

Rechtliche Grundlagen der Mitarbeiterbeurteilung

BetrVG §82: Erörterungsrecht der Arbeitnehmer:innen

Das Betriebsverfassungsgesetz gibt Arbeitnehmer:innen das Recht, ihre Beurteilung und berufliche Entwicklung mit Vorgesetzten zu erörtern. Nach §82 BetrVG können sie verlangen, dass ein Betriebsratsmitglied beim Gespräch anwesend ist. Dieses Erörterungsrecht ist nicht optional – Arbeitgeber:innen müssen es gewähren.

BetrVG §87, §94: Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats

Bei der Einführung von Beurteilungssystemen hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht gemäß §87 Abs. 1 Nr. 10 BetrVG (Grundsätze der Ordnung des Betriebes) und §94 BetrVG (Personalfragebögen). Das bedeutet: Beurteilungsbögen, Kriterien und Prozesse müssen mit dem Betriebsrat abgestimmt werden. Ohne diese Zustimmung sind Beurteilungen unwirksam.

DSGVO: Datenschutz bei Mitarbeiterbeurteilungen

Mitarbeiterbeurteilungen sind personenbezogene Daten und fallen unter die Datenschutz-Grundverordnung. Arbeitgeber:innen müssen die Grundsätze der Datensparsamkeit, Zweckbindung und Transparenz beachten. Das bedeutet konkret:

Die Erhebung muss für einen legitimen Zweck erfolgen (§26 BDSG neu). Die Daten dürfen nur für diesen Zweck verwendet werden. Mitarbeiter:innen haben ein Auskunftsrecht über ihre gespeicherten Beurteilungen. Und Beurteilungen müssen nach einer bestimmten Frist gelöscht werden – in der Regel nach 5 Jahren, wenn sie nicht mehr für Personalentscheidungen benötigt werden.

Methoden und Arten der Mitarbeiterbeurteilung

Klassische Mitarbeiterbeurteilung

Die klassische Form ist die Beurteilung durch direkte Vorgesetzte. Sie erfolgt meist anhand standardisierter Beurteilungsbögen mit definierten Kriterien (z.B. Arbeitsqualität, Selbstständigkeit, Teamfähigkeit). Die Bewertung wird auf einer Skala vergeben (z.B. 1-5 oder schulnotenähnlich). Vorteil: klar strukturiert, vergleichbar. Nachteil: anfällig für Beurteilungsfehler, einseitige Perspektive.

360-Grad-Feedback

Beim 360-Grad-Feedback wird eine Person aus mehreren Perspektiven beurteilt: von Vorgesetzten, Kolleg:innen auf gleicher Ebene, Mitarbeitenden (bei Führungskräften) und teilweise auch Kund:innen. Zusätzlich erfolgt eine Selbstbeurteilung. Diese Methode liefert ein umfassendes Bild und reduziert Verzerrungen durch einzelne Beurteiler:innen. Sie ist allerdings aufwändiger und erfordert eine offene Feedbackkultur.

Selbstbeurteilung

Mitarbeiter:innen reflektieren ihre eigene Leistung und bewerten sich selbst anhand der gleichen Kriterien wie die Vorgesetzten. Die Selbstbeurteilung wird dann im Gespräch mit der Fremdeinschätzung abgeglichen. Diese Methode fördert Selbstreflexion und erhöht die Akzeptanz der Beurteilung. Sie sollte aber immer mit Fremdbeurteilungen kombiniert werden, da Menschen sich oft zu mild oder zu streng beurteilen.

Kollegenbeurteilung (Peer Review)

Kolleg:innen auf gleicher Hierarchieebene beurteilen einander. Dies kann wertvolle Einblicke in Teamdynamik und Zusammenarbeit geben, da Kolleg:innen die tägliche Arbeit oft näher miterleben als Vorgesetzte. Risiken: mögliche Manipulation durch persönliche Sympathien oder Rivalitäten, fehlende Beurteilungskompetenz.

Vorgesetztenbeurteilung (Upward Feedback)

Mitarbeiter:innen bewerten ihre Führungskraft. Dies ist besonders wertvoll für die Entwicklung von Führungskompetenzen. Vorgesetzte erhalten direktes Feedback zu ihrem Führungsverhalten, ihrer Kommunikation und Unterstützung. Wichtig: Anonymität der Bewertungen, um ehrliches Feedback zu ermöglichen.

Continuous Feedback

Der moderne Ansatz: Statt einmal jährlich wird kontinuierlich Feedback gegeben – nach Projekten, in regelmäßigen 1:1-Meetings, zeitnah zu konkreten Situationen. Dies entspricht agilen Arbeitsweisen besser und macht Feedback relevanter und umsetzbarer. Tools wie Slack, Microsoft Teams oder spezialisierte Performance-Management-Software unterstützen diesen Ansatz.

Ablauf einer Mitarbeiterbeurteilung

Phase 1: Vorbereitung

Eine gute Vorbereitung ist entscheidend. Vorgesetzte sollten klare Beurteilungskriterien festlegen, die für alle Mitarbeiter:innen gleich gelten. Über das Jahr hinweg werden Beobachtungen dokumentiert – nicht nur kurz vor dem Gespräch, um den Recency-Effekt zu vermeiden. Idealerweise holen Vorgesetzte auch eine Selbstbeurteilung der Mitarbeiter:innen ein, um unterschiedliche Perspektiven abzugleichen.

Phase 2: Durchführung (Beurteilungsgespräch)

Das Beurteilungsgespräch sollte wertschätzend und konstruktiv geführt werden. Eine bewährte Struktur:

Einstieg mit positiven Aspekten beginnen. Dann Leistungen anhand konkreter Beispiele besprechen – nicht nur allgemeine Aussagen, sondern spezifische Situationen. Auch Verbesserungspotenziale ansprechen, aber lösungsorientiert: Was kann die Person tun, um sich zu verbessern? Welche Unterstützung braucht sie?

