TLDR: Das 180 Grad Feedback ist eine strukturierte Feedback-Methode, bei der Führungskräfte oder Mitarbeitende Rückmeldungen aus zwei Perspektiven erhalten: von sich selbst (Selbsteinschätzung) und von ihrer direkten Führungskraft bzw. ihren Mitarbeitenden (Fremdeinschätzung). Der Abgleich von Selbst- und Fremdbild ermöglicht gezielte Entwicklungsmaßnahmen in Bereichen wie Führungskompetenz, Kommunikation und Zusammenarbeit. Im Vergleich zum aufwändigeren 360 Grad Feedback ist es ressourcenschonender und eignet sich besonders für Führungskräfte mit direktem Vorgesetzten oder für angehende Führungskräfte.
Was ist 180 Grad Feedback?
Definition und Grundprinzip
Das 180 Grad Feedback ist ein bewährtes Instrument der Personalentwicklung, das den strukturierten Abgleich von Selbstbild und Fremdbild ermöglicht. Die betreffende Person – in der Regel eine Führungskraft oder ein:e Mitarbeiter:in – beurteilt zunächst ihr eigenes Verhalten, ihre Kompetenzen und Leistungen. Parallel dazu holt sie Rückmeldungen von ihrer direkten Führungskraft oder von den ihr unterstellten Mitarbeitenden ein.
Der strukturierte Vergleich dieser beiden Perspektiven zeigt, wo Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung übereinstimmen und wo Unterschiede bestehen. Diese Erkenntnisse bilden eine fundierte Grundlage für gezielte Entwicklungsmaßnahmen und professionelles Feedback.
Das 180 Grad Feedback gehört zu den Multi-Rater-Feedback-Verfahren und wird häufig als Zwischenschritt zwischen dem einfachen 90 Grad Feedback (nur Vorgesetzten-Beurteilung) und dem umfassenden 360 Grad Feedback (zusätzlich Kolleg:innen, Kund:innen) eingesetzt.
Entstehung und Verbreitung
Multi-Rater-Feedback-Verfahren haben ihren Ursprung in den 1980er Jahren in den USA und wurden seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Das 180 Grad Feedback etablierte sich dabei als praktikable Alternative zum aufwändigeren 360 Grad Feedback, insbesondere in mittelständischen Unternehmen und bei Führungskräften der mittleren Ebene.
Heute ist das 180 Grad Feedback ein Standardinstrument in der Führungskräfteentwicklung und wird häufig im Rahmen von Performance Reviews oder Entwicklungsgesprächen eingesetzt.
Funktionsweise & Beteiligte
Wer gibt Feedback? (Zwei Perspektiven)
Das 180 Grad Feedback wird primär in zwei Konstellationen eingesetzt:
1. Fokus auf Mitarbeiter:in (Feedback von oben):
- Selbstbild: Der oder die Mitarbeiter:in beurteilt die eigenen Kompetenzen, Leistungen und Verhaltensweisen
- Fremdbild: Die Führungskraft beurteilt denselben oder dieselbe Mitarbeiter:in anhand identischer Kriterien
- Zweck: Dem oder der Mitarbeiter:in zeigen, wie sein oder ihr Verhalten und seine oder ihre Leistung von der Führungskraft wahrgenommen wird
2. Fokus auf Führungskraft (Feedback von unten):
- Selbstbild: Die Führungskraft beurteilt ihre eigenen Führungsqualitäten, Kommunikation und Verhaltensweisen
- Fremdbild: Die direkt unterstellten Mitarbeitenden (Direct Reports) beurteilen ihre Führungskraft anhand derselben Kriterien
- Zweck: Der Führungskraft wertvolle Einsichten geben, wie ihr Führungsstil tatsächlich auf das Team wirkt
Eine Sonderform betrifft angehende Führungskräfte (High Potentials), die noch keine unterstellten Mitarbeitenden haben. Hier wird die Bewertung von Kolleg:innen auf gleicher Hierarchieebene übernommen.
