Die Fluktuationsrate (auch Fluktuationsquote) gibt an, wie viele Mitarbeiter:innen ein Unternehmen innerhalb eines bestimmten Zeitraums verlassen – gemessen am durchschnittlichen Personalbestand. In Deutschland liegt die durchschnittliche Fluktuationsrate bei 30-34%, variiert aber stark nach Branche (Gastgewerbe bis 70%, Banken/Versicherungen ca. 10%). Eine hohe Fluktuation verursacht erhebliche Kosten (durchschnittlich 100-150% eines Jahresgehalts pro Abgang) und deutet oft auf Probleme in Führung, Unternehmenskultur oder Mitarbeiterbindung hin.
Definition: Was ist die Fluktuationsrate?
Die Fluktuationsrate ist eine zentrale Kennzahl im Personalcontrolling, die den Anteil der Personalabgänge am durchschnittlichen Personalbestand eines Unternehmens innerhalb eines definierten Zeitraums misst. Sie gibt Aufschluss über die Stabilität der Belegschaft und ist ein wichtiger Indikator für die Mitarbeiterzufriedenheit und Unternehmenskultur.
Das Personalcontrolling bezeichnet die systematische Erfassung, Analyse und Steuerung von personalbezogenen Kennzahlen wie Fluktuation, Krankenstand oder Personalkosten zur Unterstützung strategischer HR-Entscheidungen. Die Fluktuationsrate zählt dabei zu den wichtigsten zehn Unternehmenskennzahlen überhaupt.
Fluktuationsrate vs. Fluktuationsquote
Die Begriffe Fluktuationsrate und Fluktuationsquote werden im deutschen Sprachraum synonym verwendet. Beide bezeichnen das gleiche Konzept: den Anteil der Personalabgänge am durchschnittlichen Personalbestand. Im englischsprachigen Raum wird der Begriff "Turnover Rate" verwendet.
Fluktuationsrate berechnen: Formeln & Berechnungsarten
Für die Berechnung der Fluktuationsrate gibt es verschiedene Formeln, die je nach Analysezweck unterschiedliche Aspekte berücksichtigen. Die Wahl der richtigen Formel hängt davon ab, welche Erkenntnisse du gewinnen möchtest.
Basisformel (einfachste Variante)
Die Basisformel ist die einfachste Berechnungsmethode und eignet sich für einen schnellen Überblick:
Formel: (Anzahl der Personalabgänge / durchschnittlicher Personalbestand) × 100
Beispiel: Ein Unternehmen hat 100 Mitarbeiter:innen und verzeichnet 15 Abgänge im Jahr.
→ Fluktuationsrate = (15 / 100) × 100 = 15%
Der durchschnittliche Personalbestand ist der Mittelwert der Mitarbeiter:innenzahl über einen bestimmten Zeitraum. Er wird typischerweise berechnet als: (Personalbestand am 1.1. + Personalbestand am 31.12.) / 2.
BDA-Formel (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände)
Die BDA-Formel fokussiert auf freiwillige Abgänge und gibt Aufschluss über die tatsächliche Wechselbereitschaft der Belegschaft:
Formel: (Freiwillige Personalabgänge / durchschnittlicher Personalbestand) × 100
Diese Formel filtert betriebsbedingte Kündigungen, Renteneintritte und befristete Verträge heraus und konzentriert sich auf Kündigungen durch Arbeitnehmer:innen. Sie ist besonders aussagekräftig, wenn du die Mitarbeiterbindung bewerten möchtest.
Schlüter-Formel (berücksichtigt Neuzugänge)
Die Schlüter-Formel berücksichtigt sowohl Abgänge als auch Neueinstellungen und liefert ein differenzierteres Bild:
Formel: (Anzahl der Personalabgänge / (Anfangspersonalbestand + Personalzugänge)) × 100
Diese Methode ist komplexer, vermeidet aber Verzerrungen durch Personalaufbau oder -abbau während des Betrachtungszeitraums.
ZVEI-Formel (ersetzte Abgänge)
Die ZVEI-Formel (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie) konzentriert sich auf tatsächlich ersetzte Positionen:
Formel: (Ersetzte Abgänge / durchschnittlicher Personalbestand) × 100
Wobei: Ersetzte Abgänge = (Anzahl der Personalzugänge + Anzahl der Personalabgänge) / 2
Diese Formel ist besonders relevant, wenn du die tatsächliche Belastung durch Neubesetzungen messen möchtest.
Welche Formel ist die richtige für mein Unternehmen?