Gemeinsam konkrete Entwicklungsziele für das nächste Jahr vereinbaren – messbar, erreichbar, terminiert (SMART-Kriterien). Die Mitarbeiter:in erhält ausreichend Raum für ihre Perspektive und kann Fragen stellen oder Widerspruch einlegen.

Phase 3: Nachbereitung

Nach dem Gespräch werden die Ergebnisse schriftlich festgehalten: Beurteilung, vereinbarte Ziele, geplante Entwicklungsmaßnahmen. Beide Seiten unterschreiben das Protokoll. Ein Exemplar geht an die Personalakte (DSGVO-konform aufbewahrt), eines erhält die Mitarbeiter:in.

Wichtig: Ein Follow-up-Termin wird vereinbart, um zu prüfen, ob die Entwicklungsziele erreicht werden. Beurteilung ist kein einmaliger Akt, sondern ein kontinuierlicher Prozess.

Herausforderungen und Beurteilungsfehler

Typische Beurteilungsfehler

Auch erfahrene Führungskräfte unterliegen unbewussten Verzerrungen. Die häufigsten Beurteilungsfehler:

Halo-Effekt: Ein einzelnes positives oder negatives Merkmal überstrahlt die gesamte Bewertung. Beispiel: Wer eloquent ist, wird automatisch auch als fachlich kompetent wahrgenommen – selbst wenn die Arbeitsergebnisse das nicht belegen.

Recency-Effekt (Nikolaus-Effekt): Nur die jüngsten Ereignisse kurz vor der Beurteilung zählen, während die Leistung über das gesamte Jahr ignoriert wird. Eine Studie von Nobelpreisträger Daniel Kahneman zeigte sogar, dass Richter kurz vor der Mittagspause strenger urteilen als nach dem Essen – pure Tagesverfassung beeinflusst Beurteilungen.

Tendenz zur Mitte: Vorgesetzte vergeben übermäßig häufig mittlere Bewertungen, um Konflikte zu vermeiden oder sich nicht festlegen zu müssen. Das macht Beurteilungen wenig aussagekräftig und frustriert Hochleistende.

Lorbeereffekt: Vergangene Erfolge zählen zu viel, ohne Bezug zum aktuellen Beurteilungszeitraum. Jemand ruht sich auf alten Lorbeeren aus, wird aber trotzdem gut bewertet.

Unconscious Bias in Mitarbeiterbeurteilungen

Unbewusste Vorurteile beeinflussen Beurteilungen massiv. Studien zeigen: Menschen mit Migrationshintergrund werden bei gleicher Leistung schlechter bewertet (Hans-Böckler-Stiftung). Frauen erhalten seltener konstruktives Feedback zu Entwicklungsmöglichkeiten als Männer. Ältere Arbeitnehmer:innen werden oft als weniger entwicklungsfähig eingeschätzt.

Laut McKinsey haben Unternehmen mit geringer Diversität eine um 66% niedrigere Wahrscheinlichkeit, finanziell besser abzuschneiden als der Durchschnitt. Faire, objektive Beurteilungen sind also nicht nur eine ethische Frage, sondern ein Wettbewerbsvorteil.

Lösungsansätze: Objektive Bewertung

Wie lassen sich Beurteilungsfehler reduzieren? Mehrere Ansätze haben sich bewährt:

Schulungen für Führungskräfte: Google hat mit seinem "Unconscious Bias@Work"-Training bereits über 26.000 Mitarbeiter:innen sensibilisiert. Wer sich seiner Vorurteile bewusst ist, kann sie besser kontrollieren.

Strukturierte Kriterien: Statt vager Eindrücke sollten konkrete, beobachtbare Verhaltensweisen bewertet werden. Nicht "Teamfähigkeit" allgemein, sondern "Unterstützt aktiv Kolleg:innen bei Projekten" mit konkreten Beispielen.

360-Grad-Feedback: Mehrere Perspektiven reduzieren individuelle Verzerrungen.

Datenbasierte Ansätze: Moderne Eignungsdiagnostik nutzt wissenschaftlich validierte Verfahren, um Kompetenzen und Potenziale objektiv zu messen. Während Aivy primär im Recruiting eingesetzt wird, können die Prinzipien der objektiven Diagnostik auch im Performance Management helfen: Game-Based Assessments und wissenschaftlich validierte Fragebögen, entwickelt in Zusammenarbeit mit der FU Berlin, reduzieren Unconscious Bias durch datenbasierte Bewertung. Solche Verfahren eignen sich nicht nur für die Auswahl neuer Mitarbeiter:innen, sondern auch für Potenzialanalysen bei Beförderungen oder interner Mobilität.

Best Practices für faire und motivierende Mitarbeiterbeurteilungen

Klare, transparente Beurteilungskriterien festlegen

Mitarbeiter:innen müssen wissen, woran sie gemessen werden. Die Kriterien sollten im Voraus bekannt sein, für alle gleich gelten und sich auf die tatsächlichen Aufgaben beziehen. Keine subjektiven Kategorien wie "Ausstrahlung", sondern konkrete Verhaltensweisen.

Regelmäßiges Feedback statt einmaliges Jahresgespräch

Der Trend geht weg von jährlichen Reviews hin zu kontinuierlichem Feedback. Viele Unternehmen setzen auf quartalsweise Check-ins oder sogar monatliche 1:1-Meetings. Feedback ist umso wirkungsvoller, je zeitnaher es erfolgt. Wer erst nach einem Jahr erfährt, dass ein Projekt nicht den Erwartungen entsprach, kann nicht mehr gegensteuern.