Selbstbild vs. Fremdbild: Der Kern der Methode
Der zentrale Mehrwert des 180 Grad Feedbacks liegt im Abgleich von Selbstbild und Fremdbild. Häufig nehmen Menschen ihr eigenes Verhalten anders wahr als andere Personen es erleben. Diese Wahrnehmungslücken können zu Missverständnissen, Konflikten oder ineffektiver Führung führen.
Das 180 Grad Feedback macht diese Lücken sichtbar:
- Übereinstimmung: Stärken, die sowohl selbst wahrgenommen als auch von anderen bestätigt werden
- Blinde Flecken: Schwächen, die andere sehen, die Person selbst aber nicht wahrnimmt
- Verborgene Stärken: Fähigkeiten, die andere schätzen, die Person selbst aber unterschätzt
- Überschätzung: Bereiche, in denen die Selbsteinschätzung positiver ausfällt als die Fremdwahrnehmung
Diese Erkenntnisse ermöglichen eine realistische Standortbestimmung und gezielte Entwicklung.
Typische Anwendungsfälle
Das 180 Grad Feedback kommt in folgenden Situationen zum Einsatz:
- Jährliche Performance Reviews für Mitarbeitende und Führungskräfte
- Entwicklungsgespräche zur Karriereplanung
- Vorbereitung angehender Führungskräfte (High Potentials)
- Onboarding neuer Führungskräfte (nach ca. 6 Monaten)
- Konfliktklärung und Verbesserung der Zusammenarbeit
- Identifikation von Schulungs- und Coaching-Bedarf
Vorteile & Nachteile
Vorteile des 180 Grad Feedbacks
- Mehrperspektivische Sicht: Im Gegensatz zur reinen Vorgesetzten-Beurteilung ermöglicht das 180 Grad Feedback einen ausgewogenen Blick auf Leistung und Verhalten. Der Abgleich von Selbst- und Fremdbild erhöht die Objektivität der Beurteilung.
- Erhöhte Selbstwahrnehmung: Führungskräfte und Mitarbeitende gewinnen Einblick in ihre Wirkung auf andere und erkennen eigene blinde Flecken. Diese Erkenntnisse sind oft der erste Schritt zu nachhaltiger Verhaltensänderung.
- Verbesserte Kommunikation: Der strukturierte Feedback-Prozess fördert offene Gespräche zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden. Themen, die sonst unausgesprochen bleiben, werden adressiert.
- Gezielte Entwicklung: Die konkreten Rückmeldungen ermöglichen passgenaue Entwicklungsmaßnahmen – von Coaching über Weiterbildungen bis hin zu gezielten Verhaltensänderungen.
- Ressourcenschonend: Im Vergleich zum 360 Grad Feedback ist der Aufwand deutlich geringer: weniger Feedback-Geber:innen, kürzere Durchführungszeit, einfachere Auswertung.
- Höhere Akzeptanz: Die überschaubare Anzahl an Beteiligten und der klare Fokus (Führungskraft-Mitarbeiter:in-Beziehung) machen das Verfahren für viele akzeptabler als umfassendere Methoden.
Nachteile & Grenzen der Methode
- Eingeschränkte Perspektive: Das 180 Grad Feedback bildet nur einen Ausschnitt ab. Die Perspektiven von Kolleg:innen, Kund:innen oder anderen Stakeholdern fehlen. Für Führungskräfte mit vielfältigen Schnittstellen kann dies zu unvollständigen Erkenntnissen führen.
- Potenzieller Bias: Sowohl die Selbsteinschätzung als auch die Fremdeinschätzung können verzerrt sein – durch mangelnde Selbstwahrnehmung, persönliche Sympathien oder Antipathien, oder tagesaktuelle Stimmungen.
- Hierarchie-Betonung: Das Verfahren konzentriert sich auf die vertikale Beziehung (oben-unten). Horizontale Zusammenarbeit mit Kolleg:innen oder abteilungsübergreifende Kompetenzen werden nicht erfasst.
- Abhängigkeit von Ehrlichkeit: Wenn Mitarbeitende Angst vor negativen Konsequenzen haben oder die Führungskraft sich nicht ehrlich einschätzt, verliert das Feedback an Aussagekraft. Vertrauen und psychologische Sicherheit sind Voraussetzung.