Die Wahl der Formel hängt von deinem Analyseziel ab:
- Basisformel: Für schnellen Gesamtüberblick und Branchenvergleich
- BDA-Formel: Für Analyse der Mitarbeiterbindung und freiwilligen Fluktuation
- Schlüter-Formel: Bei starkem Wachstum oder Personalabbau
- ZVEI-Formel: Für Fokus auf tatsächlichen Wiederbeschaffungsaufwand
Wichtig ist, über längere Zeiträume immer die gleiche Formel zu verwenden, um vergleichbare Werte zu erhalten.
Arten der Fluktuation
Nicht jeder Personalabgang ist gleich zu bewerten. Die Unterscheidung verschiedener Fluktuationsarten hilft, gezielte Maßnahmen abzuleiten.
Natürliche Fluktuation (Ruhestand, Tod, befristete Verträge)
Zur natürlichen Fluktuation zählen Austritte, auf die weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer:innen direkten Einfluss haben. Dazu gehören:
- Eintritt in den Ruhestand
- Tod von Mitarbeiter:innen
- Auslaufen befristeter Arbeitsverträge
Diese Form der Fluktuation ist normal und planbar. Sie stellt kein Alarmsignal dar, sollte aber in der Personalplanung berücksichtigt werden.
Unternehmensinterne Fluktuation (Versetzung, Beförderung)
Bei der unternehmensinternen Fluktuation wechseln Mitarbeiter:innen innerhalb des Unternehmens die Position oder Abteilung. Dies kann geschehen durch:
- Beförderungen
- Versetzungen
- Job Rotation
- Redeployment
Diese Form der Fluktuation ist oft positiv zu bewerten, da sie Entwicklungsmöglichkeiten schafft und Potenziale besser ausschöpft.
Unternehmensexterne Fluktuation (freiwillige & unfreiwillige Kündigung)
Die unternehmensexterne Fluktuation ist für HR-Verantwortliche am kritischsten:
Freiwillige Fluktuation: Mitarbeiter:innen verlassen das Unternehmen aus eigenem Antrieb – etwa wegen neuer Karrieremöglichkeiten, persönlicher Umstände oder beruflicher Neuorientierung. Hohe freiwillige Fluktuation deutet auf Defizite in der Mitarbeiterbindung hin.
Unfreiwillige Fluktuation: Das Unternehmen beendet das Arbeitsverhältnis – aufgrund unzureichender Leistung, Regelverstößen oder betriebsbedingter Entlassungen.
Frühfluktuation (innerhalb erster 12 Monate)
Frühfluktuation bezeichnet Kündigungen innerhalb der ersten 12 Monate nach Einstellung, oft bereits während der Probezeit. Sie ist besonders kostspielig, da Recruiting- und Onboarding-Kosten bereits angefallen sind, die Investition aber nicht zurückfließt.
Hauptursachen für Frühfluktuation sind:
- Schlechtes oder fehlendes Onboarding
- Unrealistische Erwartungen auf beiden Seiten
- Fehlende kulturelle Passung (Fehlbesetzung)
- Mangelnde Unterstützung in den ersten Wochen
Das Onboarding bezeichnet die systematische Einarbeitung neuer Mitarbeiter:innen in den ersten Wochen und Monaten, um schnelle Integration und Produktivität zu erreichen.
Fluktuationsrate in Deutschland & Branchenvergleich
Die Fluktuationsrate variiert stark nach Branche, Region und wirtschaftlicher Lage. Ein Vergleich mit Branchendurchschnitten ist daher unverzichtbar für die Einordnung der eigenen Zahlen.
Durchschnitt Deutschland: 30-34%
Laut Statistischem Bundesamt und Institut der deutschen Wirtschaft (IWD) liegt die durchschnittliche Fluktuationsrate in Deutschland im langjährigen Mittel bei 30-34%. Das bedeutet: Etwa jeder dritte Arbeitsplatz wird jährlich neu besetzt.
Im Pandemie-Jahr 2020 sank die Rate auf 29,8% – ein historisch niedriger Wert, der sogar unter der Fluktuationsrate während der Finanzkrise 2008/2009 (31,2%) lag. Die Entwicklung der Fluktuationsrate zeigt eine deutliche Korrelation zur Konjunktur und der Nachfrage nach Personal: In wirtschaftlichen Boom-Phasen steigt die Fluktuation, da mehr Jobwechsel möglich sind. In Rezessionsphasen sinkt sie, da Arbeitnehmer:innen vorsichtiger agieren.