Entwicklungsorientierung: Nicht nur bewerten, sondern fördern

Beurteilung sollte nie Selbstzweck sein. Das Ziel ist Entwicklung. Nach jeder Beurteilung sollte ein konkreter Entwicklungsplan stehen: Welche Weiterbildungen werden angeboten? Welche neuen Aufgaben können übernommen werden? Wie wird die Führungskraft unterstützen?

Rechtssichere Dokumentation (DSGVO-konform)

Beurteilungen müssen nachvollziehbar dokumentiert werden – besonders bei späteren Kündigungen. Aber: Datensparsamkeit beachten! Nur das aufschreiben, was für Personalentscheidungen relevant ist. Nach 5 Jahren löschen, wenn keine aktive Verwendung mehr. Zugriff nur für berechtigte Personen. Mitarbeiter:innen haben ein Auskunftsrecht.

Digitale Tools und Software nutzen

Moderne HR-Software erleichtert Beurteilungsprozesse erheblich:

All-in-One HR-Software wie Personio, HRworks, BambooHR, SAP SuccessFactors oder Workday bieten integrierte Performance-Management-Module. Sie erinnern automatisch an anstehende Gespräche, stellen Vorlagen bereit und ermöglichen zentrale Auswertungen.

Spezialisierte Performance-Management-Tools wie Easyreview, Culture Amp, Leapsome oder Lattice fokussieren sich ausschließlich auf Beurteilungen und Entwicklung. Sie bieten oft erweiterte Funktionen wie kontinuierliches Feedback, OKR-Tracking oder Entwicklungspläne.

Kostenlose Tools wie OrangeHRM (Open Source) oder Teamflect (für Microsoft Teams) eignen sich für kleinere Unternehmen mit begrenztem Budget.

Wichtig bei der Tool-Auswahl: DSGVO-Konformität, einfache Bedienung und Integration in bestehende HR-Systeme.

Moderne Ansätze: OKR, Continuous Feedback, agiles Performance Management

Die klassische jährliche Mitarbeiterbeurteilung passt nicht mehr zu agilen Arbeitsweisen. Moderne Ansätze:

OKR (Objectives and Key Results): Ambitionierte Ziele (Objectives) werden mit messbaren Schlüsselergebnissen (Key Results) verknüpft. Die Bewertung erfolgt quartalsweise anhand der Zielerreichung.

Continuous Feedback: Statt einmal jährlich wird kontinuierlich Feedback gegeben – niedrigschwellig, zeitnah, konstruktiv.

Agiles Performance Management: Kurze Feedback-Zyklen, flexible Zielanpassung, Fokus auf Lernen statt Bewerten.

Häufige Fragen zur Mitarbeiterbeurteilung

Was ist eine Mitarbeiterbeurteilung?

Eine Mitarbeiterbeurteilung ist die systematische Bewertung von Leistung, Verhalten und Potenzial bestehender Mitarbeiter:innen durch Vorgesetzte. Sie dient der Personalentwicklung, als Entscheidungsgrundlage für Beförderungen und Gehaltsanpassungen sowie der Förderung einer transparenten Feedbackkultur. Sie erfolgt regelmäßig (meist jährlich) oder anlassbezogen (z.B. vor Beförderung).

Welche Methoden der Mitarbeiterbeurteilung gibt es?

Es gibt verschiedene Methoden: Die klassische Mitarbeiterbeurteilung erfolgt durch Vorgesetzte. Beim 360-Grad-Feedback bewerten Vorgesetzte, Kolleg:innen, Mitarbeitende und ggf. Kund:innen. Bei der Selbstbeurteilung reflektiert die Person ihre eigene Leistung. Die Kollegenbeurteilung ist ein Peer Review auf gleicher Ebene. Bei der Vorgesetztenbeurteilung geben Mitarbeiter:innen Upward Feedback. Continuous Feedback erfolgt regelmäßig und zeitnah, nicht nur jährlich.

Wie oft sollte eine Mitarbeiterbeurteilung durchgeführt werden?

Klassischerweise findet eine Mitarbeiterbeurteilung mindestens einmal jährlich statt, oft im Rahmen des Jahresgesprächs. Moderne Ansätze setzen auf quartalsweise oder kontinuierliche Beurteilungen (Continuous Feedback). Anlassbezogene Beurteilungen erfolgen bei Beförderungen, Versetzungen, am Ende der Probezeit oder für Arbeitszeugnisse. Der Trend geht weg von jährlichen Reviews hin zu regelmäßigem, informellem Feedback, das agiler und relevanter ist.

Was sind typische Beurteilungsfehler und wie vermeide ich sie?

Häufige Beurteilungsfehler sind: Der Halo-Effekt, bei dem ein Merkmal alle anderen überstrahlt – dagegen hilft es, mehrere Kriterien separat zu bewerten. Der Recency-Effekt (Nikolaus-Effekt), bei dem nur aktuelle Ereignisse zählen – kontinuierliche Dokumentation über das Jahr verhindert dies. Die Tendenz zur Mitte, bei der alle durchschnittlich bewertet werden – hier braucht es Mut zu differenzierter Bewertung. Unconscious Bias bezeichnet unbewusste Vorurteile aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder Alter – Schulungen, strukturierte Kriterien und 360-Grad-Feedback helfen dagegen. Der Lorbeereffekt lässt vergangene Erfolge zu viel zählen – der Fokus sollte auf dem aktuellen Beurteilungszeitraum liegen.

Welche rechtlichen Vorgaben muss ich beachten?

Nach BetrVG §82 haben Arbeitnehmer:innen das Recht auf Erörterung ihrer Beurteilung. BetrVG §94 regelt das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats bei Einführung von Beurteilungssystemen. Die DSGVO schützt personenbezogene Daten bei Erhebung, Speicherung und Weitergabe von Beurteilungsdaten. Die Aufbewahrungsfrist beträgt in der Regel 5 Jahre, danach müssen Beurteilungen gelöscht werden (Datensparsamkeit). Arbeitsgerichtlich muss die Beurteilung nachvollziehbar, fair und widerspruchsfrei sein.