- Nicht für alle Positionen geeignet: Für Top-Führungskräfte, die kaum direkten Vorgesetzten-Kontakt haben, oder für Positionen mit starkem Kundenkontakt kann die Methode zu einseitig sein.
Wann lohnt sich der Einsatz?
Das 180 Grad Feedback eignet sich besonders für:
- Führungskräfte der unteren bis mittleren Ebene mit direktem Vorgesetzten und Team
- Angehende Führungskräfte (High Potentials) zur Vorbereitung auf Führungsaufgaben
- Unternehmen, die Feedback-Kultur aufbauen wollen (als Einstieg vor 360 Grad)
- Situationen, in denen Ressourcen begrenzt sind (Zeit, Budget, HR-Kapazitäten)
- Klare Entwicklungsziele (z.B. Verbesserung der Führungskommunikation)
Nicht empfehlenswert ist das 180 Grad Feedback bei:
- Top-Management mit vielen externen Stakeholdern (hier: 360 Grad besser geeignet)
- Sehr kleinen Teams (<3 Personen), da Anonymität nicht gewährleistet werden kann
- Akuten Krisensituationen (Feedback braucht stabiles Umfeld)
Abgrenzung zu anderen Feedback-Methoden
90 Grad Feedback (Nur Vorgesetzter)
Beim 90 Grad Feedback erfolgt die Beurteilung ausschließlich durch die direkte Führungskraft, ergänzt um eine Selbsteinschätzung des oder der Mitarbeiter:in.
Unterschiede zum 180 Grad Feedback:
- Nur eine Fremdbild-Perspektive (Vorgesetzter)
- Kein Feedback von Mitarbeitenden oder Kolleg:innen
- Schneller und einfacher durchzuführen
- Geringere Objektivität (nur eine Außenperspektive)
Wann sinnvoll: Für Mitarbeitende ohne Führungsverantwortung oder als Teil des klassischen Jahresgesprächs.
270 Grad Feedback (+ Kolleg:innen)
Das 270 Grad Feedback erweitert das 180 Grad Feedback um die Perspektive von Kolleg:innen auf derselben Hierarchieebene.
Zusätzliche Perspektiven:
- Feedback von Vorgesetzten
- Feedback von Mitarbeitenden
- Feedback von Kolleg:innen (gleiche Ebene)
- Selbsteinschätzung
Unterschiede zum 180 Grad Feedback:
- Umfassendere interne Perspektive
- Erkennt auch laterale Führungskompetenzen (Teamarbeit, abteilungsübergreifende Zusammenarbeit)
- Höherer Aufwand
Wann sinnvoll: Für Führungskräfte im mittleren Management mit vielen Schnittstellen zu anderen Abteilungen.
360 Grad Feedback (Rundum-Perspektive)
Das 360 Grad Feedback ist die umfassendste Methode und bezieht alle relevanten Stakeholder ein:
- Vorgesetzte
- Mitarbeitende
- Kolleg:innen
- Kund:innen (intern/extern)
- Geschäftspartner:innen
- Lieferant:innen
Unterschiede zum 180 Grad Feedback:
- Ganzheitliches Bild aus allen Richtungen
- Erfasst auch externe Perspektiven (Kund:innen, Partner:innen)
- Deutlich höherer Zeit- und Ressourcenaufwand
- Komplexere Auswertung
- Umfangreichere Erkenntnisse, aber auch höhere Komplexität
Wann sinnvoll: Für Top-Management, Führungskräfte mit vielen externen Kontakten, oder bei strategischen Entwicklungsprogrammen.
Entscheidungshilfe: Welche Methode für welche Situation?
Praktische Umsetzung
Vorbereitung & Zielsetzung
Bevor du ein 180 Grad Feedback einführst, kläre folgende Fragen:
1. Zielsetzung definieren:
- Geht es um Entwicklung (Stärken fördern, Schwächen adressieren)?
- Oder um Performance-Bewertung (Leistungsbeurteilung)?