Fluktuationsraten nach Branche (2023)
Die Fluktuationsrate unterscheidet sich erheblich zwischen verschiedenen Wirtschaftszweigen:
Quelle: Statistisches Bundesamt 2024, basierend auf Arbeitsmarktdaten aus dem Jahr 2023
Warum sind manche Branchen höher?
Die Unterschiede in den Fluktuationsraten lassen sich durch mehrere Faktoren erklären:
- Saisonale Schwankungen: In der Landwirtschaft und im Gastgewerbe besteht eine stark schwankende Arbeitskräftenachfrage (z.B. Erntehelfer:innen, Saisonkräfte in Hotels). Viele Stellen sind von vornherein nur zeitlich begrenzt angelegt.
- Qualifikationsanforderungen: In Branchen mit geringen fach- und betriebsspezifischen Anforderungen (z.B. Service-Jobs) ist das Wechselrisiko für Arbeitnehmer:innen niedriger. Der Verlust von betriebsspezifischem Know-how spielt eine geringere Rolle.
- Arbeitsmarktlage: In Branchen mit hoher Nachfrage und vielen offenen Stellen (z.B. IT) haben Arbeitnehmer:innen mehr Wechselmöglichkeiten und damit höhere Verhandlungsmacht.
- Arbeitsbedingungen: Branchen mit körperlich anstrengender Arbeit, Schichtdienst oder vergleichsweise niedriger Bezahlung verzeichnen tendenziell höhere Fluktuation.
Kosten der Fluktuation: Was kostet ein Personalwechsel?
Eine hohe Fluktuationsrate verursacht erhebliche Kosten – sowohl direkt messbare als auch schwer bezifferbare indirekte Kosten. Viele Unternehmen unterschätzen das finanzielle Ausmaß der Personalfluktuation erheblich.
Direkte Kosten
Austrittskosten:
- Kündigungsgespräche und Exit-Interviews (Zeitaufwand HR + Führungskraft)
- Abfindungen (insbesondere bei Aufhebungsverträgen)
- Freistellungen während Kündigungsfrist bei vollem Gehalt
- Ggf. Anwaltskosten bei Rechtsstreitigkeiten
Recruiting-Kosten:
- Stellenausschreibungen (Jobbörsen: 700-1.300 Euro pro Anzeige)
- Headhunter-Honorare (typisch: 25-30% des Jahresgehalts)
- Zeitaufwand für Bewerbungsprozess (Sichtung, Interviews, Assessments)
- Reisekosten für Bewerber:innen
Onboarding-Kosten:
- Strukturierte Einarbeitung (Zeitaufwand erfahrener Mitarbeiter:innen)
- Schulungen und Trainings
- IT-Ausstattung und Arbeitsplatz-Setup
- Produktivitätsverlust in der Einarbeitungsphase (neue Mitarbeiter:innen arbeiten anfangs mit reduzierter Leistung)
Indirekte Kosten
Die indirekten Kosten sind schwerer zu messen, machen aber oft den größeren Teil aus:
Produktivitätsverlust:
- Vakanzzeit: Offene Stellen führen zu Verzögerungen, ungenutzte Chancen oder Überlastung anderer Mitarbeiter:innen
- Einarbeitungszeit: Neue Mitarbeiter:innen benötigen 3-6 Monate, um voll produktiv zu sein
Wissensverlust:
- Verlust von Fachwissen, Prozesskenntnis und Kundenbeziehungen
- Notwendigkeit des Wissenstransfers (falls überhaupt noch möglich)
Motivationskosten:
- Unzufriedene Mitarbeiter:innen demotivieren das Team
- Verbleibende Mitarbeiter:innen müssen Mehrarbeit leisten
- Negative Auswirkungen auf Unternehmenskultur
Kundenverlust:
- Besonders kritisch im B2B-Bereich und bei kundennahen Positionen
- Langjährige Kundenbeziehungen können mit ausscheidenden Mitarbeiter:innen verloren gehen
Beispielrechnung: 10% Fluktuation bei 100 Mitarbeitenden
Laut Kompetenz Center Mitarbeiterbindung (KCM-Studie 2016) liegen die durchschnittlichen Kosten pro Fluktuationsfall bei etwa 43.000 Euro. Aktuelle Studien gehen von 100-150% des Jahresgehalts der ausscheidenden Person aus.