Wie führe ich ein gutes Beurteilungsgespräch?

Ein gutes Beurteilungsgespräch beginnt mit gründlicher Vorbereitung: Kriterien klar definieren, konkrete Beispiele sammeln, Selbstbeurteilung einholen. Die Gesprächsführung sollte wertschätzend, konkret und lösungsorientiert sein – nicht nur Kritik, sondern auch Anerkennung. Die Struktur folgt dem Muster: Leistung besprechen, Verhalten reflektieren, Potenzial einschätzen, gemeinsam Entwicklungsziele vereinbaren. Bei der Nachbereitung werden Ergebnisse schriftlich festgehalten, ein Entwicklungsplan erstellt und ein Follow-up-Termin vereinbart. Wichtig: Nicht nur einmal jährlich – regelmäßiges Feedback ist effektiver.

Welche Software-Tools gibt es für Mitarbeiterbeurteilungen?

All-in-One HR-Software wie Personio, HRworks, BambooHR, SAP SuccessFactors und Workday bieten integrierte Module. Spezialisierte Performance-Management-Tools sind Easyreview, Culture Amp, Leapsome und Lattice. Kostenlose Tools wie OrangeHRM (Open Source) oder Teamflect (für Microsoft Teams) eignen sich für kleinere Budgets. Wichtig bei der Auswahl sind DSGVO-Konformität, einfache Bedienung und Integration in bestehende HR-Systeme. Funktionen sollten automatische Erinnerungen, Vorlagen, Auswertungen und Entwicklungspläne umfassen.

Was ist der Unterschied zwischen Leistungs-, Verhaltens- und Potenzialbeurteilung?

Die Leistungsbeurteilung bewertet die Arbeitsergebnisse: Zielerreichung, Qualität und Quantität der Arbeit. Die Verhaltensbeurteilung fokussiert auf das Arbeitsverhalten: Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit und Kommunikation. Die Potenzialbeurteilung schätzt die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten ein: Führungspotenzial und Lernbereitschaft. In der Praxis werden diese Dimensionen oft kombiniert: Eine ganzheitliche Mitarbeiterbeurteilung berücksichtigt alle drei Aspekte.

Fazit

Mitarbeiterbeurteilung ist mehr als eine Pflichtübung – sie ist ein strategisches Instrument für Personalentwicklung, Motivation und faire Personalentscheidungen. Erfolgreiche Beurteilungen basieren auf klaren Kriterien, regelmäßigem Feedback und der konsequenten Vermeidung von Beurteilungsfehlern. Moderne Unternehmen setzen zunehmend auf kontinuierliche Feedbackprozesse statt auf jährliche Reviews, um agiler auf Veränderungen zu reagieren und Mitarbeiter:innen gezielter zu fördern.

Die Herausforderung liegt in der Balance: Beurteilungen müssen objektiv und nachvollziehbar sein, aber auch entwicklungsorientiert und motivierend. Wer Beurteilungsfehler kennt und aktiv gegensteuert, wer moderne Tools nutzt und eine offene Feedbackkultur pflegt, macht aus Mitarbeiterbeurteilungen ein wirkungsvolles Führungsinstrument.

Du möchtest objektive Diagnostik und wissenschaftlich fundierte Verfahren auch für dein Performance Management nutzen? Die Plattform Aivy bietet Potenzialanalysen und kompetenzbasierte Assessments, die nicht nur im Recruiting, sondern auch für interne Mobilität und Beförderungen eingesetzt werden können. Mehr über objektive Eignungsdiagnostik und Potenzialanalyse mit Aivy erfahren.

Quellen

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Die Mitarbeiterbeurteilung ist ein zentrales Instrument der Personalführung zur systematischen Bewertung von Leistung, Verhalten und Potenzial bestehender Mitarbeiter:innen. Sie dient der gezielten Personalentwicklung, Entscheidungsgrundlage für Beförderungen und Gehaltsanpassungen sowie der Förderung einer transparenten Feedbackkultur. Wichtig sind klare Beurteilungskriterien, regelmäßige Durchführung und die Vermeidung typischer Beurteilungsfehler wie Halo-Effekt oder Unconscious Bias.

Was ist Mitarbeiterbeurteilung? – Definition

Die Mitarbeiterbeurteilung (auch Personalbeurteilung oder Mitarbeiterbewertung genannt) ist die planmäßige, systematische Bewertung von Arbeitnehmer:innen durch Vorgesetzte, Kolleg:innen oder die Person selbst. Sie erfolgt in der Regel jährlich im Rahmen von Jahresgesprächen oder anlassbezogen bei Beförderungen, Versetzungen oder zur Erstellung von Arbeitszeugnissen.

Im Kern geht es darum, drei zentrale Dimensionen zu beurteilen:

Leistungsbeurteilung bewertet die tatsächlichen Arbeitsergebnisse: Wurden die vereinbarten Ziele erreicht? Wie hoch ist die Qualität und Quantität der Arbeit? Diese Dimension ist besonders relevant für leistungsabhängige Vergütung und Bonussysteme.

Verhaltensbeurteilung fokussiert auf das Arbeitsverhalten: Wie teamfähig ist die Person? Wie zuverlässig, kommunikativ und konfliktfähig? Diese Soft Skills sind oft genauso wichtig wie fachliche Kompetenzen, werden aber schwerer objektiv messbar.

Potenzialbeurteilung schätzt die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten ein: Hat die Person Führungspotenzial? Ist sie lernbereit und entwicklungsfähig? Diese Dimension ist entscheidend für Nachfolgeplanung und gezielte Personalentwicklung.