- Wichtig: Kopple Feedback niemals direkt an Gehalt oder Beförderung – das führt zu unehrlichen Antworten und defensivem Verhalten.
2. Zielgruppe festlegen:
- Welche Führungskräfte/Mitarbeitende sollen Feedback erhalten?
- Wer gibt Feedback (Vorgesetzte, Mitarbeitende, beide)?
3. Prozess kommunizieren:
- Informiere alle Beteiligten transparent über Ziel, Ablauf und Vertraulichkeit
- Betone den Entwicklungscharakter (nicht Kontrolle!)
- Erkläre, wie Anonymität gewährleistet wird
4. Betriebsrat einbeziehen:
- In Deutschland unterliegt die Einführung von Feedback-Verfahren häufig der Mitbestimmung (§ 94 BetrVG)
- Frühzeitige Einbindung des Betriebsrats empfohlen
Fragebogen-Entwicklung: Qualitätskriterien & Beispielfragen
Der Fragebogen ist das Herzstück des 180 Grad Feedbacks. Seine Qualität entscheidet über die Aussagekraft der Ergebnisse.
Qualitätskriterien nach DIN 33430:
- Objektivität: Ergebnisse sind unabhängig von der auswertenden Person
- Reliabilität: Fragebogen liefert zuverlässige, stabile Ergebnisse
- Validität: Fragebogen misst tatsächlich das, was er messen soll (z.B. Führungskompetenz)
Aufbau eines guten Fragebogens:
- Umfang: 30-50 Aussagen (Bearbeitungszeit max. 15 Minuten)
- Format: Bewertungsskala 1-5 (z.B. 1 = trifft nicht zu, 5 = trifft voll zu)
- Ergänzung: 2-3 offene Fragen für qualitative Rückmeldungen
- Struktur: Thematisch gegliedert nach Kompetenzbereichen
Typische Fragebogen-Themen:
Führung & Zielsetzung:
- "Vermittelt klare Ziele und Erwartungen"
- "Setzt realistische und anspruchsvolle Ziele"
- "Priorisiert Aufgaben nachvollziehbar"
Kommunikation:
- "Hört aktiv zu und lässt andere ausreden"
- "Gibt konstruktives und wertschätzendes Feedback"
- "Informiert zeitnah über relevante Entwicklungen"
Teamarbeit & Zusammenarbeit:
- "Fördert Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung"
- "Schafft eine Atmosphäre des Vertrauens"
- "Geht fair mit Konflikten um"
Motivation & Anerkennung:
- "Erkennt Leistungen an und würdigt Erfolge"
- "Motiviert das Team auch in schwierigen Situationen"
- "Zeigt Interesse an der persönlichen Entwicklung der Mitarbeitenden"
Entscheidungsfindung:
- "Trifft Entscheidungen nachvollziehbar und zeitnah"
- "Bezieht relevante Personen in Entscheidungen ein"
- "Steht zu getroffenen Entscheidungen"
Selbstreflexion & Entwicklung:
- "Ist offen für Feedback und Kritik"
- "Arbeitet aktiv an der eigenen Weiterentwicklung"
- "Reflektiert das eigene Verhalten kritisch"
Offene Fragen (qualitativ):
- "Was sollte [Name] unbedingt beibehalten?"
- "In welchem Bereich könnte [Name] sich am meisten verbessern?"
- "Welche konkreten Maßnahmen würden die Zusammenarbeit verbessern?"
Durchführung & Sicherstellung der Anonymität
Ablauf:
1. Auswahl der Feedback-Geber:innen (mindestens 3 Personen):
- Bei Führungskräften: 3-6 Mitarbeitende + 1 Vorgesetzte:r
- Bei Mitarbeitenden: 1 Vorgesetzte:r (+ ggf. Kolleg:innen)
- Kritisch: Mindestens 3 Personen pro Gruppe, sonst sind Rückschlüsse auf Einzelpersonen möglich
2. Fragebogen-Versand (digital empfohlen):
- Alle Feedback-Geber:innen erhalten gleichzeitig Zugang
- Deadline setzen (typisch: 1-2 Wochen)
- Erinnerung kurz vor Deadline
3. Auswertung (extern durch HR oder Dienstleister):
- Wichtig: Nicht durch die Führungskraft selbst!