Annahme: 100 Mitarbeiter:innen, durchschnittliches Jahresgehalt 50.000 Euro, Fluktuationsrate 10%
- Anzahl Fluktuationsfälle: 10 Personen/Jahr
- Kosten pro Fall: 50.000 Euro (100% des Jahresgehalts)
- Gesamtkosten: 500.000 Euro pro Jahr
Bei einer Erhöhung der Fluktuationsrate auf 15% würden die Kosten auf 750.000 Euro steigen. Umgekehrt: Eine Senkung um nur 3 Prozentpunkte würde 150.000 Euro einsparen.
Wie lässt sich die Fluktuationsrate senken?
Die Reduzierung der Fluktuationsrate erfordert einen systematischen Ansatz, der bei der Ursachenanalyse beginnt und gezielte Maßnahmen auf mehreren Ebenen umfasst.
Ursachen analysieren: Exit-Interviews richtig durchführen
Exit-Interviews sind ein unverzichtbares Instrument zur systematischen Erfassung der Kündigungsgründe. Ein Exit-Interview ist ein strukturiertes Austrittsgespräch mit scheidenden Mitarbeiter:innen, um Kündigungsgründe zu erfassen und Verbesserungspotenziale zu identifizieren.
Best Practices für Exit-Interviews:
- Standardisierte Befragung: Nutze einen festen Fragenkatalog, um vergleichbare Daten über Zeit zu erhalten
- Kombination offen + geschlossen: Stelle Multiple-Choice-Fragen für quantitative Auswertung und offene Fragen für qualitative Einblicke
- Neutrale Atmosphäre: Führe das Gespräch möglichst durch eine neutrale Person (HR, nicht die direkte Führungskraft)
- Anonymisierung: Bei der Auswertung Daten aggregieren, um Muster zu erkennen (z.B. "In Abteilung X kritisieren 60% die Führung")
- Zeitpunkt: Kurz vor dem letzten Arbeitstag – früh genug für ehrliches Feedback, spät genug, dass keine Konsequenzen mehr befürchtet werden
Typische Fragen:
- Was war der Hauptgrund für Ihre Kündigung?
- Wie zufrieden waren Sie mit Ihrer Führungskraft? (Skala 1-10)
- Hätte etwas Sie zum Bleiben bewegen können?
- Wie bewerten Sie die Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen?
- Würden Sie uns als Arbeitgeber weiterempfehlen?
Mitarbeiterbindung stärken: Maßnahmen-Katalog
Gezielte Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung reduzieren die freiwillige Fluktuation nachhaltig:
Entwicklungsmöglichkeiten:
- Individuelle Karrierepfade aufzeigen
- Weiterbildungsbudget bereitstellen
- Interne Beförderungen priorisieren
Wertschätzungskultur:
- Regelmäßiges, konstruktives Feedback
- Anerkennung von Leistungen (nicht nur monetär)
- Transparente Kommunikation über Unternehmensziele
Flexible Arbeitsmodelle:
- Homeoffice-Optionen
- Flexible Arbeitszeiten
- Teilzeitmodelle und Sabbaticals
Vergütung & Benefits:
- Marktgerechte Bezahlung (regelmäßige Gehaltsanpassungen)
- Zusatzleistungen (betriebliche Altersvorsorge, Gesundheitsangebote)
- Leistungsabhängige Bonifikationen
Work-Life-Balance:
- Realistische Workloads
- Respekt vor Privatleben (keine Erwartung permanenter Erreichbarkeit)
- Gesundheitsförderung (Sportangebote, ergonomische Arbeitsplätze)
Onboarding verbessern: Frühfluktuation reduzieren
Ein strukturiertes Onboarding ist der effektivste Hebel gegen Frühfluktuation:
Checkliste für erfolgreiches Onboarding:
- Pre-Boarding: Kontakt vor dem ersten Arbeitstag halten, Willkommenspaket senden
- Erster Tag: Arbeitsplatz vorbereitet, Team-Vorstellung, Buddy-System
- Erste Woche: Einführung in Tools und Prozesse, klare Erwartungen kommunizieren
- Erste 30 Tage: Regelmäßige Check-ins (wöchentlich), erste kleine Erfolgserlebnisse ermöglichen
- Erste 90 Tage: Zwischenfeedback, Entwicklungsziele definieren, Integration ins Team fördern
Mentoring-Programme, bei denen erfahrene Mitarbeiter:innen neue Kolleg:innen begleiten, reduzieren Frühfluktuation nachweislich um 20-30%.