Ziele aus Unternehmenssicht

Für Arbeitgeber dient die Mitarbeiterbeurteilung mehreren strategischen Zwecken: Sie objektiviert Personalentscheidungen bei Beförderungen, Versetzungen oder Kündigungen. Sie steigert die Arbeitsleistung durch Motivation und klare Erwartungskommunikation. Sie optimiert den Personaleinsatz, indem Stärken und Schwächen erkannt und Menschen entsprechend eingesetzt werden. Und sie schafft ein einheitliches Führungsverhalten durch standardisierte Beurteilungskriterien.

Ziele aus Mitarbeiterperspektive

Auch Arbeitnehmer:innen profitieren: Sie erhalten transparentes Feedback zu ihren Leistungen und wissen, wo sie stehen. Sie bekommen Anerkennung für gute Arbeit und konstruktive Hinweise zu Verbesserungspotenzialen. Sie erfahren klare Entwicklungsperspektiven und können ihre Karriere gezielter planen. Und sie haben laut Betriebsverfassungsgesetz ein Erörterungsrecht – sie können ihre Beurteilung besprechen und Widerspruch einlegen.

Rechtliche Grundlagen der Mitarbeiterbeurteilung

BetrVG §82: Erörterungsrecht der Arbeitnehmer:innen

Das Betriebsverfassungsgesetz gibt Arbeitnehmer:innen das Recht, ihre Beurteilung und berufliche Entwicklung mit Vorgesetzten zu erörtern. Nach §82 BetrVG können sie verlangen, dass ein Betriebsratsmitglied beim Gespräch anwesend ist. Dieses Erörterungsrecht ist nicht optional – Arbeitgeber:innen müssen es gewähren.

BetrVG §87, §94: Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats

Bei der Einführung von Beurteilungssystemen hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht gemäß §87 Abs. 1 Nr. 10 BetrVG (Grundsätze der Ordnung des Betriebes) und §94 BetrVG (Personalfragebögen). Das bedeutet: Beurteilungsbögen, Kriterien und Prozesse müssen mit dem Betriebsrat abgestimmt werden. Ohne diese Zustimmung sind Beurteilungen unwirksam.

DSGVO: Datenschutz bei Mitarbeiterbeurteilungen

Mitarbeiterbeurteilungen sind personenbezogene Daten und fallen unter die Datenschutz-Grundverordnung. Arbeitgeber:innen müssen die Grundsätze der Datensparsamkeit, Zweckbindung und Transparenz beachten. Das bedeutet konkret:

Die Erhebung muss für einen legitimen Zweck erfolgen (§26 BDSG neu). Die Daten dürfen nur für diesen Zweck verwendet werden. Mitarbeiter:innen haben ein Auskunftsrecht über ihre gespeicherten Beurteilungen. Und Beurteilungen müssen nach einer bestimmten Frist gelöscht werden – in der Regel nach 5 Jahren, wenn sie nicht mehr für Personalentscheidungen benötigt werden.

Methoden und Arten der Mitarbeiterbeurteilung

Klassische Mitarbeiterbeurteilung

Die klassische Form ist die Beurteilung durch direkte Vorgesetzte. Sie erfolgt meist anhand standardisierter Beurteilungsbögen mit definierten Kriterien (z.B. Arbeitsqualität, Selbstständigkeit, Teamfähigkeit). Die Bewertung wird auf einer Skala vergeben (z.B. 1-5 oder schulnotenähnlich). Vorteil: klar strukturiert, vergleichbar. Nachteil: anfällig für Beurteilungsfehler, einseitige Perspektive.

360-Grad-Feedback

Beim 360-Grad-Feedback wird eine Person aus mehreren Perspektiven beurteilt: von Vorgesetzten, Kolleg:innen auf gleicher Ebene, Mitarbeitenden (bei Führungskräften) und teilweise auch Kund:innen. Zusätzlich erfolgt eine Selbstbeurteilung. Diese Methode liefert ein umfassendes Bild und reduziert Verzerrungen durch einzelne Beurteiler:innen. Sie ist allerdings aufwändiger und erfordert eine offene Feedbackkultur.

Selbstbeurteilung

Mitarbeiter:innen reflektieren ihre eigene Leistung und bewerten sich selbst anhand der gleichen Kriterien wie die Vorgesetzten. Die Selbstbeurteilung wird dann im Gespräch mit der Fremdeinschätzung abgeglichen. Diese Methode fördert Selbstreflexion und erhöht die Akzeptanz der Beurteilung. Sie sollte aber immer mit Fremdbeurteilungen kombiniert werden, da Menschen sich oft zu mild oder zu streng beurteilen.

Kollegenbeurteilung (Peer Review)

Kolleg:innen auf gleicher Hierarchieebene beurteilen einander. Dies kann wertvolle Einblicke in Teamdynamik und Zusammenarbeit geben, da Kolleg:innen die tägliche Arbeit oft näher miterleben als Vorgesetzte. Risiken: mögliche Manipulation durch persönliche Sympathien oder Rivalitäten, fehlende Beurteilungskompetenz.

Vorgesetztenbeurteilung (Upward Feedback)

Mitarbeiter:innen bewerten ihre Führungskraft. Dies ist besonders wertvoll für die Entwicklung von Führungskompetenzen. Vorgesetzte erhalten direktes Feedback zu ihrem Führungsverhalten, ihrer Kommunikation und Unterstützung. Wichtig: Anonymität der Bewertungen, um ehrliches Feedback zu ermöglichen.