- Aggregation der Antworten (Durchschnittswerte, keine Einzelantworten)
- Visualisierung (z.B. Spider-Diagramm: Selbstbild vs. Fremdbild)
4. Ergebnisbericht erstellen:
- Klare Darstellung der Übereinstimmungen und Abweichungen
- Stärken und Entwicklungsfelder hervorheben
- Anonyme Wiedergabe der offenen Antworten
Anonymität sicherstellen:
- Mindestens 3 Feedback-Geber:innen pro Gruppe
- Externe Auswertung (HR oder Dienstleister)
- Keine Weitergabe von Rohdaten an Feedbacknehmer:in
- Online-Tools mit Anonymitäts-Garantie nutzen
- Transparente Kommunikation über Datenschutz (DSGVO-konform)
Auswertung & Ableitung von Maßnahmen
Die Auswertung der Ergebnisse ist der entscheidende Schritt – ohne konkrete Maßnahmen verpufft die Wirkung des Feedbacks.
Analyse-Schritte:
1. Selbst- vs. Fremdbild vergleichen:
- Wo stimmen die Wahrnehmungen überein? (Stärken bestätigen!)
- Wo weichen sie ab? (Entwicklungsfelder identifizieren)
- Besonders kritisch: Große Diskrepanzen (>2 Punkte auf 5er-Skala)
2. Stärken identifizieren:
- Was läuft gut und sollte beibehalten werden?
- Wo kann die Person als Vorbild wirken?
- Welche Stärken können weiter ausgebaut werden?
3. Entwicklungsfelder erkennen:
- In welchen Bereichen besteht Handlungsbedarf?
- Gibt es wiederkehrende Muster in den Rückmeldungen?
- Was sind die 1-3 wichtigsten Themen für die Entwicklung?
4. Entwicklungsplan erstellen:
- Konkrete Maßnahmen: Coaching, Training, Mentoring, Job Rotation
- Messbare Ziele: "In 6 Monaten regelmäßige Team-Meetings etabliert"
- Zeitplan: Wann soll was erreicht werden?
- Verantwortlichkeiten: Wer unterstützt? Wer kontrolliert?
5. Follow-up terminieren:
- Zwischengespräch nach 3 Monaten (Fortschritte besprechen)
- Nächstes 180 Grad Feedback nach 12 Monaten (Entwicklung messen)
Beispiel-Entwicklungsplan:
Ergänzung durch objektive Verfahren
Während das 180 Grad Feedback subjektive Wahrnehmungen von Führungskräften und Mitarbeitenden erfasst, können objektive Eignungsdiagnostik-Verfahren diese Erkenntnisse sinnvoll ergänzen. Die digitale Plattform Aivy nutzt beispielsweise wissenschaftlich validierte Game-Based Assessments und psychometrische Tests, um Kompetenzen und Potenziale objektiv zu erfassen. Diese Verfahren, entwickelt in Kooperation mit der Freien Universität Berlin, reduzieren Subjektivität und unbewusste Vorurteile – ein Ansatz, der auch bei Feedback-Prozessen helfen kann, systematische Verzerrungen zu minimieren. Über 100.000 durchgeführte Assessments zeigen, dass objektive Verfahren die Treffsicherheit von Personalentscheidungen deutlich erhöhen können.
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Häufige Fragen zum 180 Grad Feedback
Was ist der Unterschied zwischen 180 und 360 Grad Feedback?
Beim 180 Grad Feedback erhältst du Rückmeldungen aus zwei Perspektiven: deine eigene Selbsteinschätzung und die Fremdeinschätzung durch deine Führungskraft oder deine Mitarbeitenden. Das 360 Grad Feedback geht weiter und bezieht zusätzlich Kolleg:innen, Kund:innen und andere externe Stakeholder ein, was eine Rundum-Perspektive ermöglicht. Das 180 Grad Feedback ist weniger aufwändig, fokussierter und schneller umsetzbar, während das 360 Grad Feedback umfassendere, aber auch zeit- und ressourcenintensivere Erkenntnisse liefert. Als Faustregel gilt: 180 Grad eignet sich für die mittlere Führungsebene, 360 Grad für Top-Management mit vielen Schnittstellen.