Recruiting-Qualität erhöhen: Fehlbesetzungen vermeiden
Hohe Recruiting-Qualität ist präventive Fluktuation-Senkung. Eine Fehlbesetzung ist die Einstellung einer Person, die nicht zu den Anforderungen der Stelle oder zur Unternehmenskultur passt – sie führt häufig zu Frühfluktuation.
Maßnahmen zur Verbesserung:
- Realistische Job-Previews: Zeige den Job authentisch (auch Herausforderungen), um unrealistische Erwartungen zu vermeiden
- Mehraugenprinzip: Involviere mehrere Personen in Auswahlentscheidungen
- Strukturierte Interviews: Nutze standardisierte Fragen und Bewertungskriterien
- Objektive Eignungsdiagnostik: Wissenschaftlich validierte Tests können Fehlbesetzungen reduzieren
Objektive Eignungsdiagnostik kann die Passung zwischen Bewerbenden und Stelle signifikant verbessern. Plattformen wie Aivy nutzen wissenschaftlich fundierte Game-Based Assessments und reduzieren Unconscious Bias im Auswahlprozess. Die Praxis zeigt: Die Frankfurt School konnte durch objektive Eignungsdiagnostik 30% weniger Fehlentscheidungen noch vor dem ersten Gespräch erzielen und erreichte einen 4-fachen ROI bereits im ersten Jahr.
Führungskultur optimieren: Regelmäßige Feedbackgespräche
Die Beziehung zur direkten Führungskraft ist der wichtigste Faktor für Mitarbeiterbindung. Studien zeigen: Menschen verlassen nicht Unternehmen, sondern Vorgesetzte.
Ansatzpunkte:
- Führungskräfte-Entwicklung: Investiere in Trainings zu Mitarbeiterführung, Konfliktmanagement und Feedbackkultur
- Regelmäßige 1:1s: Mindestens monatliche Einzelgespräche zwischen Führungskraft und Mitarbeiter:in
- 360°-Feedback: Lasse Führungskräfte regelmäßig von ihren Teams bewerten
- Transparente Ziele: Nutze Systeme wie OKRs für klare Zielsetzung und Fortschrittsmessung
- Psychologische Sicherheit: Schaffe eine Kultur, in der Fehler als Lernchance gesehen werden
Häufige Fragen zur Fluktuationsrate
Wie berechnet man die Fluktuationsrate?
Die Basisformel lautet: (Anzahl Abgänge / durchschnittlicher Personalbestand) × 100. Die BDA-Formel berücksichtigt nur freiwillige Abgänge, die Schlüter-Formel auch Neuzugänge im Zeitraum, und die ZVEI-Formel fokussiert auf ersetzte Abgänge. Die Wahl der Formel hängt vom Analysezweck ab – wichtig ist, über Zeit die gleiche Formel zu verwenden.
Was ist eine gute Fluktuationsrate?
Es gibt keine universelle Antwort, da die Rate stark branchenabhängig ist. Als gesunde Rate gelten 8-15% in stabilen Branchen. Der Deutschland-Durchschnitt liegt bei 30-34%. Im Gastgewerbe und in der Landwirtschaft sind 60-80% saisonal bedingt normal. Wichtig ist der Vergleich mit dem Branchendurchschnitt und die Beobachtung der Entwicklung über Zeit.
Welche Kosten verursacht eine hohe Fluktuationsrate?
Direkte Kosten umfassen Austritt (Abfindungen, Exit-Interviews), Recruiting (Stellenausschreibungen, Bewerbungsprozess) und Onboarding (Einarbeitung, Schulungen). Indirekte Kosten entstehen durch Produktivitätsverlust bei offenen Stellen und Einarbeitungszeit, Wissensverlust und Motivationskosten im Team. Im Durchschnitt verursacht ein Fluktuationsfall 100-150% des Jahresgehalts. Die KCM-Studie (2016) beziffert die Kosten auf ca. 43.000 Euro pro Fall. Bei 10% Fluktuation und 100 Mitarbeitenden entstehen somit ca. 400.000-600.000 Euro jährlich.
Was ist Frühfluktuation?
Frühfluktuation bezeichnet Kündigungen innerhalb der ersten 12 Monate nach Einstellung, oft bereits in der Probezeit. Sie ist besonders kostspielig, da Recruiting- und Onboarding-Kosten bereits angefallen sind. Hauptursachen sind schlechtes Onboarding, unrealistische Erwartungen und fehlende kulturelle Passung. Prävention gelingt durch strukturiertes Onboarding, realistische Job-Previews und regelmäßige Check-ins in den ersten Monaten.
Wie kann man die Fluktuationsrate senken?