Continuous Feedback

Der moderne Ansatz: Statt einmal jährlich wird kontinuierlich Feedback gegeben – nach Projekten, in regelmäßigen 1:1-Meetings, zeitnah zu konkreten Situationen. Dies entspricht agilen Arbeitsweisen besser und macht Feedback relevanter und umsetzbarer. Tools wie Slack, Microsoft Teams oder spezialisierte Performance-Management-Software unterstützen diesen Ansatz.

Ablauf einer Mitarbeiterbeurteilung

Phase 1: Vorbereitung

Eine gute Vorbereitung ist entscheidend. Vorgesetzte sollten klare Beurteilungskriterien festlegen, die für alle Mitarbeiter:innen gleich gelten. Über das Jahr hinweg werden Beobachtungen dokumentiert – nicht nur kurz vor dem Gespräch, um den Recency-Effekt zu vermeiden. Idealerweise holen Vorgesetzte auch eine Selbstbeurteilung der Mitarbeiter:innen ein, um unterschiedliche Perspektiven abzugleichen.

Phase 2: Durchführung (Beurteilungsgespräch)

Das Beurteilungsgespräch sollte wertschätzend und konstruktiv geführt werden. Eine bewährte Struktur:

Einstieg mit positiven Aspekten beginnen. Dann Leistungen anhand konkreter Beispiele besprechen – nicht nur allgemeine Aussagen, sondern spezifische Situationen. Auch Verbesserungspotenziale ansprechen, aber lösungsorientiert: Was kann die Person tun, um sich zu verbessern? Welche Unterstützung braucht sie?

Gemeinsam konkrete Entwicklungsziele für das nächste Jahr vereinbaren – messbar, erreichbar, terminiert (SMART-Kriterien). Die Mitarbeiter:in erhält ausreichend Raum für ihre Perspektive und kann Fragen stellen oder Widerspruch einlegen.

Phase 3: Nachbereitung

Nach dem Gespräch werden die Ergebnisse schriftlich festgehalten: Beurteilung, vereinbarte Ziele, geplante Entwicklungsmaßnahmen. Beide Seiten unterschreiben das Protokoll. Ein Exemplar geht an die Personalakte (DSGVO-konform aufbewahrt), eines erhält die Mitarbeiter:in.

Wichtig: Ein Follow-up-Termin wird vereinbart, um zu prüfen, ob die Entwicklungsziele erreicht werden. Beurteilung ist kein einmaliger Akt, sondern ein kontinuierlicher Prozess.

Herausforderungen und Beurteilungsfehler

Typische Beurteilungsfehler

Auch erfahrene Führungskräfte unterliegen unbewussten Verzerrungen. Die häufigsten Beurteilungsfehler:

Halo-Effekt: Ein einzelnes positives oder negatives Merkmal überstrahlt die gesamte Bewertung. Beispiel: Wer eloquent ist, wird automatisch auch als fachlich kompetent wahrgenommen – selbst wenn die Arbeitsergebnisse das nicht belegen.

Recency-Effekt (Nikolaus-Effekt): Nur die jüngsten Ereignisse kurz vor der Beurteilung zählen, während die Leistung über das gesamte Jahr ignoriert wird. Eine Studie von Nobelpreisträger Daniel Kahneman zeigte sogar, dass Richter kurz vor der Mittagspause strenger urteilen als nach dem Essen – pure Tagesverfassung beeinflusst Beurteilungen.

Tendenz zur Mitte: Vorgesetzte vergeben übermäßig häufig mittlere Bewertungen, um Konflikte zu vermeiden oder sich nicht festlegen zu müssen. Das macht Beurteilungen wenig aussagekräftig und frustriert Hochleistende.

Lorbeereffekt: Vergangene Erfolge zählen zu viel, ohne Bezug zum aktuellen Beurteilungszeitraum. Jemand ruht sich auf alten Lorbeeren aus, wird aber trotzdem gut bewertet.

Unconscious Bias in Mitarbeiterbeurteilungen

Unbewusste Vorurteile beeinflussen Beurteilungen massiv. Studien zeigen: Menschen mit Migrationshintergrund werden bei gleicher Leistung schlechter bewertet (Hans-Böckler-Stiftung). Frauen erhalten seltener konstruktives Feedback zu Entwicklungsmöglichkeiten als Männer. Ältere Arbeitnehmer:innen werden oft als weniger entwicklungsfähig eingeschätzt.

Laut McKinsey haben Unternehmen mit geringer Diversität eine um 66% niedrigere Wahrscheinlichkeit, finanziell besser abzuschneiden als der Durchschnitt. Faire, objektive Beurteilungen sind also nicht nur eine ethische Frage, sondern ein Wettbewerbsvorteil.

Lösungsansätze: Objektive Bewertung

Wie lassen sich Beurteilungsfehler reduzieren? Mehrere Ansätze haben sich bewährt:

Schulungen für Führungskräfte: Google hat mit seinem "Unconscious Bias@Work"-Training bereits über 26.000 Mitarbeiter:innen sensibilisiert. Wer sich seiner Vorurteile bewusst ist, kann sie besser kontrollieren.

Strukturierte Kriterien: Statt vager Eindrücke sollten konkrete, beobachtbare Verhaltensweisen bewertet werden. Nicht "Teamfähigkeit" allgemein, sondern "Unterstützt aktiv Kolleg:innen bei Projekten" mit konkreten Beispielen.

360-Grad-Feedback: Mehrere Perspektiven reduzieren individuelle Verzerrungen.

Datenbasierte Ansätze: Moderne Eignungsdiagnostik nutzt wissenschaftlich validierte Verfahren, um Kompetenzen und Potenziale objektiv zu messen. Während Aivy primär im Recruiting eingesetzt wird, können die Prinzipien der objektiven Diagnostik auch im Performance Management helfen: Game-Based Assessments und wissenschaftlich validierte Fragebögen, entwickelt in Zusammenarbeit mit der FU Berlin, reduzieren Unconscious Bias durch datenbasierte Bewertung. Solche Verfahren eignen sich nicht nur für die Auswahl neuer Mitarbeiter:innen, sondern auch für Potenzialanalysen bei Beförderungen oder interner Mobilität.