Für wen eignet sich 180 Grad Feedback?
Das 180 Grad Feedback eignet sich besonders für Führungskräfte mit direktem Vorgesetzten auf der unteren bis mittleren Management-Ebene, da es die vertikale Beziehung (oben-unten) im Unternehmen abbildet. Auch angehende Führungskräfte (High Potentials) profitieren von dieser Methode zur Vorbereitung auf künftige Führungsaufgaben. Mitarbeitende in Schlüsselpositionen mit direktem Kontakt zu Führungskraft und Team können ebenfalls wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Zudem ist es ideal für Unternehmen, die eine Feedback-Kultur aufbauen wollen und einen niedrigschwelligen Einstieg vor der Einführung des 360 Grad Feedbacks suchen.
Wie oft sollte man 180 Grad Feedback durchführen?
Die Empfehlung liegt bei ein bis zwei Mal pro Jahr. Zu häufiges Feedback führt zu Ermüdung und sinkendem Engagement, während zu seltenes Feedback keine nachhaltige Entwicklung ermöglicht. Idealerweise sollte das erste Feedback nach etwa sechs Monaten in einer neuen Führungsrolle stattfinden. Regelmäßig kann es dann jährlich im Rahmen des Performance Reviews durchgeführt werden. Anlassbezogen macht Feedback auch Sinn bei Veränderungen wie neuen Rollen, Umstrukturierungen oder Konflikten. Entscheidend ist: Kontinuität statt Einmal-Aktionen – nur durch regelmäßige Wiederholung lässt sich Entwicklung messen.
Wie stelle ich Anonymität beim Feedback sicher?
Anonymität ist entscheidend für ehrliche Rückmeldungen. Stelle sicher, dass mindestens drei Feedback-Geber:innen pro Gruppe teilnehmen, da sonst Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich sind. Die Auswertung sollte extern durch HR oder einen Dienstleister erfolgen, niemals durch die Feedbacknehmer:in selbst. Zeige nur aggregierte Ergebnisse (Durchschnittswerte), keine Einzelantworten. Nutze Online-Tools mit garantierter Anonymitätsfunktion und kommuniziere den Prozess transparent, um Vertrauen aufzubauen. Erkläre allen Beteiligten vorab, wie ihre Daten geschützt werden und dass eine DSGVO-konforme Verarbeitung erfolgt.
Welche Fragen eignen sich für den 180 Grad Feedback-Fragebogen?
Gute Feedback-Fragen sind konkret, beobachtbar und auf relevante Kompetenzen ausgerichtet. Beispiele sind: "Vermittelt klare Ziele und Erwartungen" (Führung & Zielsetzung), "Hört aktiv zu und gibt konstruktives Feedback" (Kommunikation), "Fördert Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung" (Teamarbeit), "Erkennt Leistungen an und motiviert das Team" (Motivation), "Trifft Entscheidungen nachvollziehbar und zeitnah" (Entscheidungsfindung) und "Ist offen für Feedback und arbeitet an eigener Entwicklung" (Selbstreflexion). Das Format sollte eine Bewertungsskala von 1 bis 5 nutzen und durch zwei bis drei offene Fragen für qualitative Rückmeldungen ergänzt werden. Ein wissenschaftlich validierter Fragebogen umfasst typischerweise 30-50 Aussagen und ist in maximal 15 Minuten ausfüllbar.
Was sind die größten Fehler bei der Einführung von 180 Grad Feedback?