Effektive Maßnahmen umfassen: (1) Ursachen durch Exit-Interviews systematisch analysieren, (2) Mitarbeiterbindung durch Entwicklungsmöglichkeiten, Wertschätzungskultur und flexible Arbeitsmodelle stärken, (3) Onboarding mit strukturierter Einarbeitung und Mentoring-Programmen verbessern, (4) Recruiting-Qualität durch objektive Eignungsdiagnostik erhöhen, um Fehlbesetzungen zu reduzieren, und (5) Führungskultur durch Führungskräfte-Schulung und regelmäßige Feedbackgespräche optimieren.
Was ist der Unterschied zwischen Fluktuationsrate und Fluktuationsquote?
Es gibt keinen Unterschied – beide Begriffe werden synonym verwendet. Beide bezeichnen den Anteil der Personalabgänge am durchschnittlichen Personalbestand. Regional unterschiedlich bevorzugt: "Fluktuationsrate" ist häufiger in Deutschland, im Englischen spricht man von "Turnover Rate".
Wie hoch ist die Fluktuationsrate in Deutschland?
Der Durchschnitt über alle Branchen liegt bei 30-34% (Quelle: Statistisches Bundesamt, Institut der deutschen Wirtschaft). Im Pandemie-Jahr 2020 sank sie auf 29,8%, einen historisch niedrigen Wert. Die Rate variiert stark nach Branche: Gastgewerbe 70-80%, Landwirtschaft 60-70%, Banken und Versicherungen 10-15%. Es besteht eine deutliche Korrelation zur Wirtschaftslage: In Boom-Phasen steigt die Fluktuation durch mehr Jobwechsel, in Rezessionen sinkt sie.
Welche Rolle spielen Exit-Interviews bei der Fluktuationsanalyse?
Exit-Interviews ermöglichen die systematische Erfassung von Kündigungsgründen und bilden eine wichtige Datenbasis. Sie helfen, Muster zu identifizieren (z.B. wiederkehrende Kritik an bestimmten Führungskräften oder Abteilungen). Empfohlen wird eine standardisierte Befragung für vergleichbare Daten über Zeit. Kombiniere offene und geschlossene Fragen. Wichtig sind eine neutrale Atmosphäre und die Anonymisierung bei der Auswertung, um ehrliche Antworten zu erhalten.
Fazit
Die Fluktuationsrate ist eine der wichtigsten HR-Kennzahlen zur Messung der Mitarbeiterbindung und gibt wertvolle Einblicke in die Unternehmenskultur. Mit einem Deutschland-Durchschnitt von 30-34% und erheblichen branchenspezifischen Unterschieden ist ein Vergleich mit dem eigenen Sektor unverzichtbar. Die Kosten einer hohen Fluktuation werden oft unterschätzt: Durchschnittlich 100-150% eines Jahresgehalts pro Abgang summieren sich schnell zu sechsstelligen Beträgen.
Die systematische Analyse durch Exit-Interviews, gezielte Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung und ein strukturiertes Onboarding sind die wirksamsten Hebel zur Senkung der Fluktuationsrate. Besonders die Recruiting-Qualität spielt eine präventive Rolle: Fehlbesetzungen führen häufig zu kostenintensiver Frühfluktuation. Eine Investition in objektive Auswahlverfahren zahlt sich daher mehrfach aus.
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Quellen
- Statistisches Bundesamt (Destatis): "Arbeitsmarktstatistik 2023 – Fluktuationsindikatoren". 2024. https://www.destatis.de
- Bundesagentur für Arbeit: "Arbeitsmarkt in Zahlen – Beschäftigungsstatistik". 2024. https://statistik.arbeitsagentur.de
- Institut der deutschen Wirtschaft (IWD): "Mitarbeiterfluktuation nach Branchen – IWD-Analyse". 2024. https://www.iwkoeln.de
- Kompetenz Center Mitarbeiterbindung (KCM): "Studie: Kosten der Mitarbeiterfluktuation". 2016. https://www.mitarbeiterbindung.info
- Rischke, Finn & Rischke, Jörg: "Fluktuationsmanagement – Praxishandbuch für Personaler und Führungskräfte". Schäffer-Poeschel Verlag, 2021.
- Haufe Online Redaktion: "Mitarbeiterfluktuation: Gründe, Kosten & Gegenmaßnahmen". 2025. https://www.haufe.de/personal/hr-management/fluktuation
- Gallup Inc.: "Gallup Engagement Index 2024". 2024. https://www.gallup.com
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