Best Practices für faire und motivierende Mitarbeiterbeurteilungen

Klare, transparente Beurteilungskriterien festlegen

Mitarbeiter:innen müssen wissen, woran sie gemessen werden. Die Kriterien sollten im Voraus bekannt sein, für alle gleich gelten und sich auf die tatsächlichen Aufgaben beziehen. Keine subjektiven Kategorien wie "Ausstrahlung", sondern konkrete Verhaltensweisen.

Regelmäßiges Feedback statt einmaliges Jahresgespräch

Der Trend geht weg von jährlichen Reviews hin zu kontinuierlichem Feedback. Viele Unternehmen setzen auf quartalsweise Check-ins oder sogar monatliche 1:1-Meetings. Feedback ist umso wirkungsvoller, je zeitnaher es erfolgt. Wer erst nach einem Jahr erfährt, dass ein Projekt nicht den Erwartungen entsprach, kann nicht mehr gegensteuern.

Entwicklungsorientierung: Nicht nur bewerten, sondern fördern

Beurteilung sollte nie Selbstzweck sein. Das Ziel ist Entwicklung. Nach jeder Beurteilung sollte ein konkreter Entwicklungsplan stehen: Welche Weiterbildungen werden angeboten? Welche neuen Aufgaben können übernommen werden? Wie wird die Führungskraft unterstützen?

Rechtssichere Dokumentation (DSGVO-konform)

Beurteilungen müssen nachvollziehbar dokumentiert werden – besonders bei späteren Kündigungen. Aber: Datensparsamkeit beachten! Nur das aufschreiben, was für Personalentscheidungen relevant ist. Nach 5 Jahren löschen, wenn keine aktive Verwendung mehr. Zugriff nur für berechtigte Personen. Mitarbeiter:innen haben ein Auskunftsrecht.

Digitale Tools und Software nutzen

Moderne HR-Software erleichtert Beurteilungsprozesse erheblich:

All-in-One HR-Software wie Personio, HRworks, BambooHR, SAP SuccessFactors oder Workday bieten integrierte Performance-Management-Module. Sie erinnern automatisch an anstehende Gespräche, stellen Vorlagen bereit und ermöglichen zentrale Auswertungen.

Spezialisierte Performance-Management-Tools wie Easyreview, Culture Amp, Leapsome oder Lattice fokussieren sich ausschließlich auf Beurteilungen und Entwicklung. Sie bieten oft erweiterte Funktionen wie kontinuierliches Feedback, OKR-Tracking oder Entwicklungspläne.

Kostenlose Tools wie OrangeHRM (Open Source) oder Teamflect (für Microsoft Teams) eignen sich für kleinere Unternehmen mit begrenztem Budget.

Wichtig bei der Tool-Auswahl: DSGVO-Konformität, einfache Bedienung und Integration in bestehende HR-Systeme.

Moderne Ansätze: OKR, Continuous Feedback, agiles Performance Management

Die klassische jährliche Mitarbeiterbeurteilung passt nicht mehr zu agilen Arbeitsweisen. Moderne Ansätze:

OKR (Objectives and Key Results): Ambitionierte Ziele (Objectives) werden mit messbaren Schlüsselergebnissen (Key Results) verknüpft. Die Bewertung erfolgt quartalsweise anhand der Zielerreichung.

Continuous Feedback: Statt einmal jährlich wird kontinuierlich Feedback gegeben – niedrigschwellig, zeitnah, konstruktiv.

Agiles Performance Management: Kurze Feedback-Zyklen, flexible Zielanpassung, Fokus auf Lernen statt Bewerten.

Häufige Fragen zur Mitarbeiterbeurteilung

Was ist eine Mitarbeiterbeurteilung?

Eine Mitarbeiterbeurteilung ist die systematische Bewertung von Leistung, Verhalten und Potenzial bestehender Mitarbeiter:innen durch Vorgesetzte. Sie dient der Personalentwicklung, als Entscheidungsgrundlage für Beförderungen und Gehaltsanpassungen sowie der Förderung einer transparenten Feedbackkultur. Sie erfolgt regelmäßig (meist jährlich) oder anlassbezogen (z.B. vor Beförderung).

Welche Methoden der Mitarbeiterbeurteilung gibt es?

Es gibt verschiedene Methoden: Die klassische Mitarbeiterbeurteilung erfolgt durch Vorgesetzte. Beim 360-Grad-Feedback bewerten Vorgesetzte, Kolleg:innen, Mitarbeitende und ggf. Kund:innen. Bei der Selbstbeurteilung reflektiert die Person ihre eigene Leistung. Die Kollegenbeurteilung ist ein Peer Review auf gleicher Ebene. Bei der Vorgesetztenbeurteilung geben Mitarbeiter:innen Upward Feedback. Continuous Feedback erfolgt regelmäßig und zeitnah, nicht nur jährlich.

Wie oft sollte eine Mitarbeiterbeurteilung durchgeführt werden?

Klassischerweise findet eine Mitarbeiterbeurteilung mindestens einmal jährlich statt, oft im Rahmen des Jahresgesprächs. Moderne Ansätze setzen auf quartalsweise oder kontinuierliche Beurteilungen (Continuous Feedback). Anlassbezogene Beurteilungen erfolgen bei Beförderungen, Versetzungen, am Ende der Probezeit oder für Arbeitszeugnisse. Der Trend geht weg von jährlichen Reviews hin zu regelmäßigem, informellem Feedback, das agiler und relevanter ist.

Was sind typische Beurteilungsfehler und wie vermeide ich sie?