Häufige Fehler sind fehlende Transparenz, wenn Zweck und Ablauf nicht klar kommuniziert werden. Besonders problematisch ist die Koppelung an Gehalt oder Beförderung, da dies zu unehrlichem und defensivem Feedback führt. Eine schlechte Fragebogen-Qualität mit vagen Fragen und fehlender Validierung macht Ergebnisse wenig aussagekräftig. Ein weiterer Kardinalfehler: keine Folgemaßnahmen – Feedback verpufft, wenn keine konkreten Entwicklungspläne daraus abgeleitet werden. Mangelnde Anonymität lässt Mitarbeitende aus Angst vor Konsequenzen nicht ehrlich antworten. Zudem ist eine Einmal-Aktion ohne regelmäßige Wiederholung nutzlos, da sich Entwicklung nur über Zeit messen lässt.
Brauchen wir eine Software für 180 Grad Feedback?
Für weniger als zehn Personen ist eine Durchführung mit Excel oder Papierfragebögen möglich, aber mühsam. Ab zehn Personen ist eine Software empfehlenswert, da sie Automatisierung, Anonymität und eine komfortable Auswertung ermöglicht. Die Vorteile von Software liegen in Zeitersparnis, standardisierten Prozessen und besserer Vergleichbarkeit über mehrere Feedback-Runden hinweg. Die Kosten variieren je nach Anbieter zwischen 5 und 50 Euro pro Person und Durchgang. Alternativen sind HR-Systeme mit integriertem Feedback-Modul wie Personio, Kenjo oder SAP SuccessFactors. Für die meisten Unternehmen rechtfertigt sich die Investition schnell durch die eingesparte Zeit und die höhere Qualität der Ergebnisse.
Wie werte ich die Ergebnisse richtig aus?
Beginne mit dem Vergleich von Selbst- und Fremdbild: Wo weichen die Wahrnehmungen ab? Identifiziere dann Stärken – was läuft gut und sollte beibehalten oder ausgebaut werden? Erkenne anschließend Entwicklungsfelder: Wo gibt es Handlungsbedarf? Achte auf Muster – gibt es wiederkehrende Themen in den Rückmeldungen? Basierend darauf leitest du individuelle Entwicklungspläne ab mit konkreten Maßnahmen wie Coaching, Training oder Mentoring. Wichtig ist das Follow-up: Terminiere Fortschrittsgespräche und plane das nächste Feedback, um Entwicklung messbar zu machen. Ohne konkrete Maßnahmen und Nachverfolgung bleibt selbst das beste Feedback wirkungslos.
Fazit
Das 180 Grad Feedback ist ein bewährtes Instrument zur Führungskräfteentwicklung, das den strukturierten Abgleich von Selbst- und Fremdbild ermöglicht und gezielte Entwicklungsmaßnahmen fördert. Im Vergleich zum 360 Grad Feedback ist es ressourcenschonender, schneller umsetzbar und eignet sich besonders für Führungskräfte der mittleren Ebene sowie angehende Führungskräfte. Allerdings ist es nicht für alle Situationen die beste Wahl – Top-Management mit vielen externen Stakeholdern profitiert eher vom umfassenderen 360 Grad Feedback.
Entscheidend für den Erfolg sind eine klare Kommunikation des Zwecks (Entwicklung, nicht Kontrolle), ein wissenschaftlich validierter Fragebogen nach DIN 33430, gesicherte Anonymität durch externe Auswertung und mindestens drei Feedback-Geber:innen pro Gruppe, sowie vor allem konkrete Folgemaßnahmen mit individuellen Entwicklungsplänen. Nur wenn Feedback zu messbaren Entwicklungen führt und regelmäßig wiederholt wird, bleibt die Methode nachhaltig wirksam.
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Quellen
- What Is 180-Degree Feedback? AIHR (Academy to Innovate HR), 2024. https://www.aihr.com/hr-glossary/180-degree-feedback/
- DIN 33430 - Anforderungen an berufsbezogene Eignungsdiagnostik. Deutsches Institut für Normung, 2016. https://www.beuth.de/de/norm/din-33430/250940128
- 360-Grad-Feedback für bessere Führung. Haufe Akademie, 2024. https://www.haufe-akademie.de/blog/themen/personalentwicklung/360-grad-feedback/
- 180 Degree Feedback: How It Enhances Organizational Performance. ThriveSparrow, 2025. https://www.thrivesparrow.com/blog/180-degree-feedback
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