Häufige Beurteilungsfehler sind: Der Halo-Effekt, bei dem ein Merkmal alle anderen überstrahlt – dagegen hilft es, mehrere Kriterien separat zu bewerten. Der Recency-Effekt (Nikolaus-Effekt), bei dem nur aktuelle Ereignisse zählen – kontinuierliche Dokumentation über das Jahr verhindert dies. Die Tendenz zur Mitte, bei der alle durchschnittlich bewertet werden – hier braucht es Mut zu differenzierter Bewertung. Unconscious Bias bezeichnet unbewusste Vorurteile aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder Alter – Schulungen, strukturierte Kriterien und 360-Grad-Feedback helfen dagegen. Der Lorbeereffekt lässt vergangene Erfolge zu viel zählen – der Fokus sollte auf dem aktuellen Beurteilungszeitraum liegen.

Welche rechtlichen Vorgaben muss ich beachten?

Nach BetrVG §82 haben Arbeitnehmer:innen das Recht auf Erörterung ihrer Beurteilung. BetrVG §94 regelt das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats bei Einführung von Beurteilungssystemen. Die DSGVO schützt personenbezogene Daten bei Erhebung, Speicherung und Weitergabe von Beurteilungsdaten. Die Aufbewahrungsfrist beträgt in der Regel 5 Jahre, danach müssen Beurteilungen gelöscht werden (Datensparsamkeit). Arbeitsgerichtlich muss die Beurteilung nachvollziehbar, fair und widerspruchsfrei sein.

Wie führe ich ein gutes Beurteilungsgespräch?

Ein gutes Beurteilungsgespräch beginnt mit gründlicher Vorbereitung: Kriterien klar definieren, konkrete Beispiele sammeln, Selbstbeurteilung einholen. Die Gesprächsführung sollte wertschätzend, konkret und lösungsorientiert sein – nicht nur Kritik, sondern auch Anerkennung. Die Struktur folgt dem Muster: Leistung besprechen, Verhalten reflektieren, Potenzial einschätzen, gemeinsam Entwicklungsziele vereinbaren. Bei der Nachbereitung werden Ergebnisse schriftlich festgehalten, ein Entwicklungsplan erstellt und ein Follow-up-Termin vereinbart. Wichtig: Nicht nur einmal jährlich – regelmäßiges Feedback ist effektiver.

Welche Software-Tools gibt es für Mitarbeiterbeurteilungen?

All-in-One HR-Software wie Personio, HRworks, BambooHR, SAP SuccessFactors und Workday bieten integrierte Module. Spezialisierte Performance-Management-Tools sind Easyreview, Culture Amp, Leapsome und Lattice. Kostenlose Tools wie OrangeHRM (Open Source) oder Teamflect (für Microsoft Teams) eignen sich für kleinere Budgets. Wichtig bei der Auswahl sind DSGVO-Konformität, einfache Bedienung und Integration in bestehende HR-Systeme. Funktionen sollten automatische Erinnerungen, Vorlagen, Auswertungen und Entwicklungspläne umfassen.

Was ist der Unterschied zwischen Leistungs-, Verhaltens- und Potenzialbeurteilung?

Die Leistungsbeurteilung bewertet die Arbeitsergebnisse: Zielerreichung, Qualität und Quantität der Arbeit. Die Verhaltensbeurteilung fokussiert auf das Arbeitsverhalten: Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit und Kommunikation. Die Potenzialbeurteilung schätzt die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten ein: Führungspotenzial und Lernbereitschaft. In der Praxis werden diese Dimensionen oft kombiniert: Eine ganzheitliche Mitarbeiterbeurteilung berücksichtigt alle drei Aspekte.

Fazit

Mitarbeiterbeurteilung ist mehr als eine Pflichtübung – sie ist ein strategisches Instrument für Personalentwicklung, Motivation und faire Personalentscheidungen. Erfolgreiche Beurteilungen basieren auf klaren Kriterien, regelmäßigem Feedback und der konsequenten Vermeidung von Beurteilungsfehlern. Moderne Unternehmen setzen zunehmend auf kontinuierliche Feedbackprozesse statt auf jährliche Reviews, um agiler auf Veränderungen zu reagieren und Mitarbeiter:innen gezielter zu fördern.

Die Herausforderung liegt in der Balance: Beurteilungen müssen objektiv und nachvollziehbar sein, aber auch entwicklungsorientiert und motivierend. Wer Beurteilungsfehler kennt und aktiv gegensteuert, wer moderne Tools nutzt und eine offene Feedbackkultur pflegt, macht aus Mitarbeiterbeurteilungen ein wirkungsvolles Führungsinstrument.

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Quellen

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Florian Dyballa

CEO, Co-Founder

Über Florian

  • Gründer & CEO von Aivy – entwickelt innovative Wege der Personaldiagnostik und zählt zu den Top 10 HR-Tech-Gründern Deutschlands (Business Punk)
  • Über 500.000 digitale Eignungstests erfolgreich im Einsatz bei mehr als 100 Unternehmen wie Lufthansa, Würth und Hermes
  • Dreifach mit dem HR Innovation Award ausgezeichnet und regelmäßig in führenden Wirtschaftsmedien präsent (WirtschaftsWoche, Handelsblatt und FAZ)
  • Verbindet als Wirtschaftspsychologe und Digital-Experte fundierte Tests mit KI für faire Chancen in der Personalauswahl
  • Teilt Expertise als gefragter Vordenker der HR-Tech-Branche – in Podcasts, Medien und auf wichtigen Branchenveranstaltungen
  • Gestaltet aktiv die Zukunft der Arbeitswelt – durch die Verbindung von Wissenschaft und Technologie für bessere und gerechtere Personalentscheidungen
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Dr. Kevin-Lim Jungbauer
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